Sterilisation unserer Hündin

Eigentlich hätte ich diese Frage gerne einem guten und vertrauenswürdigen Tierarzt gestellt, aber ich habe keine Ahnung wie das funktioniert. Nach dem Tierschutzgesetz darf man einem Tier wohl nicht mehr einfach Organe wie z. B. die Keimdrüsen entfernen, habe ich neulich in einem Artikel einer Tierärztin gelesen. Weshalb werden bei einer Kastration die Keimdrüsen überhaupt entfernt, mit den Folgen, dass die Tiere dann dick und träge werden.
Wenn in der Humanmedizin der Uterus aus medizinischen Gründen ent-fernt werden muss, kommt kein Mensch auf die Idee, die Ovarien auch gleich mit zu entfernen. Könnte man in der Tiermedizin nicht auch einfach nur den ‚Uterus‘ entfernen, um die Fortpflanzung zu unterbinden? Vielleicht ist ja ein Tierarzt zu finden, der auch so denkt. Grüßle Rosa

Hallo Rosa,

ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich deine Frage überhaupt verstanden habe. Also bei der Kastration sollte nur der Uterus entfernt werden und die Eierstöcke bleiben drin?

Bei einer Kastration wird doch beides entfernt, bei einer Sterilisation lediglich die Eileiter unterbrochen.

Unsere Hündin ist nach der Kastration weder dick noch schwerfällig oder sonstwas geworden. Sie hat zwar einen gesteigerten Appetit, was aber leicht durch geringere Futtergaben in den Griff zu kriegen ist.

Viele Grüße
Manu

Ergänzender Hinweis. Manchmal werden die Hündinnen „undicht“. Dagegen helfen - bei unserer Hündin in jedem Fall - Hormone. Wenn man so will, einen Vorteil hat es, den Hund noch vor der ersten Regel zu sterilisieren. Die Gefahr, daß sie Brustkrebs (Milchleiste!) bekommt, ist so gut wie ausgeschlossen. Das haben wir erfahren, weil unsere 13 Jahre alte Hündin sog. Lipome hat, also gutartige Fettgeschwulste. Sie hat übrigens, nach meiner Meinung, ein Idealgewicht (Setter 20 kg); meine Frau meint, es könnten einige Pfund weniger sein. Naja, über Diät kann man streiten.

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Hallo Rosa,


Nach dem Tierschutzgesetz darf
man einem Tier wohl nicht mehr einfach Organe wie z. B. die
Keimdrüsen entfernen, habe ich neulich in einem Artikel einer
Tierärztin gelesen.

nach der derzeitigen Auslegung und Anwendung des Tierschutzgesetzes ist es legitim, Kastrationen aus medizinischen Gründen oder zur Verhinderung unkontrollierter Vermehrung vorzunehmen.

Weshalb werden bei einer Kastration die
Keimdrüsen überhaupt entfernt, mit den Folgen, dass die Tiere
dann dick und träge werden.

Es ist keineswegs zwangsläufig eine unmittelbare Folge der Kastration, wenn Hunde übergewichtig werden. Viele Hunde kommen nach der Kastration mit weniger Futter aus, es liegt also in der Hand des Hundebesitzers diesem „Problem“ durch vernünftige Fütterung entgegenzuwirken. Auch die Trägheit - eine Folge des Übergewichts -
lässt sich so vermeiden. (Übrigens sind auch ein Großteil nichtkastratierter Hunde in unseren Breiten übergewichtig - eine Folge zu reichlicher und gedankenloser Fütterung.)

Wenn in der Humanmedizin der Uterus aus medizinischen Gründen
ent-fernt werden muss, kommt kein Mensch auf die Idee, die
Ovarien auch gleich mit zu entfernen. Könnte man in der
Tiermedizin nicht auch einfach nur den ‚Uterus‘ entfernen, um
die Fortpflanzung zu unterbinden?

Es macht wenig Sinn, das Haustier Hund in dieser Beziehung mit dem Menschen zu vergleichen. Die Frau hat einen anderen Zyklus als die Hündin und auch das Sexualverhalten des Menschen dient nicht ausschließlich der Fortpflanzung.

Die meisten Hundebesitzer, die sich zu einem chirurgischen Eingriff entschließen, erwarten i. d. R. mehr als reine Empfängnisverhütung.
Wird nur die Gebärmutter entfernt, ändert sich aber hormonell nichts für die Hündin, sie wird weiterhin läufig und bleibt somit für Rüden interessant oder büxt während dieser Zeit aus.
Außerdem kommt es nach jeder Läufigkeit zu einer Scheinmutterschaft, die wiederum in ursächlichem Zusammenhang mit der Entstehung von Mammatumoren steht.

Es kommt auch relativ häufig zu Ovarialzysten und Stumpfpyometra, wenn die Eierstöcke bei der Sterilisation nicht entfernt werden, was dann i. d.R. einen nochmaligen operativen Eingriff erfordert.

Jeder Eingriff will gut überlegt sein, da jede Methode der Empfängnisverhütung ihre Vor- und Nachteile hat. Falls man aus Tierschutzgründen eine Organentnahme ablehnt, kommt konsequenterweise eine Uterusentfernung auch nicht in Frage.

Vielleicht ist ja ein
Tierarzt zu finden, der auch so denkt.

Ich weiß nur von einem Tierarzt in unserer Umgebung (Spezialist für Schafe), der die Ovarien in der Hündin belässt - und wir müssen in unserer Praxis relativ häufig von ihm operierte Hündinnen mit oben genannten Problemen nachoperieren.

Gruß

Johnny