Neu-Guinea-Papagei blutet

Hallo,

meine Nachbarin hat einen Neu-Guinea-Papagei, der sich zusammen mit einem Vogel ähnlicher Gattung und einem Zwergara-Pärchen die Voliere teilt. Der Neu-Guinea-Papagei war als erstes in der Voliere und ist ein ziemlicher Futterneider. D.h. seitdem er Kumpanen in der Voliere hat, verjagt er sie immer vom Futter. Vor allem wenn Frauchen Leckerlies und Streicheleinheiten verteilt, ist er sehr aggressiv.

Bisher ist immer alles gut gegangen. Sie haben in der Voliere auch relativ viel Platz. Aber da es nun so kalt ist, werden sie in den Schutzraum gesperrt, der viel kleiner ist. Und da muß sich dann mal ein anderer gewehrt haben. Nun fehlen ihm zwischen Auge und Schnabel und hinter dem Ohr einige Federn, ein wenig blutig sieht’s auch aus (scheint aber alles schon geronnen zu sein) und die eine Kralle ist auch abgebrochen. Es ist eigentlich nur die Spitze abgebrochen. War aber scheinbar dennoch zu viel. Da tropft das Blut kontinuierlich.

Ich habe meiner Nachbarin nun geholfen, das Tier aus der Voliere in einen großen Papageienkäfig in ihr Haus zu bringen, damit wir überhaupt sehen können, was Sache ist, und damit auch Ruhe ist. Alleine hätte sie es sicher nicht geschafft, zumal er sich wahrlich zu wehren weiß. Im Haus bei Licht habe ich das Ganze mir genauer angesehen. Im Dunkeln sahen die Wunden am Kopf sehr schlimm aus, aber bei Licht betrachtet schien es gar nicht schlimm zu sein. Aber die Kralle macht mir nun Sorgen.

Er ist erst mal ganz fidel, und als Frauchen mit ihm gesprochen hat und er bei Licht im großen Käfig saß, da taute er auch wieder auf und brabbelte so vor sich hin. Aber so ein Vogel hat ja nicht so viel Blut. Nun weiß ich nicht, ab wann es für ihn gefährlich wird.

Sollten wir irgendetwas machen? Und wenn ja, was? Ich denke, richtige Medizin ist nicht vorhanden. Wie könnten wir da etwas provisieren? Und vor allem wie behandeln wir ihn dann? Der ist ja eh recht bissig. Wenn wir dann auch noch an der blutenden Kralle was machen, das tut doch auch sicher weh, oder? Das gefällt ihm dann sicher gar nicht?

Bitte gebt mal ein paar Tipps.

Danke!
Schnoof

Hallo
Also erstmal habt ihr das richtige getan ihn zu isolieren. Wenn Sie denken dass die Verletzungen schon ziemlich arg sind und das scheinen sie ja zu sein, wuerde ich unbedingt schnellstens zum Tierarzt gehen. (spaetestens morgen)Das wuerde ich insbesondere vorschlagen weil er ja noch immer oder zumindest laengere Zeit blutet/geblutet hat.
Selber herumdoctern ist ganz schlecht, weil man da ganz sicher mehr falsch macht als richtig und auch verndiagnosen sind nicht zu empfehlen.
Damit sowas nicht wieder passiert muesste man die Voegel unbedingt auch im Winter in eine grosse Voliere lassen, das heisst, eine Voliere im Haus installieren. Ich hoffe sehr dass dies moeglich ist, denn ich finde dass man selbst an jedem Tier am meisten Spass hat wenn es sich wohlfuehlt und im Kreise der Familie leben darf. In ZUkunft wuerde ich vielleicht einzeln fuettern, sprich dem einen Freiflug gewaheren wenn die andern fressen und dann erst die andern fliegen lassen.
Tschuessi

Hallo Schnoof,

kleinere Verletzungen heilen bei Vögeln sehr gut ab. Ich habe noch nicht erlebt, dass ein Papagei auf Grund einer Krallenverletzung oder auch Zehenamputation verblutet wäre.
Abgerissene Krallen bluten sehr stark und es sieht beängstigend aus, gefährlich ist die Verletzung aber i. d. R. nicht. Sollte der Vogel noch bluten, ist Zellstoff das einfachste Mittel zur Blutstillung. Falls der Patient sich ohne extreme Aufregung fangen lässt, drückt man ein Papiertaschentuch auf die blutende Wunde, bis diese aufhört zu nässen. Es sollen ruhig Zellstofffasern mit der Verletzung „verkleben“, sie also nicht entfernen, sonst geht es wieder von vorne los.
Bei sehr scheuen Kandidaten umwickelt man eine dicke Sitzstange mit Zellstoff (Papiertaschentücher/Handtuchrolle). Die Stange muss so dick sein, dass die verletzte Kralle nicht in der Luft hängt. Die anderen Stangen aus dem Käfig entfernen.
Infektionen entstehen an eingerissenen Krallen normalerweise nicht.

