Praxiskurs: Gärtnern aber richtig

Hallo! Meine Frau arbeitet sehr gerne in unserem großen Gartn, hat aber im Grunde wenig Hintergrundkenntnisse über das Gärtnern und will sich alles per learning by doing aneignen. Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen, aber es fehlen ihr einfach Grundlagen, wie

  • wann und wie muss man Rosen schneiden
  • welcher Boden eignet sich für Erika
  • muss der Birnbaum geschnitten werden, damit er auch Früchte trägt
  • welche Salbeiart wächst am üppigsten
  • wie bekomme ich den Schachtelhalm in den Griff
  • warum wachsen die Erdbeeren nicht, während wir uns direkt nebenan vor Tomaten nicht retten können

Tausend alltägliche Fragen halt, auf die man Einzel-Antworten in diesem oder auch speziellen Gartenforen findet. Nun ist meine Frau eher praktisch veranlagt als dass sie sich in Computerforen tummelt.
Da habe ich mir gedacht: schenke ich ihr (oder uns) ein Gartenseminar / einen praktischer Kursus, in dem solch grundlegenden Fragen innerhalb von 2-3 Tagen geklärt werden und man Tipps und Tricks für die tägliche Gartenarbeit bekommt. Genauso wie für Kochen oder andere Freizeitaktivitäten so etwas zuhauf angeboten wird. Aber ich finde nichts!
Hat jemand vielleicht einen Tipp, wo ich so etwas finden könnte oder wonach ich suchen muss???
Da man das natürlich schön mit einem Kurzurlaub verbinden kann, sind wir ortsungebunden. Ansonsten wären Tipps für den Rhein-Neckar-Raum ideal.
Danke für eure Hilfe!

Hallo.
Versuch’s mal bei deiner VHS oder der zuständigen Landwirtschaftskammer.
Überall in Deutschland sind sogenannte DEULAs verstreut.
http://www.arge-deula.de/
Dort können sich nicht nur Profis fortbilden.
Ansonsten kannst du auch mal den Gärtner um die Ecke fragen. Viele sind sehr offen und zeigen und erklären immer sehr bereitwillig.
lieber Gruß
Anja

Hallo Play it again.

Meine Frau arbeitet sehr gerne in unserem großen Gartn,
hat aber im Grunde wenig Hintergrundkenntnisse über das
Gärtnern und will sich alles per learning by doing aneignen.

womit sie absolut richtig liegt!

Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen, aber es fehlen
ihr einfach Grundlagen, wie

  • wann und wie muss man Rosen schneiden

kommt extrem auf die Sorte, den Boden und das Klima an und ändert sich auch je nach Jahr (nass/kalt oder warm/trocken)

  • welcher Boden eignet sich für Erika

kommt auf die Erikasorte an

  • muss der Birnbaum geschnitten werden, damit er auch Früchte
    trägt

nein. Willst Du aber „schöne“ Früchte, dann ja

  • welche Salbeiart wächst am üppigsten

Y kommt auf den Boden und das Klima in Eurem Garten an

  • wie bekomme ich den Schachtelhalm in den Griff

durch Ausrupfen und Bodenverbesserung
Schachelhalm ist ein typisches Anzeige-Gewächs für schweren, verdichteten Boden
ich schätze also, Ihr habt einen hohen Lehmanteil und dort, wo Schachtelhalm wächst nicht regelmäßig gehackt

  • warum wachsen die Erdbeeren nicht, während wir uns direkt
    nebenan vor Tomaten nicht retten können
  • weil Tomaten stark zehren und den Erdbeeren nebenan nicht mehr genug im Boden hinterlassen
    (habt ihr gemulcht/ Kompost zubefügt?)
  • weil Erdbeerpflanzen überaltern

Tausend alltägliche Fragen halt, auf die man Einzel-Antworten
in diesem oder auch speziellen Gartenforen findet. Nun ist
meine Frau eher praktisch veranlagt als dass sie sich in
Computerforen tummelt.

hier kann man in der Tat wie ich eben nur in kurzer Form Stichworte geben. Deine Frau hat schon recht, wenn sie lieber mit beiden Händen in die Erde greifen will

Da habe ich mir gedacht: schenke ich ihr (oder uns) ein
Gartenseminar / einen praktischer Kursus, in dem solch
grundlegenden Fragen innerhalb von 2-3 Tagen geklärt werden

hast Du schon versucht herauszufinden, ob es in Eurer Nähe einen Obst- und Gartenbauverein gibt?
Hier - Bayern - gibt es auch Gartenbaufachberater, die man wenn gar nicht anders über den Bürgerdienst des Rathauses /Landratsamts kontaktieren kann

und man Tipps und Tricks für die tägliche Gartenarbeit
bekommt. Genauso wie für Kochen oder andere
Freizeitaktivitäten so etwas zuhauf angeboten wird. Aber ich
finde nichts!

