Katzenhilfe

Hallo liebe Experten,

ich hätte da mal ein kleines großes Anliegen.

Unser Nachbar, ein Bauer, hatte in seiner Scheune eine wahrscheinlich ausgesetzte, jedenfalls fremde und scheue Katze herumlaufen. Nachdem sich herausstellte daß das Tier sich zum Bleiben eingerichtet hatte und auch fleissig Mäuse fing, hat er ihr regelmäßig Futter und Wasser hingestellt, kam jedoch nie an sie heran.
Folglich ist er auch nie mit ihr beim Tierarzt gewesen…
Und jetzt sind es ihrer 4!!

Frage: Damit die Vermehrung jetzt nicht lustig weitergeht, möchte mein Nachbar schon gerne etwas unternehmen. Kastrieren kostet allerdings 80 Euro pro Katze, und auch der Hinweis, daß es sich nicht um Hauskatzen handelt konnte den Preis nicht mindern.

Gibt es Organisationen, die in sochen Fällen finanzielle Unterstützung leisten? Oder Tierärzte, die wilde Katzen günstiger operieren?

Und dann gibt es noch ein Problem: Wie kann man die scheue Mutterkatze einfangen? Thunfisch in den Reisekorb hat er schon ausprobiert, aber das geht nicht, solange jemand danebensteht oder sich in der Nähe versteckt, kommt die Katze nicht, und wenn man weiter weg ist geht sie zwar an den Korb heran oder auch hinein, aber bis man dort ist um ihn zu schliessen ist sie längst weg.
(Die Katzenkinder sind zum Glück relativ zahm und haben sich sogar mit seiner Hauskatze, die auch erst 4 Monate alt ist, angefreundet.)

Wer hat Erfahrungen damit oder kann mir Tipps geben?

Danke und liebe Grüße,
Sandra

Hallo Sandra,

irgend welche Tierärzte werden Dir, dem Bauern und den Katzen nicht helfen können. Es muß schon ein in der Nähe niedergelassener Tierarzt oder eine Tierärztin sein. Wenn die jungen Katzen einigermaßen zutraulich sind, kann man sie kastrieren lassen und vorher mit dem TA einen tragbaren Preis aushandeln. Allgemein wissen die im ländlichen Raum ansässigen Tierärzte um die Problematik, daß es mit dem Kümmern um die Haustiere oft nicht weit her ist. Die Leute geben für jeden Mist Geld aus, aber der Gegenwert von ein paar Flaschen Schnaps ist schon zu viel, wenn es um Haustiere geht. Als ich mich in der Gegend nach einer Kleintierpraxis umhörte und dort anrief, um eine meiner Stubentigerdamen kastrieren zu lassen, vermutete die Ärztin am anderen Ende der Strippe sofort, daß ich zugezogen sein müsse. Um solche Dinge kümmert sich sonst kein Mensch in der Gegend. Es entspricht auch meiner Beobachtung, daß einige Leute die Tiere lieber erschlagen oder den Dingen ihren Lauf lassen, bevor sie Geld ausgeben.

Es ist kaum glaubhaft, daß der Landwirt, in dessen Scheune jetzt 4 Katzen leben, mit 80 Euro oder auch 4 x 80 Euro überfordert ist. Ihm ist vermutlich das Geld zu schade. Die Gepflogenheiten einer tierärztlichen Praxis auf dem Land sind mir gut bekannt. Da rechnet doch kein Mensch jeden Handschlag ab. Mancher Tierarzt schaut bei seiner Fahrt über Land, wenn er irgendwo zu einem Pferd sehen oder Geburtshelfer im Kuhstall „spielen“ muß, bei dem einen oder anderen Pappenheimer vorbei, weil er genau weiß, daß sich die Leute von alleine erst melden, wenn nichts mehr zu retten ist. Und ob der Bauer eine oder 4 Katzen zur Kastration bringt, macht dann auch keinen großen Unterschied mehr. Wird oft genug sogar angeschrieben, Rechnung kommt irgendwann.

