Pferd hängt Zunge raus

Hallo,

ich habe einen 7jährigen Wallach, der leider ne ziemlich schlechte Vergangenheit hinter sich. 3jährig wurde er unbesichtigt nur seines Papieres wegen verkauft und an einen „Profistall“ zur Ausbildung übergeben. Er sollte innerhalb von 1 Jahr von völlig roh auf L-fertig gebracht werden. Bevor ich jetzt die ganze Geschichte erzähl, nur ganz kurz, er wurde piaffiert, passagiert, und in jeder nur erdenklichen Art unterm Sattel zusammengezogen. Er kam vor 1 Jahr bei einer Freundin von mir mit der Diagnose „Kissing Spines - absolut unreitbar“ an. Er ging wurde wohl durch die Hände mehrer sog. Profis, aber keiner hat ihn irgendwie zum Laufen gebracht.

Vor einem halben Jahr hab ich ihn übernommen, nachdem er sich zuvor ca. 1/2 Jahr auf einer Koppel erholen durfte und nur sehr wenig und extrem schonend geritten wurde. Er zeigt keinerlei Rückenprobleme und macht super mit. Von Unwilligkeit, Unrittigkeit usw. keine Spur.

Eigentlich paßt alles, bis auf eines. Er hängt beim Reiten die Zunge raus und spielt auch beim Putzen mit seiner Zunge rum, oder wenn er im Hof bzw. der Stallgasse steht. Er dreht sie um, zieht sie zwischen den Zähnen durch und stellt allerhand Blödsinn damit an. In der Box hab ich das noch nie beobachtet, ebenso nicht bei der Bodenarbeit, die ich allerdings ohne Trense „nur“ mit Knotenhalfter oder frei ausführe. Da er anfangs im Maulbereich beim Putzen panisch zurück gewichen ist, und auch super empfindlich ist, vermute ich, dass er auch mit einer Pferdebremse „misshandelt“ wurde. Sein Verhalten läßt diese Vermutung zumindest zu.

Bitte keine Tipps wie enger schnallen von Trensen und so, davon halte ich nichts. Ich hab auch die Cavallo 04/2006 gelesen, aber so wirklich hilft mir das nicht weiter. Ich glaube nicht, dass er bei einer gebisslosen Zäumung aufhört, da er das ja auch ohne Gebiss in der Stallgasse macht. Denk mal, dass das schon noch so ein psychisches Überbleibsel davon ist, dass man ihn im Maul viel zu brutal behandelt hat, da er im Maul super weich ist. Ich habe beim Reiten nahezu nichts in der Hand und er reagiert auf die feinsten Zügelhilfen. Einfach traumhaft! Er ist auch im Genick frei, so dass er den Kopf völlig locker und entspannt trägt. Es paßt eigentlich alles …

Ich reite ihn mit einem kombinierten Reithalfter, Sperriemen ausreichend locker, schwerem doppeltgebrochenem Bimetallgebiss, das um 45 Grad verwinkelt ist. Von der Breite und der Verschnallung her passt es garantiert … wie schon gesagt, ich denke, das Problem wäre ohne Gebiss das gleiche.

Weiß jemand Rat, oder hat ähnliche Erfahrungen?

Vielen Dank

Dagmar

Hallo Dagmar.
An seinem verhalten wird sich nie mehr was ändern, seinen seelischen und körperlichen Schmerz hat er mit dieser sagen wir mal Unart, abreagiert. Er wusste sich halt nicht mehr anders zu helfen,schade das es solche Reiter gibt. Das er super sensibel auf die Zügelhilfen reagiert ist aber auch ein Zeichen seines Rückenproblems, je früher und weicher er reagiert um so weniger wird er eng gemacht und dann tuts halt nicht weh,Pferde sind schon schlau und wissen sich zu helfen.

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Ich kenne auch ein Pferd, das gerne mit der Zunge spielt, dass hat von seiner Halterin jetzt ein Gummigebiss bekommen, warum genau kann ich leider nicht sagen…

Na und?
Hallo Danny,

dann laß den Süßen doch. Wenn es ihm Freude macht, er evt. sogar dadurch einen Teil seiner seelischen Schwierigkeiten ( die er nach DEM Leben sicherlich hat ) abbauen kann, dann würde mich das nicht stören! :wink:

Er hat es nicht leicht gehabt, bei Dir anscheinend eine wirkliche Heimat mit führender und doch liebevoller Hand gefunden… Laß ihn mit seiner Zunge machen was er will, auch wenns mal „doof“ ausschaut.
Genießt Eure gemeinsame Zeit, hört sich klasse an!!

LG
funr@cer

hallo Dagmar,
ich verstehe nicht viel von Pferden, bin in der Jugend etwa 10 Jahre geritten, das wars.
Aber was Du schreibst, erinnert mich an alles mögliche, was ich in Mark Rashids Buch „…denn Pferde lügen nicht“ las (ISBN 3-440-09357-3 Buch anschauen).
Ich glaube, das ist Zeichen einer Neurose, was er da mit seiner Zunge macht.
Eigentlich finde ich ja auch, daß man ihn ruhig in solcher Weise seine Nervosität abreagieren lassen könnte. Aber wenn sie Ausdruck noch aktueller Unruhe und konkreter Angst wäre? Manchmal begleitet so etwas ja auch die Tiere für den Rest ihres Lebens. Darum, überlege doch mal, ob Du nicht eine/n Pferdetherapeut/in holst und Dich beraten läßt.
Gruß auch an das Pferdchen, I.

