Hundeschule - bin ich bei der falschen ?

Hallo miteinander,

wir haben seit rund 3 Monaten einen 2 Jahre alten Mischlingshund. Er kommt aus dem Tierheim, war vorher vermutlich ein Streuner in Italien, hat null Erziehung genossen und zeigt die typischen Straßenhundspezialitäten (sehr unabhängig, jagt Mäuse und Vögel, ging anfangs auf Müll los).

Da er sich gerne mit anderen Hunden anlegt - sobald er einen Kollegen erblickt, bellt und zerrt er wie verrückt, wobei er ganz „normal“ wird, wenn er den anderen Hund dann beschnüffeln darf - habe ich am Anfang bei einer Hundetrainerin Einzelstunden genommen. Jetzt aber fand ich es an der Zeit, dass er den Umgang mit anderen Hunden lernt und habe mich zu einem Erziehungskurs beim örtlichen Schäferhundverein angemeldet.

Aber dort fühle ich mich fehl am Platze, und zwar aus folgenden Gründen:

  1. Das Prinzip dort ist, dass man mit fast allen Mitteln den Hund diszipliniert. Die Hälfte der Kursteilnehmer bekam den Rat, ein Würgehalsband anzuwenden, übrigens unabhängig von der Größe des Hundes.

  2. Dort wird GEBRÜLLT. Ich bin aber der Meinung, ein deutlicher Tonfall, gerne ETWAS lauter, muß genügen. Ich hatte schon einmal einen Hund und behaupte daher, wenn das Verhältnis zwischen Hund und Halter stimmt, muss ich nicht mit Lautstärke arbeiten.

  3. Das Tempo ist viel zu schnell. Obwohl es ein Anfängerkurs ist, wurde „Sitz“ und „bei Fuß“ vorausgesetzt, „Platz“ in der ersten Stunde verlangt - ohne Übergangsschritte, wie ich sie zum Glück schon vorher bei meiner Hundetrainerin hatte. Nun hat aber mein Hund eben eine unbekannte Vorgeschichte, daher denke ich, er braucht etwas mehr Zeit.

  4. Gewisse Methoden empfinde ich einfach als zu heftig. Wer nicht ins Platz geht oder aufsteht, wird mit Gewalt nach unten gedrückt. Das schon mehrfach wiederholte Motto der Kursleiterin lautet: „Wenn der Hund nicht so will, dann muss es eben mal wehtun - wie in der Kindererziehung“.

DAS amüsiert mich schon fast, denn das Mädchen ist sicher noch kinderlos, ich dagegen habe 3 Kinder, bei denen es auch ohne Wehtun geht :wink:

  1. Der Kontakt mit anderen Hunden ist nicht wirklich möglich, der Platz ist nicht eingezäunt, während der Stunde baut mein Hund eher Aggressionen auf. Er resigniert zwar zunächst und bellt kaum noch, aber anschließend ist seine Bellerei bei Hundekollegen eher noch schlimmer.

Außerdem ist unser Verhältnis nach dem Kurs immer deutlich schlechter als vorher. Er hat regelrecht Angst vor mir, duckt sich, wenn ich ihn streicheln möchte, zieht sich für den Rest des Tages zurck.

Die Kursleiterin dagegen meint, ich sei viel zu weich und freundlich.

ICH meine, ich strahle auch anders meine Dominanz aus. Ich bin sehr konsequent, der Hund weiß absolut, wo er steht, ich setze Kommandos auch durch, nur eben verstärkt mit 1000 x üben und Leckerli. Meine vorherige Trainerin war immer sehr zufrieden mit mir, und nach einer Stunde mit ihr waren Hund UND Frauchen guter Dinge.

Wie würdet Ihr das denn beurteilen ? Ist diese Art der Hundeschule nicht längst überholt ? Sollte außerdem nicht die Möglichkeit bestehen, dass die Hunde miteinander spielen ?

Danke für Eure Meinungen, viele Grüße,

Inselchen

Hallo Inselchen

Außerdem ist unser Verhältnis nach dem Kurs immer deutlich
schlechter als vorher. Er hat regelrecht Angst vor mir, duckt
sich, wenn ich ihn streicheln möchte, zieht sich für den Rest
des Tages zurck.

Um Himmels Willen, das sagt doch schon alles! Ohne überhaupt auf die anderen Punkte einzugehen… DU fühlst dich nicht wohl dort, ER fühlt sich nicht wohl dort, IHR ZUSAMMEN fühlt euch nicht mehr wohl danach, und ihr habt bei der Einzeltrainerin ja bereits erlebt, dass es auch anders geht. Wenn man deinen Bericht liest, ist ganz klar, dass du da nichts verloren hast in der Schule. Das weisst du ja eigentlich selber, aber es ist normal, dass man in solchen Situationen plötzlich an sich selber zweifelt :smile:

Liebe Grüsse
Ursu (16 Jahre Hundeerfahrung)

Hallo Inselchen,

schon das Wort: ‚Schäferhunde-Verein‘ klingt für mich wie Drill, Zucht und Ordnung…(Klischeedenken?!)

