Mit diesem Beitrag möchte ich die im unteren Artikel „Jagdtrieb…“ aufgeworfene Frage über Erziehungsmaßnahmen am Hund gerne weiter vertiefen. Ich bin da in eine kleine Diskussion über Bestrafung und Lob geraten und würde mich gerne weiter darüber unterhalten, da anscheinend viele unterschiedliche Meinungen darüber herrschen.
Ich habe seit klein an Hunde und beschäftige mich seit langem mit Erziehungsmaßnahmen, die das Leben im Wolfsrudel als Basis nehmen. Die Frage ist: „Soll ich meinen Hund bestrafen oder loben, wenn er zu mir zurück kommt, nachdem ich mir minutenlang die Seele aus dem Leib gebrüllt habe?“
Ich finde, Lob ist das Beste!
Als Rudelboss muss ich in jeder Lebenslage unbedingte Kompetenz und Autorität zeigen, der Hund muss mich und meine Reaktionen auf sein Tun verstehen können. Ich muss mich dem Hund anpassen, denn er kann meine menschlichen Verhaltensweisen nicht begreifen. Wenn ein Kind nicht hört, erscheint es uns logisch, es zu bestrafen. Es kann verstehen, dass die Bestrafung auf ein zurückliegendes Verhalten bezogen ist. Ein Kind kann ich selbt nach Stunden noch für eine bestimmte Tat bestrafen, es wird es verstehen. Der Hund kann das nicht. Wenn mein Hund während meiner Abwesenheit meine Möbel zerfrisst, kann ich ihn nach meiner Rückkehr nicht mehr bestrafen, wenn der Hund in gerade dem Augenblick friedlich herum liegt, selbst wenn ich mich noch so ärgere. Ich muss ihn sofort erwischen, damit der Hund meine Bestrafung auf das gemeinte Verhalten bezieht und nicht auf das friedliche Herumliegen. Genauso wenig nützt es was, ihn zu bestrafen, wenn er jault, wenn ich das Haus verlasse. Der Hund jault, weil er nicht allein sein will. Wenn ich zurück komme und ihn ausschimpfe, hat der Hund sein Ziel erreicht, selbst wenn er bestraft wird: Er ist nicht mehr allein! Und das nächste Mal wird er wieder weinen, damit ich zurück komme, egal, wie meine Reaktion aussieht. Alles ist besser, als allein zu sein. Sinnvoller ist es hier, zu warten, bis der Hund einen Moment still ist, dann hinein zu kommen, und ihn zu loben. Dann begreift der Hund, dass sein Jaulen zwecklos ist, seine Einsamkeit aber beendet wird, sobald er still ist.
Eine Bestrafung darf niemals in Schlägen ausarten, kein Wolf wird von seinem Rudel „verprügel“ und fertig gemacht, es sei denn, er soll aus dem Rudel verbannt werden. Eine Bestrafung im Wolfsrudel erfolgt durch ein meist kurzes, heftiges aber schmerzloses Schnappen und Keifen. Keinesfalls wird der Wolf dabei ernsthaft verletzt. Ein Schnauzgriff ist hier die beste Lösung, denn er kommt der Zurechtweisung im Rudel am nächsten. Überhaupt handelt es sich im Wolfsrudel um Zurechtweisungen, nicht um Bestrafungen im menschlichen Sinne. Und eine Zurechtweiseung folgt unmittelbar auf das nicht erwünschte Verhalten, nicht erst später, wie wir Menschen es gerne mal tun („Ach übrigens, was ich dir noch sagen wollte, das und das fand ich scheiße von dir“). So was begreift der Hund nicht.
Ich würde gerne andere Meinungen zu diesem Thema hören, es interessiert mich, wie ihr eure Hunde erzieht!
Ich hatte jedenfalls mit meiner Methode mehr als Erfolg!
Gruß, Galli
Zustimmung in allen Punkten! Wir haben Erfahrung und sehen das genauso.
Es gibt allerdings „Sachverständige“, die glauben hier das Veterinäramt (zuständig für Tierschutz) verständigen zu müssen. Sie selbst hängen dann in der Leine, dass die Kreuzeinrenker sich die Hände reiben.
Damit ich richtig verstanden werde, auch bei kontrollierter Disziplinierung sollte immer das Wohl des Tieres im Vordergrund stehen und dazu braucht man halt ein bißchen (richtige) Ahnung von den Viechern.
Falscg verstandene Tierliebe schadet mehr als sie nützt.
Grüße an alle
J.G.
P.S. Nicht verzweifeln!
Hallo
Richtig erfasst. Zwei kleine Ergänzungen hätte ich noch:
Betrafen muss man ja erst wenn etwas passiert ist. Das Ziel ist es also etwas gar nicht passieren zu lassen was natürlich mitunter schwierig ist. Da ist die Beobachtungsgabe des Hundeführers gefragt. Kann man den Hund zurükrufen bevor er wegrennt hat man bereits gewonnen. Wenn ich erfasse dass mein grosser Hund im Begriff ist wegzulaufen drücke ich ihm leicht mit dem Finger zwischen die Schultern mit einem deutlichen NEIN. (Dominanzverhalten von mir gegenüber dem Hund)
Falls man trotzdem zu einer „Bestrafung“ greift muss diese unmittelbar erfolgen d.h. innerhalb 2-3 Sekunden. Alles andere sind menschliche Verhaltensweisen die das Tier nicht begreift.
