Neuer Hund bei uns - sehr auf eine Person fixiert

Hallo Gemeinde,

wir hatten 7 1/2 Jahre eine Berner Sennen Hündin (von Geburt an), die letztes Jahr plötzlich gestorben ist. Nach dem ersten Schock – nie wieder einen Hund – hatte sich nun bei der ganzen Familie wieder der Wunsch durchgesetzt – wir brauchen wieder einen Hund - , aber auf keinen Fall einen Berner und auch keine Hündin. Wir hatten alle die Befürchtung, wir würden jeden Hund mit IHR vergleichen und nicht mögen können.

Durch einen Zufall kamen wir zu Max.

Max ist ein Mischling, sein Vater war Labrador, seine Mutter ein Mix aus Zwergschnauzer und Dackel, ein niedliches Kerlchen. Max ist 5 Jahre alt und lebte die meiste Zeit seines Lebens bei einer älteren Dame, bis diese starb und dann etwa drei Monate bei einer alleinstehenden Frau, die sich den Hund eigentlich nicht leisten konnte und ihn aber auch nicht ins Tierheim geben mochte.

Max ist nun ein paar Wochen bei uns und wir kommen eigentlich prächtig klar. Er hört, er benimmt sich, hat sich relativ schnell angepaßt, er mag alle Familienmitglieder und ist auch zu Freunden und anderen Hunden nett.

Er scheint große Verlustängste zu haben, mag gar nicht gerne alleine sein. Wir führen das darauf zurück, daß er wahrscheinlich nie lange alleine sein mußte und dann irgendwann seine einzige Bezugsperson gestorben ist.

Im Moment ist Max total auf mich (Familienvater) fixiert. Er geht überall mit hin und wenn ich ihn alleine lasse, bellt er ohne Ende. Beruflich bedingt verbringe ich allerdings auch die meiste Zeit mit ihm. Ich bin Kurierfahrer, er fährt im Auto mit mir, macht aber auch da Lärm wenn ich aussteige, selbst wenn ich nur an der Tankstelle aussteige und auch wenn er mich beobachten kann. Wenn ich im Büro arbeite liegt er unter meinem Tisch.
Meine Frau geht morgens und abends mit ihm raus und gibt ihm auch immer Futter.

Nun ist es nicht so, daß es mich sonderlich stört, daß er auf mich fixiert hat, aber es macht mir Sorgen. Schließlich bin ich nicht immer da und es lebt sich einfach ruhiger wenn der Hund nicht immer wild wird, wenn man ihn mal zehn Minuten alleine läßt.

Hat jemand vielleicht Tipps wie man den Hund dazu erzieht, daß er alleine sein kann. (Ich meine nicht den ganzen Tag, aber vielleicht mal zwei Stunden)?
Wenn ich ihm Leckerli gebe, wenn ich zurück komme, denke ich, ich belohne das Bellen, gebe ich ihm bevor ich gehe, knabbert er ein wenig, ignoriert es dann und bellt bis ich zurück bin.

Wir hatten ähnliche Probleme mit unserer Hündin nicht, sie war von klein auf immer mal alleine und hatte nie Probleme damit. Deshalb bin ich nun ein wenig ratlos.

Würde mich über jede Menge sachliche Tipps freuen.

schöne Grüße

Yakini

Hallo,

das sind eigentlich zwei Themenkomplexe: der Hund ist zu sehr auf Dich fixiert, und der Hund kann nicht wirklich alleine bleiben.

Zur Fixierung:

Unser jetziger Ersthund kam auch erst als erwachsener Hund zu uns. Daher kann ich Dich ein bißchen beruhigen: Bis der Hund wirklich „angekommen“ ist, vergehen Monate. Möglicherweise hilft es ein bißchen, wenn Deine Frau viel mit Max spielt, aber es kann auch sein, dass er immer nur „Dein“ Hund sein wird. Das ist unter anderem Charaktersache (mein früherer Chow-Chow beachtete NUR mich, der Rest der Familie war ihm total egal, aber das sind zum Beispiel echte Einmann/Einfrauhunde).

Unser Ersthund ist leider ein Männerhund, ich bin das Servicepersonal für Füterung, Pflege, Putzarbeiten und Ausgehen, mein Mann der King, und auch bei Freunden hat er es mehr mit den Männern. Mit mir gibt er sich sozusagen nur notgedrungen ab *g*, aber immerhin gehorcht er einigermaßen *g*.

