Wann Bäume schneiden?

Guten Tag in die Runde!
Ich möchte wissen wann ich meine Bäume, einen Apfelbaum und einen Pflaumenbaum beschneiden muss. Sagt mir das bitte mal jemand?

Außerdem sind beide im Frühjahr so sehr von Blattläusen befallen gewesen, dass sich die Blätter zum Teil ‚gekringelt‘ haben - wie vermeide ich das im nächsten Jahr? Hatte schon Leimringe drumgebunden und später sogar zu Gift gegriffen, allerdings sehr ungern, aber die Bäume taten mir leid.

Darf ich noch eine dritte Frage stellen, bitte?
Wie kommen eigentlich die Würmer in die Früchte? Hat das mit den Blattläusen zu tun?
Es war bei den Äpfeln dieses Jahr sehr schlimm, auch bei meinen Nachbarn.
Legt ein fliegendes Insekt Eier in die Knospe oder die Frucht, oder krabbelt der Wurm selbst hinein?

Bißchen viel Fragerei, ich weiß, aber vielleicht hat einer von Euch ein bißchen Zeit und Geduld es mir mal zu erklären.

Vielen Dank im voraus und nette Grüße
von Karen

Hallo Karen,

Im zeitigen Frühjahr

Die jungen Obstbäume (Hochstämme) werden im zeitigen Frühjahr geschnitten, Sollen Hochstämme ein starkes Zweiggerüst bekommen, kann dies durch einen mäßigen Rückschnitt in den ersten Jahren nach der Pflanzung (etwa 1/3 des letztjährigen Zuwachses) erreicht werden.

Nicht bei Frost schneiden

Der Pflegeschnitt im zeitigen Frühjahr, der meist Winterschnitt genannt wird, hat den Vorteil, dass keine starken Fröste die angeschnittenen Zweige schädigen können und die Wundheilung schneller erfolgen kann. Bei Minustemperaturen sollte sowieso nicht geschnitten werden, ab März bei milden Temperaturen ist es auch angenehmer.

Für ältere Bäume, die bereits tragen, ist auch ein Pflegeschnitt zur Blütezeit oder der Sommerschnitt geeignet. Da können je nach Fruchtansatz zur Blütezeit oder auch mitten im Sommer mehr oder weniger Zweige und ganze Äste herausgeschnitten werden. Besonders zu stark wachsende Bäume werden so etwas gebremst.

Den absolut richtigen Zeitpunkt für den Obstbaumschnitt schlechthin gibt es nicht, denn man kann Obstbäume während der ganzen Vegetationsperiode schneiden.

Dabei kommt es immer darauf an, was beabsichtigt wird. Soll der junge Baum kräftige Triebe schieben, schneidet man im unbelaubten Zustand die Zweige an, wie z. B. bei jungen Hochstämmen oder beim Pflanzschnitt.


Schädlinge

Der Apfelwickler
Der Wurm im Apfel ist eigentlich die Raupe eines Falters, der Apfelwickler heißt. Auf der ganzen Welt richtet dieses Insekt große Schäden an Apfel-, Birnen- und Walnussbäumen an. Aus den kleinen Eiern entwickeln sich die Raupen, die sich durch das Fruchtfleisch bis zum Kerngehäuse fressen. Ihren Kot legen sie im Apfel ab. Leider wechseln sie auch gern von einem Apfel zum anderen. Sie überwintern zwischen Laub und Moos.

Der Apfelblütenstecher
Der Apfelblütenstecher gehört zur Familie der Rüsselkäfer. Sein Mundwerkzeug sitzt am rüsselförmig verlängerten Kopf. Er frisst sowohl an Birnen- als auch an Apfelknospen und überwintert oft unter der Baumrinde. Bereits im März fliegt er zu den Obstbäumen. Das Weibchen bohrt mit seinem Rüssel ein Loch in die Blütenknospen und legt in jede Knospe ein Ei. Aus diesem Ei entwickelt sich eine Larve, die alle inneren Knospenteile verspeist. Daher sterben die Blütenblätter ab und somit kann sich auch keine Frucht bilden.

Die Apfelsägewespe
Die Larve der Apfelsägewespe frisst sich durch die jungen, erst haselnussgroßen Früchte, die dann bald abfallen. Das Innere ist meistens völlig ausgefressen, die Höhle mit Kot gefüllt.

mehr dazu hier:
http://www.fh-weihenstephan.de/fgw/wissenspool/infos…

Gruß Finus

Danke, Finus

für diese ausführliche Antwort und den Hinweis auf den link, auch eine sehr interessante Seite.

