Hallo Galli,
In einem Wolfsrudel ist das sicher so. Aber zu Hause bin ich
der Rudelboss, der bestimmt, wer an welcher Stelle steht. Und
wenn ich als Alphatier sage, die Katze kommt zuerst, dann
kommt sie zuerst. Basta.
das Ganze hat mit einem Wolfsrudel nichts zu tun. Im Gegensatz zu Wölfen leben wir mit Hund, Katz und Maus in Lebensgemeinschaften, die mit der von Wölfen nur bedingt vergleichbar sind. Rudel sind artspezifisch, und - was entscheidend ist - es sind genetisch familiäre Bindungen vorhanden. Der Hauptzweck des Rudels ist die erfolgreiche Weitergabe eigener Gene und die Arterhaltung, ansonsten wäre es lediglich eine Gruppe von Wölfen oder Hunden.
Nachdem weder Mensch noch Katze sich mit Hunden fortpflanzt, ist Rudel für diese Lebensgemeinschaft nicht der richtige Begriff.
Wir können zwar viel vom Sozialverhalten innerhalb des Wolfsrudels für unser Zusammenleben mit Hunden lernen, gleichstellen können wir diese Lebensgemeinschaften aber nicht.
Der Hund wird sich dem fügen. Anders
kann es natürlich aussehen, wenn die beiden unbeobachtet sind, …
Genau das bestätigt meine Aussage, dass das Ganze nichts mit der „zugewiesenen“ Rangordnung zu tun hat.
… aber so lange ich anwesend bin, habe ich zu bestimmen, wer was
zu tun hat und was nicht. Mehr wollte ich damit nicht sagen.
In diesem Punkt stimmen wir ja überein.
So lange ich als Rudelboss anwesend bin nimmt die Katze eine
höhere Position ein, d.h. sie darf vom Hund nicht belästigt
werden.
Die Katze nimmt während deiner Anwesenheit keine höhere Position ein, sie genießt auf Grund deiner Position dem Hund gegenüber einen besonderen Schutz.
Von Ausnahmesituationen abgesehen, wird ein Hund eine Katze
niemals als ranghöher als sich selbst ansehen.
Oh doch! Mein Hund (Deutsch-Kurzhaar) betrachtet unseren Kater
sehr wohl als ranghöher. Weil dieser von Anfang Prioritäten
genießt, die der Hund nicht hat. Unser Hund hat großen Respekt
vor der Katze.
Ich sprach ja auch von Ausnahmen. Auch meine Hunde und Katzen leben in einer Lebensgemeinschaft, in der jeder versucht sich Ressourcen zu sichern und diese den anderen gegenüber auf subtile Art zu bewahren. Deshalb stehen die Katzen in der Rangordnung aber nicht über den Hunden. Rangordnung ist ein sehr komplexes Gebilde, dazu gehört schon etwas mehr als Privilegien zu genießen und unter dem besonderen Schutz des „Herrchens“ oder „Frauchens“ zu stehen.
Glaubst du, die Position im Rudel ist abhängig von der Größe
des Tieres?
War nie die Rede davon.
Das ist Quatsch! Das souveränere, in den
Handlungen strategischere und selbstsichere Wesen ist das
ranghöhere.
Eigenschaften, die ich mehr mir als einer Katze zutraue.
Das kann eine Katze oder auch ein Kind sein.
Da fängt es an gefährlich zu werden.
Natürlich müssen sich alle entsprechend verhalten.
Dadurch, dass Katze oder Kind sich eben nicht dem zugewiesenen vermeintlichen Rang adäquat verhalten kann, kommt es bisweilen zu verheerenden Zwischenfällen.
Wer glaubt, die Rangordnung anderer
Gruppenmitglieder durch Reihenfolge beim Füttern bestimmen zu
können, hält seinen Hund für einen Trottel und wird u.U. teuer
dafür bezahlen.
Natürlich ist es nicht nur die Reihenfolge beim Füttern, die
ausschlaggebend ist, dennoch spielt sie eine Rolle.
Für meine Position dem Hund gegenüber spielt meine Entscheidungsfähigkeit eine Rolle, aber nicht die Reihenfolge.
Auf andere Gruppenmitglieder hat die von mir zugewiesene Reihenfolge rangordnungsmäßig keinen Einfluss.
Denn das
ranghohe Tier frisst zuerst von der Beute.
Das wäre für alle sozial lebenden Tiere mit Nahrungskonkurrenten (dazu gehören viele Caniden) biologisch unsinnig und kontraproduktiv. Es würde unnötig den Familienverband schwächen, Jungtiere und halbwüchsige, die den Fortbestand der Gene der ranghohen Tiere sichern sollen, würden darunter leiden. Der Schutz der Gemeinschaft und der jagdliche Erfolg würden rapid abnehmen - ranghohe, jagderfahrene Tiere wären voll gefressen und verlören die Motivation zu jagen, rangniedere würden zu schwach, erfolgreich zu jagen und wären bei der Rudelverteidigung nichts wert. Die Fresszeiten würden sich bei einer Futterrangordnung drastisch verlängern mit der Gefahr des Totalverlustes der Beute durch Nahrungskonkurrenten.
