Betreff: Kampfhunde
Liebe Genossin Adelheid,
vielen Dank für das kurze Gespräch am Rande des Kreisfeuerwehrfestes am heutigen Tag.
Mit meinen div. Tätigkeiten für und innerhalb der Partei wollte ich keineswegs protzen, lediglich klarstellen das ich keineswegs der „Halbwelt“ angehöre.
Zeit meines Lebens war ich von Tieren umgeben, sie wurden mir immer zu Freunden und Gefährten. Aktuell ist es eine Katze und ein Hund, ein Boxer-Doggenmix, der das Pech hat wie eine Schrumpfversion eines Dogo Argentino auszusehen, und somit bin ich nun zu einem „Kampfhundhalter“ mutiert.
In der Öffentlichkeit werde ich von wildfremden Menschen als „Mörder“ tituliert, und Frauen mit Kindern die mich vor 2 Wochen noch grüßten und deren Kinder den Hund streichelten gehen mir aus dem Weg.
Warum? Weil Politiker und Medien das ganze aufheizen und sich anscheinend vorgenommen haben sich gegenseitig zu toppen: Welches Bundesland verbietet die meisten Rassen? Welche Kommune läßt die ersten Hunde einschläfern?
Warum wir uns überhaupt einen Hund zugelegt haben der „so aussieht“?? Ganz einfach, in beiden Kreistierheimen war Inka die einzige die katzenverträglich war, und im täglichen Zusammenleben ist die Katze der Boss! Und nicht weil wir uns mit einer „Beissmaschine schmücken wollen“ !!!
Aber es wird immer schwerer, in das Darmstädter Luisencenter ist uns demnächst der Eintritt mit Hund verwehrt, da die privaten Wächter mit Fotos von „Kampfhundrassen“ ausgestattet werden denen der Zutritt verwehrt wird. Wir hätten nichts gegen einen generellen Maulkorbzwang, aber das geht zu weit!
Und die Deutsche Bahn? Auch hier ab 1.9.00 kein Transport sog. „Kampfhunde“! Meine Frau ist krebskrank und nutzt als Schwerbehinderte zusammen mit dem Hund das Angebot des RMV mit Ihrer Pauschalfahrkarte (da Merkzeichen G). Bisher lag es im Ermessen des Schaffners einen Maulkorb anzuordnen, klar, bin ich dafür, alle !! sollten einen tragen wenn unbekannnte Menschen mit unbekannten Hunden auf engem Raum zusammentreffen. Damit ist jeder Hund nicht mehr angriffsfähig.
Aber was jetzt?
Von einem durchgeknallten Schäferhund neben mir ums ich mich weiterhin belästigen lassen, da keine generelle Maulkorbpflicht, aber wenn wir etwas mit dem Hund unternehmen wollen sind wir auf das Auto angewiesen. Hoch lebe die Ökologie!!!
Ach ja, diese Schäferhunde eignen sich hervorragend zum kämpfen, warum sonst wurden und werden sie weltweit bei Polizei und Militär eingesetzt? Gingen Streife an der innerdeutschen Grenze?
Weiter im Text:
Willkürlich zu den Kampfhunden werden Dogo Argentinos und Rhodesian Ridgeback gezählt, beides massige Jagdhunde die nie zum Kampf eingesetzt wurden, genau so wie die Deutsche Dogge und der Boxer…
Die Molosser, uralte Soldatenhunde und Kriegshunde aus der Römerzeit wie der Mastiff zählt man auch dazu…der Bernhardiner ist aber auch ein Molosser…
Und Boxer? Die Rasse entstand vor etwa 80 Jahren aus Mastiff und englischer Bulldogge…Hilfe!!!.. aus 2 Kampfhunden!!!
Wenn Sie diese Rassen heute kreuzen bekommen Sie einen Kampfhund…oder immer noch einen Boxer???
Der Vorfall in Hamburg beruhte auf der Transuseligkeit der Behörden: Halter und Hund waren einschlägig bekannt, Auflagen wurden erteilt aber nicht kontrolliert. Und jetzt wird das Kind mit dem Bade ausgekippt!!!