Zum Alleinebleiben:

Unser jetziger Zweithund konnte anfangs auch nicht alleine bleiben, weil die Vorgängerin ihn stundenlang in einer Box alleine daheim „vergessen“ hatte *grummel*. In den ersten Wochen folgte er uns fast bis auf’s Klo und bekam Panik, wenn nur EINER von uns fünfen das Haus verließ ! Das kostete Nerven !

Ganz wichtig ist ein langsames Training - wir fingen echt im Minutenbereich an. Bei der Rückkehr gibt es ein Leckerli nur, wenn der Hund NICHT bellt oder heult. Im Gegenteil, kommt man rein, und der Hund macht Theater, dann sollte man ihn ignorieren. Das hat sich bei uns sowieso bewährt, um allzu überschwengliche Widersehensfreude etwas auszubremsen: Erst ziehen wir gemütlich Jacke und Schuhe aus, dann werden die Hunde begrüßt, als ob nichts gewesen sein, also eher zurückhaltend.

Das gilt im Prinzip auch für den Aufenthalt im Auto.

Es dauert einige Wochen mindestens, aber dann wirst Du sicher Fortschritte bemerken. Wir können inzwischen eine gute Stunde gehen, ohne dass der Hund abdreht, und wir werden es noch auf ca. 3 Stunden erweitern (so als Ziel, im normalen Leben ist der Hund so gut wie nie allein).

Alles Gute,

Inselchen

Hat jemand vielleicht Tipps wie man den Hund dazu erzieht, daß
er alleine sein kann. (Ich meine nicht den ganzen Tag, aber
vielleicht mal zwei Stunden)?

Hallo,

am wichtigsten ist, dass der Hund Vertrauen hat, dass du wiederkommst, also immer mal wieder für kurze Zeit alleinlassen, so dass er merkt, du kommst IMMER bald zurück, und die Zeiten langsam ausdehnen.

Ausserdem sind die Viecher ja nicht blöd, unsere Hündin macht an sich garkeine Probleme beim Alleinsein, aber beim Fortgehen protestiert sie uns am Fenster trotzdem hinterher - genau so lange, wie sie meint, dass wir es noch hören können, dann legt sie sich schlafen.

Ein gutes oder schlechtes Zeichen ist auch, ob der Hund allein in der Wohnung was anstellt - ist beim Nachhausekommen alles in Ordnung, dann ist er auch klargekommen. Mein Grossvater hatte einen Dackel, der hat jedesmal was verbrochen, z.B. das gesamte Klopapier zerfetzt oder ein Knäuel Wolle um den Tisch gewickelt, einfach so aus Protest.

Gruss Reinhard

Hallo,

wir haben unseren Hund jetzt seit einem Jahr und hatten anfangs ähnliche Probleme, die sich aber nach nem knappen halben Jahr geregelt haben - was das Bezugsproblem darstellt. Der Hund gehörte zuvor 9 Jahre lang einer Frau und hat daher wohl mich als Bezugsperson ausgewählt. Mit Befehlen von meinem Mann konnte er kaum was anfangen, da ihm auch die Stimmlage nicht wirklich bekannt war und er eben auf hohe Stimmen schneller reagiert. Mein Mann hat daher etwas intensiver mit dem Hund gearbeitet und Komandos gelernt und eine ganze Zeit lang das Spaßprogramm mit ihm absolviert und ich habe mich ein wenig zurück genommen. Jetzt reagiert er sowohl auch Frauen als auch auf Männer gleicher maßen.

Mitlerweile ist die Ansprache glaube ich ziemlich gleich verteilt, wo bei mein Mann mir versichert, dass der Hund, wenn ich beim Kunden bin, jede Stunde in mein Arbeitszimmer rennt und nach mir sucht… das Verhalten zeigt er nicht, wenn mein Mann weg ist…allerdings schläft er erst richtig ein, wenn mein Mann abends/ nachts von Kundenbesuchen wieder kommt. Sollte er eine Nacht nicht kommen, bleibt der Hund die ganze Nacht wach und schaut auch schon mal im Schlafzimmer nach, ob er ihn womöglich verpasst hat. In der zweiten Nacht nimmt er die Situation als gegeben hin und schläft durch.