Hallo Danny,
also ich hab ja überhaupt keine Ahnung von Pferden, hab aber deine Anfrage mit einem großen grinsen gelesen. Also ich persönlich finde so kleine „Fehler“ (wenn man das überhaupt so nennen kann) total sympathisch! Das zeigt doch nur das jedes Wesen einzigartig ist. Ich habe eine Katze die beim schlafen die Zunge rausstreckt, ist doch süß oder nicht?;o)
Schöne Ostern, Gruß Timon

hallo,

erstmal herzlichen dank an euch alle, die ihr mir eure meinung geschrieben habt. bitte nicht wundern, dass heut ein anderer autor und eine andere emailadresse da stehen. hab das nur geändert, weil die alter adresse nicht mehr gepasst hat.

ob ich mit diesem „kleinen schönheitsfehler“ so einfach leben möchte ist fraglich. da er sich wirklich super entwickelt und richtig spass bei „der arbeit“ hat, würde ich ihn gern auch mal auf ein turnier mitnehmen. leider gefällt den richtern eine raushängende zunge nicht so gut.

schade nur, dass er - nachdem nun wirklich jeder zwang am maul abgestellt ist - seine neurose behalten hat. möcht nicht einfach blind experimentieren - lieber verzicht ich auf erfolge auf turnieren.

wir haben uns in den letzten monaten traumhaft zusammengerauft. er vertraut mir blind und folgt mir überall hin. verladen wurde zwischenzeitlich zum kinderspiel (strick auf den hals und er steigt ein :smile:…) …

klar kann ich mit der raushängenden zunge leben, glücklicherweise hat er sie ja nicht immer draußen. außerdem finden es alle furchtbar lustig, wenn er ihnen auf der stallgasse die zunge zum kraulen hinstreckt. offensichtlich gefällt ihm dies. dort scheint es ihm sogar angenehm zu sein …

könnt mir vorstellen, dass er innerlich immer noch „reiter auf mir“ mit der schlechten zeit verbindet und doch vielleicht noch so nen letzten rest stress hat, wenn er unterm sattel ist. fühlt sich zwar überhaupt nicht so an, aber ich kann ja leider nicht in seine seele blicken. werd auf alle fälle die hoffnung nicht aufgeben, dass er seinen frust und sein leid vergisst und doch irgendwann vielleicht die zunge dort läßt, wo sie eigentlich hin gehört.

vielen dank nochmal an alle, die mir helfen wollten.

frohe ostern

dagmar

Hallo!

Mal 'ne ganz blöde Idee: wenn Du’s mal gebißlos probierst? Mit einem Lindel/Sidepull oder einem mildem Hackamore?

Hilft Dir allerdings nix, wenn Du Turniere gehen willst, da ist gebißlos m.W. nicht erlaubt.

Grüßle
Regina

Hallo Regina,
hab ich auch schon mal überlegt. Eine Bekannte hat ein Hackamore. Hätte auch kein Problem damit, mir was „passendes“ zu kaufen. Ein Versuch wäre es wert. Könnt mir vorstellen, dass er - gesetzten Fall dass er es gebißlos bleiben läßt - später auch mit Gebiss die Gewohnheit ablegt. Hab allerdings überhaupt keine Erfahrung / Ahnung mit „gebißlos“ … hast Du mir nen Tipp dazu?
Dankeschön
Dagmar

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Hallo, Dagmar!

Allzuviel Erfahrung leider nicht.
Eine Islandstute hab ich öfter mit Lindel geritten, das soll man allerdings nicht allzu oft in Anlehnung reiten, eigentlich ist es mehr dazu da, jungen Pferden die seitlichen Zügelhilfen am Hals beizubringen (Westernreiten). Aber für’s Schlampern im Gelände war’s prima. Wenn das Pferd allerdings einen sehr starken Vorwärtsdrang hat, kann es das Lindel auch leicht ignorieren; wenn wir mit anderen Pferden zusammen ausgeritten sind, war damit kein Halten.

Und einen jungen Islandwallach, der eine Zeitlang sehr maulig war (vermutlich zahnte er noch), ritt ich auf den Rat seiner Bereiterin hin kurzzeitig mit Hackamore mit kurzen Anzügen; aber als er mal der Meinung war, er müsse wegen flatternder Planen sich jetzt seinen hysterischen Anfall nehmen, sah ich mit dem Ding kein Land mehr; er ging heim, und ich durfte froh sein, daß er mich mitnahm. Am nächsten Tag auf doppelt gebrochener Trense war er wie ausgewechselt, reagierte auf jede Zügelhilfe.

Also beides mit Vorsicht zu genießen, wenn man ein heftiges Pferd hat.

Und momentan reite ich einen Friesen manchmal auf Hackamore mit langen Anzügen, wenn ich mit Kind zusammen im Mutter-Kind-Sattel ausreite. Seeeeeeehr sehr vorsichtig zu handhaben; nur an Zügelhilfen denken genügt; für Leute mit unruhiger Hand absolut ungeeignet.

Grüßle
Regina