Servus Steffen,
sprichst Du von Lehm oder von Ton?
Ton = kleinste Korngröße, schmiert beim Reiben zwischen den Fingern, ist mühelos bei geringster Feuchtigkeit formbar, „saugt“ eingeschlagene Pfosten, Tomatenstecken etc. regelrecht an. Schlechte Durchlüftung, neigt zu Staunässe, gibt das aufgenommene Wasser nur ungern an die Wurzeln her. Tonböden sind oft aus Buntsandstein verwittert = kalkarm, wegen der schlechten Durchlüftung sauer. Humusbildung findet im Extrem kaum mehr statt, weil Luft und Regenwürmer fehlen.
Lehm = für die meisten Kulturen ideale Korngröße, fühlt sich beim Reiben zwischen den Fingern weniger „seifig“ an. Ideal betreffend Wasserhaushalt, Nährstoffhalte und -abgabevermögen, Durchlüftung. Problem kann, vor allem bei Lehm von Keuperverwitterung, der „Minutenboden“ sein: Bearbeitung ist zwischen Schmiererei und kaum krümelnden Blöcken nur „ein paar Minuten lang“ zwischen Regen und Trockenheit möglich.
Lehm kann im Garten durch Gehen und zu intensive mechanische Bearbeitung (Umgraben, Hacken) verdichtet sein. Hier hilft ziemlich zügig eine ordentliche Durchwurzelung: Alles, wo grad nichts drauf steht, unter Phacelia nehmen. Zu Beobachten etwa auf den Zuckerrübenfeldern Südniedersachsens, wo Böden, die zu den top five Deutschlands gehören, durch die Vollernte-Panzer im Vorgewende ruiniert sind. Die lassen sich allein mit Phacelia, eventuell Roggen über Winter (falls es viel regnet) und ein wenig Aufkalken zum besseren Krümeln reparieren.
Ton ist ein Problem, das lange Jahre dauert. (Franzosen würden von einer „Benediktinerarbeit“ sprechen). Man kann mit Einbringen von Sand mechanisch zu helfen versuchen. Dagegen spricht, dass bei vorübergehend verbesserter Durchlüftung das bissel Humus, das da ist, schnell „verbrennt“ und die Sache nachher schlechter als vorher ist.
In meiner Ziegelei, die durch jahrelange ausschließliche Mineraldüngung und unter Rasen (noch ordentlich Moosvernichter und ähnliche Nettigkeiten draufgebolzt) gänzlich verarmt war, habe ich jetzt nach vier Jahren allererste kleine Erfolge mit:
- Aufkalken und Mulchen zur Förderung von Regenwurmbesatz und Krümelstruktur
- Ackerbohnen: die kommen überall durch und hinterlassen ein ordentliches Wurzelwerk einschließlich dem zur Humusbildung notwendigen Stickstoff
- Jährlich ein Stück weiter verschobene Kleewege zwischen den Beeten: Weißklee in Rindenmulch eingesät, aufgekalkt, nach einem Jahr untergegraben
- Hackfrüchte: Kartoffeln, Buschbohnen
und im übrigen Anpassung der Kulturen. Rote Beete, Rettiche, Steckrüben, Rucola kommen u.a. recht gut klar damit. Auch Zuckermais und überraschenderweise Paprika.
Schöne Grüße
MM