Kurz: Für die Katz, trotzdem sehr lang
Hallo Steffen,
als Hundebesitzer (eines Mischlings) habe ich auszugsweise die Dissertation (=D., alle Zitate hieraus kursiv) gelesen und möchte, damit kein falsches Bild entsteht, relativieren :
Das Positive der D. vorab:
Hunde, welche unter der Kategorie I und II in der Verordnung des Staatsministeriums des Inneren vom 10.07.1992 über Hunde mit gesteigerten Aggressivität und Gefährlichkeit aufgelistet sind, spielten eine untergeordnete Rolle. Angesichts dieser Ergebnisse sollten seitens der Gesetzgebung Alternativen zu den so genannten „Rasselisten“ erarbeitet werden.
Die D. ist eine Zusammentragung und Auswertung von statistischen Daten über 136 Beißvorfälle mit Personen und 67 Beißvorfälle mit Artgenossen in 7 Jahren.
Aus der Einleitung:
Ziel dieser Arbeit war es, herauszufinden, welche Hunde oder Hunderassen in Bayern am häufigsten in den letzten sieben Jahren von 1997 bis 2004 in Beißvorfälle mit Artgenossen oder Personen verwickelt waren. Außerdem sollten Zusammenhänge zwischen den Umständen in denen sich ein Beißvorfall ereignet hat, der Vorgeschichte und der Haltung des beißvorfallverursachenden Hundes und dessen Individualkriterien erkannt und analysiert werden.
Zur Zusammenfassung der D. möchte ich einiges bemerken:
…vorwiegend
Mischlinge (30,5%) gefolgt vom Deutschen Schäferhund (13,8%), Rottweiler (7,4%), Schäferhund-Mischling (6,4%) und Dobermann (4,4%) am häufigsten auffällig geworden…
In der D. wird selbst festgestellt, daß die Anzahl der Mischlinge statistisch gar nicht erfaßt wird, also keine Aussage, ob Mischlinge über- oder unterproportional auffällig werden. Für die Rassehunde konnte ich nur herauslesen, daß Schäferhunde überproportional häufig vorkommen.
Wie auch in der hier vorliegenden Arbeit stehen Mischlinge (30,5%), der Deutsche Schäferhund (13,8%) sowie der Rottweiler (7,4%), an der Spitze vieler Beißstatistiken. Die Population dieser Hunde ist allgemein sehr hoch (siehe Abbildung 3).
Abb. 3 auf Seite 18 (pdf-Lesezeichen) bestätigt die Überproportionalität der Schäferhunde am Gesamtvorkommen der Rassehunde.
…dass die Hunde vorwiegend im
Alter von 1 bis 4 Monaten übernommen worden waren (65,0%).
Das überrascht nun nicht besonders. Die meisten kaufen/erwerben einen jungen Hund, wenn möglich als Erstbesitzer.
Fast die Hälfte der Besitzer (46,7%) gab an, dass ihr Hund keine Ausbildung erhalten hat. 9,6% der Hunde haben eine Grunderziehung erhalten, 30,4% waren in einer Hundeschule und
23,7% hatten eine Spezialausbildung durchlaufen.
Umgekehrt: Mehr als die Hälfte aller Hunde haben eine Ausbildung, 23,7% sogar eine Spezialausbildung!
Ich zitiere hierzu aus der Schlussfolgerung der D.:
Hier scheinen bei einem hohen Anteil der Besitzer sehr große Wissenslücken oder Ignoranz bezüglich Hundeführung, -erziehung und Hundeverhalten zu bestehen. Hinsichtlich der Gesetzgebung muss hier durch härtere und bessere Maßnahmen versucht werden, diese wiederholten Vorfälle zu minimieren. Dies wäre durch gezielte Schulungen der Besitzer und Auflagen zum Besuch einer Hundeschule oder einer Verhaltenstherapie der Hunde zu erreichen.
Man kann alles auf die eine oder andere Art auslegen.
Noch etwas zur Schlussfolgerung der D.:
5.3. Schlussfolgerung:
Betrachtet man zunächst die Größe, das Gewicht und die Farbe der auffällig gewordenen Hunde sieht man, wie im Kapitel 2.4 und Kapitel 4.1.1 dargestellt, dass immer wieder große, schwere und dunkle Hunde auffällig geworden sind.
5.2.1 Zum anderen nimmt bei vielen Menschen die Angst vor
Hunden proportional mit deren Größe zu. So ist es möglich, dass vorwiegend Bisse (unabhängig von der Intensität) von mittleren bis großen Hunden angezeigt wurden, weil diese durch die bestehende Angst der gebissenen Personen oder der Hundebesitzer eines angegriffenen Hundes, gemeinhin als gefährlicher eingestuft werden als kleine Hunde. Dies könnte auch der Grund für die Überrepräsentierung von Hunden mit einer dunklen Fellfarbe (74,4%) wie schwarz, braun und schwarz-braun sein. Des Weiteren ist als ein weiterer Grund für das gehäufte Vorkommen von mittleren bis großen Hunde zu nennen, dass Bisse von
kleinen Hunden oft weniger folgenschwer sind, so dass sie mehr oder weniger als „Kavaliersdelikt“ gesehen werden und somit nicht zur Anzeige kommen. Umgekehrt verhält es sich bei großen Rassen, welche eine höhere Beißkraft besitzen und ein Biss dementsprechend folgenschwerer ist.
No Comment.
Wer die Zeit hat sollte es sich durchlesen, damit endlich mal
das Bildzeitungsniveau langsam verschwindet.
Da gebe ich dir Recht (mit Ausnahme der Schlussfolgerung). Die D. als Zusammenfassung statistischer Daten beweist nach meiner Auffassung, daß weder Rasse noch Gewicht noch Fellfarbe noch Halter noch Ausbildung einen signifikanten Zusammenhang ergeben.
Bitte kein Wasser auf die Mühlen der Hundehasser.
Gruß Steffen
Grüße
BW