ich bin soeben Hauseigentümer geworden und kann leider
Erdbeeren nicht von Efeu unterscheiden. Trotzdem ist mir
aufgefallen, daß der gesamte Rasen um das Haus herum mit einer
dicken Mooschicht übersäht ist, die auch schon im Sommer die
Grashalme überwiegte. Ich meine, je schattiger es (durch
einen Baum) wurde, desto weniger Gras war zu sehen. Frage: Was
muß ich tun, damit ich das Moos loswerde und einen Rasen
bekomme?
Du kannst Dich über das Moos ärgern, Geld ausgeben, die chemische Keule (Moosvernichter) einsetzen, Schatten beseitigen, also Bäume fällen, wieder Geld ausgeben, Grassaat kaufen, Dünger kaufen und dann ärgerst Du Dich nach viel Arbeit über den feinen, aber verbrannten Rasen im nächsten Sommer. Sodann könntest Du in das Klagen über belastetes Grundwasser und die Verarmung der heimischen Vogelwelt einstimmen.
Gemeinsam mit anderen Leuten stellst Du die Gartenabfälle im grünen, gelben, jedenfalls ordentlich im Plastiksack verpackt an die Straße zur Kompostierung durch die Gemeinde. Gartenabfälle sind genau das, was von alleine wächst (volkstümlich "Unkraut").
Weil Du ohnehin schon guter Kunde im Gartenmarkt bist, besorgst Du Dir jetzt Sichtschutzwände (die Sträucher und Bäume, die das vorher besorgten, hattest Du ja entsorgt). Weil Du so zum guten deutschen Kleingärtner mutiert bist, hast Du auch Ruhe verdient. Du kannst Dich jetzt auf Deinen mühsam gepflegten Rasen legen, kein Wurm wird Dich stören, keine Wespe, keine Biene und wie sonst dieses unnütze Insektenzeug heißen mag, wird Dich je belästigen. Wenn Du Natur erleben willst, buchst Du Abenteuerurlaub.
Das war die erste Möglichkeit. Weil es die Mehrheit so macht, wird es schon richtig sein (daß die Mehrheit auch Karies hat, hat nichts mit dem Garten zu tun).
Jetzt kommt der falsche Weg: Du übst Dich im Vergessen. Du vergißt nämlich das Bild des langweiligen Rasens auf der 4farbig bedruckten Verpackung der Rasensaat und beschließt, Moos schön und hübsch zu finden. Du freust Dich daran, was darin alles blüht und krabbelt, läßt die Schatten spendenden Bäume stehen und den Chemiefabrikanten darben. Natürlich siehst Du nach, ob irgendwo die Regenrinne undicht oder verstopft ist. Kreisrund um das defekte Fallrohr wachsendes Moos ist Dein Indikator.
Auch der Gartenmarkt will leben. Du kaufst aber keine feinste Rasensaat, sondern eine Saatmischung bunter Wildkräuter und Gräser. Und zuerst legst Du einen Komposthaufen an und ignorierst standhaft die angebotene öffentliche Entsorgung von "Gartenabfällen". Und nun wartest Du. Es kann etwas dauern, aber dann hast Du so widerwärtige Gesellen wie Hirschkäfer in Deinem Garten, im Winter akzeptierst Du einen Igel als Untermieter in aufgeschichteten Ästen direkt am Komposthaufen und im Sommer erträgst Du den lästigen Lärm aller möglichen Vögel auf Deinem Grundstück.
Ich weiß, das ist in mancher Siedlung (wo nur ordentliche Leute leben) die pure Anarchie.
Gruß
Wolfgang