Maikäfer, Artenschutz, Glühwürmchen, Generationen
Hallo Tommy,
hierzu
Gibt es denn Maikäferplagen heutzutage wirklich noch ? á la
Heuschreckenplage, die wirklich Schäden anrichten ?
eine Nachricht aus 2002:
http://www.bergstrasse.de/aktuelles/0205/02a.html
Zu gelassen bedeutet für mich nicht, dass ich den
Einsatz solcher Mittel auch gelassen hinnehme.
Hier eröffnest Du ein weites Feld. Worauf bezieht sich Deine Sorge vor allem?
Aber Linden und Eichen im Mischwald, die beide kurzerhand
krepieren, wenn sie im geeigneten Alter kahlgefressen sind:
Kannst du mir mal ein Beispiel nennen, wann Maikäfer
Mischwälder kahlgefressen haben?
Im in obiger Nachricht beschriebenen Gebiet sahs streckenweise ziemlich verheerend aus. Der Verlauf des 02er Sommers hat dann allerdings das Ärgste geheilt.
Dafür lohnt es sich schon, ein wenig die Pyrethrum- oder
wasauchimmer-Keule zu schwingen.
Vor allem „was-auch-immer“ klingt bedenklich
Ich habe den Begriff als Joker benutzt, weil die technische Entwicklung angesichts ständig enger werdender Zulassungsvoraussetzungen ziemlich schnell vorwärts geht.
Ein nicht mehr ganz junger Klassiker heißt Dimethoat:
http://www.waldportal.org/aktuell/news/news.heim.200…
Aber doch nicht wegen der Maikäfer ! Vielleicht wegen
Forstwirtschaft oder Saurem Regen oder so.
Da hat es verschiedenste Gründe und Anlässe. Der überraschendste ist, dass die robust anzuschauenden Riesen vor allem in höherem Alter überaus empfindlich auf Bodenverdichtungen reagieren. Einige prächtige etwa 150jährige Eichen hab ich bei Altshausen absterben sehen, als neben der Landstraße ein Fahrradweg angelegt wurde: Die Verdichtung des Unterbaus zum Asphaltieren, keinen Meter breit, reichte aus, um ihnen hinüberzuhelfen.
Die Forstwirtschaft, soweit nicht auf (schlechte) Erträge aus Fichtenschwachholz orientiert - kommt heute fast bloß noch bei Bauernwald vor - ist von Eichenbeständen in der Regel recht begeistert. Im Pfälzerwald bin ich erstmals großflächigen systematischen Pflanzungen von Eichen begegnet.
Und über diesen Bogen wieder zum Maikäferthema (er heißt auf Schwäbisch Moiagägge, das ist richtig):
Mal im Ernst: Du sprichst von früheren Generationen, oder?
Heute sind ziemlich viele Tiere weniger häufig, als sie vor zwei-drei Generationen noch waren. Teils hat das, dass man sie weniger sieht, aber auch mit anderen Lebensgewohnheiten zu tun - man ist weniger bei Nacht zu Fuß unterwegs, und so entsteht leicht der Eindruck, es gäbe z.B. fast keine Igel und Schleiereulen mehr. Man ist insgesamt (außer wandernderweise) weniger zu Fuß in der Feldmark unterwegs, so dass man leicht glauben könnte, die großflächige Begasung der Fuchsbauten in den 1960er Jahren - damals zur Tollwutprophylaxe - hätte die Bestände für die Art gefährdend zusammenschrumpfen lassen.
Die Lebensräume für Nachtigallen liegen heute ein bissel von den gewohnten Wegen ab, so dass man auch diese für etwas „von früher“ halten könnte. In Hochheim gabs eine, die von unserem Balkon aus hörbar alljährlich mitten auf der Autobahnbrezel sang - für die Vorbeifahrenden sicherlich nicht hörbar. Kartoffelkäfer hab ich nicht mehr, wie meine Vorfahren, zu Hunderten im Garten, sondern bloß noch halbdutzendweise (glaube, dass in dem etwas anarchistischen Garten auch einige Helfer brüten, denen der Colorado ganz gut schmeckt).
Bloß paar Beispiele.
Regelrecht nach Maikäfern graben tu ich auch nicht, aber beim Umgraben sind mir Engerlinge je nach Jahr schon dutzendweise entgegengepurzelt.
In der Tat ist der subjektive Eindruck, der entsteht, wenn man unter so einer rasselnden knisternden Eiche (z.B.) oder in einem dito Obstgarten steht, ein besonderes sinnliches Erlebnis, das in dieser Form ziemlich selten geworden ist. Ich müsste rechnen, denke es war tatsächlich eine Generation vorher, irgendwann zwischen 1971 und 1975, dass ich die Kerle bei der Arbeit gesehen und gehört habe - nicht bloß die hinterlassenen Gerippe.
Nicht, dass ich sie nicht mag, aber für besonders schutzwürdig im Sinn der Erhaltung der Art kann man Maikäfer nicht betrachten.
Schöne Grüße
MM