Tierheim-die erste Zeit danach

Hallo liebe Tierfreunde!

Meine Familie und ich haben uns entschlossen, in naher Zukunft eine weiteres Familienmitglied zu adoptieren. Einen Hund aus dem Tierheim. Natürlich sind alle grundlegenden Fragen dazu geklärt und reiflich überlegt. Trotzdem gibt es Fragen, zu denen wir keine 100% tigen Antworten erwarten können ( Was, wenn er doch das Kleinkind beisst? Was wenn er agressiv auf Fremde reagiert? Was wenn er seine Mitbewohner aus dem Tierheim vermisst? und und und).

Darum möchte ich Euch bitten, mir Eure Erfahrungen auf diesem Gebiet mitzuteilen. Wie war es bei Euch? Wie seid Ihr mit unerwarteten Situationen umgegangen? Von Anfang an Erziehung, oder ist die Anfangszeit eine Ausnahmesituation? (zwecks Eingewöhnung)
Wie kann man sich am Besten vorbereiten…auf die erste Zeit?

Auf interessante (Schmunzel-)Geschichten bin ich sehr gespannt.

liebe Grüsse
Anja

Hallo Anja,

ich kann dir folgendes erzählen. Also es ist nicht immer leicht einen Hund aus dem TH zu nehmen, aber es lohnt sich auf alle Fälle. Wir haben jedoch die Erfahrung gemacht, das es genauso lange dauert, bis der Hund das TH vergessen hat wie er letztendlich auch drin war. Unserer war ca. 1 Jahr drin und wir haben auch etwa ein Jahr gebraucht, bis er richtig in die Familie reingewachsen war und wusste wohin er gehört. Was er heute noch macht ist sein bestes Futter (Knochen)zu verteidigen. Da er im TH in der Gruppe gehalten wurde musste er wohl ständig um sein Futter kämpfen. Beim normalen Futter ist das kein Problem. Gerade wenn Kinder da sind solltest du schauen wie er reagiert und ihm beim fressen erstmal nicht stören. Erziehung ist denke ich von Anfang an nötig, jedoch ohne Strafe. Eben auf die sanfte Tour mit einem Leckerlie oder einem Spiel, je nachdem was der Hund besser findet. Ausserdem sein konzequent wenn er seinen Willen durchsetzen will. Unserer wollte von Anfang an bei mir im Bett schlafen und hat meinen Mann angeknurrt wenn er ins Bett liegen wollte. Zwei Nächte in denen wir ihn erst in seinen Korb, nach weiteren Versuchen ins Bett zu kommen auf den Flur befördert haben und er hats kapiert. Er darf bei uns im Schlafzimmer schlafen aber er hat in seinem Korb und nicht im Bett zu liegen. Mittlerweile haben wir den Kleinen 4 Jahre und er hat sich zu einem Prachtexemplar entwickelt. Nur an der Leine tobt er bei großen fremden Hunden noch rum, das lässt sich aber auch abstellen in dem ich mich zwischen ihn und den Fremden Hund stelle und zeige, dass ich ihn und nicht er mich zu schützen hat.

Grüßle Ute

Hallo liebe Tierfreunde!

Meine Familie und ich haben uns entschlossen, in naher Zukunft
eine weiteres Familienmitglied zu adoptieren. Einen Hund aus
dem Tierheim.

Hallo Anja,

was ihr braucht, ist jedenfalls viel Geduld - Hunde aus dem Tierheim haben ihre Geschichte, die vielleicht niemand kennt, etwa so wie Menschen, die zum 2ten mal heiraten - „gebraucht“ eben.

Dass er das Tierheim vermisst, ist eher unwahrscheinlich, eher ist das Gegenteil der Fall. Ein Bekannter von mir ist im Tierheim sehr engagiert und nimmt sich auch extra „Problemhunde“ mit nach Hause. Es ist vorgekommen, dass der Hund so froh war, wieder ein Herrchen zu haben, dass ihm monatelang niemand mehr die Hand geben durfte, weil sein neuer Hund ihn dann beschützen wollte. Wenn der Hund aber wieder Vertrauen in die Zukunft gefasst hat und sicher ist, dass ihn keiner mehr abschiebt, normalisiert sich das - kann aber ein bis 2 Jahre dauern.

