meine Roma-Tomate hat nun neue Seitentriebe bekommen, die eine Krone haben und auch Blüten. Es sind aber gleich zwei. Lasse ich die beide nun wachsen oder muss ich wohl oder übel einen Zweig komplett abmachen?
Bei meinen anderen Tomaten habe ich gesehen, dass dort auch Seitentriebe kommen, die Blüten und Krone haben. Bei denen gilt das gleiche, was mache ich damit?
Hi,
Na das mit dem Ausgeizen ist wie eine Religion.
Am besten du kümmerst dich nicht darum und läßt alle stehen.
Den wenigsten Sorten tut es gut wenn ausgegeizt wird.
Die Früchte werden allerdings größer wenn du Blätter und Nebentriebe weggibst, der Geschmack wird besser wenn du möglichst viel Grünzeug dranlässt. Durch Nebentriebe erhältst du insgesamt mehr Grün und mehr Früchte, allerdings keine ohne Geschmackstoff möglichst groß aufgepumpten Tomaten
Einmal ist es bei Freilandtomaten wichtig, daß sie nach Regen schnell abtrocknen, wegen Phytophtora und anderen Nettigkeiten (ich find die ganzen monströsen Plastikkonstruktionen in Liebhabergärten eher widerwärtig).
Dann sind Tomaten wie San Marzano bloß knapp für unser Klima geeignet, es geht ihnen besser, wenn sie nicht gar so buschig dastehen - die Besonnung ist in D weniger intensiv als die, für die sie gebaut sind. Wenn man sie frei aufwachsen lässt, machen San Marzano besonders bei guter oder zu guter Kaliversorgung stämmige, sehr dichte Büsche, die im deutschen Klima ziemlich anfällig für alle möglichen Pilzerkrankungen sind, und für die die Sonneneinstrahlung nicht ausreicht. Daher das Ausgeizen.
Wenn aber der Haupttrieb sich teilt, wäre es nicht besonders günstig, einen von beiden zu kappen: Das regt das Wachstum der Geiztriebe in den Blattachseln umso mehr an. Die Tomate drückt dann ihre Assimilate in die Bildung von Stengel- und Blattmasse, die eigentlich besser bei der Blüten- und Fruchtbildung aufgehoben wären.
Da kommts jetzt drauf an, wie Du die Tomaten ziehst. Ich habe recht gute Erfahrungen mit einer Art „Spaliererziehung“ in Hauptwindrichtung: Bloß einen Tomatenstecken am Anfang und am Ende der Reihe, jeweils drei Spanplattenschrauben auf 40 - 80 - 120 cm Höhe reingespaxt, daran 0,5 mm verzinkten Draht gezogen, an dem an den einzelnen Stöcken Bambusstäbe oder lange gerade Haselstecken „vertäut“ sind. Insbesondere wuchsfreudige, hohe Sorten wie De Berao und Große Paprikaförmige, aber auch den Wildformen nahe stehende wie Celsior und Cerise, kann man auf diese Weise mehrtriebig ziehen: Da kriegen die einzelnen Stöcke dann einen Stab senkrecht und einen oder zwei schräg ableitend, so daß man auch zwei oder drei Trieben genug Licht und Luft geben kann.