Steckrüben statt Kartoffeln

Hallo,

jeder hat im Zusammenhang mit dem Ersten Weltkrieg sicher schon vom Steckrübenwinter gehört.

Kartoffeln sind doch (auch) eine relativ problemlos anzubauendes Lebensmittel. Wenn es Steckrüben gab, warum gab es keine Kartoffeln?

Grüße
Carsten

Hallo Carsten,

jeder hat im Zusammenhang mit dem Ersten Weltkrieg sicher
schon vom Steckrübenwinter gehört.

Kartoffeln sind doch (auch) eine relativ problemlos
anzubauendes Lebensmittel. Wenn es Steckrüben gab, warum gab
es keine Kartoffeln?

es gab Kartoffeln, es gab auch Weizen und jede andere in Mitteleuropa anbaufähige Feldfrucht

aaaaber!!! zu teuer und zu wenig, Transportwege zusammengebrochen, bzw. Transporteure (Menschen&Tiere) im Krieg geblieben, Fremdmächte auf Beutezug, Kriegsschäden auf Feldfluren, bzw. deshalb unterbliebener Anbau, Arbeitskräfte gefallen, bzw. als Kriegsgefangene bei den Siegern im Arbeitseinsatz

die Gründe, warum es dazu kam, dass Menschen in der Not auf Steckrüben = Viehfutter zurückgriffen, sind vielfältig und sogar von Region zu Region unterschiedlich

mit der Anbaumöglichkeit hatte das noch das allerwenigste zu tun

viele grüße
Geli

Hasllo Geli,

aaaaber!!! zu teuer und zu wenig, Transportwege zusammengebrochen,
bzw. Transporteure (Menschen&Tiere) im Krieg geblieben, Fremdmächte auf Beutezug,
Kriegsschäden auf Feldfluren, bzw. deshalb unterbliebener Anbau, Arbeitskräfte
gefallen, bzw. als Kriegsgefangene bei den Siegern im Arbeitseinsatz

das ist mir schon klar. Aber warum traf das nicht genauso auf die Steckrüben zu?

Grüße
Carsten

Hallo,

die Gründe, warum es dazu kam, dass Menschen in der Not auf
Steckrüben = Viehfutter zurückgriffen, sind vielfältig und
sogar von Region zu Region unterschiedlich

Wobei die Steckrübe heute weniger als Viehfutter,
aber um so mehr auf den Tellern der Feinschmecker zu finden ist :wink:

Gruß
BelRia

Angebot, Nachfrage, Preis
Hallo!

1.Annahme: Steckrüben waren schon vor dem Krieg günstiger als Kartoffeln, weil sie als Viehfutter angebaut wurden.

  1. Annahme: Der Anbau ging (aus den schon genannten Gründen) allgemein zurück, also alle Feldfrüchte waren zum selben Anteil geschädigt, das Angebot ging zurück.

Die Preise steigen also für alle Produkte. Damit sind Kartoffeln, Weizen und sowas also zu teuer für die ärmere Bevölkerung und sie greift auf günstigere Feldfrüchte (=Steckrüben) zurück (deren Preis auch gestiegen ist, aber immer noch niedriger ist als der der zuerst genannten)

So würde ich mir das zusammenreimen.

Grüße
kernig

Hallo Carsten,

dass es in diesem Hungerwinter 1916/17 überwiegend Steckrüben gab, dafür könnten folgende Gründe verantwortlich sein:

  1. Die Kartoffelernte war infolge Düngermangel und schlechtem Wetter so gut wie ausgefallen. Die wenigen Kartoffeln gingen an die kämpfende Truppe an der Front.

  2. Steckrüben vertragen Nässe wesentlich besser als Kartoffeln und stellen auch keine großartigen Bodenansprüche für ihr Wachstum.

siehe hierzu:

"Seit Herbst 1916 war die Lage zunehmend kritisch. Die Leistungsfähigkeit der eigenen Landwirtschaft, die bereits zu Friedenszeiten die Bevölkerung nicht vollständig ernähren konnte, sank unter den schwierigen Kriegsbedingungen immer weiter ab. Die Armee requirierte die besten Zugtiere, die Zahl der Arbeitskräfte sank trotz des Einsatzes von polnischen Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen um 60 Prozent, und die synthetische Nitraterzeugung floss fast ausschließlich in die Munitionsherstellung, so dass es bald an Düngemitteln fehlte. Außerdem erlitten die Bauern seit 1915 deutliche Ernteeinbußen aufgrund des schlechten Wetters. Unter diesen Bedingungen sanken die Erträge der Landwirtschaft dramatisch. Im Winter 1916/17 gab es zum ersten Mal eine große Hungersnot in Deutschland. Steckrüben mussten die fehlenden Kartoffeln ersetzen, die Zuteilungen wurden auf 170 Gramm Mehl pro Tag und Kopf gesenkt. Die OHL erkannte die Not und gab einen Teil der Armeeverpflegung für die Zivilbevölkerung frei. Volksküchen wurden eingerichtet, in denen eine warme Mahlzeit, meist Eintopf, eingenommen werden konnte. Dies konnte die Katastrophe aber nicht verhindern. Die durchschnittliche Kalorienzuteilung für den Normalverbraucher fiel im „Steckrübenwinter“ 1916/17 auf 1.200 Kalorien pro Tag – wobei es regional allerdings erhebliche Unterschiede gab.65) Für die Soldaten war mit 2.200 Kalorien der Mindestbedarf eines Erwachsenen knapp sichergestellt. Der Vorkriegsdurchschnittsverbrauch hatte bei 3.000 Kalorien gelegen. 1917 gab es dann die schlechteste Getreideernte des Krieges. Sie erbrachte im Durchschnitt nur 60 Prozent der Vorkriegserträge. Immerhin verbesserte sich das Ergebnis der Kartoffelernte, so dass ein zweiter Steckrübenwinter ausblieb. Die Brotration verringerte sich unterdessen immer mehr. Im Sommer 1918 betrug sie nur noch 160 Gramm pro Tag. Fleisch gab es nur noch in ganz geringen Mengen, Milch ohnehin nur noch für Kinder und stillende Mütter.66)

Die schlechte Ernährung hat die Gesundheit der Bevölkerung massiv beeinträchtigt. Wenngleich kaum jemand im klassischen Sinne verhungert sein dürfte, wurden die ausgemergelten Körper immer anfälliger für Krankheiten – und dies mit verheerenden Folgen."
(Quelle: http://www.km.bayern.de/blz/eup/03_07_themenheft/5.asp)

Gruß von der
kleinen Göre

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Hallo BelRia,

die Gründe, warum es dazu kam, dass Menschen in der Not auf
Steckrüben = Viehfutter zurückgriffen, sind vielfältig und
sogar von Region zu Region unterschiedlich

Wobei die Steckrübe heute weniger als Viehfutter,
aber um so mehr auf den Tellern der Feinschmecker zu finden
ist :wink:

für Kriegszeiten reden wir nicht von kleinen, zarten Teilen, sondern von ausgewachsenen Rübenmonstern größer als Erwachsenenköpfe.
Die isst damals wie heute kein Mensch freiwillig. Zumindest, wenn ich dem glauben darf, was meine Mutter und Großmutter zu dem Thema sagten.

viele Grüße
Geli

Servus,

Aber warum traf das nicht genauso auf die Steckrüben zu?

die waren von dem logistisch nicht auf einen längeren Krieg vorbereiteten Militär nicht requiriert worden. Interessant übrigens, wie viele Kriege das „sauber durchorganisierte“ Deutschland schon wegen der Logistik verloren hat, vgl. die unrühmliche Rolle der Reichsbahn 1939-1942 und die Nachschubfrage beim Afrikafeldzug.

Wenn Du mal in einer spät gerodeten Mittelgebirgslage auf Buntsandstein, z.B. Nordhessen/Thüringen, die Erträge vergleichst, andererseits den Nährwert, wirst Du schnell sehen, warum es den Leuten so in Erinnerung geblieben ist, von Viehfutter leben zu müssen.

Vergleichbares übrigens von Bewohnern der amerikanischen Zone im extremen Hungerjahr 1946, als von den USA zur Stützung des heimischen Marktes Futtermais als Hilfslieferung nach D gekommen war. Ein Polenta-Ersatz von Futtermaisschrot in Buchen- oder Rüböl bleibt dauerhaft in Erinnerung, und der Satz „der Hunger treibts hinein“ kommt dann auf seine ursprüngliche Bedeutung zurück.

Schöne Grüße

MM

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