das Problem ist, dass jeder Garten tatsächlich eine extrem individuelle Baustelle ist. Meine unmittelnbare Nachbarin hat wundervolle Chrysanthemenbüsche am Zaun zu mir. Ich neide ihr jeden Herbst diese Pracht heftig. Sie hat mir auch schon mehrmals Ableger gegeben - sie wachsen bei mir einfach nicht, die Staunässe im Winter bringt sie sogar auf den abschüssigen Flächen des Terrassenhangs um

wenn also irgend ein „Fachmann“ Deiner Frau und Dir raten soll, müsstet Ihr ihn oder sie in Euren Garten holen, wahrscheinlich einen ganzen Sommer lang

Garten ist Versuch und Irrtum
oder anders betrachtet: was nicht freiwillig oder mit viel Päppeln wachsen will, kann bei Euch nicht, auch wenn Ihr es noch so gern möchtet

Hat jemand vielleicht einen Tipp, wo ich so etwas finden
könnte oder wonach ich suchen muss???

suche nach Nachbarn, die schon lange in ihren Häusern wohnen

Da man das natürlich schön mit einem Kurzurlaub verbinden
kann, sind wir ortsungebunden. Ansonsten wären Tipps für den
Rhein-Neckar-Raum ideal.

der Rhein-Neckar-Raum zeichnet sich unter Anderem durch warme Flusstäler und eher frostgefährdete Höhenlagen aus
je nachdem, was Rhein-Neckar denn nun für Dich genau heißt, kann das zu falschen Ratschlägen führen

bei mir vor der Gartentür liegt eine feuchte Flussaue, die mir in Frühling Spätfröste beschert. Am Südhang gegenüber lachen mich die Nachbarn aus, weil ich Tomaten nie vor Ende Mai ins Gewächshaus setze - die können schon im März!

Danke für eure Hilfe!

hilft vielleicht nicht viel, verdeutlicht Dir aber hoffentlich die Problematik

viele grüße
Geli

Hallo,
eigentlich hat Geli es schon gesagt.
Einen „Schnellbesohler“-Kurs für Gärtner kann es nicht geben. Logisch; wofür andere ein halbes Leben investieren, wird man nicht in wenigen Tagen vermitteln können. Dafür sind Gärten und Lagen, Pflanzen und Menschen, Witterung und Temperaturen viel zu unterschiedlich.

Klar, Grundlagen kann man sich eventuell anlesen oder anhören und dann probieren, ob die Weisheiten aus Buch oder Kurs sich unter den speziellen Gegebenheiten des eigenen Gartens umsetzen lassen. Aber das scheitert wahrscheinlich öfter, als es gelingt.

Was mir aber bei Lektüre Deiner Frage und Deiner Vika auffiel: Und Du? Läßt Du Deine Frau allein im Garten werkeln? Versuche mal das Roleplay „Wir arbeiten zusammen im Garten und haben gemeinsam Spaß daran“. Das hilft möglicherweise viel mehr, als das arme Weib auch noch in einen Kurs zu jagen, der am Ende nix bringt. Bloß mal zum Nachdenken.

Gruß
Eckard

In die selbe Kerbe
Hallo!

Ich hau mal in die selbe Kerbe.

In einem Kurs könnte man höchstens Blitzlichtartig einzelne Fertigkeiten erlernen: Wie setze ich einen Komposthaufen, Wie baue ich ein Hügelbeet, wie funktioniert der Schnitt eines Apfelbaumes? Letzteres bietet in unserer kleinen Gemeinde übrigens der Obst- und Gartenbauverein an.

Ich rate immer gern zum Dialog mit den Nachbarn. Es ist recht wahrscheinlich, dass sich dessen Erfahrungen auf Euren Garten übertragen lassen. Dabei würde ich aber auch Vorsicht walten lassen, nicht alles, was schon immer so gemacht wurde, liegt z.B. in meinem Sinn. Aber ob man im Herbst den Garten steril und sauber harken möchte oder lieber mit Mulchdecken arbeitet und Wert darauf legt, dass z.B. ein Igel sich dort zu hause fühlen kann, muss man dann eben selbst entscheiden. Auch den mir oft sorglos empfohlenen Einsatz von Blaukorn oder Pflanzenschutzmitteln lehne ich etwa weitgehend ab.

