F1 Hybriden | F1-Saatgut | Woraus gewinnt man das?

Hallo zusammen,

meine Schulzeit ist schon zu lange her und irgendwie stehe ich trotz Wikipedia auf dem Schlauch.
F1-Hybriden bezeichnet ja die Nachkommen von zwei reinerbigen Eltern, die sich in einem Merkmal unterscheiden: Z.B. eine Pflanze mit roten Blüten und eine mit weißen Blüten würde dann in der F1-Generation Pflanzen mit rosa Blüten hervorbringen.

Meine Frage nun:
Wenn man F1-Samen kauft - von welchen Pflanzen wurden die gewonnen? Ich dachte, dass die Samen der F1-Generation selbst doch eigentlich insofern nicht brauchbar seien, als dass die sich in der F2-Generation wieder 1:2:1 aufspalten würden…

Hallo,

Meine Frage nun:
Wenn man F1-Samen kauft - von welchen Pflanzen wurden die
gewonnen?

Ich weiß jetzt nicht, was „F1-Samen“ meint:

die Samen, aus denen die F1 hervorgeht (auswächst), also die Samen selbst SIND F1 oder aber

die Samen, die von F1-Pflanzen stammen, aus denen also dann die F2 hervorgeht (also die Samen selbst SIND F2)

?

Im ersten Falle erhält man die Samen natürlich aus den reinerbigen „Parental“-Pflanzen, im zweiten Falle aus den F1-Hybriden.

Ich dachte, dass die Samen der F1-Generation selbst
doch eigentlich insofern nicht brauchbar seien, als dass die
sich in der F2-Generation wieder 1:2:1 aufspalten würden…

Nuja, was heißt „unbrauchbar“? - man bekommt ja immer noch 50% Hybriden raus. Selten aber sind die F1 schon unfruchtbar. Dann taugen sie natürlich nichts für die Samen-Produktion :smile:

LG
Jochen

Hallo Jochen, vielen Dank für die schnelle und Klarheit schaffende Antwort.
In der Zwischenzeit habe ich auch nochmal in den guten alten Linder geschaut und festgestellt, wo mein Brett vorm Kopf war.
Ich bin immer davon ausgegangen, dass F1 bedeutet, dass es sich um Samen VON der F1-Generation handelt. Aber das war der Denkfehler; sie selbst SIND F1.
Vielen Dank!

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Noch eine Folge-Frage:
Wie kann man erfahren, aus welchen Pflanzen das F1-Saatgut gemacht wird, also wer die Parentalgeneration des gekauften Saatgutes ist? Gibt es sowas wie ein allgemeines Sortenverzeichnis?

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Noch eine Folge-Frage:

Da habe ich keine Ahnung. Vielleicht mal einen Gärtner fragen oder auch im Brett Garten&amp:stuck_out_tongue_winking_eye:flanzen.

LG
Jochen

[Anmerkung des Teams: Artikel wurde aus „Biologie“ nachträglich in „Garten und Pflanzen“ verschoben]

Hallo inbox,

also, um mal für Aufklärung zu sorgen.

Zwei homozygote Elternlinien (Parentalgeneration: Elterngenotypen P1 und P2) werden gekreuzt. Es entsteht F1-Saatgut, das geerntet und verkauft wird. Aus dem F1-Saatgut entstehen die F1-Pflanzen, die sich ja meist durch den sogenannten Heterosiseffekt, nämlich eine besonders hohe Leistung auszeichnen. Selbstet man nun die F1-Pflanzen, dann entsteht F2-Saatgut. F2-Pflanzen spalten dann wie bereits geschrieben wurde für jedes monogene Merkmal 1:2:1 auf. Bei Blütenfarben sieht man das besonders gut. Auch die Wuchshöhe variiert dann meist in der F2, ist aber nicht monogen sondern meist durch mehrere Gene vererbt.

Da die Herstellung von F1-Saatgut für den Züchter meist sehr viel aufwendiger ist, als Saatgut einfach durch Vermehrung homozygoter Linien herzustellen, will er natürlich einen höheren Preis für Hybridsaatgut. Besonders weit durchgesetzt hat sich das System beim Mais, da gibt es praktisch nur noch Hybriden, denn die Landwirte haben den Ertragsvorteil der Hybriden gegenüber anderen Sortentypen schätzen gelernt und sind dafür bereit, den höheren Preis für das Saatgut zu bezahlen.