Ich werde Deinem Rat folgen und grüße Dich freundlichst
Karen

Guten Tag in die Runde!
Ich möchte wissen wann ich meine Bäume, einen Apfelbaum und
einen Pflaumenbaum beschneiden muss. Sagt mir das bitte mal
jemand?

Hallo,

das kommt ganz darauf an, was du mit dem Schnitt bezwecken willst! Grundsätzlich ist es das ganze Jahr über möglich Baüme zu schneiden, abgesehen von der frostigen Zeit, in der man mit Temperaturen unter -5 Grad rechnen muß.

Sollen die Bäume im nächsten Jahr treiben, um möglicherweise eine Krone aufzubauen, ist der richtige Zeitpunkt August bis in das zeitige Frühjahr hinein. Dabei ist der Austrieb um so stärker, je später man mit dem Schnitt in den Herbst reinkommt.

Sehen die Bäume eh aus wie die Besen, und haben reichlich „Wasserschosser“ schneidet man besser im Sommer!

Das hängt folgendermaßen zusammen:

Stell dir den Baum als eine Waage vor:
auf der einen Seite die Wurzelmasse und auf der anderen Seite die Kronenmasse. Beide stehen in etwa in einem Verhältnis 1:1. D.h. die Wurzelmasse ist genau „berechnet“ für die Versorgung der vorhandenen Kronenmasse. Wenn man nun im Herbst (nach dem Johannitrieb) einen Teil der Kronenmasse wegnimmt, baut der Baum auch entsprechend Wurzelmasse ab! Je früher der Schnitt, desto eher gelingt es dem Baum noch im selben Jahr den Ausgleich herzustellen. Das bedeutet, das der Baum im nächsten Frühjahr nicht so stark treibt. Hat der Baum dagegen keine Gelegenheit dazu(Schnitt in Herbst, Winter, Frühjahr) liefert die Wurzelmasse den Saft für die „Menge Krone“ die der Baum zuletzt in der Vegetationsphase gehabt hat. Die Folge: sog. „schlafende Augen“ brechen auf und es bilden sich neue Triebe. Die kann man dann im Sommer so ziehen, wie man sie braucht. Oder man kann selektieren und sucht sich die besten Triebe aus um sie für den jeweiligen Zweck zu verwenden.

Viel Spaß und Erfolg

Henning Fischer

`n Abend Karen,

zum Thema Baumschnitt gibt es ein kleines wohlfeiles Büchlein

Obstbaumschnitt in Bildern. Kernobst - Steinobst - Beerensträucher.
von Hans Walter Riess
ISBN 3875960459 Buch anschauen

das kaum eine Frage offen läßt, trotz (oder wegen?!) seiner kompakten Ausmaße. Zudem sind die 4,6o € ein sehr bescheidener Preis für das was Du dafür erhälst.

Gandalf

Vielen Dank, Gandalf & Henning
Hallo Henning, vielen Dank für diese ausführlichen Erläuterungen.

Das hängt folgendermaßen zusammen:

Stell dir den Baum als eine Waage vor:
auf der einen Seite die Wurzelmasse und auf der anderen Seite
die Kronenmasse. Beide stehen in etwa in einem Verhältnis 1:1.
D.h. die Wurzelmasse ist genau „berechnet“ für die Versorgung
der vorhandenen Kronenmasse. Wenn man nun im Herbst (nach dem
Johannitrieb) einen Teil der Kronenmasse wegnimmt, baut der
Baum auch entsprechend Wurzelmasse ab! Je früher der Schnitt,
desto eher gelingt es dem Baum noch im selben Jahr den
Ausgleich herzustellen. Das bedeutet, das der Baum im nächsten
Frühjahr nicht so stark treibt. Hat der Baum dagegen keine
Gelegenheit dazu(Schnitt in Herbst, Winter, Frühjahr) liefert
die Wurzelmasse den Saft für die „Menge Krone“ die der Baum
zuletzt in der Vegetationsphase gehabt hat. Die Folge: sog.
„schlafende Augen“ brechen auf und es bilden sich neue Triebe.
Die kann man dann im Sommer so ziehen, wie man sie braucht.
Oder man kann selektieren und sucht sich die besten Triebe aus
um sie für den jeweiligen Zweck zu verwenden.

Das ist ja äußerst interessant und Du hast es so bildhaft erklärt,
nochmals vielen Dank.

Nette Grüße
Karen