Neue 'alte' Meerschweinböcke hinzu

Hallo liebe Meerschweinchenkenner,
gestern war es soweit - meine Töchter haben ihre Tiere (2 Böckchen, 3 und 2 Jahre alt) nun endlich vom Vater (Sorgerechtsstreit) zurück erhalten. Aber das nur am Rande - wir freuen uns so! :smile:
Problem ist, ich habe bereits ein Bock"pärchen" von ca. 9 Monaten. Sie leben zusammen in einem Großen Gehege von 2x1,20 m und abends mit viel Auslauf im Wohnzimmer. Es gab zwischen den beiden noch nie eine Rauferei, da sie von Anfang an zusammen waren. Sie sind noch „ganze Kerle“, also nicht kastriert.

Die Tiere meiner Töchter kennen sich untereinander nicht und mussten ihr Leben bisher einzeln fristen :frowning:

Wir waren gestern auch vom Umzugswagen weg gestern gleich noch beim Tierarzt - Milben und derartig lange, verbogene Krallen sowie etwas abgemagert in der „2monatigen-Vater-wohn-Zeit“ das wir beim Anblick allle geheult haben!

Wie könnten wir es mit „Geduld und Spucke“ und stresslos schaffen, die Böcke aneinander zu gewöhnen, dass sie alle im großen Gehege (wir würden auch anbauen oder aufstocken) leben können? In unserer (noch) kleinen Wohnung passen die mitgelieferten Einzel-Käfige nicht rein und sie sollen auch nicht mehr einzeln gehalten werden.

Kastrieren und junge Weibchen hinzu, will ich nicht riskieren und 6 Tiere wären dann doch zu viel!

Danke für Eure Ratschläge (und für Geduld mein vieles Geschreibsel zu lesen)
Tschö Schnute

Hallo Schnute!

Zuerst das allerallerwichtigste! QUARANTÄNE!
Halte die Tiere am besten räumlich komplett getrennt, bis die Milben „gegessen“ sind, nicht dass Du hinterher alle vier behandeln musst.
Milben sind zwar eigentlich immer auf den Schweinchen, können aber bei Stress und schwachem Immunsystem die Probleme auslösen, die eure jetzt wohl haben.
D.h., haltet die beiden möglichst stressfrei, gebt ihnen gesundes Futter, und lasst sie erstmal zur Ruhe kommen.

Wie könnten wir es mit „Geduld und Spucke“ und stresslos

Stresslos wird es auf keinen Fall werden.
Ganz ehrlich, ich würde es nicht versuchen. Mir wäre das Risiko zu gross, dass die beiden anderen Böckchen sich zusätzlich zerstreiten.
Ich habe einige Erfahrung mit reinen Männchengruppen, bei mir leben zur Zeit 14 Schweinchen, davon eine Gruppe mit einem Kastraten und sechs Weibchen, eine Gruppe mit zwei Böckchen und eine mit fünf Böckchen. Alle Tiere in einem Raum (auch wenn viele sagen, dass man Bockgruppen nicht halten kann, wenn Weibchen in der Nähe sind…).
Aber, die Tiere sind seit sie von der Mutter wegkonnten zusammen (alle Böcke selbst gezogen). Ich würde jetzt keine Umgruppierung mehr vornehmen, denn die Gruppen laufen stabil. Sobald in so eine Gruppe die kleinste Veränderung kommt, dazu reicht schon, dass ein Tier sehr krank wird, gibt es Probleme, und die Rangfolge wird neu gestrickt.
Das ist nicht zwangsläufig mit Beissereien oder Mobbing verbunden, kann es aber. Dann muss man den Platz und den Willen haben, Tiere zu trennen, und ggf. auch neue Tiere dazu zu nehmen oder eines der Tiere abzugeben, damit es nicht alleine bleiben muss.
Ob kastriert oder nicht macht meiner Erfahrung nach keinen Unterschied. Zumal in dem Alter. Die Tiere begatten sich ja z.B. auch aus sozialen Gründen, ohne dass da Nachwuchsgedanken dahinterstecken.

Kastrieren und junge Weibchen hinzu, will ich nicht riskieren
und 6 Tiere wären dann doch zu viel!

Eine Kastration würde ich auch nur machen, wenn es gesundheitliche Grüne hat, oder um z.B. einer Weibchengruppe einen Bock hinzuzugesellen, nicht, um es andersherum zu machen :smile:
Das Risiko wäre mir einfach zu hoch, wenn man auch andere Lösungen hat. Und fürs Tier ist es auch nicht der Hit, jede Veränderung stresst sie ja.
Wenn ihr euch doch für 6 Tiere entscheiden könntet, würde ich euch raten, einen Züchter zu suchen, der euch beraten kann, und dort zwei ganz junge Böcke zu nehmen. Dann zu jedem einzelnen alten einen Kleinen dazu. Meiner Meinung nach wäre das die sinnvollste und stressfreieste Lösung.
So alte Tiere, noch dazu, wenn sie es nicht kennen, einen Partner zu haben, aneinander zu gewöhnen, und dann auch noch in einer Viererkonstellation, ich glaube nicht, dass das klappt.
Was ihr noch versuchen könntet, wäre, die beiden einzelnen als eine eigene Gruppe, dann habt ihr zumindest nicht drei, sondern nur noch zwei Gehege. Platz verbraten die natürlich trotzdem einigen, aber wenn ihr euer (übrigens toll grosses :smile: ) Gehege aufstocken könnt, könnt ihr evt. auch zwei draus machen?

