Kühe ohne Hörner?

Hallo,

wie verlieren Kälber ihre angeborenen Hörner?
Ich habe schon von Abschleifen, Wegätzen und Hörnerwegpulver gehört.
Was stimmt denn jetzt?
Und ist es für die Kälber schmerzhaft, wenn die Hörner entfernt werden?
Weiss Jemand mehr?

Vielen Dank!

Gruß
karin

Hallo Karin,

hier mal ein Auszug aus einem Merkblatt der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz:

„3.4.2 Entfernen der Hornanlagen bei Kälbern
Die gesetzlichen Bestimmungen tolerieren nach erfolgter Abwägung der Unerlässlichkeit
bis zum Alter von 6 Wo einen Eingriff ohne Schmerzausschaltung; dies spiegelt jedoch
nicht die Erkenntnisse über die Schmerzhaftigkeit des Eingriffs wieder. Bei Jungtieren
wird oft von einem verminderten Schmerzempfinden ausgegangen, wodurch Eingriffe
ohne Betäubung gerechtfertigt werden. Diese Annahme trifft nach neueren Erkenntnissen
zur Schmerzreizleitung bei Jungtieren verschiedener Tierarten und zur Innervation
der Hornanlage bei Kälbern nicht zu. Histologische Untersuchungen der Hornanlage und
der umgebenden Haut von Kälbern ab der Geburt bis zum Alter von 3-4 Monaten zeigen
eine gute Innervation dieser Regionen bereits bei Neugeborenen. Diese Befunde weisen
darauf hin, dass das Schmerzempfinden schon ab oder kurz nach der Geburt gut
entwickelt ist.
Die Entfernung der Hornanlagen von Kälbern stellt unabhängig vom Alter einen
schmerzhaften, belastenden Eingriff dar, der zu einem Anstieg des Cortisolspiegels führt
und unabhängig vom Alter (zw. 3-8 Wochen) mit Schmerz- bzw. Abwehrreaktionen einhergeht
(z.B. Kopfschlagen, Trippeln, Aufbäumen, Schwanzschlagen). Nach der Enthornung
zeigen die Kälber als Schmerzreaktionen häufig Kopfschütteln, Hinterhandschlagen,
Rückwärtslaufen, Ohrenschlagen und apathisches Stehen mit gesenktem
Kopf. Längerandauernde Schmerzen können im Verlauf der Wundheilung insbesondere
bei - relativ häufigen - Wundinfektionen auftreten.“

Das ganze Blatt findest Du hier: http://www.tierschutz-tvt.de/merkblatt86.pdf

Tanja

klingt ja grauenhaft,
gut, dass ich ohne Hörner geboren bin…
Arme Viecher, kann ich da nur sagen…
LG,
Anja

Hallo Tanja,

vielen Dank für Deine Antwort!

Schmerzhaft ist das Hörnerentfernen also durchaus und es müsste notwendigerweise eine Betäubung erfolgen.
Bisher ging ich davon aus, dass die Kälber keine Schmerzen erleiden müssten, weil das Horn so ähnlich wie ein Fingernagel aufgebaut und damit keine Nervenverbindungen vorhanden wären - ein Trugschluss.

Zusätzlich wirft sich natürlich die Frage auf, warum die Jungtiere nicht betäubt werden, wenn die Enthornung ihnen doch sogar erkennbare Schmerzen bereitet?
Ist es Ignoranz oder Sparsamkeit auf Kosten der Lebewesen, die sich nicht wehren können.

Bin jetzt um eine Illusion ärmer - die armen Tiere!

Gruß
karin

hier mal ein Auszug aus einem Merkblatt der Tierärztlichen
Vereinigung für Tierschutz:

„3.4.2 Entfernen der Hornanlagen bei Kälbern
Die gesetzlichen Bestimmungen tolerieren nach erfolgter
Abwägung der Unerlässlichkeit
bis zum Alter von 6 Wo einen Eingriff ohne
Schmerzausschaltung; dies spiegelt jedoch
nicht die Erkenntnisse über die Schmerzhaftigkeit des
Eingriffs wieder. Bei Jungtieren
wird oft von einem verminderten Schmerzempfinden ausgegangen,
wodurch Eingriffe
ohne Betäubung gerechtfertigt werden. Diese Annahme trifft
nach neueren Erkenntnissen
zur Schmerzreizleitung bei Jungtieren verschiedener Tierarten
und zur Innervation
der Hornanlage bei Kälbern nicht zu. Histologische
Untersuchungen der Hornanlage und
der umgebenden Haut von Kälbern ab der Geburt bis zum Alter
von 3-4 Monaten zeigen
eine gute Innervation dieser Regionen bereits bei
Neugeborenen. Diese Befunde weisen
darauf hin, dass das Schmerzempfinden schon ab oder kurz nach
der Geburt gut
entwickelt ist.
Die Entfernung der Hornanlagen von Kälbern stellt unabhängig
vom Alter einen
schmerzhaften, belastenden Eingriff dar, der zu einem Anstieg
des Cortisolspiegels führt
und unabhängig vom Alter (zw. 3-8 Wochen) mit Schmerz- bzw.
Abwehrreaktionen einhergeht
(z.B. Kopfschlagen, Trippeln, Aufbäumen, Schwanzschlagen).
Nach der Enthornung
zeigen die Kälber als Schmerzreaktionen häufig Kopfschütteln,
Hinterhandschlagen,
Rückwärtslaufen, Ohrenschlagen und apathisches Stehen mit
gesenktem
Kopf. Längerandauernde Schmerzen können im Verlauf der
Wundheilung insbesondere
bei - relativ häufigen - Wundinfektionen auftreten.“

Das ganze Blatt findest Du hier:
http://www.tierschutz-tvt.de/merkblatt86.pdf

Tanja

Hallo Karin!

Zusätzlich wirft sich natürlich die Frage auf, warum die
Jungtiere nicht betäubt werden, wenn die Enthornung ihnen doch
sogar erkennbare Schmerzen bereitet?
Ist es Ignoranz oder Sparsamkeit auf Kosten der Lebewesen, die
sich nicht wehren können.

Doch ist das ja auch nicht das einzige Problem in der Milchproduktion. Selbst wenn das Entfernen der Hörner unter Betäubung erfolgen würde, gäbe es noch zahlreiche andere Quälereien, z.B.

  • den „Milchkühen“ werden nach der Geburt die Kälber weggenommen, da sie, wie viele andere Säugetiere (zu denen auch der Mensch zählt), einen ausgeprägten Mutterinstinkt haben, ist das ein schwerwiegendes traumatisches Erlebnis für Mutter und Kind (ich habe, auch wenn das nun sehr emotional klingt, schon wenige Stunden und Tage alte Kälber gesehen, die apathisch oder wimmernd und zitternd in einer Ecke ihrer Box lagen).
  • die Kälber werden dann meist in Einzelboxen oder sogenannten Kälberiglus eingesperrt (Foto unter http://veganlinks.de/maqi/photos/pix/rhoenlhof-kaelb… weitere Fotos zum Thema unter http://maqi.de/bilder/rinder.html )
  • und die „Haltung“ der ausgewachsenen Rinder an sich

Um die also nicht leiden zu lassen, müßte man sie entweder fortwährend betäuben oder einfach von Kuhmilch auf andere Milchsorten wie über 80% der Weltbevölkerung (z.B. Soja-, Reis-, Mandel- oder Hafermilch) umsteigen. :smile:
Das nur noch mal so als am Rande. :wink:

Tanja

1 „Gefällt mir“