Welpen-Erziehung

Hallo zusammen,

ich habe einige Fragen zur Hunde-Erziehung und hoffe ihr könnt mir helfen:

  1. Wie wichtig ist der Besuch der Welpenschule wirklich??
    „Mein“ Welpe wird in 14 Tagen 9 Wochen alt, und ich überlege, eine Hundeschule zu besuchen. Ich habe mir schon einige Schulen in der Gegend angesehen und auch Bücher zu dem Thema angeschafft, und schon komme ich zur 2. Frage:

Im Buch steht: „Beim Spiel niemals den Hund gewinnen lassen. Herrchen/Frauchen beendet immer das Spiel, indem er/sie das Spielzeug wegnimmt; dadurch lernt der Hund, wer der Boss ist.“

„Lehrer“ in der Hundeschule sagte: „Wenn Sie einen Pulli anhaben, den Sie nicht bereit sind herzugeben, dann fangen Sie gar nicht erst ein Spiel an. Spielen Sie nur dann, wenn Sie dem Hund am Ende die „Beute“ lassen können, das ist wichtig für den Hund.“

Was stimmt denn nun???

Und 3: Was zeichnet eine gute Hundeschule aus?

Ich habe bisher 3 Beispiele gesehen:

Die Erziehungsmethode der Ersten zielte voll auf spätere Turnierhund-Ausbildung ab; Grundgehorsam usw. müßten wir selber zu Hause den Hunden beibringen. Außerdem wären wir mit unseren 4 Welpen, die alle Wurfgeschwister sind, alleine! (Lt. Buch soll Hund aber viele Hunde kennenlernen in den ersten Monaten)

Die 2. war - in meinen Augen - Tierquälerei, jedenfalls wurden Methoden angewandt, bei denen meine 3 Bakannten und ich uns gleichzeitig ohne Absprache umgedreht haben und gegangen sind. (Nachdem Schreien und Schlagen nichts genützt hat, wurde der Hund vom Besitzer auf den Boden gedrückt; Trainer stand die ganze Zeit daneben und sagte nichts. Und alles nur weil der relativ junge Hund aufgeregt war und nicht stillsitzen konnte ob der vielen Spielkameraden!)

Die 3. Schule hat mir prinzipiell gut gefallen, guter Umgang mit den Hunden, guter Ton untereinander, gute Mischung aus Spiel/Lernen. Haken: Es gab 20 Teilnehmer, wenn wir dazukommen sind es 24 - lernt man da noch was??

Also: Hundeschule - ja oder nein?
Wenn ja: Welche Abstriche muß man machen/kann man am ehesten in Kauf nehmen?
Wenn nein: Welche Bücher helfen Hund und Herrchen, gute Partner zu werden?

Noch zur Erklärung: Mit der „Mama“ habe ich dann 2 Hunde. Leila ist mir als ca. einjährige zugelaufen, sie war von Anfang an total lieb und ich habe Hundeschule als unnötig angesehen. Naja, und jetzt hat sie so ein-zwei Macken, die ich ihr nicht abgewöhnen kann. Dies will ich mit ihrer Tochter vermeiden, denn 2 Hunde mit diesen Macken wären mir zu anstrengend :smile:

Sorry daß der Artikel so lang geworden ist…

Ich hoffe ihr könnt mir mit ein paar Tips oder eigenen Erfahrungen helfen!

Grüße,
Sandra

Hallo Sandry,

der Welpe ist jetzt 7 Wochen alt und eigentlich gehört er noch zur Mutter. Er gehört jedenfalls an keinen Ort, an dem gebrüllt und gedrillt wird. Dahin gehört überhaupt kein Hund. Die im Moment wesentlichen Dinge kannst weder Du noch ein anderer Mensch dem kleinen Fellbündel beibringen. Das können nur Artgenossen. Genau darin kann in ein paar Wochen der Sinn einer Hundeschule liegen. Laß dem Tier seine Spielzeit und Zeit genug, seine Welt zu entdecken. Für etwas mehr zielgerichtete Erziehung ist es in ein paar Monaten noch früh genug. Bis dahin kann der kleine Kerl unter anderen Hunden Sozialverhalten lernen.