Eine Hundeerziehung in Kasernenhofmanier mit Schlagen, Würgen, Treten KANN (und DARF) nicht der richtige Weg sein!

Gehe mal in dich und frage dich, was dein Hund sooo wahnsinnig ‚schlimmes‘ anstellt: wie du es beschreibst, hat er sich und du ihm doch schon viele Unarten abgewöhnt. Dass er nun ‚lediglich‘ noch seine Fellgenossen anbellt, wenn er an der Leine ist, zeigt doch deutlich, dass eine Erziehung ohne Gewalt und Ungeduld der einzig richtige Weg war. Alles braucht seine Zeit.

Einem Hund den Willen zu brechen und ihn mit mehr als fragwürdigen Maßnahmen einzuschüchtern ist falsch und dumm - und sowas tut man einem treuen Freund nicht an!

Ich kann dir im Sinne deines Hundes und deiner guten Beziehung zu ihm nur einen guten Rat geben: Betrete diese angebliche Hundeschule nur noch ein einziges Mal: nämlich, um so viele wie möglich andere Mitglieder zu überzeugen, dass das, was sie ihren Vierbeinern da antun an Tierquälerei grenzt! So ein Laden gehört m.E.n. per Gesetz verboten - schade… scheint bis heute noch kein Handlungsbedarf zu bestehen :o(

Schöne Grüße
Esther

Hallo,

ich denke auch es ist die falsche.
Ich habe auch seit ner Woche nen sog. Problemhund … (Angstverhalten) und habe viele tolle Tipps auf http://www.hundewelten.de erhalten. Da gibt es ein tolles - umfangreiches, nach Themen gegliedertes Forum. Nach nur 1-2 Tagen hatte ich/wir die meisten Sachen schon im Griff, und Lotte ist jetzt nach 1ner Woche schon fast angstfrei. Frag doch da mal nach Tipps :smile: oder lese dir in Ruhe die Postings alle durch … Im Forum werden alle möglichen Dinge angesprochen, sicherlich auch euer Problem. Die harte Schule wird da auch nicht propagiert.

Viel Glück
Sabine

Hallo!

Ich schließe mch meinen Vorrednern an, die Hundeschule taugt nichts.

Ein Hund lässt sich viel besser ohne Gewaltanwendung erziehen, dafür muss halt bei einer erfolgreichen Übung mit einem Leckerli oder Spielzeug gelobt werden (Interessanterweise muss neuerdings in den Gehordsams-Grundkursen unserer Hundeschule auch das Loben mit den „Herrchen“ geübt werden - das aber nur am Rande).

Tu deinem Hund und dir einen Gefallen, und schau dich nach einer anderen Hundeschule um. Vielleicht hilft dir dieses Seite dabei:

http://www.dvg-luenen.de/service/clubsearch/clubsear…

Gruss,
Julia

Hallo Inselchen,

jaaaa! Du bist bei der falschen!
Bitte gehe mit Deinem Hund nicht mehr in diese Hundeschule. Eine gute Hundeschule erkennst Du unter Anderem daran, dass Hunde und Menschen gerne dort hin gehen, dass ein freundlicher Umgangston gegenüber den Menschen und den Hunden herrscht, dass die Ausbilder ihre Qualifikation nachweisen können, dass sie nach den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen arbeiten…
Ich kann Dir gerne meine Kriterien für eine gute Hundeschule mailen, wenn Du möchtest. Ich bin Tierpsychologin und habe diese Kriterien mal aufgelistet, um den Hundehaltern die Auswahl einer guten Hundeschule zu erleichtern. Ich selber arbeite seit 1,5 Jahren in einer Hundeschule mit und kann nur sagen, es geht auch nett und trotzdem (oder gerade deswegen) effektiv. Drill und Brutalität hindern den Hund am Lernen und verderben die Beziehung zu seinem Halter. Eine Beziehung, die durch Angst geprägt ist, ist mit Sicherheit nicht Dein Wunsch.
Schau doch auch mal unter http://www.bhv-net.de . Das ist der Berufsverband der Hundeerzieher.

So long
Antje

Grüß Dich…
immernoch am Suchen???

Tipp. Vergiss alle Hundeschulen(mach mir grad mein Geschäft kaputt) und schaff dir zwei drei gute Fachbücher an und arbeite den Grundgehorsam durch. Geht idR ziemlich einfach wenn man nicht ganz doof ist.
Meld dich wenn du Lust hast dann nenn ich dir gute Bücher.

