Liebe Gärtler,
seit einigen Jahren habe ich einen Gast aus Rumänien im Garten. Die Pflanze gefällt mir auch namenlos gut, aber ich frage jetzt anlässlich der Frühjahrs-Vorkultur in die Runde, ob sie jemand botanisch benennen kann.
Ich kann - weil technisch zu altmodisch - leider kein Bild zur Verfügung stellen. Aber vielleicht gehts mit einer Beschreibung.
Die Pflanze ist möglicherweise eine Wildform zu den verschiedenen petunia-Zuchtformen: Blätter verkehrt eiförmig, ganzrandig, unterseits stärker, oberseits leicht behaart, deutlich ausgeprägte Blattrippen. Rosettig, beim Austreiben aus der Winterrosette (die Pflanze ist ein- bis zweijährig) wechselständig. Stengel behaart. Die Pflanze verzweigt unregelmäßig, Blüten stehen in lockeren Rispen. Sie erreicht in einem locker buschigen Wuchs eine Höhe von etwa 60cm, vor einigen Jahren kam sie in meinem hängenden Garten auf einem extrem begünstigten SW-exponierten Balkon im Rheingau auch auf einen Meter. Im Habitus erinnern die Pflanzen an nicotiana, obwohl sie viel stärker verzweigen als diese.
Blüten fünflappig trichterförmig, länger (etwa 5cm), aber im Durchmesser (ebenfalls etwa 5cm) kleiner als die Zuchtformen von Petunien.
Die Pflanze macht eine große Zahl sehr feiner Samen in einer länglich-spitzen Kapselfrucht, in der gleichen Geometrie wie die Blüten. Sie öffnen sich beim Ausreifen nicht vollständig, sondern bloß so weit, dass die stattlichen, aber nicht sehr standfesten Pflanzen sie im Wind bewegt ausstreuen können - etwa vergleichbar mit der Technik, die digitalis anwendet.
Die Pflanze keimt von sich aus an den seltsamsten Stellen, etwa in den Fugen eines bis dato noch nicht entsiegelten Waschbeton-Terrässleins. Ausgewildert ist sie mir auch schon zwischen den Platten des börsengänglich verwahrlosenden Bahnhofsvorplatzes in Heidelberg begegnet. Ich nehme an, dass sie eine Liebhaberin der undeutsch warmen Oberrheinsommer ist.
Das Markanteste an der „Königin der Nacht“ (sie heißt in Rumänien umgangssprachlich so: „regina de la nuapte“, hat aber gar nichts mit selenicereus zu tun) ist: Sie ist eine Spezialistin für Nachtschmetterlinge. Öffnet die Blüten etwas vor oenothera, das unscheinbare Weiß erstrahlt im Dämmerlicht leuchtend hell, und an den wenigen heißen Tagen im Juli/August fangen die Blüten so um Sonnenuntergang an, einen schweren, süßen, intensiv vanilleartigen Duft in regelrechten Wolken zu verströmen.
Mein Schmeil/Fitschen von 1949 kennt sie nicht. Eine Deutsche ist sie sicherlich nicht; ich halte sie für eine Wildform aus dem Balkan oder aus Vorderasien, möglicherweise von osmanischen Gärtnern nach Rumänien gebracht.
Wer weiss was das für eine Pflanze ist, wo sie botanisch hingehört, wie sie richtig heißt?
Schöne Grüße
MM
