Hallo liebe Experten!
Kennt vielleicht jemand eine Publikation, in der es um Verhaltensstörungen bei Katzen geht, die alleine in der Wohnung gehalten werden/wurden oder kennt da jemand Fälle?
Ich frage, weil ich hier ein Exemplar habe, welches im Welpenalter von Mutter und Geschwistern getrennt wurde (wann genau weiß ich nicht), dann ein Jahr allein und schließlich mit anderen Katzen (zum Schluss drei) in ziemlich kleinen Wohnungen gehalten wurde. Abgegeben wurde sie, weil es mit den anderen Katzen immer Streit gab und sie nie die Ruhe vor ihnen hatte, die sie brauchte.
Sie ist sehr auf mich fixiert, kann sich kaum alleine beschäftigen, stellt allen möglichen Unsinn an, um Aufmerksamkeit zu erhaschen und will partout nicht raus, als ob sie Angst davor hätte. Mein Freund, der einen Kater (Freigänger) hat, sagt schon, sie sei wie ein kleines Kind, weil man ständig auf sie aufpassen und sie beschäftigen muss.
Bei der Begegnung mit anderen Katzen kommt es natürlich sofort zum Streit, weil sie Angst hat und deswegen gleich Aggressiv wird. Sie haut sogar nach ihr körperlich weit überlegenen Katern!
Ich weiß nicht, ob das schon eine Verhaltensstörung ist oder ganz normal, aber es kommt mir schon komisch vor, im Vergleich zu anderen Katzen (vor allem „Draußen“-Katzen).
Weiß jemand etwas zu diesem Thema?
LG,
Liz.
Ich kann an dem Verhalten jetzt nichts unnormales finden… klar, dass Wohnungskatzen etwas mehr auf den Menschen fixiert sind, insbesondere wenn sie schon als sehr junge Katze diese als hre Familie kennen gelernt haben und ggf der Mensch auch noch die Aufgabe der Katzenmama übernommen hat.
Wohnungskatzen an sich neigen dazu nie wirklich erwachsen zu werden, dh Du wirst vermutlich immer die Mama bleiben - das lässt sich ein wenig abschwächen, dass Du 24 STunden am Tag die Bezugsperson bist, indem Du das Selbstbewusstsein deiner Katze förderst…bsp: meine Katze konnte damals noch nicht mals über die Bettkante balancieren ohne 5x auf einem Meter abzustürzen. Wir haben systematisch im Spiel angefangen ihr das beizubringen - erst mit breiteren Gegenständen , dann mit dünneren Wegen… das war irgendwie ein Erfolgserlebnis für das Tier. Das mahcte sich auch im alltägliche Benehmen bemerkbar. Um so mehr Erfolgserlebnisse, desto sicherer wurde die Katze.
Nun ja, ansonsten zeichnet sich eine Wohnung eher dadurch aus, dass sie langweilig und nicht wirklich auf die Bedürfnisse eines jungen Kätzchens ausgelegt ist und da prinzipiell alles was neu, anders ist betrachtet und ausprobiert werden muss, machen Katzen in jungen Jahren vieeeeel Chaos.
Übrigens: Meine zweite Katze ging auch nie raus, obwohl sie alle Möglichkeiten hatte. Erst von der Neugierde überwältigt was mein Freund in der Garage treibt (da war Freund gerade neu) ist sie ihm hinterher gerannt. Das war das erste Mal, dass das Tier freiwillig raus ist!!! Seit dem ist sie ab und an mit raus, wenn wir raus gegangen sind, ist aber extrem nahe bei uns geblieben. Erst mit der Zeit hat sie sich mal 5 Meter weg getraut - das Grundstück an sich hat sie aber nie verlassen.
Hallo,
Literatur habe ich nicht, aber einen ganz ähnlichen Fall. Katze wurde früh entwöhnt und dann ca. 2-3 Jahre einzeln unkastriert in Wohnungshaltung gehalten. Zum guten Schluss zogen die Leute aus der Wohnung aus und ließen die Katze im Hausflur zurück.
Das Verhalten ist praktisch identisch mit dem von Dir beschriebenen: sehr auf die Halter fixiert, sehr aufdringlich, sehr empfindlich bei Veränderungen, völlig unverträglich mit anderen Katzen. Mit dem Hund versteht sie sich prima. Es ist also nicht nur das agressive Verhalten der Katze selbst, welches die Kämpfe mit anderen Katzen hervorruft, sondern auch die Reaktion der anderen Katzen auf diese, die sich eben aus kätzischer Sicht völlig falsch verhält.