Gruß Steffen

Aber bitte :smile:
Hallo Steffen,

immernoch am Suchen???

Jaaaa *seufz*. Du bist einfach ein bißchen zu weit weg :frowning:((, ich bräuchte mit An- und Abfahrt zu lange.

Der Kurs im Schäferhundeverein bot sich an, weil er im Nachbarort ist. Ich habe die Anzeige gelesen und dachte mir, das probiere ich halt mal aus. Und irgendwie habe ich mich von dem Gelaber, ich sei zu freundlich, dann doch verunsichern lassen *schäm*. Andererseits hat mein Hund ja bisher durchaus etwas gelernt, und es wird auch täglich in Minischritten besser.

Tipp. Vergiss alle Hundeschulen(mach mir grad mein Geschäft
kaputt) und schaff dir zwei drei gute Fachbücher an und
arbeite den Grundgehorsam durch. Geht idR ziemlich einfach
wenn man nicht ganz doof ist.
Meld dich wenn du Lust hast dann nenn ich dir gute Bücher.

GERNE *freu* ! Vielleicht wäre das auch etwas für FAQ’s ?

Allerdings habe ich das Problem mit den anderen Hunden damit noch nicht gelöst. Ich habe jetzt von insgesamt drei anderen Hundehaltern einen Geheimtipp bekommen, dort geht es wohl freundlich zu, und vor allem ist gemeinsames Spielen ein wichtiger Bestandteil der Stunde. Das wird dann also mein nächster Versuch.

Wir haben mit dem Hund jetzt schon einiges durchgestanden in der Eingewöhnungszeit, da gebe ich nicht so schnell auf :wink:

Ich frage mich nur, warum ich wohl die Einzige in dem Kurs bin, die das wirklich doof findet *grübel*. EINE Kursteilnehmerin, zufällig eine ferne Bekannte, hat mir gestanden, dass sie daheim die Brüllerei auch nicht praktizieren würde, aber „da muss man jetzt eben mal durch, wenn’s denn was bringt…“.

Danke und viele Grüße,

Inselchen

Hallo Antje,

danke für Deine Antwort :smile:

Ich kann Dir gerne meine Kriterien für eine gute Hundeschule
mailen, wenn Du möchtest. Ich bin Tierpsychologin und habe
diese Kriterien mal aufgelistet, um den Hundehaltern die
Auswahl einer guten Hundeschule zu erleichtern.

Wäre das nicht auch etwas für die FAQ’s ?

Ich nehme die mail gerne an *freu*, aber vielleicht würde sich auch der eine oder andere stille Mitleser im Forum darüber freuen ?

Ich selber

arbeite seit 1,5 Jahren in einer Hundeschule mit und kann nur
sagen, es geht auch nett und trotzdem (oder gerade deswegen)
effektiv. Drill und Brutalität hindern den Hund am Lernen und
verderben die Beziehung zu seinem Halter. Eine Beziehung, die
durch Angst geprägt ist, ist mit Sicherheit nicht Dein Wunsch.

Wasser auf meinen Mühlen *freu* ! Danke, da sind wir einer Meinung, nur bin ich halt nur Laie :wink:

Viele Grüße,

Inselchen

*ggg*
Hallo Esther,

danke für Deine Antwort :smile:

schon das Wort: ‚Schäferhunde-Verein‘ klingt für mich wie
Drill, Zucht und Ordnung…(Klischeedenken?!)

Um ehrlich zu sein, das war auch mein erster Gedanke. Ich möchte keine Schäferhundhalter beleidigen, aber der Kurs und die Leute dort bestätigen auch jedes Klischee. Gruselig - aber vielleicht bin ich ja auch nur ein Sensibelchen :wink:

Viele Grüße,

Inselchen

@ alle
Hallo miteinander,

danke für Eure hilfreichen Antworten *Sternchenverteil*.

Ich werde den Kurs abbrechen, bin nur noch am Überlegen, ob ich mich offiziell verabschiede (und dann natürlich meine Klappe nicht halten werde), oder ob das sowieso vergeblich ist - die halten sich dort für die absoluten Experten :frowning:(( Euer „Schubs“ hat mich bestärkt.

Aaaaaber es muss doch auch genug Leute geben, die solche Kurse gut finden ??? Wo sind die ? Ich würde gerne mal Argumente für diese Methoden lesen, es muss diesen Leuten doch auffallen, dass es andere Methoden gibt ?

Viele Grüße an alle, man liest sich *droh*g*,

Inselchen

Bloß weg da!
Hallo Inselchen,

geh da bloß nie wieder hin - bzw. nur noch einmal (ohne Deinen Hund) und sag denen Deine Meinung.