Man sollte den Vogel übrigens nicht unnötig lange isoliert halten, denn bei längerer Einzelhaltung können Verletzungen jeder Art den Impuls zum Federrupfen geben.

Gruß

Johnny

Also erstmal habt ihr das richtige getan ihn zu isolieren.
Wenn Sie denken dass die Verletzungen schon ziemlich arg sind
und das scheinen sie ja zu sein, wuerde ich unbedingt
schnellstens zum Tierarzt gehen. (spaetestens morgen)Das
wuerde ich insbesondere vorschlagen weil er ja noch immer oder
zumindest laengere Zeit blutet/geblutet hat.

Ich habe mir das Ganze noch mal überlegt. Die Verletzungen sind auf der gleiche Seite (also linker Fuß und linke Kopfseite). Er kratzt sich häufiger am Kopf, und zwar ausgerechnet mit dem verletzten Fuß an den verletzten Stellen. Vielleicht war es gar kein Kampf zwischen den Vögeln, sondern er ist irgendwo mit der Kralle hängen geblieben, hat sie sich beim Losreißen verletzt und dann beim Kratzen mit der zersplitterten Kralle am Kopf verletzt. Das müssen wir morgen bei Tageslicht genauer untersuchen. Die Voliere sollte da ja schon sicher sein. Vielleicht können wir irgendwie rekonstruieren, ob es ein Kampf oder ein Unfall war.

Damit sowas nicht wieder passiert muesste man die Voegel
unbedingt auch im Winter in eine grosse Voliere lassen, das
heisst, eine Voliere im Haus installieren. Ich hoffe sehr dass
dies moeglich ist, denn ich finde dass man selbst an jedem
Tier am meisten Spass hat wenn es sich wohlfuehlt und im
Kreise der Familie leben darf.

Naja, das ist so nicht möglich. Denn die Voliere besteht aus mehreren Gehegen und Schutzräumen, wo dann noch andere Vögel gehalten werden. Die ganz kleinen könnte man schon im Haus halten (die waren auch lange im Haus, bis man sich für eine Voliere entschieden hat, und dann mußten eben auch große Exoten her), aber die größeren oder gar die vier Großen ist eher nicht möglich. Zumal der Rest der Familie dieses Hobby nicht so ganz teilt. Meiner Meinung nach sind es durchaus zu viele Vögel und ich sehe das eher kritisch. Aber ich denke, das ist vorerst die beste Unterkunft für die Vögel. Größere Schutzräume würden sicher nicht schaden. Tagsüber, solange die Temperaturen nicht unter 0-(-5)°C fallen und ein bißchen Sonne scheint, dürfen sie raus und viel flattern, was ihnen viel besser gefällt als das Leben im Haus. Aber nachts oder wenn es richtig kalt wird müssen sie halt rein.

Naja, getrennt füttern geht ja so nicht. Die Papageien fressen nicht nur abends oder morgens, sondern den ganzen Tag über ein bißchen. Wie soll man sie denn trennen? Das wurde letzten Endes so gelöst, daß mehrere Näpfe an verschiedenen Stellen angebracht wurden. Der Bissige kann ja nicht überall zur gleichen Zeit sein. Wenn ich mal Nüsse verfüttere, dann werfe ich einige auf den Boden und einige verfüttere ich direkt an den Rumsbolzen. Die anderen können derweil am Boden naschen.

Ich habe irgendwo einen Hinweis gefunden, daß man mit Kernseife Blutungen stillen kann. Ich denke, daß sollte sie zumindest versuchen. Ansonsten muß morgen irgendwie zugesehen werden, daß die Kralle geschliffen wird. Ich hoffe, wir kriegen morgen einen Tierarzt zu fassen.

Danke!
Schnoof

Hallo Johnny!

Woher hast Du eigentlich dieses immense Fachwissen zu allem möglichen Viehzeug? Ich habe einmal von Dir gelesen, Du seist kein Tierarzt. Woher also? Du kannst ja wirklich immer was Sinnvolles zu allem sagen!