„Wenn Sie einen Pulli anhaben, den Sie nicht bereit sind :herzugeben, dann fangen Sie gar nicht erst ein Spiel an. :Spielen Sie nur dann, wenn Sie dem Hund am Ende die „Beute“ :lassen können, das ist wichtig für den Hund.“

Na ja, solche Weisheiten sind unabhängig vom Wahrheitsgehalt einfach lebensfremd für den in der Familie lebenden Hund. Ich halte solche Dinge für nebensächlich und nicht wert, ein Dogma daraus zu machen.

Ein Hund braucht Auslauf, Beschäftigung und Zuwendung. Er braucht klare Grenzen und sollte im Laufe der Zeit lernen, ohne Gezerre an der Leine neben den Familienmitgliedern zu laufen. Ansonsten sollte er ebenfalls im Laufe der Zeit lernen, auf bestimmte Kommandos zuverlässig zu gehorchen. Das reicht doch schon, damit das Zusammenleben mit dem neuen Familienmitglied für die nächsten vielen Jahre Freude macht.

Was zeichnet eine gute Hundeschule aus?

Wenn Du Dir das dort anwesende Publikum ansiehst, weißt Du schon eine Menge. Wenn die Tiere dort angebrüllt werden und Kasernenhofton herrscht, ist es keine Hundeschule, sondern ein Ort zum Aufmöbeln des Selbstbewußtseins von Psychopathen. Hochgesteckte Erziehungsziele bei Welpen halte ich für unsinnig. Das sollte auch keine Hundeschule versuchen. Sie ist für die nächste Zeit allenfalls ein Ort, wo der Welpe spielerisch mit Artgenossen in Kontakt kommt. Wenn die Hundeschule sich darauf beschränkt, würde ich sie für in Ordnung halten.

Ansonsten mußt Du selbst wissen, was Du Deinem Hund gestatten möchtest und wo Du Grenzen setzen willst. Hat er einen Platz auf einem Wohnzimmersessel… darf er gar ins Bett? Niemals! Diesen festen Vorsatz hatte ich jedenfalls, als der Rauhhaardackel Fiete vor fast 30 Jahren als Welpe zu uns kam. Er war so winzig, daß er bequem auf meiner Handfläche Platz fand. Aber mit den Erziehungsvorsätzen verhält es sich wohl so ähnlich wie mit dem Neujahrsversprechen, das Rauchen aufzugeben. Und wer je erlebte, wie gut sich der Hund an einem lausig naßkalten Wintertag als Wärmflasche am Rücken eignet, vergißt schon mal das dumme Erziehungsgeschwätz von gestern. Fiete wurde biblische 17 Jahre alt, überstand sogar mit Massagen und Rotlichtbestrahlungen die Dackellähme. Er sollte eigentlich ein Jagdhund werden, aber er dachte nicht im Traum daran, jemanden an die gefundene Beute zu lassen. Die fraß er lieber selbst. Er war ein richtiges Mistvieh, aber unglaublich lieb.

Gruß
Wolfgang

Hallo Sandra,

ich habe einige Fragen zur Hunde-Erziehung und hoffe ihr könnt
mir helfen:

Da könnte man viele viele Seiten dazu schreiben, das kann man hier nur ganz oberflächlich streifen.