Gruss Reinhard

Hallo Anja,

wir haben damals unsere Basti aus dem Tierheim geholt, wo sie über ein Jahr gesessen hat. Sie war ein Fundhund, so konnte niemand wissen was sie so alles erlebt hatte. Aber so verstört wie sie war, war das wohl nichts gutes.
Ich weiß noch genau, als wir sie dort abgeholt haben, das war echt unglaublich. Wir sind zuhause angekommen und sie ist wie selbstverständlich Schwanzwedelnd ins Haus gerannt und wild erstmal durch alle Zimmer gedüst. Über Sessel und Sofas gesprungen, so als ob sie nach langer Zeit endlich wieder zu Hause ist. Wir waren alle ziemlich überrascht wie sie sich aufgeführt hat. Eine solche Freude. Sie wußte ganz genau, jetzt bin ich zu Hause. So war sie vom ersten Tag an voller dankbarkeit und Liebe.
Allerdings war sie auch sehr verstört Fremden gegenüber, oder draußen beim Spazierengehen. In die Stadt mitnehmen ging garnicht, mußte sie dann auch nicht. Wenn Sie alte Männer mit Hut und Stock gesehen hat, ist sie völlig ausgeflippt. Genauso wars bei kleinen Kindern. Da ist sie ganz wild geworden. Und sie hatte einen ausgeprägten Beschützerinstinkt. Aber das hat sich alles gelegt. Sie wurde immer selbstbewußter und sicherer, das ihr nichts mehr passiert bei uns. Nach so ca. 1-2 Jahren war sie ein total ausgeglichener toller Hund.
Sie war 15 Jahre bei uns, und das obwohl sich schon 2 Jahre alt war als wir sie geholt haben. Es war, als ob sie die schlechte Zeit von ihrem früheren Leben einfach bei uns nachgeholt hat. Und wir haben nicht einen Tag bereut sie zu uns genommen zu haben.
Ich wünsch euch genauso viel Spaß und Liebe mit Eurem neuen Familienzuwachs. Er wird es euch bestimmt danken, das ihr in da raus geholt habe.

Grüsse von Rala

Hallo,

wir stehe gerade vor der selben Entscheidung. Da wir uns für einen Rottweiler entscheiden haben, der ja nun in der Gesellschaft aktuell nicht ganz so gut weg kommt und selbst bei gutem Image einfach sehr viel Kraft hat, haben wir uns schon jetzt mit der Hundeschule in Verbindung gesetzt und für die Tage nach dem Einzug des Tieres einen Termin vereinbart. Da gibt es erst einmal ein Einzelgespräch und dann Einzeltraining mit allen Familienmitgliedern, damit diese die gleiche Sprache sprechen. Erst, wenn der Hund ohne Ablenkung auf sein Rudel hört, gehts in die Gruppe… „Unser“ Hund ist 6 Jahre alt und kann theoretisch alle Komandos, aber eben wir nicht und um gleich die blöden Anfängerfehler zu vermeiden…

Haben zusätzlich unmengen an Büchern gelesen, da uns die Frage mit den Kindern auch gewurmt hat. Theoretisch sollte es da kein Problem geben, wenn der Hund gleich von Anfang an seinen Platz im Rudel zugewiesen bekommt - nämlich ganz unten in der Rangfolge. Normaler Weise sollte er dann die Kinder wie seine Welpen schützen. Sobald die Kinder dann älter sind, sollten auch die ganz klar in die Rudelregeln eingewiesen werden.
Achtung!!! Viele Hunde die mit Kindern spazieren gehen, versuchen die Kinder zu beschützen, wodurch es dann zu den bekannten Angriffen kommt, wenn z.B. ein anderes größeres Kind mit Eurem Kind zu streiten anfängt. Kinder können dann in der Regel dem Hund nicht klar machen, dass er sie nicht zu beschützen braucht und schon haben wir das Drama.

Ich rate Euch dringend: Besucht eine Hundeschule! Lest Bücher… da gibt es Dinge und Situationen, an die ich als Mensch nie gedacht hätte. …mir war z.B. als Katzenbesitzer nicht klar, dass der Hund erst dann sein Essen bekommt, wenn wir fertig sind… simple Regel - große Wirkung. Rechtzeitig informiert - ein Fehler weniger der hinterher zum Problem werden könnte. :o)

Wünsche Euch viel Spaß mit dem neuen Hausgenossen.