Und ja, natürlich wird er nicht lange isoliert werden. Morgen wird erst mal untersucht, ob es nicht vielleicht ein Krallen-Unfall war. Dann braucht man sich ja weniger Sorgen zu machen, daß da irgendwelche Kriege geführt werden.

Sollten wir die etwas splitternde Kralle irgendwie feilen? Nicht, daß er sich noch mehr verletzt? Weil, wie ich schon auf das andere Posting geantwortet habe, es könnte auch möglich sein, daß die Verletzungen am Kopf vom Kratzen mit der kaputten Kralle herrühren.

Danke!
Schnoof

Hallo Schnoof,

Sollten wir die etwas splitternde Kralle irgendwie feilen?
Nicht, daß er sich noch mehr verletzt? Weil, wie ich schon auf
das andere Posting geantwortet habe, es könnte auch möglich
sein, daß die Verletzungen am Kopf vom Kratzen mit der
kaputten Kralle herrühren.

wenn die Blutung jetzt steht, würde ich so wenig wie möglich an der Kralle manipulieren, sonst fängt es gleich wieder an zu bluten. Falls die Kralle recht ausgefranst ist, wartet, bis die Kralle wieder etwas gewachsen und das Mutterhorn wieder geschützt ist. Sollten dann noch störende Fransen sein, kann man diese mit einem geeigneten Werkzeug abzwicken (Ferkelzahnzange, Krallenschere, Nagelklipser o.ä.).
Nachdem die „Kopfverletzung“ auf der gleichen Seite wie die Krallenverletzung ist, vermute ich stark, dass sich der Vogel mit der blutenden Kralle an der Wange gekratzt und sich dabei mit Blut beschmiert hat, aber gar nicht verletzt ist. Schaut euch das mal bei gutem Licht an. Dass sich der Vogel mit der gefransten Kralle selbst verletzt, halte ich für unwahrscheinlich, Psittaciden sind da viel zu geschickt mit ihren Zehen.

Gruß

Johnny

P.S.

Woher hast Du eigentlich dieses immense Fachwissen zu allem
möglichen Viehzeug? Ich habe einmal von Dir gelesen, Du seist
kein Tierarzt. Woher also?

Ich arbeite in einer Tierarztpraxis und interessiere mich auch „privat“ sehr für Tiere.

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Nachdem die „Kopfverletzung“ auf der gleichen Seite wie die
Krallenverletzung ist, vermute ich stark, dass sich der Vogel
mit der blutenden Kralle an der Wange gekratzt und sich dabei
mit Blut beschmiert hat, aber gar nicht verletzt ist. Schaut
euch das mal bei gutem Licht an. Dass sich der Vogel mit der
gefransten Kralle selbst verletzt, halte ich für
unwahrscheinlich, Psittaciden sind da viel zu geschickt mit
ihren Zehen.

Hmmm, eigentlich habe ich mir das recht genau angeschaut. Irgendjemand muß ja, weil die Besitzerin hatte Angst, in Ohnmacht zu fallen, wenn sie Blut sieht. Daß der größte Teil des Blutes am Kopf von der Kralle herrühren, habe ich mir auch schon gedacht, nachdem ich mir das genauer überlegt hatte. Allerdings ist da blanke Haut zu sehen, wo sonst Federn sind. Vor allem zwischen Schnabel und Auge ist die Haut so ziemlich blank, was eigentlich nicht normal ist. Aber die Haut ist schon so ziemlich heile. Nur da, wo nun etwas Blut klebte, konnte ich es nicht so genau sagen. Und ich hab viel zu viel Respekt vor dem Schnabel, um da mal sanft zu reinigen.

Ich hab meine schlechten Erfahrungen mit dem Partner gemacht, als ich mal Futter wechseln wollte, weil Frauchen zwei Tage nicht da war. In die Voliere darf ich, und Nüsse und Obst verfüttern darf ich auch, aber im Schutzraum und an den Futternäpfen habe ich offensichtlich nichts zu suchen.

Für wie wichtig hältst Du einen Tierarztbesuch?

Danke!
Schnoof

Hallo

Für wie wichtig hältst Du einen Tierarztbesuch?

wenn keine größeren Verletzungen sichtbar sind, würde ich von einem Tierarztbesuch absehen. Der Transport- und Untersuchungsstress ist für solche nicht völlig handzahmen Vögel nicht unerheblich.
Antibiotische Behandlungen solcher „Kleinverletzungen“ erfolgen i. d. R. hauptsächlich für das Auge des Besitzers :smile:.

Ein schönes Wochenende

Johnny

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Ein schönes Wochenende

Danke, gleichfalls!
Schnoof