Beschützerinstinkt?

Hi ihr Lieben,

kann es passieren, dass ein Hund einen Beschützerinstinkt entwickelt, ohne das er z.B. eine Schutzhundeausbildung hat?
Ich beobachte bei meinem Hund nämlich immer, dass er sobald es dunkel wird und ich mit ihm nach draußen gehe, er mir nicht mehr von der Seite weicht und fremde Menschen grundsätzlich anknurrt. Dies tut er am Tag nur bei alten Männern mit Stock (hatte er mal eine sehr schlechte Erfahrung mit).
Gibt es sowas wie eine Nachtblindheit bei Hunden? Weil er bellt dann auch Mülltüten und alles mögliche an. Nun wollte ich nur mal wissen, ob das normal ist, oder mein Hund vielleicht spürt, dass ich im Dunkeln selbst unsicherer bin als am Tag.
Würd mich freuen, wenn darauf jemand eine Antwort weiss. Jetzt schon mal vielen Dank.
Bye Frieda

Hallo!
Hunde sind nicht nachtblind, im Gegenteil. Eigentlich sehen sie im Dunkeln besser als wir Menschen. Objekte, die sich bewegen sehen sie schärfer als wir. Unbewegliche Objekte nehmen sie allerdings erst mal nicht besonders war. Daher kann es kommen, dass dein Hund plötzlich Mülltüten anbellt. Das liegt dann vielleicht daran, dass die Tüte vorher still stand und dann plötzlich durch Wind bewegt wird und so die Aufmerksamkeit des Hundes auf sich zieht. Es ist normal, dass einige Hunde gerade in der Dunkelheit besonders wachsam sind. Ich erlebe das bei meinen beiden Hunden auch jeden Abend. Ich denke, dass es daran liegt, dass auch Hunde einen bestimmten Rhythmus haben und die Nacht halt anders wahrnehmen. Allgemeine Alltagsgeräusche fallen nachts weg, der Verkehr ist weniger, weniger Menschen auf der Straße… Zudem spüren sie mit Sicherheit die Unsicherheit des Rudelbosses.
Alle Hunde, ob nun ausgebildete Schutzhunde oder nicht, neigen dazu, ihr Alphatier zu beschützen bzw. ihm beizustehen. Als rangniedrigeres Tier (und so sollte es ja sein) haben sie die Aufgabe, das Alphatier vor potentiellen Gefahren zu warnen, also Alarm zu schlagen, damit das Alphatier dann widerum Problemlösungen angeht.
Daher ist es normal, wenn dein Hund im Dunkeln wachsamer ist.
Wenn es dich stört, dann gib ihm in diesen Momenten eine andere Aufgabe, die ihn ablenkt (Sitz o.ä.) und belohne ihn dafür.
Oder geh einfach kommentarlos weiter und kümmere dich nicht darum.
Andererseits finde ich es beruhigend zu wissen, dass meine Hunde besonders nachts wachsam sind. Das kann in bestimmten Situationen vielleicht mal hilfreich sein…
Gruß, Galli

Danke dir.
An sich finde ich das auch nicht schlimm das er das tut. Wie du schon sagst manchmal kann es ganz hilfreich sein. Ich wollte halt nur wissen ob das normal ist oder mein Hund irgendwas eigenartiges sich angewöhnt. Außerdem reagieren eben die meisten Leute abends dann nicht so toll wenn ein Hund sie anknurrt. Hab das schon manch beschissene Situation erlebt.

Hallo,
ich würde auch darauf tippen, daß Deine eigene Unsicherheit für den Hund spürbar ist und er damit Passanten als pot. Gefahr einschätzt. Unkritisch ist das sicher nicht. Nimm’ doch auf den Spaziergängen einfach mal jmd. mit und schau’ wie der Hund dann auf Passanten reagiert.

Dies tut er am Tag nur bei alten Männern mit Stock

solange er das Stöckchen nicht apportiert … *g*

Gruss
Enno

Hallo,

Außerdem reagieren eben
die meisten Leute abends dann nicht so toll wenn ein Hund sie
anknurrt. Hab das schon manch beschissene Situation erlebt.

völlig verständlich. Zumal wenn die Person ein „er“ in weiblicher Begleitung ist, läuft evtl. dasgleiche „Schutzprogramm“ ab. Der Verlierer ist letzlich immer der Hund, obwohl Du durch Dein Alter (Jugendstrafrecht) sicher verhältnismäßig unbeschadet aus der Sache herauskommen wirst.

Gruss
Enno

Hallo !

Hunde sind mit den Augen ziemlich blind. Sie erkennen ihnen Bekanntes nur mit der Nase. Auf die ist Verlaß.
Aggressive Hunde, die in ihrem Bereich (Grundstück) jeden Fremden anfallen und in der Luft zerreissen, gehen erstmal sehr aggressiv auch gegen Bekannte vor. Wenn sie dann nahe dran sind und sie mit der Nase erkannt haben, verkehrt sich ihre Aggressivität in Freude und Zutrauen. Sie sehen fast nur mit der Nase.
Dass Hunde Mülleimer anbellen, die in der Dämmerung plötzlich am Strassenrand stehen, ist ganz normal. Aber nur beim erstenmal. Hunde erkennen schnell, wenn sich etwas wiederholt. Hunde sind in der Dunkelheit oft unsicher und bleiben dann am Hundehalter. Sie wollen nicht schützen, sondern geschützt werden.
Etwas ähnliches zeigt sich, wenn man Hunde immer den gleichen Weg führt. Dann verschwinden sie auch mal und regaieren nicht mehr auf Zuruf. Geht man mal einen Weg, den der Hund nicht kennt, bleibt er in der Regel beim Besitzer.

Hunde sind wie ihre Vorfahren, eigentlich Angsthasen. Aggressivität hat dann nichts mit Mut zu tun.

Gruß Max