  1. Wie wichtig ist der Besuch der Welpenschule wirklich??

Die Welpenschule sollte eigentlich Welpenspielstunde oder Welpenprägungsstunde heißen. Die Welpen sollen dort gar nicht viel lernen, sondern der Sozialisierungsvorgang, der im Spiel mit den Wurfgeschwistern und der Mutter begonnen wurde, soll hier fortgesetzt werden. Die Welpen sollen lernen, mit Hunden aller Rassen und Temperamente umzugehen, sich durchzusetzen, sich auch unterwerfen zu können, die Beißhemmung wird hier weiter entwickelt usw. usw. Darüberhinaus werden die Welpen (zumindest in einer guten Hundeschule) mit verschiedenen Dingen konfrontiert wie z.B. verschiedene Untergründe (Teppich, Gummi, Stein, Holz usw.), Röhren, Wippe, Laufsteg usw., mit denen sie vertraut gemacht werden, ohne dass sie hierbei schlechte Erfahrungen machen. Wenn sie dann später auf ungewohnte Bedingungen stoßen, sind sie selbstbewusst und angstfrei.

Im Buch steht: „Beim Spiel niemals den Hund gewinnen lassen.
Herrchen/Frauchen beendet immer das Spiel, indem er/sie das
Spielzeug wegnimmt; dadurch lernt der Hund, wer der Boss ist.“

Das ist soweit richtig. Hier wird die Rangordnung ohne Zwang festgelegt, indem der Hundeführer Beginn und Ende des Spiels bestimmt. Agieren, nicht reagieren, dass ist die wichtigste Regel bzgl. der Rangordnung.

„Lehrer“ in der Hundeschule sagte: „Wenn Sie einen Pulli
anhaben, den Sie nicht bereit sind herzugeben, dann fangen Sie
gar nicht erst ein Spiel an. Spielen Sie nur dann, wenn Sie
dem Hund am Ende die „Beute“ lassen können, das ist wichtig
für den Hund.“

Auch das ist richtig. Man möchte beim Hund den Drang zum Spielen (die sogenannte Spielappetenz) fördern, da man über das Spiel dem Hund sehr viel beibringen kann. Was motiviert den Hund am meisten? Erfolg! D.h. er muss beim Beutestreiten häufig Erfolg haben, dann spielt er gerne wieder. Hat er selten oder nie Erfolg, weil der Hundeführer zu überlegen spielt, dann ist er frustriert und gibt es irgendwann auf.

Was stimmt denn nun???

Beides, siehe oben. Das eine bezieht sich doch auf Anfang und Ende des Spiels, das andere auf das Den-Hund-Erfolg-haben-lassen.

Und 3: Was zeichnet eine gute Hundeschule aus?

Kein Geschrei, kein Stachelhalsband, kein Teletakt, kein übertriebenes Leinengerucke.

Arbeit mit Spiel, positiver Verstärkung (Lob, Leckerli).

Schau Dir am Besten die Hunde an, wie die bei der Sache sind. Sind sie geduckt? Angstvoll? Oder freudig motiviert?

Eine Ausbildung geht nicht immer ganz ohne Zwang ab. Bereits eine Leine ist ja Zwang, da man den Hund physisch daran hindert, dort hinzugehen, wo er hinwill, wir zwingen ihm unseren Willen auf. Aber Zwang/Meidemotivation muss sehr fein dosiert sein und nur dort angewandt werden, wo man mit Primär- und Sekundärmotivation nicht weiterkkommt.

Sorry: Primärmotivation = Motivation durch Freude am Tun, Sekundärmotivation = Motivation durch Bestärkung/Belohnung, Meidemotivation = Motivation durch negatives Feedback. Die Prioritäten bei der Ausbildung sollten in dieser Reihenfolge liegen.

Also: Hundeschule - ja oder nein?

Ja, wenn es eine gute ist (siehe Euer drittes Beispiel). Die große Gruppe ist bei Welpen kein so großes Problem, es geht ja nicht um die konzentrierte Ausbildung, sondern um die Kontakte und Erfahrungen der Hunde untereinander und um das spielerische Kennenlernen von Umgebungsreizen. Bei besonderen Problemen kann man ggf. später immer noch Einzelstunden bei dem Ausbilder nehmen und zusätzlich in die Gruppe gehen.