Ähnlich ist es mittlerweile bei einigen gärtnerischen Kulturpflanzen, aber da bin ich nicht so bewandert in der Züchtung und Vermarktung.

Jedenfalls muß ein Maiszüchter beim Bundessortenamt durchaus angeben, welches die Elternlinien sind. An die kommt aber ein anderer natürlich nicht dran, da der ja dann die Hybride „nachbauen“ könnte. Und das würde natürlich verhindern, daß der Züchter seine Kosten für die Entwicklung einer Sorte (die schon mal im Bereich von 1-5 Mio. Euro liegen können) reinholen könnte.

Schönen Sonntag noch
Eva

Hallo Eva,
vielen Dank für die gut erklärte Auffrischung meines Abiturwissens. Stimmt, es wäre ja für die Züchter blöd, die Elternpflanzen preiszugeben.
Hatte mich nur gefragt, inwieweit meine aus F1-Samen gezogenen Geranien leistungsfähiger sein werden als ihre Eltern und wie diese wohl aussahen… :wink:
F2-Saatgut habe ich von diversen Pflanzen und werde einfach mal ausprobieren, was sich da „herausmendelt“.
Vielen vielen Dank und auch einen schönen Sonntag!

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Servus,

die höhere Leistungsfähigkeit von F1-Hybriden, die übrigens bei Tieren fast noch ausgeprägter ist als in der Botanik, heißt (weiterführend) Heterosis.

Trotz aller Fortschritte in der Genetik wird daran heute noch genauso gerätselt wie 1983, als ich beim Schweinepapst Glodek darüber gehört habe. Es gibt allerlei Hypothesen dazu, aber es gibt noch keine schlüssige und nachgewiesene Erklärung. Man weiß bloß, dass Heterosis funktioniert. Übrigens nicht bloß bei Inzuchtlinien, sondern - das ist besonders verblüffend daran - in der Tierzucht bereits bei Rassen, die vor allem phänotypisch weit voneinander entfernt liegen, z.B. Schwarzbunt x Jersey oder Charolais x Höhenvieh bei Rindern oder Pietrain x DL bei Schweinen, und von deren genotypischer Differenzierung gar nicht so viel bekannt ist.

Einen Ausblick in Hybridisierung in der Tierzucht - meines Wissens die einzige, die wissenschaftlich fundiert und mehr oder weniger öffentlich läuft - bietet das BHZP:

http://www.bhzp.de/

Zum Heterosis-Effekt gehört auch, dass die F2 regelmäßig sehr wenig vital und in den klassischen Leistungsmerkmalen bei Kulturpflanzen und Vieh armselig ist. Bei Kulturpflanzen geht das bis zur Unfruchtbarkeit in F2.

Schöne Grüße

MM

Hallo Martin,

ja da hast du Recht - die Grundlagen der Heterosis sind noch nicht gut verstanden. Bei so einem hochkomplexen Phänomen ist das auch nicht ganz einfach. Derzeit gibt es ein Schwerpunktprogramm der DFG zu diesem Thema bei Pflanzen. Man kann nur gespannt sein, welche Erkenntnisse es bringt. Vieles spielt sich wohl auf der Ebene der Genregulation ab.

Zum Heterosis-Effekt gehört auch, dass die F2 regelmäßig sehr
wenig vital und in den klassischen Leistungsmerkmalen bei
Kulturpflanzen und Vieh armselig ist. Bei Kulturpflanzen geht
das bis zur Unfruchtbarkeit in F2.

Kannst du mir da ein Beispiel für die Unfruchtbarkeit der F2 in Kulturpflanzen nennen? Heterosis ist ja definiert als die Mehrleistung der F1 gegenüber dem Mittel der beiden Eltern (sogenannte Midparent-Heterosis). Viele Fälle in der Forschung zeigen, daß die F2 dann noch die halbe Mehrleistung im Vergleich zur F1 hat, zumindest bei Pflanzen.