Bei den beiden Kerlchen würde ich wie gesagt erstmal abwarten, bis sie wieder vollkommen fit sind. Dann mal die Käfige in einen Raum stellen, beobachten. Wenn die Tiere nicht gestresst wirken, normal fressen etc., die Käfige in Sichtweite stellen. Wieder beobachten, wie die Tiere reagieren. Den Abstand zwischen den Käfigen immer weiter verringern. Evt. habt ihr das grosse Glück, dass sie die zwei übereinander freuen. Falls sie sich nicht anzicken, könnt ihr sie beim Freilauf dann miteinander bzw. gleichzeitig laufen lassen. Aber bitte nicht nebeneinander setzen oder zum anderen hinstupsen, sondern einfach mit gewissem Abstand (evt. sogar so, dass sie sich nicht sofort sehen) absetzen und einfach machen lassen. Das erfordert Geduld beim Menschen, ich weiss :smile: Aber für die Tiere ist es die Chance, ganz in Ruhe die Lage abzuchecken.
Für euch gilt dabei: am besten zwei Erwachsene, oder, falls Deine Töchter schon grösser sind, Du und eine von ihnen, mit wirklich festen lederhandschuhen ausrüsten. Wenn die zwei anfangen, sich zu beissen, auf GAR KEINEN FALL mit blossen Händen dazwischengehen. Das kann böse Verletzungen geben (kennen einen Fall, in dem der Finger nun steif ist…).
Ach ja, solange es „nur“ bei Zähneklappern und Drohgebärden bleibt, trennt die Tiere nicht wieder. Sie müssen sich ja einigen, trennt man sie sofort, haben sie dazu keine Chance. Sobald es aber Wunden gibt oder ein Tier sichtlich Stress hat (frisst nicht, sagt nichts, magert womöglich ab etc.), ist es besser, abzubrechen und den Versuch entweder zu einem späteren Zeitpunkt, wenn sie das Tier erholt hat, zu wiederholen, oder die Sache als sinnlos anzusehen und sich etwas anderes zu überlegen.
Wenn die beiden sich vertragen, würde ich es eine Weile so laufen lassen, und irgendwann am besten beide in ein neues Gehege umsiedeln, oer zumindest die neue Bleibe so reinigen, dass möglichst wenig Geruch vom Bewohner überbleibt (Essigessenz, evt. ein Desinfektionsmittel, für ein Mal geht das schon, aber gut abspülen und trocknen lassen), damit da kein Reviergefühl entsteht.
Für beide Tiere viele Versteckmöglichkeiten anbieten, aber darauf achten, dass nirgends Sackgassen entstehen! Gut eignen sich z.B. Korkröhren, Kartons, die auf zwei Seiten offen sind, ein Brett, übers Eck gesteckt (als Dach sozusagen)…
Beim Füttern darauf achten, dass beide ausreichend Futter abbekommen. Und am besten zwei Tränken an den entgegengesetzten Enden vom gehege anbringen, es kommt der Sommer, und wenn einer sich nicht traut, zu trinken, oder nicht drangelassen wird, kann das fatale Folgen haben.

Ich hoffe, ich konnte Dir zumindest ein wenig weiterhelfen! Insgesamt musst Du so oder so damit rechnen, dass es einiges an Stress bedeutet, sowohl für die Tiere, als auch für euch. Es gibt durchaus auch Tiere, die nach so langem Alleinleben nicht mehr in der Lage sind, mit anderen zusammen zu leben. Aber einen Versuch ist es auf jeden Fall wert :smile:

Liebe Grüsse und viel Erfolg, ich würde mich freuen, wenn Du beizeiten berichtest, was ihr gemacht habt, und was draus geworden ist!

Bine :smile:

Hallo Bine,
vielen lieben Dank für Deine so ausführlichen Ratschläge :smile:
Ich hätte nicht gedacht, das ich SO vorsichtig vorgehen muss. Und Lederhandschuhe?! - oh man, naja, so ein Nagezähnchen ist spitz!

Wir werden das lange Wochenende nutzen und die Neuankömmlinge erstmal wieder an das „normale“ Familienleben gewöhnen - die letzten 2 Monate ohne ihre „Mamas“, allein im leeren ruhigen Kinderzimmer, war sicher schon Stress genug. Aber wir haben gestern schon bemerkt, wie zufrieden sich die Fellnasen auf die Mädels gefläzt und gekuschelt haben und mit Appetit fraßen.
Dann werden wir nach ein paar Tagen Deinen Rat befolgen und sie nicht zueinander so dicht setzen sondern sie es allein aus zwei Zimmerecken heraus zu probieren. - Auch das hätte ich nicht gedacht, hier so vorsichtig vorgehen zu müssen.

Danke für Dein Mutmachen - ich berichte natürlich, wie’s gekommen ist!
Tschö Birgit :smile: