Hallo
Wir haben einen jungen Rüden und möchten ihn sterilisieren
oder kastrieren lassen (nicht zuletzt auch aus medizin. Gründen).
Was wird normalerweise gemacht?
Was ist besser?
Sind in D Vorschriften, (eventuell neue) diesbezüglich?
Für ernstgemeinte Antworten dankt
Kusanya
Hallo!
Vorschriften gibt es in Deutschland keine, so weit ich weiß. Es ist ja auch nicht zwingend notwendig, einen Rüden zu kastrieren/sterilisieren. Mit den beiden Begriffen komme ich auch immer durcheinander. Ich meine, die Sterilisation bezieht sich auf eine komplizierte OP, bei der (z.B. bei einer Hündin) die gesamte Gebährmutter entnommen wird. Eine Kastration ist lediglich das entnehmen der Hoden aus dem Hodensack. Was die Begriffe angeht, bin ich mir, wie gesagt, nicht sicher. Kann auch umgekehrt sein.
Jedenfalls ist die zweite Methode (Entnahme der Hoden aus Hodensack) recht unkompliziert und wird in der Regel auch angewandt. Reicht beim Rüden auch völlig aus!
GfG,
Galli
Wir haben einen jungen Rüden und möchten ihn sterilisieren
oder kastrieren lassen (nicht zuletzt auch aus medizin.
Gründen).
Was wird normalerweise gemacht?
Was ist besser?
Sind in D Vorschriften, (eventuell neue) diesbezüglich?
Für ernstgemeinte Antworten dankt
Hallo Kusanya,
Sterilisation = „Unfruchtbarmachung“ jeder Art. Landläufig versteht man darunter meist das Abbinden oder Durchtrennen der Samenleiter oder Eileiter. Außer in ganz speziellen Ausnahmen ein Verfahren, das in der Tiermedizin nicht angewandt wird, da sich am Hormonstatus nichts ändert und außer Unfruchtbarkeit nichts erreicht wird.
Kastration = Entfernung der Keimdrüsen. Beim Rüden die Hoden, bei der Hündin die Eierstöcke. Bei der Hündin wird üblicherweise die Gebärmutter mit entnommen (Ovarhysterektomie), da die Bauchhöhle sowieso schon offen ist, der Uterus keine Funktion mehr hat, aber spätere Erkrankungen desselben relativ häufig sind.
Aber jetzt zu deinem Thema: Ich stehe auf dem Standpunkt, dass ein Eingriff, gleich welcher Art, nur dann zu rechtfertigen ist, wenn ich einen tatsächlichen Nutzen (gesundheitlichen, verhaltensmäßigen, Verbesserung der Mensch-Hund-Beziehung,…) erwarten kann. Bei ausschließlich hormonell bedingten Problemen (z.B. Ausbrechen wegen läufiger Hündinnen) ist die Kastration ein probates Mittel, diese zu beseitigen.
Die Kastration des Rüden ist in der Tierarztpraxis ein Routineeingriff mit normalem Narkose- und OP-Risiko.
Grundsätzlich ist es immer wichtig, die Ursache eines sich anbahnenden unerwünschten Verhaltens zu analysieren und dann entsprechende Gegenmaßnahmen einzuleiten.
Leider wird die Kastration (v.a. beim Rüden) oftmals als „Wunderwaffe“ zur Beseitigung von Schwierigkeiten (v.a. innerartlicher Aggressionen) betrachtet, was dann häufig zu Enttäuschungen führt, da der Erfolg ausbleibt bzw. das Problem sich noch verstärkt. Z.B. haben Aggressionen an der Leine, Futteraggressivität etc. Ursachen, die durch eine Kastration nicht beseitigt werden.
Die moderne Medizin setzt zwar auf Vorbeugung; einen Rüden aus „medizinischen“ Gründen zu kastrieren halte ich für übertrieben. Es gibt zwar einige Erkrankungen, die hormonell bedingt sind (Anal- u. Hodentumoren, Perinealhernien, Prostatabeschwerden), welche aber i.d.R., falls sie auftreten sollten, gut beherrschbar sind. Die Wahrscheinlichkeit einer anderen lebensbedrohlichen Erkrankung ist um ein Vielfaches höher.
Rechtlich hat man in Deutschland nichts zu befürchten, obwohl man sich, rein juristisch, sich unter Umständen in einer Grauzone bewegt.
Gruß
Johnny
Wir haben einen jungen Rüden und möchten ihn sterilisieren
oder kastrieren lassen (nicht zuletzt auch aus medizin.
Gründen).
Was wird normalerweise gemacht?
Was ist besser?
Sind in D Vorschriften, (eventuell neue) diesbezüglich?
Für ernstgemeinte Antworten dankt
Liebe Tierfreundin
Die Meinungen 2er erfahrener Tierärzte auf eine ähnliche Frage im Forum von
Tierinformation
Dr. B.
Rüden werden kastriert (Hodenentfernung, Orchiektomie), kaum sterilisiert
(Samenleiterdurchtrennung od. -abbindung, Vasektomie)
Ich selbst empfehle die Kastration nur bei Vorliegen einer sozialen oder
medizinischen Indikation und nicht routinemässig. Das Ziel Nr.1 der Kastration
ist ja nicht die Unfruchtbar-Machung, sondern die Elimination des
Testosteron-Einflusses auf das Sozialverhalten oder die Testosteron-Wirkung auf
verschiedene Organe (Prostata-Hyperplasie, Perianal-Tumoren, Perineal-Hernie
usw.) Dann ist das Testosteron-Defizit auch erwünscht und niemals ein Problem.
Dr. G.
Kastration, Orchiektomie, ist die Regel. Gewünscht ist ja die Elimination aller
sexuellen Erscheinungen: Imponierverhalten bis zur gesteigerten innerartlichen
Aggression, streunen, Markieren bei jeder Gelegenheit, Prostataprobleme
(Hyperplasie, Entzündungen, Zysten, Tumore), Smegmaausfluss.
Der mögliche Hormonmangel zeigt sich in besserer Futterverwertung,
Harninkontinenz in ca. 10%, mögliche Fellveränderungen in den Flanken. Während
die bessere Futterverwertung die Futterkosten senkt, ist Harninkontinenz relativ
einfach medikamentös behandelbar, Fellveränderungen sind dagegen oft nur sehr
schwierig therapierbar.
Die Kastration ist nicht vorgeschrieben in der Schweiz. Wie die Verhältnisse in
den deutschen Bundesländern sind (zB. versch. Kampfhundevorschriften,
Vorschriften nach Vorfällen mit «gefährlichen» Hunden), wissen wir leider nicht.
Weitere Erklärungen: siehe im ausgezeichneten und ausführlichen Beitrag von
Johnny
Mit tierfreundlichen Grüssen
Marc für http://www.tierinformation.ch.tt/