Hallo Sabiiine!
Die Leine konnte ich NICHT lösen,
da der fremde Hund meinem im Nacken saß, und versuchte ihn
umzudrehen. Ich konnte die Leine nur fallen lassen.
Im Nacken? Oder an der Seite? Oder an der Kehle? Oder am Rücken? Später sagst Du, dass Dein Hund im Rücken druckempfindlich war…
Zur Leine: wenn so etwas passiert - Leine SOFORT loslassen. Sich nicht noch damit beschäftigen, wie man den Hund jetzt losmachen könnte - „einfach“ SOFORT fallen lassen und erst mal ein paar Schritte zurück gehen und sich RUHIG einen Überblick verschaffen was da überhaupt passiert. Und wie man evtl. KONSTRUKTIV einwirken könnte.
Nochnichtmals geknurrt oder zurückgebissen, obwohl der andere
Hund etwas kleiner war.
Obwohl Du keine Mutmassungen möchtest, muss ich mich leider doch darauf einlassen, schliesslich war ich ja nicht dabei. Mit 100% Sicherheit wird Dir hier niemand sagen können, was da lief, es sei denn, Du hättest Video-Aufnahmen gemacht… somit bleibt alles, was hier gesagt wird, im Bereich der Mutmassungen.
Es spielt in dem Fall keine Rolle, wie gross oder wie klein der andere Hund war. Deine Hündin hat sich wohl genauso erschreckt wie Du - zum Knurren bleibt da keine Zeit mehr, denn über diese Stufe der Aggression sind wir in so einem Fall längst hinaus.
Ich habe den Angreifer vertreiben
können indem ich schrill schrieh *ggg*.
Naja, das war m. E. nicht so sehr clever, dadurch kannst Du gewisse Hunde erst recht aufhetzen. Besser: Ruhe bewahren (das kann man auch für derartige Paniksituationen üben), und ruhig überlegen was man tun könnte. Möglicherweise hätte der fremde Hund auch ohne Schreien wieder von Deinem zum selben Zeitpunkt abgelassen.
Ich frage mich nur: was hat DEIN Hund getan? Der wird ja nicht sekundenlang stocksteif dagestanden haben?
Wegtreten konnte ich
ihn nicht, weil beide Hunde sich im Kreis drehten, und ich
evtl. meinen erwischt hätte, ableinen ging auch nicht.
Aha - und wie war das Sich-In-Dem-Kreis-Drehen? Ging es laut zu und her? Oder eher still und leise? So lange es nämlich knurrt und schreit und bellt und Lärm macht, handelt es sich noch nicht um das, was man einen Ernstkampf nennt. Beim Ernstkampf geht es darum, den Gegner WIRKLICH zu verletzen, das heisst, dass dann aber nach Beendigung des Kampfes auch mind. einer mit offenen Wunden dasteht (oder liegt…). So wie das hier klingt und am Ende auch aussieht (keine offenen Wunden, „nur“ Prellungen) - obwohl Du darüber nichts Konkretes sagst - war es aber eher kein Ernstkampf. Damit will ich allerdings keinesfalls den fremden Hund in Schutz nehmen - ich versuche lediglich zu verstehen, was vorgefallen ist.
Ich
muss auch zugeben, ich war überfordert, sowas hatte ich nie
zuvor erlebt.
Das kann man verstehen.
Naja Lotte ist physisch nichts weiter passiert, sie war 2 Tage
berührungsempfindlich an 2 Stellen am Rücken, aber nichts
sichtbares, und sie schien anschließend auch nicht gelitten zu
haben.
Eben, da ging keine ernsthafte Verletzungs- oder gar Tötungsabsicht von der anderen Seite aus. Der fremde Hund hat Deinem aus irgend einem Grund eine überziehen wollen - von der „Vorgehensweise“ her, würde ich eher auf einen Rüden tippen (muss aber nicht sein). Doch wie gesagt, das ist natürlich in keiner Weise eine Entschuldigung!
Jetzt habe ich das Problem, das sie Angst hat!
Damit sagst Du eigentlich schon alles aus
- Du sagst, jetzt habe ICH das Problem, dass SIE Angst hat… also DU hast das Problem, nicht zwingend SIE. Klar ist hund schon mal ziemlich eingeschüchtert wenn einem so etwas passiert - aber Hunde (sofern sie vernünftig geprägt und aufgewachsen sind und eine „unbeschwerte“ Jugendzeit verbringen durften und nicht anderwertig vorbelastet sind) stecken solche Dinge meist recht schnell wieder weg.
Sie dreht sich
jeden 2ten Schritt um, und guckt nach hinten.
Zu Dir nach hinten? Oder ins Gebüsch nach hinten?
An der Leine
läuft sie sicher, ohne umdrehen, da fühlt sie sich wohl in
Sicherheit. In der Wohnung weicht sie seitdem auch keinen
Schritt mehr von mir!
Eigentlich ein gutes Zeichen - AAABER verfall jetzt nicht der Versuchung, sie in Schutz zu nehmen. Benimm Dich normal - d.h. bestehe darauf, dass sie Dich auch mal alleine lässt. Hat sie denn vorher nicht so sehr an Dir geklebt? Möglicherweise ist das auch ein „Vorwand“ ihrerseits um jetzt dauernd Deine Nähe beanspruchen zu dürfen. Denk daran, Deine Nähe ist ein Privileg! Nicht, dass man das grundsätzlich grossartig einschränken müsste, aber hier würde ich schon darauf bestehen, dass Du Dir keinen „Kleber“ heranziehst.