Hallo Anja,
wir haben uns vor 2-3 Wochen 2 Schäferhunde aus dem Tierheim geholt.
Wollte eigenlich nur einen, aber Nando und Timmy gab`s nur im Doppelpack (weil schon immer zusammen). Nach reichlicher Überlegung haben wir dann gefragt, ob wir sie mal für einen Mittag mit nach Hause nehmen könnten, schon wegen unserer Katze. Wenn das mit der Katze nicht geklappt hätte, wäre es eh nicht gegangen.
Kurz um, die Hunde haben sich von ihrer Schokoladenseite gezeigt und sich mit der Katze prima vertragen.
Ich muß sagen, wir haben mal wieder einen Glückgriff gemacht, denn unsere Tiere waren schon immer entweder aus dem Tierheim, Findelkinder oder sonst welche die ein anderer nicht mehr wollte und hatten immer Glück mit den Tieren.
Erziehung ist immer von Anfang an sehr wichtig und ein geregelter
Tagesablauf gibt dem Tier Sicherheit. Überlege dir wie du Spazieren gehen, füttern und diese Dinge am besten in deinen Tagesablauf einbauen kannst und mach ein Ritual daraus.
Ein Kleinkind würde ich NIE mit einem Hund alleine lassen!!!
Meine Tochter wurde vor Jahen von einen absolut kinderfreunlichen Hund gebissen, weil sie ihn beim Fressen streichen wollte, sie mußte sogar genäht werden. Danach hat er sich wieder gefreut, wenn er sie gesehen hat und war auch nie wieder aggresiv, es war eben nur diese eine Situation und man kann sich da nie sicher sein, daß ein Hund nicht beisst.
Wenn du dir einen Hund ausgesucht hast, dann geh doch öfters mal mit ihm spazieren( müsste in jedem Tieheim möglich sein) am besten mit der ganzen Familie, damit er euch als „Rudel“ kennen lernt.
Ein Hund wird nicht zum Familienmitglied, sonder die Familie wird zum Rudel (aus Hundesicht) daran sollte man immer denken.
Die Rangordnung im Rudel wird durch vieles bestimmt z.B. frisst der Rang höhere immer zuerst, also der Hund wird gefüttert, wenn die Familie gegessen hat u.s.w.
Ich wünsche Euch einen Hund der zu Euch passen wird und an dem Ihr viel Freude haben werdet.
Liebe Grüße Bettina

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Hallo,

da Kinder im Spiel sind würde ich, wenn Ihr Euch für einen erwachsenen Hund entscheidet, ein Tier bevorzugen, welches in einer Pflegestelle mit Kindern ist. Klar kann der Hund aus dem Tierheimzwinger genau so nett zu Kindern sein, aber da Hunde und Kinder teilweise unberechenbar sind, fände ich das eine günstige Lösung. Mehrere Besuche beim Kandidaten und Gassigehen vor der „Adoption“ wären gut.

Eine gute Tierschutzorga macht eine Vorkontrolle und ausführliche Informationsgespräche.

Ansonsten: nachdem der Hund angekommen ist, möglichst schnell zur normalen Tagesordnung übergehen. Dabei den Hund aber nicht überfordern, also z.B. nicht dauernd streicheln wollen, wenn er auf seinem Platz liegt usw.

Am Anfang viel aus der Hand füttern und beim Spaziergang nicht ableinen. Wenn der Hund gut leinenführig ist, könnt Ihr eine Flexileine benutzen, ansonsten würde ich davon abraten.

Der Besuch einer Hundeschule ist anzuraten, auch wenn der Hund schon alles kann - es ist eher der Halter, der etwas lernen soll. Außerdem lässt sich in der Hundeschule unter kontrollierten Bedingungen die Begegnung mit allerhand anderen Hunden testen. Suche Dir aber eine „moderne“ Hundeschule, nicht so ein Schäferhundverein mit Stachelhalsbändern usw.

Als Ersthund empfiehlt sich ein höchstens mittelgroßes Tier, kastriert, nicht zu jung (so 4-8 Jahre), verträglich und mit Grundkommandos vertraut.

Gruß,

Myriam