Hallo Anke,
da ich ganz entschieden zur „Nimm-2“-Riege gehöre, kann ich dir nur wenig Contra-Punkte für eine Zweitmieze liefern
. Der einzige Punkt der mir dazu einfällt, sind die Kosten. Zwei Katzen kosten zwar nicht doppelt soviel, wie nur eine, aber mehr natürlich schon. Tierarzt/Impfkosten fallen doppelt an, Katzenstreu auch, denn bei zwei Katzen reicht ein Katzenklo nicht, da brauchst du mindestens 2. Aber das Futter kostet nicht unbedingt das Doppelte. Wo du bei einer Katze meist nur kleine Dosen/Packungen Futter kaufen kannst, weil es sonst verdirbt/ausraucht, bis es verbraucht werden kann, kannst du bei zwei Tieren immer die größeren Dosen/Packungen nehmen, die umgerechnet wesentlich billiger kommen. Nichts destro trotz bleibt die Tatsache, dass der Unterhalt von zwei Katzen mehr Geld kostet als der von einer Katze.
Allerdings hast du von zwei Katzen mehr als doppelt so viel wie von nur einer. Wer Katzen(kinder) miteinander spielen sieht, braucht im Prinzip keinen Fernsehapperat mehr
. Es sind zwei Pelzis da, die mal schmusen wollen, die mal spielen wollen etc., das heißt, zusammengerechnet sind es mehr Zeit, die dir deine Katzis zum spielen und schmusen schenken. Auf der anderen Seite können sie sich aber auch miteinander beschäftigen und nerven vielleicht auch nicht so, dass sie beschäftigt werden wollen, wenn du gerade mal keine Zeit oder Lust dazu hast.
Und vor allem für die Tiere ist es SEHR viel schöner zu zweit, als allein. Den kätzischen Spielkameraden KANNST du als Mensch nicht ersetzen, selbst wenn du jede Zeit der Welt hast und leidenschaftlich gerne mit Miezi spielst. Du kriegst die Bewegungsabläufe eines kätzischen Spielkameraden nicht hin. Du kannst nicht kreuz und quer durch die Wohnung und über alle Möbel mit der Katze springen, du kannst nicht mit der Katze balgen wie es eine andere Katze tut und du hast bestimmt nicht immer dann zum Kuscheln Zeit und Lust, wenn Mieze Kuschelbedarf hat. Du kannst die Mitkatze definitiv nicht ersetzen.
Dass Katzen so furchtbare Einzelgänger sein sollen, stimmt so einfach nicht. Nicht in der pauschalen Verallgemeinerung. Katzen sind natürlich kein solch ausgeprägtes Rudeltier, wie der Hund. Aber auch Katzen leben „in freier Wildbahn“ ganz selten als Einzelgänger, sondern fast immer in lockeren Zusammenschlüssen. Das trifft für „Großkatzen“ wie Löwen etc. zu, aber auch für verwilderte Hauskatzen. Du triffst sie fast ausschließlich in Rudeln an. Sie brauchen Artgenossen vielleicht nicht zum Beutejagen, aber für soziale Kontakte. Es gibt eine Ausnahme: eine Katze, die durch jahrelange Isolier-Haft (also Einzel-Wohnungshaltung ohne Freigangsmöglichkeit) gehalten wurden, die verlieren ihre Sozialfähigkeit und werden eigenbrödlerische Einzelgänger, die nur sehr schwer wieder an Artgenossen zu gewöhnen sind. Je länger ein Tier allein gehalten wurde, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass eine Vergesellschaftung schief geht. Je kürzer die Einzelhaft war und je jünger das Tier ist, desto sicherer wird es sich über einen Artgenossen freuen!
Natürlich gibt es wie bei Menschen auch bei Tieren immer Persönlichkeiten, die einander ggs. nicht ausstehen können, der sogenannte Hass auf den ersten Blick, das sich-sehen-und-sich-sofort-nicht-riechen-können. Kommt auch bei Katzen vor, so ein Paar kannst du nur sehr schwer bis gar nicht aneinander gewöhnen, das passiert aber gerade bei Katzenkindern nur äußerst selten. Meistens freuen sie sich einfach nur - im wahrsten Sinne des Wortes - wie die Kinder, dass sie endlich jemanden zum Spielen haben und nicht mehr alles so furchtbar langweilig ist. Menschenkinder verkümmern ja schließlich auch, wenn sie keine gleichaltrigen Spielkameraden haben…
Eifersucht… natürlich entsteht bei mehreren Katzen etwas Eifersucht… wie bei Kindern eben auch… aber auch Kinder leben meist viel glücklicher mit Geschwistern als ohne, auch wenns mal die eine oder andere Reiberei gibt. Ich kann dir also nur allerwärmstens empfehlen, deinem Katzenkind baldmöglichst einen Kameraden zu schenken. Ob Männlein oder Weiblein ist da eher zweitrangig. Bei Paaren musst du nur noch verstärkter drauf aufpassen, dass beide rechtzeitig kastriert werden, bevor Nachwuchs kommt.
Wichtiger ist, dass sie temperament- und charaktermäßig zusammen passen. Du solltest niemals einen rauflustigen Reviermacho und ein scheues, sensibles Kätzchen miteinander vergesellschaften. Hast du einen wilden Kämpfer, dann tue einen weiteren wilden Kämpfer (egal ob w oder m) dazu. Dann wirds zwar turbulent, aber die beiden haben was voneinander und ihre Raufspiele machen beiden Spaß, keiner leidet darunter. Hast du ein scheues Sensibelchen, tue genau das auch dazu. Und bitte vergesellschafte um Himmels Willen niemals einen Raufmacho und ein Sensibelchen, sie werden nicht glücklich miteinander. Das Sensibelchen würde hoffnungslos unterdrückt werden und hätte Angst vor dem Macho. Und der wäre mit dem Angsthasen unterfordert, weil er seine Rauflust nicht ausleben kann.
Also, ergo: wenn du aufpasst, dass die Katzen zusammenpassen, gibt es imho soviel wie nichts, was gegen die Zweitkatze spricht und sehr vieles, was dafür spricht. Und ich würde kein halbes Jahr mehr warten, sondern das Kätzchen baldmöglichst (sollte allerdings mindestens 12 Wochen bei der Mamma bleiben dürfen) aufnehmen.
Liebe Grüße
Nena