Draussen rennt sie zwar wie immer rum,
aber sobald sie andere Hunde erblickt, drückt sie sich an mein
Bein, und guckt sich alle 2 Meter nach hinten um.
Eben - sooo verängstigt ist sie ja doch nicht. Und wieder die Frage: sieht sie sich nach Dir um? Wenn sie sich an Dein Bein drückt, geh einen Halbkreis um sie rum bzw. lass sie stehen und geh munter weiter. Wenn Du ab sofort stehen bleibst und genauso zögerlich bist wie sie, zeigst Du ihr nur, dass Du genauso viel Angst vor dem anderen Hund hast wie sie und dass fremde Hunde generell ja soooo gefährlich sind. Also: munter drauf los ohne dem fremden Hund gross Aufmerksamkeit zu schenken. Es ist das Allernormalste der Welt.
Selbst ihre
GUTEN Hundekumpel mag sie nochnichtmals beschnuppern, stellt
sich abseits mit eingezogenem Schwanz. (normal stürmt sie auf
die zu und will spielen) Ich halte sie jetzt auch nicht fern
von anderen Hunden, respektiere aber wenn sie nicht will, also
ich locke sie dann nicht, und rede ihr auch nicht gut zu.
Das ist richtig - aber wenn Du die fremden Hunde kennst darfst Du ruhig auf sie zugehen und sie begrüssen. Lass Deine Hündin ruhig stehen - sie kommt schon, wenn sie möchte. Will sie nicht, hat sie eben gehabt. Aber zeig ihr, dass Du „gar nicht verstehst, warum sie sich so benimmt“, denn „sind ja alle so nett hier!“. So lockst Du sie am schnellsten wieder aus der Reserve, verständlich, dass sie etwas durcheinander ist. Aber helfen können wir ihr nur, wenn wir ihr zeigen, dass sie keinen Grund hat, Angst zu haben.
Oder erledigt sich das Thema selber in 1-3 Wochen und ich muss
nur abwarten, und draussen auf „normal“ machen? Vergißt sie es
vllcht?
Ich denke, sofern DU Dich „normal“ benimmst, löst sich das Problem sehr bald. Geh Du auf andere Hunde zu (natürlich nur bei denen, die Du kennst, bzw. weisst, dass sie freundlich sind) - genauso, wie Du das von ihr erwarten würdest. Das mit dem Vergessen ist so eine Sache… es gibt ganze Bücher darüber, inwiefern Hunde zur Erinnerung fähig sind… das kann ich Dir beim besten Willen nicht mit Sicherheit sagen. Dafür, dass es aber nicht „ewig eingebrannt“ bleibt, bist (auch) Du zuständig!
Und ist es normal das ein Hund beim Angriff sich NICHT wehrt?
Hat sie vllcht eine Art Schock erlitten?
Eben… was heisst „sich nicht wehren“? Wahrscheinlich hat sie sich gewaltig erschrocken - genauso wie Du auch - und wusste gar nicht recht, was tun. Spricht im Grunde genommen für sie, wenn sie dem anderen nicht gerade zähnefletschend die Halsschlagader aufgerissen hat… Wenn sie ansonsten ein normales Verhalten anderen Hunden zeigt - das heisst anderen gegenüber nicht übermässig dominant oder unterwürfig auftritt, muss das nichts heissen. Wir sind ja, wenn wir uns erschrecken, auch erst mal völlig starr. Und schliesslich hat sie sich ja nicht GAR NICHT gewehrt, immerhin sprichst Du später von „die Hunde haben sich im Kreis gedreht“ - auch das kann eine Abwehr sein - einfach eine sehr sanfte.
Einen Schock hat sie sehr wahrscheinlich nicht erlitten, das äussert sich anders - ich würde eher von einem Schrecken reden.
Ich muss dazu sagen, als ich sie vor eine paar Jahren bekam,
hatte sie vor allem Angst. Vor Hunden, Menschen, sich
bewegenden Ästen im Wind, einfach vor allem. Mit viel Geduld
und Spucke habe ich es erreicht das sie ein lebensfroher, zwar
vorsichtiger, aber nur mit einer „gesunden“ Angst behafteter
Hund wurde… muss ich jetzt von vorne anfangen?
Je nachdem wie schnell DU Dich wieder fangen kannst. Du hast ihr ja schon erfolgreich zeigen können, dass diese Welt nicht ganz so böse ist, wie sie meint. Du hast einen riesigen Einfluss darauf, wie sie sich verhält. Wenn DU ihr zeigen kannst, dass so etwas halt machmal passiert im Leben und man sich davon nicht verängstigen lassen darf (auch wenn wir im Grunde genommen natürlich verstehen, wenn sie Angst hat) - dann erholt sie sich schnell. Dafür musst Du aber freundlich und lebenslustig auf andere Hunde zugehen können. Zeig ihr, dass ihre Angst unbegründet ist.
Im Übrigen passt das, was Du hier am Schluss schreibst, sehr gut zu ihrem, wie Du sagst, „Sich-Nicht-Wehren“. Sie ist eben wahrscheinlich ein eher ängstlicher und nicht sehr wehrhafter Hund.
Alles Gute!
Semiramis