Hunde aller Rassen sind auch Familienhunde, die in verantwortungsvollen Händen gehalten werden. Und wenn einzelne Rassen vernichtet werden, werden sich gewisse Kreise eben andere suchen, mit den Herdenschutzhunden ist das Problem ja bereits offenkundig geworden!!!
Auch und gerade Bullis sind extrem kinderlieb, das habe ich am eigenen Leib erfahren!
Und was ist gestern passiert? Ein Schäferhund hat das Gesicht eines Kindes auf einem Spielplatz zerfleischt, aber das paßt ja nicht in die Medien, das war ja die falsche Rasse.
Die Politik hat die Forderungen des Deutschen Tierschutzbundes seit Jahren verschlafen, und jetzt erfolgt eine Überreaktion, getrieben von hysterischen Medien.
Noch vor 14 Tagen wurde das Hamburger Tierheim gelobt. Weil es sozialisierte „Kampfhundrassen“ in vernünftige Hände gab…und dieselben Hunde werden jetzt zur Tötung wieder aus den Familien eingezogen!!!
Selbst Halter von Dobermännern und Rottweilern, die vorher im Straßenbild nicht weiter auffielen, werden dieser Tage in stärkstem Maße bedrängt.
Es ist keine Frage, daß das Thema in den letzten Jahren vernachlässigt wurde. Eine kriminelle Minderheit nutzte diesen Umstand, um sich als Statussymbol sogenannte Kampfhunde zuzulegen und durch konsequente Fehlerziehung zu Waffen zu machen.
Das ist allerdings nicht die Schuld der Hunde! Es ist auch nicht die Schuld der Hunderasse!
Sowohl die deutsche Tierärzteschaft als auch viele Wissenschaftler haben übereinstimmend festgestellt, daß die Gefährlichkeit von Hunden nicht an ihrer Rassenzugehörigkeit erkannt werden kann.
Der Faktor der Erziehung ist für den Charakter der Hunde absolut dominierend. Es gibt keinen zweifelsfreien Nachweis genetisch bedingter Gefährlichkeit bestimmter Hunderassen.
Es ist klar, daß gefährliche Hunde aus dem Verkehr gezogen werden müssen. Das gilt aber für alle Rassen. Viel wichtiger ist aber, daß unverantwortliche Halter zur Rechenschaft gezogen werden. Dafür bietet die jetzige Gesetzgebung genug Möglichkeiten. Sie muß nur konsequent angewendet werden.
Eine Hetzjagd und vorschnell verabschiedete Gesetze zur Tötung und Ausrottung bestimmter Rassen werden zwar der verunsichert aufschreienden Bevölkerung kurzfristig gerecht, helfen aber nicht auf Dauer. Es führt lediglich zur fortschreitenden Einschränkung von Bürgerrechten.
Wenn heute das rücksichtslose Abschlachten von Pitbulls und Staffordshire Terriern gefordert wird und die Politik so willentlich folgt - da es ja nur eine Minderheit betrifft, so werden es morgen vielleicht Dobermänner, Schäferhunde oder Riesenschnautzer sein.
Oder um es einmal ganz polemisch zu sagen, Deutschland hat ja Erfahrung im Versuch eine Rasse oder Menschen einer bestimmten Religionszugehörigkeit ausrotten zu wollen.
Deshalb fordere ich Sie auf:
Ø in Ruhe die Pläne zur Ausrottung von Kampfhunderassen zu überdenken. Es gibt dafür keine rationale Legitimation.
Ø die bestehende Gesetzgebung konsequent zu nutzen und gefährliche Tiere jeglicher Rasse individuell aus dem Verkehr zu ziehen.
Ø abschreckende Strafen für das mißbräuchliche Abrichten von Hunden jeglicher Rasse.
Ø einen Sachkundenachweis für Halter aller Hunderassen.
Ø alle Hunde bereits nach der Geburt zu chippen, um die Herkunft nachweisen zu können.
Nur dadurch können alle an Lebensqualität durch Sicherheit und Vielfalt gewinnen.
Denken Sie immer daran, daß hinter vielen dieser Hunde eine Familie steht -oft mit Kindern- und durch das Einziehen und/oder sinnlose Töten aller „Kampfhunde“ sicher vielen Menschen ein Spielkamerad oder langjähriger Freund genommen wird!
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Mit freundlichen Grüßen