Wichtig ist übrigens auch: Im Alter zwischen 8 und 16 Wochen möglichst alle Alltagssituationen durchmachen: Restaurant, Menschenmenge, Aufzug fahren, lauter Verkehr in einer Stadt, Staubsauger, Tierarztuntersuchungen (auch wenn sie gerade nicht nötig sind, oder gerade dann, dann gibt es keine schlechte Erfahrung damit), Pferde, Autofahren, Treppen verschiedener Arten (Stein, Mamor, Holz, offene Stufen) rauf und runter, in Geschäfte reingehen (falls erlaubt), von Kindern streicheln lassen, im Hotel übernachten …
Ein Hund, der das in jungem Alter alles mitgemacht hat, ohne dabei schlechte Erfahrungen gemacht zu haben (er wurde nicht gefressen!), wird später ein angenehmer Begleithund werden, der sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen lässt.

Wenn ja: Welche Abstriche muß man machen/kann man am ehesten
in Kauf nehmen?

Große Gruppen sind nicht so schlimm wie raue Methoden.

Wenn nein: Welche Bücher helfen Hund und Herrchen, gute
Partner zu werden?

Ich bin ein großer Fan von Ekard Lind (http://www.lind-art.de/). Lind verwendet das Spiel als Mittel zur Motivation und nutzt instinktive Reaktionen und Verhaltensweisen der Hunde zur Ausbildung aus. Selbst wenn man diese Methode nicht 100%ig anwenden möchte (manche finden sie etwas zu umständlich), man lernt aus seinen Büchern sehr viel über Motivationslehre, über Anforderungsstufen, Über- und Unterforderung, über die Balance zwischen Rangordnung, Vertrauen und Kommunikation, über artgerechte Kommunikation usw.

Ich habe die einzelnen exakten Titel derzeit nicht dabei (bin unterwegs), ich kann sie aber gerne nachreichen. Einfach mal bei Amazon nach Ekard Lind suchen. Die Bücher heißen sinngemäß „Richtig spielen mit Hunden“, „Hunde spielend motivieren“, „Team Balance“, „Mensch - Hund - Harmonie“.

Ich habe das hier im Forum schon ein paarmal geschrieben, ich glaube, ich muss mir mal einen Text dazu bereitlegen, den ich dann immer reinstellen kann …

Wichtig zu wissen ist noch, dass Hundeerziehung 24 Stunden am Tag stattfindet (na ja, während des Schlafens nicht), nicht nur auf dem Hundeplatz. Wenn man noch so schön ausbildet, aber sich im Alltag falsch verhält und z.B. seine Rangposition nicht richtig vertritt oder das Vertrauen des Hundes erschüttert, geht’s trotzdem schief.

Sorry, ist sehr lang geworden … wenn Du noch Fragen hast …

Liebe Grüße
Sebastian

Hallo Sandra,

erst einmal finde ich es gut, dass du dir Gedanken machst und mehrere Hundeschulen besucht hast.

Als ich meine Cora damals bekam, bin ich genauso vorgegangen. Eine gute Hundeschule lässt dich z.B. 2- 3 mal kostenlos teilnehmen, um auch zu sehen, ob die Tiere sich vertragen. ich selbst habe z.B. Wert darauf gelegt, dass nicht nur eine Rasse vorhanden ist, sondern ein buntes Gemisch. Problematisch waren dabei nie die Hunde - sondern das andere Ende der Leine, wenn die Besitzer/Innen ihre Hunde auf den Arm nahmen.

Ansonsten kann ich nur sagen, wir sollten immer vorher mit den Hunden laufen, damit sie evtl. ihr Häufchen machten - und wenn es während des Spiels passierte - stand da eine Schaufel, also kein Drama.

Es gab dann so 20 - 25 Minuten freie Spieleinheiten - und dabei auch Balgereien, was jedoch natürlich ist, um unter den Hunden zu ermöglichen, eine Rangordnung festzulegen.Nur wenn es zu arg wurde, griffen die Trainer ein (bei uns waren bei ca. 20 Hunden immer mind. 2 Trainer anwesend). Schwieriger war es mit Herrchen oder Frauchen mit anzusehen, wenn ihr kleiner Liebling auch mal bedrängt wurde - oder selber agierte.