Du solltes einmal sehen wie masslos ich mich ärgern kann (über mich selbst) wenn meine Hunde mal einen kleinen Ausflug machen und wie sehr ich mir Mühe gebe mir beim Zurückkommen der Hunde nichts anmerken zu lassen.
Ganz so schmerzfrei erfolgt die Bestrafung im Wolfsrudel nun auch wieder nicht, aber dies berechtigt uns nicht unserem Hund Schmerzen zuzuführen.
Gruss Heri
Partnerhunde…
Hallo Galli!
In deiner VK hab ich von deinem Traumberuf gelesen.
In Österreich/Salzburg werden seit vielen Jahren mit großem Erfolg Partnerhunde ausgebildet.
Hier kannst du dich darüber informieren:
http://www.partner-hunde.org/e.faerbinger/
Und hier schildert ein Querschnittgelähmter, wie ein Hund sein Leben veränderte:
http://members.magnet.at/tom.gschwandtner/texte.html…
Ziemlich lang, aber sehr aufschlussreich und berührend.
Mit deiner Ansicht zur Hundeerziehung gebe ich dir vollkommen Recht, wie auch bei der Erziehung von Kindern sollte gelten „Liebe statt Hiebe“.
Gruß Helene,
die sich ein Leben ohne Hund (fast) nicht vorstellen könnte 
Clickertraining
Neulich bin ich durch Zufall auf das sogenannte „Clickertraining“ gestossen. Es arbeitet hauptsächlich mit einem Belohnen des erwünschten und einem Ignorieren unerwünschten Verhaltens. Bestrafung des Hundes im traditionellen Sinne existiert dabei nicht!
Die Basis des Clickertrainings sind psychologische Erkenntnisse über die Mechanismen des Lernens; Grundlage des Trainings ist die operante Konditionierung.
CLICKERtraining heißt es deswegen, weil mit einem „Knackfrosch“-ähnlichen „Gerät“ gearbeitet wird, mit dem man knackt oder halt clickert immer dann, wenn der Hund etwas getan hat, was erwünscht ist. Der Vorteil dieses Clickers ist, dass man distanzunabhängig ZEITNAH ein Signal setzen kann. Eine Belohnung in Form eines Leckerchens oder eines Spiels oder was auch immer erfolgt dann zeitversetzt später.
Was ich bis jetzt über diese Art Erziehung gelesen habe, fasziniert mich sehr und erscheint mir mehr als plausibel. Sollte ich mal wieder einen Hund zu erziehen haben (bin momentan „hundelos“), werde ich es genau auf diese Weise probieren.
Wen’s interessiert:
http://www.clicker.de/index.html
http://home.t-online.de/home/RenateHilger/clickertra…
http://www.grosse-muensterlaenderin.de/Clicker/Click…
http://www.spass-mit-hund.de/
http://www.yorkie.ch/clicker/
Schönen Gruss,
Christiane
Hallo zusammen,
Neulich bin ich durch Zufall auf das sogenannte
„Clickertraining“ gestossen. Es arbeitet hauptsächlich mit
einem Belohnen des erwünschten und einem Ignorieren
unerwünschten Verhaltens. Bestrafung des Hundes im
traditionellen Sinne existiert dabei nicht!
Ich habe Erfahrungen damit. Das funktioniert sehr gut, wenn man dem Hund etwas beibringen will (Förderung eines Verhaltens durch Bestärkung). Leider funktioniert nur selten, wenn es um das Unterdrücken unerwünschten Verhaltens geht. Ignorieren reicht hier meistens nicht, da das unerwünschte Verhalten oft selbstbestärkend ist („Spaß macht“). Hier hilft nur eine artgerechte Zurechtweisung, z.B. der Schnauzengriff. Oft reicht auch schon ein drohender Blick. Mit Blicken kann man überhaupt sehr viel machen.
Noch etwas Grundsätzliches: Clickertraining basiert auf sogenannter Sekundär-Motivation, d.h. das erwünschte Verhalten wird immer wieder gezeigt, weil es anschließend eine Bestärkung/Belohnung gibt. Noch wirkungsvoller ist Primär-Motivation, das ist die Freude am Tun selbst. Beispiel: Ein primär-motivierter Angestellter arbeitet in erster Linie, weil die Arbeit Spaß macht. Ein sekundär-motivierter Angestellter arbeitet, weil er am Monatsende sein Gehalt bekommt. Der Vollständigkeit halber: Ein meide-motivierter Angestellter arbeitet, um Ärger mit dem Chef zu vermeiden.
Man sollte also versuchen, die Ausbildung so artgerecht und interessant zu gestalten, dass der Hund auch ohne Belohnung gerne mitmacht. Die Belohnung setzt dem dann noch die Krone auf.
Prio 1: Primär-Motivation. Prio 2: Sekundär-Motivation. Prio 3 und nur wenn’s nicht anders geht: Meide-Motivation.
Wichtig ist auch die artgerechte Kommunikation mit dem Hund: Bewegung, Berührung, Stimme, Geräusche, Mimik, Gestik, olfaktorische Kommunikation (Geruchssinn) etc. Dies kann man lernen, auch wenn’s manchmal schwierig ist, es lohnt sich aber sehr! Einzelheiten hierzu: http://www.lind-art.de
Ansonsten: Volle Zustimmung zum Ausgangsposting!
Grüße
Sebastian