Es gibt in einigen Städten Privatleute, die entweder ganz aus der eigenen Tasche oder mit Hilfe von Tierheimen Streuner zur Kastration bringen, falls sie sich fangen lassen. Geldknappheit ist dabei wohl eines der größten Probleme. Im ländlichen Raum verhungern die Katzen nicht. Das Elend ist nicht so drückend. Beutetiere gibts genug und Unterschlupf findet sich in jedem Schuppen.

Wenn der Landwirt ein geiziger Sturkopf ist, würde ich an Deiner Stelle mit einem TA einen Vorzugspreis vereinbaren, mit dem Landwirt zusammen legen oder notfalls auch alles alleine bezahlen und wenigstens die weiblichen Tiere kastrieren lassen. Die verwilderte ältere Katze wirst Du nur mit viel Geduld oder überhaupt nicht fangen können. Mit den Händen wirst Du nie heran kommen. Dann bleibt nur noch eine Kastenfalle mit leckerer Verlockung.

Gruß
Wolfgang

Hallo Sandra,

Gibt es Organisationen, die in sochen Fällen finanzielle
Unterstützung leisten? Oder Tierärzte, die wilde Katzen
günstiger operieren?

Über den nächsten Tierschutzverein dürfte es zumindest eine Ermäßigung beim TA geben, frag doch dort mal nach und am besten auch bei verschiedenen Tierärzten.

Und dann gibt es noch ein Problem: Wie kann man die scheue
Mutterkatze einfangen? Thunfisch in den Reisekorb hat er schon
ausprobiert, aber das geht nicht, solange jemand danebensteht
oder sich in der Nähe versteckt, kommt die Katze nicht, und
wenn man weiter weg ist geht sie zwar an den Korb heran oder
auch hinein, aber bis man dort ist um ihn zu schliessen ist
sie längst weg.

Fallen kann man sich glücklicherweise nicht nur bei Jägern ausleihen sondern auch beim Tierschutz. Nimm, wenn möglich, eine Falle aus Holz; in den vergitterten Drahtfallen gibt´s oft blutige Nasen weil die Katzen in ihrer Angst gegen das Gitter rennen. Die Holzfallen dagegen sind dunkel.
Wichtig ist, die Katze dann in der fest verschlossenen (!) Falle zum TA zu transportieren und einen Bettdeckenbezug o.ä. mitzunehmen. Beim TA stülpt man den dann über die Falle, öffnet diese, die Katze rennt in den Bezug und der TA kann ihr so schnell ein Sedativum spritzen. Auf gar keinen Fall sollte man versuchen, eine so scheue Katze mit der Hand aus der Falle rauszuholen. Das geht so gut wie immer schief und ist dann letztendlich nur noch stressiger für sie.

(Die Katzenkinder sind zum Glück relativ zahm und haben sich
sogar mit seiner Hauskatze, die auch erst 4 Monate alt ist,
angefreundet.)

Hier ist es ganz wichtig, sie auch mit 5-6 Monaten (oder ab 2kg Körpergewicht) kastrieren zu lassen, damit die Vermehrung nicht doch noch weitergeht. Sollten sie vermittelt werden, wäre ein entsprechender Schutzvertrag (gibt´s auch beim Tierschutz) nicht schlecht.

Wer hat Erfahrungen damit oder kann mir Tipps geben?

Zum Schluß bleibt nur zu sagen, daß man die Falle evt. tagelang stehenlassen muß (Essen darin immer wieder erneuern), weil Katzen sehr vorsichtig sind und sie nicht am ersten Tag hineingehen wird. Wichtig ist auch, sich die Funktionswiese der Falle genau erklären zu lassen, damit nichts schief geht.

Berichte doch bitte auch über Deine Erfahrungen.
Bis dahin erst mal viel Glück!

Tanja