Außerdem empfehle ich gern mein Standard-Gartenbuch von Marie-Louise Kreuter „Der Biogarten“. Dieses und andere sind hier irgendwo in den FAQs zu finden.
[MOD] in der Literaturliste /t/literaturliste–2/4272236

Das aneignen von eigener Erfahrung hat den Vorteil, dass durch eigene Experimentierfreude völlig neue Impulse ausgehen können. Ich habe vergessen, Spinat auszusäen und habe es erst Mitte Oktober geschafft. Die Nachbarschaft schüttelte ungläubig den Kopf, die Pflänzchen sind inzswischen unter Vlies recht ansehnlich. Wenn der Dezember so warm wird, wie der November, kann ich Weihnachten ernten. Sonst im Frühling. Meine Zuckerschoten habe ich so früh in die Erde gebracht, wie es verm. noch kein Lehrbuch empfohlen hat. Dafür hatte ich eine frühe, lange, üppige und gesunde Ernte.

Das Internet ist voll von guten (und manchmal auch schlechten ) Gartentipps, was mir davon plausibel oder interessant erscheint, nutze ich gern.

Die Fragen, die Du als Beispiel genannt hast, wird Dir mit ziemlicher Sicherheit kein Kurz in einem Rutsch beantworten können. Aber hier hast Du schon einige richtigen Antworten darauf erhalten, kostenlos und in kürzester Zeit.

Schenk Deiner Frau lieber einen Buchgutschein (ich würde sie selber aussuchen lassen) und einen Gutschein für richtig gutes Werkzeug vom nächsten Baumarkt oder Gartencenter. Oder, fast immer richtig: Eine richtig gute Grabegabel, einen guten Rechen, eine Felco-Gartenschere (auch die sollte sie eigentlich ausprobieren), falls Du keine Gutscheine magst.


Grüße
kernig

Servus Anja,

bei der DeuLA Kirchheim/Teck hab ich zwar vom Deutz Intrac über einen Renault 65 bis zur braven alten HeLa Diesel die schönsten Fahrzeuge in der Hand gehabt, Zylinderkopfdichtungen ausgeschnitten, seltsamste Dieselmotoren auseinander- und wieder zusammengeschraubt, die kuriosesten Formen von mechanisierten Eggen gesehen und gefahren, leere Milchkannen mit dem Frontlader über abenteuerliche Geschicklichkeitsparcours gehievt etc., und es waren sehr lehrreiche und schöne Wochen, aber ich glaube nicht, daß man da einem interessierten Gärtner viel über die Gärtelei beibringen kann: Mein Gartennachbar Hüseyin täte sagen „Dess is andere Bauschdell!“

Schöne Grüße

MM

Servus,

schönen Dank hierfür - ungefähr das hätt ich grad auch geschrieben.

Ergänzend noch: Die viel beschriene Kleingartenkolonie, zuletzt von Wladimir Kaminer in ergötzlicher Weise veräppelt, ist wegen der großen Zahl von Nachbarn durchaus nicht bloß einengend in persönlicher Entfaltungsmöglichkeit, sondern trotz allem auch eine Quelle von vielerlei Erfahrungen und Wissen, die heut halt nicht mehr über die Generationenschiene weiter laufen.

Besonders fruchtbar sind für mich die Gartenzaungespräche mit Spaniern, Türken, Italienern, Russen, Rumänen: Alldieweil diese qua Herkunft häufig einem produktiven und fruchtbaren Gartenbau viel näher stehen als deutsche Kollega, bei denen die Weitergabe von Gartenwissen oft genug durch ein bis zwei Generationen unterbrochen ist, die sich mehr für Rasen, Rosen und das Verlegen von Sichtbetonplatten interessiert haben (und dabei nebenher eine Blaukornmanie entwickelt haben, die manchem Boden auf lange Zeit hinübergeholfen hat).

Das direkte Gespräch „am Objekt“ ist kaum ersetzbar. Es kränkt mich arg, daß ich einige Jahre lang dran gedacht habe, einmal Professor Fritz a.d.Uw. persönlich zum Bömmschniida heimzusuchen, solang bis es zu spät dafür war.

Schöne Grüße

MM

Servus,

schönen Dank hierfür - ungefähr das hätt ich grad auch
geschrieben.

Ergänzend noch: Die viel beschriene Kleingartenkolonie,
zuletzt von Wladimir Kaminer in ergötzlicher Weise veräppelt,
ist wegen der großen Zahl von Nachbarn durchaus nicht bloß
einengend in persönlicher Entfaltungsmöglichkeit, sondern
trotz allem auch eine Quelle von vielerlei Erfahrungen und
Wissen, die heut halt nicht mehr über die Generationenschiene
weiter laufen.

Besten Dank für die Tipps! Problem: wir haben keine Nachbarn und niemand im Freundeskreis gärtnert :wink:.
Ich habe Kurse im Münsterland und vor allem in Österreich gefunden. Vielleicht mache ich etwas in diese Richtung. Aber viel schlauer bin ich immer noch nicht.
Danke auch an -kernig- für seine guten Tipps. Da werde ich sicher was verwerten können.

