Hallo Minnie!
Doch, es ist üblich!
ich habe während meiner Arbeit oft die Rückmeldung von Tierhaltern bekommen, dass ihr Tier ohne tierärztliche Hilfe gestorben ist.
Nicht nur Tiere, die einfach alt waren, sondern durchaus auch welche, die krank waren. Mal chronische Krankheiten, mal etwas akutes.
Ob das nun für die Tierhalter „einfacher“ war?
Ich weiss es nicht genau. Wenn man sein Tier einschläfern lässt, weiss man den Zeitpunkt, man hat vorher noch die Möglichkeit, sich zu verabschieden, vielleicht nochmal einen Spaziergang zu machen oder mit Lieblingsfutter zu verwöhnen.
Das alles geht bei einem Tod von alleine kaum, ausser vielleicht das verabschieden, wenn man sieht, dass das Tier in den letzten Atemzügen liegt.
Ich selbst musste bisher weder Hund noch Katze einschläfern lassen, so dass ich gar nicht sagen kann, was ich nun „besser“ fände.
Ich denke, dass beides seine eigene Grausamkeit hat.
Ich habe ja den Vorteil, dass ich die Abläufe beim Einschläfern kenne, und dass meine Tiere, wenn es soweit sein sollte, von Menschen erlöst werden, die ich kenne und denen ich vertraue. Das erleichtert den Gedanken schon, ich weiss, dass diese Entscheidung keiner voreilig treffen würde, und dass ich mich ganz so verhalten kann, wie ich es will.
Deswegen finde ich es ganz wichtig, dass man sich schon vorher mit dem Tierarzt seines Vertrauens intensiv unterhält, wie es sein wird, was es für Möglichkeiten gibt, was vielleicht nicht geht. Nicht dass man hinterher völlig überfordert ist und Entscheidungen treffen muss, die nicht wohlüberlegt sind.
Übrigens, ich kenne keinen Tierarzt, der das Einschläfern leicht nimmt. Noch viel weniger bei Hausbesuchen, wo man in die Privatsphäre des Besitzers eindringt und ihm dort das nimmt, was er so sehr geliebt hat. Auch für einen Tierarzt sind damit Emotionen verbunden, und es kommt durchaus vor, dass er hart schlucken muss oder ein Tränchen verdrückt.
Vielleicht hilft das ein wenig bei dem Gedanken!
Du wirst erkennen, wenn Dein Hund nicht mehr kann, wenn er nicht mehr möchte. Lass Dir da von anderen Leuten, womöglich Fremden, die Deinen Hund bei einem Spaziergang sehen, nichts einreden. Du lebst mit Deinem Hund zusammen, Du weisst, ob er noch geniesst oder nur noch vor sich hinlebt.
Mit ein wenig Einfühlungsvermögen sieht man einem Tier an, wenn es leidet, zumal eigentlich jeder Hund bei Schmerzen mit diesem bestimmten Blick zu seinen Leuten schaut, bei dem man ganz genau weiss, es stimmt etwas nicht.
Angst habe ich auch davor, dass meine Hündin eines Tages nicht mehr ist. Dass ich entscheiden muss, wann Leiden überwiegt. Ich hoffe, dass sie bis dahin noch viele Jahre hat, aber man weiss es nie so genau. Sie ist für ihre 11 Jahre topfit, oft so übermütig, dass es eigentlich schon zu viel ist.
Andersherum sehe ich aber auch, dass die Hitze ihr von jahr zu Jahr mehr zu schaffen macht, dass ihre Knochen nasses kaltes Wetter nicht mehr so gut finden, ihr Hör- und Sehvermögen lässt nach und sie ist manchmal etwas schusselig.
Wichtig finde ich persönlich auch, dass man überlegt, was danach kommt. Sowohl direkt danach, als auch weitfristiger gesehen.
Meine Hündin möchte ich gerne selbst in die Niederlande bringen und dort einäschern lassen. Das kostet weitaus weniger, so dass die 200km einfache Fahrtstrecke sich lohnen.
In die Tierverwertung soll sie nicht, nicht weil ich es eklig fände, sondern einfach, weil ich sie noch bei mir haben will, ich brauche einen Ort, um dort um sie zu trauern. Einen Garten habe ich (noch) nicht, also kommt sie in eine Urne.
Haben wir irgendwann einen eigenen Garten, wird sie vermutlich dort begraben.
Zusätzlich weiss ich, dass ich möglichst schnell einen neuen Hund möchte. Als eine meiner Katzen starb, konnten wir zunächst keine neue holen. Erst ein paar monate später brachte mein Mann ein Katzenkind mit, und ab disem Zeitpunkt war mein Herz erlöst, im wahrsten Sinn des Wortes. Die vorherige Katze war nicht ersetzt, auf keinen Fall, aber meine Trauer ist in eine andere Stufe getreten. Die Leere war weg.
Deswegen mache ich mir jetzt schon Gedanken, was für ein Hund zu uns passen könnte, woher man diesen Hund bekommen kann etc.
Ich sehe das nicht als Untreue gegenüber meiner jetzigen Hündin an. Ihr wird es vollkommen wurscht sein. Selbst wenn es einen Himmel gibt, dann hat sie dort mit Sicherheit genug zu tun als dass sie sich Gedanken darüber machen müsste, ob hier ein neuer Hund lebt oder nicht 
Und dass sie unersetzbar ist, steht sowieso fest. Sie ist sie, so wird kein anderer Hund jemals sein können. Soll er auch gar nicht. Er soll ablenken und die Leere mit etwas Leben füllen, damit ich weiterhin spazieren gehen kann, damit ich weiterhin einen Napf füllen kann, damit ich weiterhin darüber nachdenken kann wie ich in Urlaub fahre damit der Hund mitkann.
Hoffen wir, dass es noch lange Jahre dauert *seufz*
Liebe Grüsse
Bine