Hallo Jacqueline,
ich möchte gerne glauben, was Du da schreibst, denn auch ich
bin nicht gerade davon begeistert, daß die Katze eigens für
Röntgenaufnahmen in Narkose gelegt werden soll. Und
anschließend kommt dann vielleicht heraus, daß keine Probleme
vorliegen …
da hast du mich falsch verstanden. Ob Zahnprobleme bei der Katze bestehen, zeigt das klinische Bild, z.B. einseitiges Fressen, Speicheln, entzündetes Zahnfleisch, klopfempfindliche Zähne, vergrößerte Mandibular-Lymphknoten, Kopfscheue, … - diese Untersuchung lässt sich normalerweise ohne Narkose durchführen.
Wenn es aber darum geht, das genauere Ausmaß der Zahnschäden feststellen zu können, ist in jedem Fall eine Narkose nötig.
Es werden aber i.d.R. keine Röntgenaufnahmen gebraucht, um die Schäden zu beurteilen, d.h. diese Kosten kann man sich sparen.
Üblicherweise gibt es bei einer Mundhöhlen_sanierung_ der Katze eine Narkose, aber keine Röntgenaufnahmen, da die Aufnahmen weniger Aufschlüsse geben als eine direkte Untersuchung der Mundhöhle. Die Zahnschäden bei der Katze sind normalerweise im Kronen- und Halsbereich, also mit bloßem Auge zu erkennen bzw. mit Werkzeugen zu sondieren.
In dem von dir eingestelltem Link wird aber der Eindruck erweckt, eine Röntgenuntersuchung sei in jedem Fall für die Diagnosestellung und Therapieplanung notwendig - dem ist normalerweise nicht so, und es wird in den meisten Fällen auch nicht so gehandhabt.
Für wissenschaftliche Arbeiten oder Präsentationen ist es natürlich von Vorteil, möglichst viel Bildmaterial zu haben, da für Interessenten ja nicht die Möglichkeit besteht, Zähne und Mundhöhle an Ort und Stelle zu inspizieren.
Warum ich das Ganze schreibe:
Wenn ein Katzenbesitzer in eine Tierarztpraxis kommt und sich im Internet schon mal „schlau“ gemacht hat und deshalb „weiß“, dass zur Mundhöhlensanierung eine Röntgenuntersuchung nötig ist, ist für manchen Tierarzt die Versuchung groß, auch entgegen seiner Überzeugung diese Untersuchung durchzuführen. Zum einen macht er es ja nicht umsonst, zum anderen läuft er Gefahr, dass die Kundschaft unzufrieden oder verunsichert ist, wenn er darauf verzichtet.
Da ich selber demnächst vorhabe, meine beiden Katzen
zahnärztlich untersuchen zu lassen (vorbeugend; mein Kater hat
Diabetes und da müssen Zahnerkrankungen besonders früh erkannt
werden, die andere Katze ist schon etwas älter und soll einen
„Check-up“ kriegen) und nun etwas verunsichert bin, würde ich
gerne wissen, woher Du das weißt.
Ich hab beruflich damit zu tun.
Bei einer klinischen Untersuchung mit Inspektion der Mundhöhle kann man sehen, ob Zähne und v.a. Zahnfleisch in Ordnung sind, ob starke Zahnbeläge vorhanden sind, …
Ob man die Katze in Narkose legt, um die Zähne genauer zu inspizieren, Zahnstein zu entfernen, Zähne zu extrahieren u.s.w. muss man vor Ort entscheiden. Es spielt ja auch eine Rolle, wie es der Katze insgesamt geht, wie alt sie ist, ob andere Erkrankungen mitbeteiligt sind, …
Bei einer Katze mit Diabetes würde ich mir 10mal überlegen, ob ich eine Narkose machen ließe, es müsste sich schon um ein sehr ernsthaftes Problem handeln. Die Gefahr, die Katze internistisch „aus dem Tritt zu bringen“, ist sehr groß.
Es ist außerdem bei Zahnproblemen nicht immer nötig, chirurgisch zu intervenieren; gerade bei vorgeschädigten und alten Patienten ist es oft sinnvoller, die Beschwerden medikamentös zu lindern und so der Katze ein einigermaßen komfortables Leben zu ermöglichen - was nützt die schönste Mundhöhle, wenn Nieren oder Leber den Dienst versagen…
Gruß
Johnny