In der Regel ist ein gewisses Maß an genetischer Distanz zwischen den Eltern erforderlich um eine möglichst hohe Hybridleistung zu bekommen. Deshalb wird ja zum Beispiel im Mais mit den unterschiedlichen Genpools gearbeitet. Bei Tieren kenne ich mich nicht aus, aber da dürfte es ähnlich sein.

Viele Grüße
Eva

Servus,

Kannst du mir da ein Beispiel für die Unfruchtbarkeit der F2
in Kulturpflanzen nennen?

Ob es sich dabei um Unfruchtbarkeit im Wortsinn handelt, oder bloß um so weit verminderte Vitalität der Keimlinge, dass das unter „Alltagsbedingungen“ aufs gleiche hinausläuft, weiß ich nicht - und klar gehts dabei bereits um die Samen von F1 (und natürlich nicht von F2, wie ich in meiner kindlichen Einfalt schrieb). Mit diesen Einschränkungen kenn ich die als Beispiele aus meinem Revier die handelsüblichen Hybriden von Capsicum annuum und Solanum melongena, es dürfte sich aber auch sonst noch allerhand Gemüse herumtreiben, dem das so ähnlich geht.

– Bei Tieren ist Hybridisierung bissel schwieriger als bei Pflanzen, weil die letzten Glieder der Inzuchtlinien bei Huhn, Schwein, Pute bloß unter sehr guten Bedingungen und hie und da gar nicht lebensfähig sind. Da wirds dann besonders spannend, wenn man sich mit Gebrauchskreuzungen (= Kreuzungen von Elterntieren aus Reinzuchtlinien von relativ weit entfernten Rassen, sowas wie Jersey x Charolais) hilft und damit auch schon ohne eigentliche Inzucht sehr gute Leistungen in F1 und ziemlich Zufälliges in F2 bekommt. Ich entsinne mich vage, dass dieser Effekt bei Reinzucht-, nicht Inzuchtlinien nicht besonders plausibel zu einigen sonst einleuchtenden Erklärungsansätzen passt. Aber mehr als ein vager Abglanz ist das nicht…

Schöne Grüße

MM

Servus Martin,

Kannst du mir da ein Beispiel für die Unfruchtbarkeit der F2
in Kulturpflanzen nennen?

Ob es sich dabei um Unfruchtbarkeit im Wortsinn handelt, oder
bloß um so weit verminderte Vitalität der Keimlinge, dass das
unter „Alltagsbedingungen“ aufs gleiche hinausläuft, weiß ich
nicht - und klar gehts dabei bereits um die Samen von F1 (und
natürlich nicht von F2, wie ich in meiner kindlichen Einfalt
schrieb).

Das sei verziehen :wink:

Mit diesen Einschränkungen kenn ich die als
Beispiele aus meinem Revier die handelsüblichen Hybriden von
Capsicum annuum und Solanum melongena, es dürfte sich aber
auch sonst noch allerhand Gemüse herumtreiben, dem das so
ähnlich geht.

Hm, ohne nun wirklich viel eigene gärtnerische Erfahrung zu haben (außer ein wenig im Hobbybereich) - so haben meine Besuche bei Gemüsezüchtern (und ich meine Züchter, nicht Anbauer) doch eher die Erfahrung bestärkt, daß für den Hausgebrauch (in Bau- und Gartenmärkten erhältlich) meist nicht Saatgut erster Güte verkauft wird. Da sind die Keimraten schon mal wegen unsachgemäßer Lagerung oder eben weil die schlechteren Chargen päckchenweise an Privatleute und nicht Sackweise an Erwerbsgartenbauer verkauft werden eher niedrig. Die Erwerbsgärtner würden den Züchtern auch kräftig auf die Zehen treten, wenn sie Keimraten unter 30% hätten - so wie mein Vater sie in seinem Kleingarten oft hat. Das muß nicht die einzige Erklärung sein, spielt aber manchmal mit eine Rolle. Ich würde das nicht primär darauf schieben, daß es sich um Hybriden handelt.

Wünsche eine erfolg- und ertragreiche Gartensaison allerseits :smile:
Eva