Du hast Dich ja glücklicherweise schon entschieden. Von guten Hundeschulen oder Trainern habe ich hier auch nicht aus der Zeitung erfahren, sondern nur über Gespräche mit anderen Hundehaltern. Und dann hab ich mir erstmal angesehen, wie die das machen.
Bei uns gibt’s auch noch eine (gute?) Trainerin, die in letzter Zeit bei immer mehr Hunden den TeleTack einsetzt - das ist ein großes Armutszeugnis für ihre Qualifikation und mich sieht sie nicht wieder.

Ich kann Dir die Bücher bzw. den Erziehungsstil von Eckard Lind sehr empfehlen - der geht genau in die andrere Richtung.

Grüße

gordie
(mit 20 Jahren Erfahrung in der Hundeerziehung)

Hallo, Inselchen,
ich stimme absolut zu. Such Dir eine andere Hundeschule.
Ich habe vor 4 Jahren ähnliche Erfahrungen gemacht. Ich war
in einem Hundeverein, wo eigentlich nur Schäferhunde und dann
vielleicht noch Malinois „einen Wert“ hatten. Ich wurde mit
meinem Mischling nicht ernst genommen. Dort wurde auch viel
gebrüllt und es wurden auch garstige Methoden angewandt.
Als es mir zuviel wurde, habe ich mir jedes Wochenende einen
anderen Hundeverein angesehen, bis ich den richtigen gefunden
habe, wo ich (d.h. mein Hund)inzwischen die Begleithundeprüfung abgelegt habe und derzeit mit großem Spaß Agility betreibe.
In meinem Verein werden die Hunde als Individuen angesehen.
Nicht jede Erziehungsmethode passt für jeden Hund. Manche können
härter, andere müssen sensibler angefasst werden.
Auf jeden Fall habe ich festgestellt, dass mit viel Lob und Leckerli
die Hunde am besten was lernen.
In Schäferhundvereinen sind leider oft auch „Hundesportler“ zu finden, für die der Hund nur Sportgerät ist. Wenn der Hund den Erwartungen nicht entspricht, wird er wieder verkauft.
Oftmals werden die Hunde viel zu jung in eine Prüfung geschickt
und werden daher vorher sehr gedrillt.
Lass Dich nicht beirren und suche Dir eine anständige Hundeschule,
wo Dir auch die Mitglieder sympathisch sind. In meinem Verein gibt
es das alles, wir gehen auch viel gemeinsam mit unseren Hunden spazieren und nie hat es größere Raufereien gegeben.
viel Glück bei der Suche!
Lily

Hallo Inselchen,

habe leider ebenfalls mit einem SV (Schäferhundeverein) ähnlich schlechte Erfahrungen gemacht: Ich wollte mit meinem sehr gut erzogenen, inzwischen auch anderen Rüden gegenüber freundlichen Schäfer-Mix, der bereits vor 4 Jahren die Begleithundeprüfung abgelegt hatte und ein bißchen im Agility-Sport war, nochmal ein bißchen „Wissen auffrischen“ und ihm einfach mal wieder einen Hundeplatz zeigen.
Dort wurde ich zunächst mal weder nach meinem Namen, meinen Vorkenntnissen oder ähnlichem gefragt (vom Impfpaß ganz zu schweigen), was mich zwar wunderte, was ich aber darauf schob, daß ich zum „Schnuppern“ in einen bereits laufenden Kurs einstieg.

Aber auch hier herrschte ein unglaublicher Ton, andere Teilnehmer aus „höheren“ Kursen kreuzten ständig ungefragt unseren Weg, unser „Ausbilder“ faßte ganz am Anfang ohne mich zu fragen meinen Hund an als er sich auf „Sitz“ nicht nah genug bei mir hinsetzte (das hätte auch schief gehen können) Und eine „Dame“ übte mit ihrem offensichtlich schwer Hüftdysplasie-geschädigten Schäferhund auf brutale Art apportieren über Hindernisse. Bei dem Anblick fragte ich mich nicht mehr, warum keinem aufgefallen war, daß auch mein Hund nicht ganz gleichmäßig lief(wegen einer damals beginnenden Gelenkentzündung)

Ich bin natürlich nie wieder hingegangen, und konnte immerhin zwei andere davon überzeugen, sich einen anderen Verein zu suchen. Dort zu protestieren hätte wohl keinen Sinn gehabt, aber auch Vereine sind auf Mitglieder angewiesen, vor allem auf engagierte, die auch mithelfen. Deshalb sollte man keine unnötige Energie in Negativ-Kritik (wenn auch noch so berechtigt) stecken, sondern wie beim Hund auch, die positive Verstärkung anwenden.

Also wenn man eine gute Hundeschule gefunden hat, oder einen guten Verein, sollte man sich für ihn stark machen, damit er seine Qualität auch erhalten kann.

Gruß Eddy