Blinde Katze zu sich holen?

Hallo Ihr Lieben,

ein guter Freund von mir hat mir gestern gemailt, dass eine 6-Monate alte Katze ein neues Zuhause sucht. Ich hätte sofort gesagt, „klar, zu mir!“, aber die Kleine ist blind. Das wäre für mich ein Argument mehr, sie zu mir zu holen, aber ich habe einen jungen Hund, der zwar mit meinem 7-jährigen Kater sehr gut auskommt, aber manchmal doch etwas grob werden kann - und sich mein Kater über die Wendeltreppe nach oben in den ersten Stock flüchtet, wo der Hund nicht hin darf. Da sehe ich einige Probleme, dass ich der Kleinen kein behindertengerechtes Leben bieten kann: a.) Hund, b.) Wendeltreppe als einzige Rückzugsmöglichkeit. Im ersten Stock befindet sich zwar ein Katzenbaum und ein Katzenklo und mein Bett, aber dort halte ich mich nur zum Schlafen auf, soll heißen, die Kleine hätte hier tagsüber bei mir (ich arbeite von zu Hause aus und bin stets da) kaum Ruhe in meiner Nähe.

Sollte ich sie trotzdem zu mir holen? Ich bin mir da sehr unsicher und tendiere eher zu „Nein“.

Was meint Ihr? Hat jemand Erfahrung mit blinden Katzen?

Danke und liebe Grüße

Kathleen

Huhu Kathleen!

Wie hat die Katze denn bisher gelebt? Kennt sie andere Katzen, kennt sie Treppen, kennt sie Hunde?

Ich habe einen Kater hier, der mir als fast blind gegeben worden ist. Tatsächlich sieht er aber so einiges, kann auch Fliegen fangen, und er ist der mutigste, zugleich aber auch sorgloseste meiner drei Kater. Er ist ein Sonnenschein, aber den Leichtsinn hat er auch gepachtet.
Nur wenn ihm im Halbdunkel etwas unerwartetes begegnet, merkt man eine leichte Unsicherheit, weil er nicht auf Anhieb erkennt, was da ist. Ansonsten ist er wie jede Katze.

Bei einer ganz blinden Katze sind viele Dinge wichtig (ich hatte mich, bevor ich Dingo bekommen habe, ausführlich darüber informiert). Deine Wohnungseinrichtung sollte sich z.B. möglichst selten verändern, damit die Katze sich zurechtfindet.

Was mir aber in der Tat problematisch erscheint ist Dein Hund. Den würde vermutlich schon eine normale Katzen auf Dauer ziemlich nervig finden - und die kann ausweichen. Eine blinde Katze muss sich ihren Weg erst suchen, sie kann nicht so einfach wegrennen. Klar weiss sie mit der Zeit, wo was steht. Aber kopflos davonpreschen ist sehr schwer für sie.
Sie kann auch die Körpersprache des Hundes nicht erkennen. Meine Katzen weichen meiner Hündin aus, wenn diese die Zähne zeigt (sie knurrt nur in Ausnahmefällen). Sie sehen auch, wenn meine Hündin genervt ist, und halten dann Abstand.

Letztendlich musst Du selbst einschätzen, ob das auf Dauer gut gehen kann bei euch. Wenn die Katze recht schüchtern ist und kein besonders gutes Selbstbewusstsein hat, würde mich das erst recht zögern lassen. Sie muss sich ja wohlfühlen, und wenn Du sie aufnimmst, gibst Du ihr zwar ein Zuhause, nimmst ihr aber die Chance auf ein unter Umständen geeigneteres Heim.

Keine grosse Hilfe, fürchte ich…aber es kommt einfach zu sehr auf die einzelnen Tiere an. Aber vielleicht sind ein paar denkansätze dabei für Dich.
Übrigens, unter http://www.loetzerich.de hat mein Mann damals einiges an Hilfe gefunden.

Liebe Grüsse und die richtige Entscheidung wünscht
Bine :smile:

Liebe Bine,

doch, Du warst mir eine große Hilfe, da ich ja auch denke, dass die Kleine (sie ist von Geburt an ganz blind, aber recht aufgeschlossen) ein besseres Zuhause finden sollte. Und die Bedenken, die Du bezüglich meines Hundes geäußert hast, habe ich ja auch. Er ist eben manchmal einfach etwas stürmisch in seinen Liebesbekundungen - da muss Katz sich schon einmal „retten“ können.

Ich hoffe nur, dass Lille auch wirklich ein passendes Zuhause findet!

Nochmals danke für die Bestärkung und liebe Grüße

Kathleen