Anschließend gingen immer 10 Leute mit ihren Hunden raus, um zu üben, auch in Gegenwart anderer Hunde „bei Fuß“ zu gehen, die Grundbegriffe zu lernen, und wie Sebastian beschrieben hat. Meine wollte z.B. nie über eine Wippe laufen - bis ihr Liebling vorpreschte - und schwupps sie hinterher.

Wir haben nur mit Lob und „Nein“ und „Aus“ gearbeitet, kein Schreien, keine Schläge - das war mir sehr wichtig.

Anschließend wurde noch einmal frei gespielt, wenn die andere Gruppe die Übungen machte.

Ich habe selbst in dieser Zeit viel gelernt, mich auch ausgetauscht mit anderen - was uns sehr hilfreich war.

Ich denke, dadurch hat meine nie Probleme gehabt, wenn sie frei am Hundestrand kilimeterweit herumlief, wenn wir andere Hunde trafen. Und - ein bisschen stolz bin ich schon - sie hört sehr gut - auch wenn ich weiss, dass man dafür nie die Hand ins Feuer legen darf.

Unsere Hundeschule, bei der wir dann blieben, war übrigens als Verein organisiert und nicht kommerziell. Erst ab 1 Jahr konnte man dort Kurse belegen, um gewissen Prüfungen das Tier auszusetzen. Das haben wir aber nie gemacht.

Was ich übrigens ganz besonders gut auch fand —

  1. ich habe meine Angst vor Begegnungen mit anderen Hunden verloren - ob mit oder ohne Leine. (Grundregel, ein Hund an der Leine, alle Hunde an der Leine)
  2. und wir bekamen Kontaktadressen, um jederzeit bei Sorge um das Wohlergehen unserer Lieblinge, jemanden anrufen und nachfragen zu können.-

Vielleicht hilft dir mein laienhafter Beitrag, die richtige Entscheidung zu treffen.

Liebe Grüße
Chris

Nachtrag
Hallo Sandra,

ich habe gerade gesehen, dass ich hier eine missverständliche Antwort gegeben habe.

Im Buch steht: „Beim Spiel niemals den Hund gewinnen lassen.
Herrchen/Frauchen beendet immer das Spiel, indem er/sie das
Spielzeug wegnimmt; dadurch lernt der Hund, wer der Boss ist.“

Das ist soweit richtig. Hier wird die Rangordnung ohne Zwang
festgelegt, indem der Hundeführer Beginn und Ende des Spiels
bestimmt. Agieren, nicht reagieren, dass ist die wichtigste
Regel bzgl. der Rangordnung.

Der Satz „Das ist soweit richtig.“ bezog sich nicht auf „Beim Spiel niemals den Hund gewinnen lassen.“, sondern nur auf den Rat, dass der Hundeführer das Spiel beginnt und beendet. Während des Spiels muss man den Hund oft gewinnen lassen, gerade eine Welpen, denn nichts spornt so an wie Erfolg (siehe meine lange Antwort).

Liebe Grüße
Sebastian

Danke!
Hallo,

danke euch dreien, ihr habt euch solche Mühe gegeben! Eure Antworten haben mir sehr geholfen.
Wir entscheiden uns für die Schule, die uns am besten gefallen hatte, die wir aber für „überfüllt“ hielten.
Später für die Ausbildung werden wir uns aber erneut orientieren, da ich immer noch der Meinung bin daß man mit sovielen Hunden in einer Gruppe kaum etwas lernen kann, da kann ja auch keine Konzentration aufkommen.
Jetzt ist aber erstmal das Spielen an der Reihe :smile:

Danke nochmal,

Sandra

Hallo Sebastian,
dein Bericht gefällt mir, habe aber hierzu eine Frage:

Wichtig ist übrigens auch: Im Alter zwischen 8 und 16 Wochen
möglichst alle Alltagssituationen durchmachen: Restaurant,
Menschenmenge, Aufzug fahren, lauter Verkehr in einer Stadt,
Staubsauger, Tierarztuntersuchungen (auch wenn sie gerade
nicht nötig sind, oder gerade dann, dann gibt es keine
schlechte Erfahrung damit), Pferde, Autofahren, Treppen
verschiedener Arten (Stein, Mamor, Holz, offene Stufen) rauf
und runter, in Geschäfte reingehen (falls erlaubt), von
Kindern streicheln lassen, im Hotel übernachten …
Ein Hund, der das in jungem Alter alles mitgemacht hat, ohne
dabei schlechte Erfahrungen gemacht zu haben (er wurde
nicht gefressen!), wird später ein angenehmer
Begleithund werden, der sich nicht so leicht aus der Ruhe
bringen lässt.

Habe zufällig im Radio gehört, daß ein Professor in
Recklinghausen eine neue Behandlung für Neurodermitis anwendet.
Seine Argumentation ist, daß die Neurodermitis (beim Menschen
und auch schon beim Kleinkind) durch zu viel Streß entsteht und
der Körper darauf reagiert. Heute wird das Baby überall mit
hingetragen, es ist allen Reizen ausgesetzt, und das soll wohl
nicht so gut sein. Gut, Hunde habe ich noch nicht mit
Neurodermitis gesehen, und ich hoffe, sie sind widerstandfähiger
als wir Menschen, trotzdem habe bei deiner Argumentation etwas
Bedenken. Sie sollen lernen, auf Gefahren adäquat zu reagieren,
aber ich glaube, zuviele Eindrücke sind auch für Hunde nicht
gut.
Vielleicht irre ich mich ja auch. Gruß Fritz

Hallo Fritz,

Gut, Hunde habe ich noch nicht mit
Neurodermitis gesehen, und ich hoffe, sie sind
widerstandfähiger
als wir Menschen, trotzdem habe bei deiner Argumentation etwas
Bedenken. Sie sollen lernen, auf Gefahren adäquat zu
reagieren,
aber ich glaube, zuviele Eindrücke sind auch für Hunde nicht
gut.

Natürlich darf man einen Welpen nicht überfordern. Man soll das ganze Programm ja auch nicht an einem Tag absolvieren, sondern verteilt während der Prägungsphase. Würde man dem Welpen zu viel zumuten, so dass er am Ende gar ängstlich reagieren würde, hätte man genau das Gegenteil von dem erreicht, was man eigentlich will.

Sie sollen lernen, auf Gefahren adäquat zu reagieren …

Nein , das sollen sie nicht. Es sollen ihnen möglichst gar keine Gefahren entstehen, sie sollen diese Eindrücke als positiv in Erinnerung behalten. Der Welpe soll mit den Geräuschen, Gerüchen und den optischen Reizen vertraut gemacht werden. Er soll die Erfahrung machen, dass „unbekannt“ nicht zwangsläufig mit „gefährlich“ gleichzusetzen ist. Er soll Vertrauen zu seinem Rudelführer bekommen.

Ein Welpe nähert sich unbekannten Lebewesen und Dingen meistens zwar mit Vorsicht, aber unvoreingenommen und neugierig. Dies ist die Chance, ihm viele Dinge bekannt zu machen, auf die er sonst als erwachsender Hund ängstlich reagieren würde, wenn er sie nie vorher gesehen/gehört/gerochen hat.

Geh mal mit einem erwachsenen Hund in die Innenstadt, der dort noch nie war, das ist grauselig für Hund und Herrn. Der Hund hat das Gefühl, ihm fällt der Himmel auf den Kopf.