Volker

Einen „Schnellbesohler“-Kurs für Gärtner kann es nicht geben.
Logisch; wofür andere ein halbes Leben investieren, wird man
nicht in wenigen Tagen vermitteln können. Dafür sind Gärten
und Lagen, Pflanzen und Menschen, Witterung und Temperaturen
viel zu unterschiedlich.

Dehalb vergleiche ich das gerne mit dem Kochen (das ist mein Part): da gibt es auch keinen Kurs „Chefkoch in drei Tagen“, trotzdem lernt man sehr viel mehr in diesen drei Tagen als wenn ich ein Jahr selbst wurschtele.

Was mir aber bei Lektüre Deiner Frage und Deiner Vika auffiel:
Und Du? Läßt Du Deine Frau allein im Garten werkeln? Versuche
mal das Roleplay „Wir arbeiten zusammen im Garten und haben
gemeinsam Spaß daran“. Das hilft möglicherweise viel mehr, als
das arme Weib auch noch in einen Kurs zu jagen, der am Ende
nix bringt. Bloß mal zum Nachdenken.

das kann ich natürlich nicht auf mir sitzen lassen :wink: Ich bin - natürlich! - genauso oft im Garten wie meine Frau. Es macht ihr einfach dramatisch mehr Spaß als mir - und mit einem Kochkurs, um im Bild zu bleiben, würde ich ihr keine Freude machen. Und logischerweise würden wir den „Gärtnerkurs“ gemeinsam machen.

ot: Datt iss doch enne Mädschen… :smile: owT
Hallo Volker,
herzlich willkommen bei werweissswas!

Nur zur klitzekleinen Info:

Danke auch an -kernig- für seine guten Tipps.

Der Er ist eine Sie
…konntest Du aber nicht wissen :wink: ( Vika gucken :wink:)
Viel Freude im Garten wünscht
Finjen

Hallo Martin!
Ich habe mir immerwieder bei überbetrieblichen Fortbildungen Prospekte mitgenommen, in denen Programme für Anfänger mit dabei waren. Vom Sträusse binden bis zum Baumschnitt war da so ziemlich alles dabei. Vielleicht ist das nur ein Angebot einzelner DEULAs. Ich war bei der in Warendorf/ Münsterland.

Wie hat denn dein veredeltes Gemüse geschmeckt? Ist’s was geworden?

Lieber Gruß Anja

Hallo,

nur ähnlich, doch vielleicht vergleichbar: Ich habe mal einen mobilen Kochkurs verschenkt, d.h. der Koch kam zum Beschenkten nach Hause und erklärte & lehrte dort vor Ort individuell Dinge, die im Vorfeld gezielt angefragt wurden, wie man z.B. die Vorratshaltung optimiert oder Saucen zubereitet. Bis auf einen mitgebrachten Messersatz arbeitete der Koch dabei mit den im Haus vorhandenem Material. Erschien mir sinnvoller als einen genormten Kochkurs im perfekt eingerichteten High-Tech-Kochstudio zu verschenken, dessen Inhalte man zuhause in der eigenen bescheidenen Küche u.U. nicht umsetzt.

Vielleicht mietest Du Dir für Deine Frau mal einen Gärtner, der bei Euch im Garten gezielt und mit dem dort vorhandenen Ausgangsmaterial mit ihr / Euch zusammen an konkreten Fragestellungen arbeitet?

Viele Grüße
Diana

Servus Anja,

(jetzt hab ich Dich erst an der Elektropostadresse wieder erkannt…!)

es kann in der Tat sein, daß die Programme der DeuLA sich mit den Jahren verändert haben - was ich berichte, ist aus dem vorigen Jahrhundert und muss nicht mehr stimmen.

Schließlich sind die derzeit an der Ausbildungsfront befindlichen Jungbauern bereits Söhne von Hightech-Bauern, sie haben sobald wie geht den LKW-Führerschein gemacht, und man braucht ihnen wohl technisch keinen mehr vom Pferd erzählen wollen, weil sie schon als Dreikäsehoch auf wenigstens 150 Pferdestärken mitgefahren sind, und diese dank Servolenkung wahrscheinlich auch schon vor dem zehnten Lebensjahr manövrieren durften.

– Veredelung von Melonen, Gurken und Kürbis auf Feigenblattkürbis ist mir auch dieses Jahr wieder gänzlich misslungen (da kommts wohl drauf an, daß man die Aussaat so aufeinander abpasst, daß die Durchmesser der Stengel genau aufeinander passen), aber ich bleibe dran: Ich will nochmal Melonen wie 2003 haben.

Tomaten und Auberginen auf Wildtomate will ich nicht mehr missen - ausgewogen habe ich die Erträge nicht, aber Auberginen und San Marzano standen auch in diesem verhauenen Sommer wieder viel besser da als die in Reserve gehaltenen nicht veredelten Schwestern.

Schöne Grüße

MM