Guten Morgen!
Ich habe mir vor einigen Tagen das Buch „So denkt ihr Hund mit“ von Nina Miodragovic gekauft. Es ist ein Buch über das Clickern und generelle Lernverhalten von Hunden.
Im ersten Kapiteln geht es um die Lerntheorie. Also unter anderem, wie lernt ein Hund, welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, Verknüpfungen, usw.
Dabei wird auch das Thema Stress beim Hund behandelt - die Autorin sagt, ein Hund kann nicht lernen, wenn der generelle Stresspegel zu hoch ist. Da bin ich auch noch ihrer Meinung, doch dann gibt sie „Anweisungen“ wie man Stress beim Hund vermeiden kann - und da habe ich doch teilweise eine andere Ansicht. Daher würde ich diese Tipps gern hier zur Diskussion stellen und eure Meinung zu den einzelnen Punkten hören:
- Jeder Hund sollte am Tag zwischen 15 und 20 Stunden ruhen oder schlafen
- Alltag: Hunde sollten nicht tagtäglich in stressige Umgebungen mitgeführt werden, wie Restaurant, Großstadt usw.
- Auf dem Spaziergang müssen dauernd neue Hundebegegnungen nicht gefördert werden
- Beutespiele (Zerrspiele, Ballspiele, usw.) sind massive Stressverursacher - sie sollten nicht mehr als ein- bis zweimal wöchtentlich gemacht werden, vor allem bei sehr Beute fixierten Hunden
- Beim Hundesport: Wenn mit dem Hund gerade nicht gearbeitet wird, gehört er in’s Auto um das neu Gelernte in Ruhe zu verknüpfen. Das bedeutet nach jeder Übung den Hund in’s Auto geben.
So, nun meine Meinung zu den Punkten:
zu 1. Ich besitze einen Zwergpinscher und einen Goldi-Rottweiler Mix. Beides sind Arbeitshunde, die intensiv beschäftigt werden möchten. Würde ich mich mit meinen Hunden nur 4 Stunden am Tag beschäftigen, würden sie mir wohl zu Hause die Tapeten von den Wänden reißen!
Es ist schon klar, dass ich nicht tagtäglich den Nachmittag am Hundeplatz verbringe und stundenlang intensiv mit ihnen arbeite. Aber gerade bei meinem Zwerg sind so lange Ruhezeiten gar nicht durchführbar, da ist ein Auslauf (Spaziergang, Radfahren) von zusammen 4 Stunden am Tag das MINIMUM, zusätzlich fordert er aber mindestens 1 Stunde spielen plus 1 Stunde aktive Beschäftigung - ansonsten ist er nicht ausgelastet und KANN sich gar nicht ausruhen (der hat Hummeln im Hintern *g*)
Bei meinem Mix hat es mittlerweile etwas nachgelassen, er ist immerhin schon 12. Aber unter 3 Stunden Beschäftigung am Tag geht bei dem auch nichts! Und das in seinem Alter! Ich kann mir daher nicht vorstellen, dass man das mit einem jungen Hund so hinkriegt.
Ich kann doch nicht meinen Hund absichtlich die ganze Woche im wahrsten Sinne des Wortes „liegen lassen“, damit er dann beim Arbeiten (z.B. am Hundeplatz) schon so gierig auf Aufmerksamkeit und Beschäftigung ist, dass es sich mit ihm besser arbeiten lässt!
zu 2. Ok, hier bin ich zum Teil ihrer Meinung. Jedoch muß man hier unterscheiden, ob ein Hund an diese Situationen gewöhnt ist und ob sie für ihn überhaupt Streß bedeuten! Ich würde jeden Hund so weit sozialisieren und auf die Umwelt prägen, dass ihm solche scheinbar stressigen Situationen nichts mehr ausmachen. Und damit er lernt, dass solche Situationen nicht bedrohlich oder stressig sein müssen, muss ich ihn langsam daran gewöhnen und heranführen. Ich denke nicht, dass Abschottung hier die beste Möglichkeit ist…
zu 3. Da verschlägt es mir fast die Sprache, so absurd finde ich das. Ich lasse diesen Punkt offen für eure Meinungen.
zu 4. Ich hätte zwar noch nie bemerkt, dass Beutespiele Stress verursachen, lasse mich aber gern vom Gegenteil überzeugen, wenn jemand hier eine gute Erklärung hat!
zu 5. Ich verstehe zwar, was sie damit meint und kann mir schon vorstellen, dass der Hund das Gelernte besser verknüpft, wenn er danach die Möglichkeit erhält, sich auszuruhen, ohne Ablenkung und in Ruhe. Seit 10 Jahren betreibe ich nun Hundesport und ich sowie meinen Vereinskollegen haben uns immer über Leute aufgeregt, die z.B. beim Agility (sei es im Training oder bei einem Turnier) ihren Hund kurz aus dem Auto holen, ihren Lauf machen und ihn danach gleich wieder in’s Auto verfrachten. Für mich ist das ein Abschieben des Hundes, ein Sportgerät, das man sich kurz holt, wenn man es braucht, und danach wieder verräumt. Für mich ist da nichts menschliches dran und würde ich das mit meinen Hunden machen, die würden das als Strafe auffassen!
Vielleicht ist ja was dran, aber da lebe ich lieber damit, dass meine Hunde langsamer und nicht so effektiv Neues lernen - also einfach ein wenig länger brauchen, ich sie aber am Hundeplatz die ganze Zeit neben mir haben darf - auch wenn wir grad Pause machen.
So, nun hoffe ich auf zahlreiche Beiträge und eine gute Diskussion!
Danke!
Sandra