Wieder mal das leidige Problem Mehltau. Die Stachelbeeren haben wunderbar geblüht, die Früchte sind jetzt ungefähr Stecknadelkopfgroß, und plötzlich werden sie weiß, wie von einem Schleier überzogen. Letztes Jahr hatten wir das schon einmal. Haben die Sträucher ziemlich radikal zurückgeschnitten und das Zeug verbrannt. Dann war der Mehltau erst mal weg. Die Beeren leider auch. Die waren schon richtig groß, war echt zum heulen. Und jetzt geht es wieder los. Haben wir eine Chance, die Sträucher zu retten, oder hilft nur Kahlschlag?
Die Sträucher stehen mitten im Nutzgarten, deshalb habe ich keine große Lust zu spritzen. Falls ich es doch tun sollte, was muß ich beachten, wenn ich dem Gemüse zu nahe komme?
Und beim Spritzen ist soweit ich weiß wichtig, ob es echter oder falscher Mehltau ist. Wie unterscheidet man das? Kann das ein Laie? Wenn nicht, wer dann?
Hallo Nikola,
in meinem Ratgeber steht drin: Rückschnitt der Triebspitzen. Autrieb-Spritzung (also zu spät jetzt) mit Netzschwefel-Präparaten. Nach dem Autrieb 1-2 Spritzungen dito. Also zu spät für dieses Jahr.
Die Monilia an unserer Sauerkirsche habe ich auch zu spät erkannt…
Viele Grüsse, Deborah
PS: es handelt sich um den amerikansichen Stachelbeermehltau, Triebe gestaucht, mit erst weissem, dann brauem Pilzbelag , dieser auch auf Früchten, vorallem bei feuchtem Wetter…!?
zunächst: mit grosser wahrscheinlichkeit hast du echten mehltau (oidium) auf deinen stachelbeeren, denn in diesem jahr traten die klimatischen bedingungen für falschen mehltau (peronospora) noch nicht auf (du wirst ja nicht in süditalien usw. leben *g*).
wenn du dich mit dem problem schon mehrere jahre herumschlägst, solltest du ausnahmsweise einmal wirklich zur chemischen keule greifen. einmal deshalb, weil du nur damit noch eine kleine chance hast, die diesjährige ernte zu retten und zum andern deshalb, weil die oidium-sporen am holz überwintern und mit „sanften“ mitteln auch im nächsten jahr kaum zu bekämpfen sind.
besorge dir in gartencentern ein systemisches mittel zur oidium-bekämpfung (z.b. bayleton, topas, karathane …). die rezeptur solltest du natürlich genauestens einhalten. besprühen solltest du die pflanzen nach möglichkeit am vormittag bei einer temperatur von mindestens 15° C bis max. 20°C, so wirken die spritzmittel am besten. auf der packung ist auch eine wartezeit angegeben, innerhalb der du gespritzte früchte nicht verwerten darfst (meist zwischen 3 und 6 wochen).
die erwähnten schwefel-spritzungen im frühjahr sind sooo biologisch (und wirksam - es sei denn, du erhöhst die schwefeldosis auf das 5-fache) auch wieder nicht, dass ein neuerlicher, kompletter rückschnitt sinnvoll wäre. viel wichtiger zur vorbeugung gegen oidium ist ein luftiger schnitt der pflanzen. die triebe sollen nicht eng beisammenstehen, die luftzirkulation innerhalb der sträucher soll ein schnelles abtrocknen ermöglichen - dann wird’s nicht so schnell (nach ausgeheiltem oidium) einen neuen befall geben.
(überwinterndes oidium kann man im winter an den kahlen sträuchern sehr gut erkennen: die sog. „oidium-figuren“ am holz zeichnen dunkelbraune bis schwarze, unregelmässige flecken. wenn diese vorhanden sind, musst du bereits im frühjahr mit einer behandlung beginnen)
Ich würde dir zu einer radikalen, aber sehr wirksamen Methode
ohne Chemie raten: Sträucher rausreißen, verbrennen und in der
Baumschule neue Sträucher einer Mehltau-resistenten Sorte kaufen.
Denn: Auch nach Spritzen hast du in den Folgejahren immer wieder
un d jedesmal stärker das gleiche Problem. Zudem noch das
Risiko, dass der Mehltau auch noch auf andere, bis jetzt noch
nicht befallene Pflanzen übergreift.
Ich habe nach dieser Methode jetzt kein Problem mehr und jedes
Jahr die schönsten Stachelbeeren!
Gruß
Bolo