Man hört und liest immer wieder von solchen „Kaspar-Hauser“-Katzen. Die Symptome sind immer ähnlich: mangelnde Frustrationstoleranz, hysterische/panische Reaktion auf Veränderungen der Umgebung oder fremde Menschen, Unverträglichkeit mit anderen Katzen. Ein Grund warum ich immer wieder appeliere, junge Katzen nicht zu früh zu entwöhnen und niemals allein in der Wohnung zu halten.
Mein Exemplar versuche ich mittlerweile seit über 5 Jahren mit meinen 2 Katern zu vergesellschaften, ohne Erfolg, obwohl wir inklusive Umzug alles versucht haben.
Gruß,
Myriam
Hallo,
Ich weiß nicht, ob das schon eine Verhaltensstörung ist oder
ganz normal, aber es kommt mir schon komisch vor, im Vergleich
zu anderen Katzen (vor allem „Draußen“-Katzen).
Du sagst es selbst. Eine Katze, die noch halbwegs natürlich leben kann, verhält sich auch halbwegs natürlich. Reine Stubenkatzen entwickeln dagegen die unmöglichsten Verhaltensweisen. Gibt man solchen Katzen genügend Freigang, normalisiert sich diese aufgezwungene Verhaltensstörung meistens wieder.
Gruß Steffi
Hallo Liz,
ich bin nun kein Experte und habe auch keine Literaturhinweise, aber vielleicht noch einen Tip aus eigener Erfahrung:
Vielleicht hilft es Dir und der Katze, wenn Du Dich mit ihr in einer Spielphase direkt mit ihr beschäftigst? Also unsere eine Katze hat zusammengeknüllte Papierbällchen richtiggehend apportiert. Das haben wir dann meist solange gemacht, bis sie selber nicht mehr wollte.
Ansonsten habe ich in Katzenzeitschriften auch mal über Katzenpsychologie gelesen.
Ach, noch was: über www.katzenfreunde.de findest Du unter Ansprechpartner einen Erich Rubel, der kennt sich super mit Katzen aus, vielleicht möchtest Du Dich mal an den wenden. Und vielleicht gibt es ja auch in Deiner Nähe „Katzenfreunde“.
Liebe Grüße
Maita
Hallo Liz!
Deine Beobachtungen bzgl. Wohnungskatzen sind absolut zutreffend. Wie vorher schon von anderer Seite erwähnt, bleiben die ihr ganzes Leben Babys.
Du darfst ja nicht vergessen, dass sie, im Gegensatz zu Freigängern, mit äußeren Reizen extrem unterversorgt sind. Notwendigerweise müssen sie sich dann auch andere „Hobbies“ suchen…
In diesem Zusammenhang würde ich allerdings nicht zwingend von einer Verhaltensstörung sprechen; betrachte das Benehmen deiner Katze doch eher mal als größtenteils liebenswerte Schrulligkeit.
Aus Katzensicht gesehen verhält sich das kleine Biest demzufolge auch völlig normal. Und ich muss einer erfahrenen Katzenmutter wie dir bestimmt nicht erzählen, dass Madame, sollte sie dennoch irgendwie mit der Gesamtsituation nicht ganz zufrieden sein, einen das auf relativ unmissverständliche Weise klarzumachen in der Lage ist. Soll heissen, indem man sich auf anderen als den dafür vorgesehenen Orten erleichtert, das Mobiliar zerlegt, die Tapete in Streifen schneidet und dergleichen Unfug mehr. In diesem Falle würde ich allerdings dann auch von einer Verhaltensstörung sprechen.
Meine beiden sind umständehalber, seit sie noch blind vor 9 Jahren aus dem Müll gezogen und mühsam hochgepäppelt wurden, reine Stubentiger und lassen sich ständig was neues einfallen, um uns auf Trab zu halten. Würde jetzt echt den Rahmen sprengen…
Gleichwohl fühlen sie sich dem Anschein nach ziemlich wohl und die erwähnten Schrullen sorgen dafür, dass es selten langweilig wird in der Bude.
Lass dich also nicht ärgern…
Liebe Grüsse Awful Annie