Re: Katzenschnupfen, Hilfe!!!!!
Hallo Hortenzia,
ich muss zuerst ein bisschen ausholen:
Beim so genannten "Katzenschnupfen" handelt es sich um eine Komplexerkrankung, ähnlich den Grippeerkrankungen beim Menschen.
Außer den Haupterregern wie Herpes-, Calici- und Panleukopenieviren beteiligen sich sekundär auch diverse Bakterien.
Werden gesunde Katzen richtig grundimmunisiert, haben sie einen relativ guten, jedoch nicht 100%igen Schutz, da es ziemlich viele Erreger mit unterschiedlichen Stämmen gibt.
Kommt eine erkrankte Katze in den Haushalt, entsteht ein hoher Infektionsdruck, oftmals in Verbindung mit Stress, was eine Ansteckung erleichtert.
Gerade "Bauernhofkatzen" sind häufig chronisch an Katzenschnupfen erkrankt und infizieren von Anfang an ihre Welpen. Überstehen die Katzenwelpen die ersten Lebensmonate, so verläuft die Erkrankung meist chronisch mit mehr oder weniger starken Schüben.
Zur Bekämpfung des Katzenschnupfens gibt es diverse Möglichkeiten:
Klinisch gesunde Welpen ab der 8. Lebenswoche kann man zur Grundimmunisierung impfen (2 x im Abstand von ca. 4 Wochen). Steckt sich die Katze in der Zeit, bis sich ein körpereigener Schutz aufbaut, nicht an, hat sie gute Aussichten, zumindest nicht stark am Katzenschnupfen zu erkranken.
Sind die Kätzchen schon erkrankt, bevor sie geimpft werden können, kann man versuchen mit Injektionen von Antikörpern (Feliserin) gegen Panleukopenie- u. Caliciviren direkt gegen beteiligte Viren vorzugehen. Kommt es zu eitrigen Sekundärinfektionen, ist eine Antibiose angebracht.
Eine andere Behandlungsschiene wäre, das körpereigene Immunsystem anzuregen, in der Hoffnung, dass der Patient mit den Erregern fertig wird.
Kostengünstig, aber auch sehr fragwürdig, was die Wirkung anbelangt, wären pflanzliche Präparate wie z.B. Echinacinprodukte.
Teilweise gute Erfolge gibt es mit Paraimmunitätsinducern wie Zylexis/Baypamune oder Interferon. Es gibt verschiedene Behandlungsschemata, z.B. mehrmalige Injektionen oder aus den Präparaten zubereitete Nasen- bzw. Augentropfen. Die Erfolge sind oft sehr gut, die Behandlung ist aber verhältnismäßig teuer.
In deinem speziellen Fall könnte es allerdings Probleme geben. Deiner Beschreibung nach haben die Katzen zwar Symptome der Katzenschnupfenerkrankung, sind aber ansonsten munter. Dann besteht nämlich die Infektion schon zu lange, bzw. von Kindheit an, und das körpereigene Immunsystem betrachtet die Erreger nicht mehr als Feinde und unternimmt nichts mehr gegen sie. Solche Tiere laufen als so genannte chronische "Virusmutterschiffe" durch die Gegend, haben selbst so gut wie keine ernsthaften Probleme, können andere Katzen aber infizieren.
Typische Zeichen sind: Fehlen einer Fieberreaktion, normaler Appetit und Bewegungsdrang. Äußerliche Symptome sind meist tränende Augen, Rotz, Niesen und manchmal Speichelfluss wegen Geschwüren auf der Zunge.
Schubweise, v.a. bei nasskaltem Wetter, kommt es zur bakteriellen Besiedelung der Schleimhäute, was zu eitrigem Ausfluss führt.
Bei diesen Patienten, und in deinem Fall scheint es sich um solche handeln, kann man meist nur bei Bedarf die Sekundärinfektionen mit Antibiotika zurückdrängen.
Eine Anregung des Immunsystems bringt außer hohen Kosten i. d. R. keine Linderung, da das Immunsystem die Erreger gar nicht mehr als krankmachend erkennt und folglich auch nicht angreift.
Mein Rat für deine Katzen wäre, eitrige Geschichten antibiotisch zu behandeln und ansonsten mit Kochsalzlösung (9 Gramm Salz/1 Liter Wasser) inhalieren zu lassen um Linderung zu verschaffen.
Gruß
Johnny