Re^2: Katze beißt beim Schmusen - was tun?
HI Myriam,
alle Achtung, ich finde Du hast da wirklich eine kompetente Antwort gegeben, nach der ich selbst lange gesucht hatte. Da ich wegen eines ähnlich gearteten Problems mir die Antwort nach Nachfrageversuchen selbst geben musste, kann ich DIr aber vom Gefühl und Erfahrungswerten her zustimmen. Eine genaue Analyse des Verhaltens wies mich auf fehlende Erfahrung von einem bestimmten WIderstand hin. Nur in einer Sache sollte man noch was ergänzen. Eine (meine..) Katze zeigt vor dem Angriff stark nach vorn! geneigte Ohren. Die hinten gestellten sind nicht immer dabei. Sonst stimmen alle Deine Angaben mit meinen Erfahrungen überein. Also dass dies Verhalten sowohl bei einem "he- es wird mir zuviel - , als auch bei einem "he- es ist mir zuwenig" - Futter, Aufmerksamkeit auftritt.
Ich bin sehr froh, dass ich jetzt den Begriff Frustrationstoleranz in diesem Zusammenhang kennenlerne, weil ich es so besser einordnen kann. ALlerdings ist mein Tier trotz allem sehr umgänglich fügt sich beim Tierarzt und arrangiert sich mit Ortswechseln ungewöhnlich gut. Aber im Umgang mit dem Menschen selbst, reizt er schon ganz schön Grenzen aus.
Grüße
PEtra
dieses Verhalten tritt bei den meisten Katzen auf, die sehr
auf den Menschen geprägt sind. Scheuere Katzen ziehen sich
eher zurück, wenn es ihnen zuviel wird.
Vor allem Katzen, die früh von Mutter und Geschwistern
getrennt wurden, zeigen dieses Verhalten, welches von geringer
Frustrationstoleranz zeugt.
Katzenwelpen lernen im Alter bis zu 12 Wochen (vermutlich auch
noch später) von ihrer Mutter und den Geschwistern bestimmte
Details des Sozialverhaltens. So hält die Mutter z.B. einen
Welpen mit sanfter Gewalt fest und putzt ihn, auch gegen
dessen Willen. Im Spiel mit den Geschwistern lernt der
Katzenwelpe, dass die Spielkameraden mit dem Spiel aufhören,
wenn es zu rauh zugeht.
Katzen, die in dieser Phase schon von ihrer Katzenfamilie
getrennt werden, sind unter Umständen "dissozialisiert", d.h.
im Sozialverhalten zu Artgenossen gestört. Dies hat auch
Folgen für das Verhalten gegenüber Menschen. Diese Tiere
nehmen sich nicht als Katze wahr und kennen kaum Grenzen.
Frustration (also wenn sie ihren Willen nicht bekommen)
schlägt leicht in Agression um.
Vielleicht ist Deine Katze ja so eine, die früh nur noch mit
Menschen Kontakt hatte. Vielleicht hat sie aber auch aus
anderen Gründen eine geringe Frustrationstoleranz.
Was kannst Du nun tun? Hauptsächlich 2 Dinge:
1. lerne die Körpersprache Deiner Katze ganz genau kennen, so
dass Du das Spiel/Schmusen rechtzeitig beenden kannst. Keine
Katze schlägt ganz ohne Vorwarnung zu. Die normale Katze zeigt
mit leichtem Schwanzschlagen die steigende Abwehr beim
Schmusen. Dann gehen die Ohren zurück. Kurz vor dem Schlag
werden die Pupillen riesengroß.
Eine meiner Katzen ist so eine "Kaspar-Hauser-Katze", bei der
ich fast verzweifelt bin. Ich war immer so stolz darauf, dass
mich noch nie einer meiner Katzen gekratzt hat, weil ich es
immer früh genug kommen sah. Diese Katze - so glaubte ich -
schlug völlig ohne Vorwarnung zu. Nach einigen Wochen der
genauen Beobachtung habe ich aber ihre Körpersprache so genau
kennengelernt, dass ich jetzt weiß, wie sie vorwarnt. Der
Körper spannt sich fast unmerklich, der Kopf geht zurück -
jetzt ist der letzte Moment vor dem Angriff gekommen. Wenn ich
jetzt die Hände von ihr nehme, bleibt sie ruhig liegen.
2. bringe Deiner Katze bei, dass rauhes Spiel und Aggression
nicht erwünscht sind. Jedesmal (auch über Wochen und Monate,
Konsequenz ist gefragt) wenn sie beim Spiel oder beim Schmusen
aggressiv wird, ohne von Dir provoziert worden zu sein, hörst
Du mit dem Schmusen/Spielen auf und ignorierst sie für eine
Weile. Das wirkt bei Katzen nicht ganz so schnell wie bei
Hunden, da Aufmerksamkeit des Menschen bei Katzen nicht ganz
so weit oben auf der Liste stehen wie bei Hunden. Daher
braucht es bestimmt einige Zeit und wie gesagt sehr viel
Konsequenz "Beutespiel" mit den Händen oder Füßen (z.B.
Rascheln unter der Bettdecke) sollte man vermeiden.
Idealerweise fängt man mit Punkt 2 an, sobald man die Katze zu
sich genommen hat. Viele Leute finden es ja soooo süß, wenn
der kleine Katzenwelpe nach den Fingern hascht und wundern
sich dann, wenn der 8kg Kampfkater das 1 Jahr später immer
noch gern macht.
Viel Erfolg,
Myriam
www.tierschutz-notfaelle.de