Servus Jonas,
„das kommt drauf an“.
Was jetzt kommt, kommt nicht aus eigener Erfahrung - vielleicht erzählt Fritz a.d.Uw. noch richtig Erprobtes - er hat kleine paar Jährlein Zeit gehabt, viel zu erproben, und auch den nötigen Wunderfitz dazu.
Generell ist Steinobst auf diese Art von Verjüngungsschnitten sehr empfindlich. Bei Sauerkirschen und Pfirsichen gehts gar nicht, bei Süßkirschen relativ gut, Zwetschen dürften sich dazwischen bewegen. Die Risiken sind (1) besenartiges Verwachsen des Baumes und (2) Gummifluss.
Wenn der Baum im Kern eine schön in die Waagerechte erzogene Krone zeigt, und bloß darüber hinaus gewuchert ist, kann das innert etwa drei-vier Jahren in Etappen gehen.
Ich täte versuchen, zuerst den Baum ziemlich hell zu schneiden, ohne ihm Leitäste wegzunehmen. Im nächsten Jahr die nach oben hinausgetriebenen Leitäste bis auf die ursprüngliche Krone abzuwerfen. In den folgenden Jahren den dann heftig frisch austreibenden Baum zu beruhigen mit neuer Formierung von Leit- und Fruchtholz mit Sommerschnitt im August (gibt einen ruhigeren Baum).
Die beschriebenen ersten schwereren Einschnitte sollten gegen Ende der Winterruhe, je nach Klima vielleicht Ende Februar, Anfang März, stattfinden.
Wenn der Baum eine „zwetschgengemäße“ in die Senkrechte weisende, wenig formierte Krone zeigt, täte ich ihm schrittweise alle Leitäste außer der Stammverlängerung um höchstens einen Drittel pro Winterschnitt zurücknehmen. Dabei, falls nötig, auf drei Leitäste pro Ebene in zwei, höchstens drei Ebenen begrenzen, alles andere weg. Sonst ist zu wenig Licht in der Krone und das Ganze verwächst zu einem Besen. Die dann schnell auftretenden Seitentriebe als neue Leittriebe stehen lassen. Zuletzt, wenn die sich bereits etwas kräftiger und dominierender zeigen, die Stammverlängerung abwerfen, auch hier nicht mehr als einen Drittel auf einmal, lieber weniger als mehr. In dieser Verjüngungsphase immer drauf achten, dass sehr viel Licht in der Krone ist (wirkt bremsend auf Wasserschosse).
Das ist jetzt alles blanke Theorie und ein bissel subjektives Empfinden, wie sich der Baum verhalten könnte. Praktische Vorbilder siehst Du überall dort, wo Süßkirschen im großen Maßstab auf Hochstämmen gezogen werden: Da werden die Kronen häufig auf die Hälfte von dem beschränkt, was sie von sich aus täten. Charakteristisch sind die seltsam abstrakt gewinkelt in die Waagerechte abknickenden Leitäste: Die sind allesamt so entstanden, dass man einen zuerst in spitzem Winkel angesetzten Leitast einkürzt, und dann einen Seitentrieb des Folgejahres zum neuen Leitast auswählt.
Schöne Grüße
MM