Wichtig ist immer, dass der Hund das Ganze positiv verknüpft. Wir wollten z.B. einmal mit unserer Junghündin mit dem Zug fahren. An diesem Tag regnete es und war kalt und windig, da haben wir das natürlich verschoben, nicht, weil es uns nicht gepasst hätte, sondern weil die Hündin die Zugfahrt mit „nass“ und „kalt“ verknüpft hätte.

Dass man diese Aktionen gut überlegen und wohl dosieren muss, ist natürlich wichtig.

Unsere Hündin (http://www.von-kracht.de/files/annie.jpg) hat das alles gut verkraftet und ist sehr unerschrocken und frei, sie hat keine Angst vor fremden Menschen, anderen Hunden, ungewöhnlichen Geräuschen usw., zeigt aber die arttypische Vorsicht, also alles genau so, wie man es sich wünscht.

Grüße
Sebastian

1 „Gefällt mir“

Wir sind uns im Grunde ja einig
Hallo Sebastian,

Sie sollen lernen, auf Gefahren adäquat zu reagieren …

Nein , das sollen sie nicht. Es sollen ihnen möglichst
gar keine Gefahren entstehen, sie sollen diese Eindrücke als
positiv in Erinnerung behalten. Der Welpe soll mit den
Geräuschen, Gerüchen und den optischen Reizen vertraut gemacht
werden. Er soll die Erfahrung machen, dass „unbekannt“ nicht
zwangsläufig mit „gefährlich“ gleichzusetzen ist. Er soll
Vertrauen zu seinem Rudelführer bekommen.

Kann dir nur hier nicht ganz folgen. Straßenbahnen, Autos,
Rasenmäher etc., das alles sind Gefahren für Tiere. Vertrauen in
den Rudelführer ist gut, aber was ist, wenn der Rudelführer
gerade mal nicht da ist? Da ist ein adäquates Lernen auf
Gefahren sicher sinnvoll, aber das beherrschen die Tiere wohl
von selbst. Welcher Hund freut sich schon, wenn der Staubsauger
angemacht wird? Hast übrigens eine schöne Hündin!
Gruß Fritz

Hallo Fritz,

Straßenbahnen, Autos,
Rasenmäher etc., das alles sind Gefahren für Tiere.

Richtig, und da ein Hund nicht in der Lage ist (und es ohne entsprechende Ausbildung - siehe unten - nie sein wird), diese Gefahren richtig einzuschätzen und sich davor zu schützen, darf er ihnen natürlich niemals ohne Begleitung des Hundeführers oder unangeleint begegnen. Glücklicherweise sind die oben aufgezählten Gefahren mit Lärm verbunden, was die meisten Hunde vorsichtig sein lässt.

Trotzdem, ein Hund kann nur mit aufwendigster Ausbildung (Blindenhunde) lernen, sich alleine bzw. mit einer zu schützenden Person im Straßenverkehr sicher zu bewegen.

Vertrauen in den Rudelführer ist gut, aber was ist, wenn
der Rudelführer gerade mal nicht da ist?

Das sollte niemals passieren, und wenn doch, dann hoffentlich siehe oben.

Der Welpe soll lernen, dass er darauf vertrauen kann, dass der Rudelführer ihn nicht „ins Verderben“ führt, dass ihm trotz ungwohnter Geräusche, Gerüche etc. nichts passiert, wenn er ihm folgt.

Da ist ein adäquates Lernen auf
Gefahren sicher sinnvoll, aber das beherrschen die Tiere wohl
von selbst.

Siehe oben …

Welcher Hund freut sich schon, wenn der
Staubsauger angemacht wird?

Der ist ja nun nicht gerade die größte Gefahr, aber die meisten Hunde haben einen gehörigen Respekt vor solchen Geräuschen. Ich hatte allerdings auch schon Hunde, die konnte man absaugen, die fanden das sehr spaßig und kamen angelaufen , wenn der Staubsauger anging. Wahrscheinlich war das für sie so eine Art Massage …

Hast übrigens eine schöne Hündin!

Danke im Namen von Annie, sie fühlt sich sehr geschmeichelt :wink:

Grüße
Sebastian