Hallo Polo
Dein Hund kontrolliert die Kinder! Das Tier kann und konnte die Situation in der die beiden Jungs gespielt haben nicht einschätzen. Er, als soziales Tier mit einem Riecher für „Rudeldynamik“ sieht nur: Hilfe! Hier ist ein Konflikt und der muss gelöst werden. Doch jetzt bitte nicht den Fehler machen, zu denken, das Verhalten sei jetzt „nett“ gewesen und der Hund habe nur helfen wollen… Solche Gedanken kennt der Hund nicht. Ich habe oben „Hilfe“ hingeschrieben, weil ich zeigen will, dass sich der Hund hilflos fühlt, keinesfalls aber in unserem Sinne DEN ANDEREN helfen will. Es gibt zwei Möglichkeiten, wie der Hund reagieren hätte können wenn dieses „Spiel“ (das in den Augen des Hundes eine äusserst bedrohliche Situation war…) weitergegangen wäre:
a) der Hund hätte sich auf die Seite desjenigen gestellt, zu dem er die besser Bindung / Beziehung hat
b) der Hund hätte sich auf die Seite des STÄRKEREN gestellt, weil es in der „Natur“ keinen Sinn machen würde, sich auf die Seite des Schwächeren zu stellen. Das Rudel ist ja vom Stärkeren abhängig, wenn jemand zu schwach ist um am selben Strang zu ziehen, oder sich querstellt und dann drunter kommt, ist das eben sein „Pech“. Das Rudel wird vom Sieger geführt werden, der Schwächere stellt eine Gefahr und ein zu grosser Energieverlust dar fürs Rudel (wenn man immer erst noch " auf den Schwachen achten / warten" müsste )
Du siehst, dass Hunde erstens parteiisch sind und dass hier zweitens ein grosses Gefahrenpotential von diesem „Spiel“ der Kinder ausgeht. Beschliesst der Hund sich auf die Seite von einer Partei zu schlagen, wird er diesen tatkräftig unterstützen. Ist der Hund soweit gut sozialisiert und mit Kindern vertraut, wird er nicht gleich beissen, sondern höchstens schnappen, drängeln, stossen und als Retriever möglicherweise jemanden am Arm fassen und fortziehen wollen.
Trotzdem: Deinem Hund war offensichtlich äusserst unwohl bei der ganzen Angelegenheit, dass er jetzt solche Stressanzeichen zeigt. Er fürchtet, dass eine Unruhe im Rudel herrscht, die unter Umständen die ganze Struktur durcheinander bringen kann. Er fürchtet sich, dass sich etwas verändert und er nichts dagegen / dafür tun kann und wird alles tun um zu „helfen“ (wie auch immer dieses „helfen“ denn aussehen mag). Möglicherweise war er auch noch nie so warm mit Kindern (wenn er aufgeregt geschwänzelt hat und „völlig aus dem Häuschen“ war mit Kindern könnte das sehr gut sein, denn dies sind Stresssymptome und keine netten Gesten!).
Doch… was tut man nun? Erste Massnahme: den Kindern SOFORT verbieten solche Spiele wieder mit und vor dem Hund zu machen. Die Kinder sollten, wenn sie mit dem Hund etwas machen, beaufsichtigt werden, denn die Versuchung ist ZU gross, so etwas nochmal auszuprobieren. (Glaub mir, ich spreche aus eigener Erfahrung…) Kinder finden es verständlicherweise ganz toll, so einen starken Beschützer zu haben und werden versuchen herauszufinden, „wen der Hund mehr mag“.
Zweite Massnahme: Dem Hund zeigen, dass es NICHT in seiner Verantwortung liegt, „Streit“ zu schlichten - dazu dürft ihr ihn aber auch nie mehr in so eine Situation bringen, denn da MUSS er aus seiner Sicht selbst entscheiden! Nehmt den Hund bei so einer Situation „aus dem Spiel“, verweist ihn auf seinen Platz, geht dann zu den Kindern und löst da das „Problem“. Der Hund soll und darf, ja muss sich in so einer Situation zurückziehen (können). Kinder und Hunde sind eine wunderschöne Kombination ABER beide dürfen nie aus den Augen gelassen werden, schon gar nicht dann, wenn beide zusammen sind!
Ich hoffe, ich konnte Dir ein wenig weiter helfen! Falls noch Fragen offen sind, stell diese ruhig!
Lieber Gruss,
Semiramis