Das kann man machen. Das ändert aber nichts an der
Rangposition der Katze, sondern wenn, dann an meiner.
Ich treffe die Entscheidung, was wann gemacht bzw.
unterlassen wird und signalisiere dadurch meinem Hund meine
ranghöhere Position ihm gegenüber.
Ja, genau! Und da ich das Alphatier bin, bestimme ich, wer
wann was zu tun oder zu unterlassen hat. Ich kann mit mehreren
Tieren nicht in einer sich selbst bildenden Hierarchie leben.
Das würde niemals funktionieren. Deshalb muss ich als Mensch
bei domestizierten Tieren eingreifen und die Rangfolge
beeinflussen. Das ist meine Aufgabe und durchaus möglich.
Alles andere wäre ja fatal, da der Hund dann nach belieben
schwächere Mitglieder herausfordern würde. Unser soziales
Gefüge entspricht eben nicht genau dem in einem Wolfsrudel. In
diesem System muss ich als Mensch die Rangfolge festlegen. Und
ich muss meinen Hund dazu bringen, sie zu akzeptieren.
Wie sonst würde ich meinem Hund klar machen, dass ich als
Mensch sein Alphatier bin? Ich hätte ja ein ernstes Problem,
wenn der Hund bzw. die Tiere „meines Rudels“ die Rangfolge
selbst festlegen. Ich bin es, der darüber bestimmt!
Es war nie die Rede davon, dass jeder in der Lebensgemeinschaft tut und lässt, was er will - ganz im Gegenteil. Nur ist es eben eine irrige Annahme, dass das Funktionieren dieser Lebensgemeinschaft Hund -Kind - Katze - Meerschweinchen u. s. w. ein Produkt zugewiesener Rangordnung über Futterzeiten u. ä. ist.
Abgesehen davon, dass Katzen und Hunde kein Rudel bilden -
wichtig ist es, dass ich meinem Hund gegenüber eine
klare Position einnehme.
Ziel ist es, meinem Hund zu vermitteln, dass schwache
Gruppenmitglieder (Katzen, Kinder, Kaninchen,…) mein
„Eigentum“ sind, und er damit dementsprechend pfleglich
umzugehen hat.
Ich treffe in unserem Haushalt die Entscheidungen
darüber, worauf Jagd gemacht wird, wer wen oder was oder wann
frisst.
Nichts anderes sage ich!
Da widerspreche ich dir ja auch nicht.
Und dennoch bin ich der Meinung, dass
der Hund alle im Haushalt lebenden Wesen als Rudelmitglieder
betrachtet. Dass der Hund dazu in der Lage ist, zeigt sich ja
dadurch, dass er mich als Mensch als Rudelmitglied bzw.
-anführer akzeptiert, obwohl ich artfremd bin.
Als Opportunist weiß der Hund sehr wohl möglichst hohen Nutzen daraus zu ziehen, friedlich mit allen Mitgliedern der Lebensgemeinschaft zu verkehren und sich – seinen Möglichkeiten entsprechend - anzupassen. Er akzeptiert dich als Mensch, aber sieht in dir kein Rudelmitglied, sondern den „Boss“ eurer Lebensgemeinschaft.
Erlaube mir zum Schluss noch eine grundsätzliche Bemerkung:
Es ist wichtig und dankenswert, dass erfahrene Tierhalter ihr Wissen an andere weitergeben. Wenn dies statt auf der rein emotionalen auf einer rationalen / analytischen Ebene geschieht, umso besser. Was ich allerdings bei vielen dieser Diskussionen schade bzw. sogar bedenklich finde, ist die mangelnde Sorgfalt: Es werden teilweise unreflektierte Behauptungen aufgestellt (der Mensch als „Alphatier“, „Welpenschutz“, der Hund mit „schlechtem Gewissen“ …[ich beziehe mich bei diesen Beispielen nicht nur auf deinen Beitrag]), die – trotz bester Absicht der Verfasser – den Hilfesuchenden auf einen falschen Weg bringen können. Das ist an sich nichts Tragisches, man lernt ja bekanntlich auch aus Fehlern.
Mehr als kritisch wird es allerdings, wenn der Mensch sich (oder sein Kind) in einer Position wähnt, die er de facto nicht einnimmt (selbst wenn es bei dem einen oder anderen zu funktionieren scheint). Das ist der Hauptgrund, warum ich mich hier einmische.
Gruß
Johnny