Hund wurde gebissen, hat jetzt Angst

Hallo,
eine Frage an die Experten, bitte keine Mutmassungen auf Laien-Ebene :smile:

Mein Hund wurde letzte Woche angefallen. Ohne jede Vorwarnung kam ein mir unbekannter Hund aus dem Gebüsch gestürmt und fiel meinen angeleinten Hund an. Die Leine konnte ich NICHT lösen, da der fremde Hund meinem im Nacken saß, und versuchte ihn umzudrehen. Ich konnte die Leine nur fallen lassen.

Mein Hund (6 Jahre, wahrscheinlich Flatcoatet-Jagdhundmix, 70 cm Schulterhöhe, knapp 29 kg) hat sich NICHT gewehrt! Nochnichtmals geknurrt oder zurückgebissen, obwohl der andere Hund etwas kleiner war. Ich habe den Angreifer vertreiben können indem ich schrill schrieh *ggg*. Wegtreten konnte ich ihn nicht, weil beide Hunde sich im Kreis drehten, und ich evtl. meinen erwischt hätte, ableinen ging auch nicht. Ich muss auch zugeben, ich war überfordert, sowas hatte ich nie zuvor erlebt.

Naja Lotte ist physisch nichts weiter passiert, sie war 2 Tage berührungsempfindlich an 2 Stellen am Rücken, aber nichts sichtbares, und sie schien anschließend auch nicht gelitten zu haben. (sonst wäre ich natürlich direkt zum doc). Die Berührungsempfindlichkeit war auch nach 2 Tagen weg.

Jetzt habe ich das Problem, das sie Angst hat! Sie dreht sich jeden 2ten Schritt um, und guckt nach hinten. An der Leine läuft sie sicher, ohne umdrehen, da fühlt sie sich wohl in Sicherheit. In der Wohnung weicht sie seitdem auch keinen Schritt mehr von mir! Draussen rennt sie zwar wie immer rum, aber sobald sie andere Hunde erblickt, drückt sie sich an mein Bein, und guckt sich alle 2 Meter nach hinten um. Selbst ihre GUTEN Hundekumpel mag sie nochnichtmals beschnuppern, stellt sich abseits mit eingezogenem Schwanz. (normal stürmt sie auf die zu und will spielen) Ich halte sie jetzt auch nicht fern von anderen Hunden, respektiere aber wenn sie nicht will, also ich locke sie dann nicht, und rede ihr auch nicht gut zu.

Wie kann ich ihr helfen? Ich tröste sie nicht (damit würde ich ihre Angst ja nur bestärken), lediglich den Befehl: „alles ok“ benutze ich, weil der bei uns dafür steht: keine Gefahr, mach was du willst.

Oder erledigt sich das Thema selber in 1-3 Wochen und ich muss nur abwarten, und draussen auf „normal“ machen? Vergißt sie es vllcht?
Und ist es normal das ein Hund beim Angriff sich NICHT wehrt? Hat sie vllcht eine Art Schock erlitten?

Ich muss dazu sagen, als ich sie vor eine paar Jahren bekam, hatte sie vor allem Angst. Vor Hunden, Menschen, sich bewegenden Ästen im Wind, einfach vor allem. Mit viel Geduld und Spucke habe ich es erreicht das sie ein lebensfroher, zwar vorsichtiger, aber nur mit einer „gesunden“ Angst behafteter Hund wurde… muss ich jetzt von vorne anfangen?

Für alle Tipps dankbar
Sabiiine + Lotte

Hallo Sabiiine,

gib Lotte 2 Globuli Arnica C30 (Apotheke 6 Euro). Das hilft bei Angst vor Annäherung anderer nach einem Schockerlebnis. Wenn nach einigen Tagen noch eine Restangst besteht, gib noch ein Mal. Mehr nicht.
Wenn du Arnica gibst, würde ich mich über eine Rückmeldung freuen.

Gruß Steffi

Hallo Steffi,
vielen Dank. Denkst du es ist echt ein Schock?

Viele Grüße
Sabiiine

Hallo Sabiiine,

vielen Dank. Denkst du es ist echt ein Schock?

Das war sicher ein psychischer Schock für Lotte.
Versuch dir nur mal annähernd vorzustellen, wie es dir ginge, wenn du knapp deinem Mörder entgangen wärst. Dann wärst du sicher reif für den Psychologen.

Gruß Steffi

Hallo Sabiiine!

Die Leine konnte ich NICHT lösen,
da der fremde Hund meinem im Nacken saß, und versuchte ihn
umzudrehen. Ich konnte die Leine nur fallen lassen.

Im Nacken? Oder an der Seite? Oder an der Kehle? Oder am Rücken? Später sagst Du, dass Dein Hund im Rücken druckempfindlich war…

Zur Leine: wenn so etwas passiert - Leine SOFORT loslassen. Sich nicht noch damit beschäftigen, wie man den Hund jetzt losmachen könnte - „einfach“ SOFORT fallen lassen und erst mal ein paar Schritte zurück gehen und sich RUHIG einen Überblick verschaffen was da überhaupt passiert. Und wie man evtl. KONSTRUKTIV einwirken könnte.

Nochnichtmals geknurrt oder zurückgebissen, obwohl der andere
Hund etwas kleiner war.

Obwohl Du keine Mutmassungen möchtest, muss ich mich leider doch darauf einlassen, schliesslich war ich ja nicht dabei. Mit 100% Sicherheit wird Dir hier niemand sagen können, was da lief, es sei denn, Du hättest Video-Aufnahmen gemacht… somit bleibt alles, was hier gesagt wird, im Bereich der Mutmassungen.

Es spielt in dem Fall keine Rolle, wie gross oder wie klein der andere Hund war. Deine Hündin hat sich wohl genauso erschreckt wie Du - zum Knurren bleibt da keine Zeit mehr, denn über diese Stufe der Aggression sind wir in so einem Fall längst hinaus.

Ich habe den Angreifer vertreiben
können indem ich schrill schrieh *ggg*.

Naja, das war m. E. nicht so sehr clever, dadurch kannst Du gewisse Hunde erst recht aufhetzen. Besser: Ruhe bewahren (das kann man auch für derartige Paniksituationen üben), und ruhig überlegen was man tun könnte. Möglicherweise hätte der fremde Hund auch ohne Schreien wieder von Deinem zum selben Zeitpunkt abgelassen.
Ich frage mich nur: was hat DEIN Hund getan? Der wird ja nicht sekundenlang stocksteif dagestanden haben?

Wegtreten konnte ich
ihn nicht, weil beide Hunde sich im Kreis drehten, und ich
evtl. meinen erwischt hätte, ableinen ging auch nicht.

Aha - und wie war das Sich-In-Dem-Kreis-Drehen? Ging es laut zu und her? Oder eher still und leise? So lange es nämlich knurrt und schreit und bellt und Lärm macht, handelt es sich noch nicht um das, was man einen Ernstkampf nennt. Beim Ernstkampf geht es darum, den Gegner WIRKLICH zu verletzen, das heisst, dass dann aber nach Beendigung des Kampfes auch mind. einer mit offenen Wunden dasteht (oder liegt…). So wie das hier klingt und am Ende auch aussieht (keine offenen Wunden, „nur“ Prellungen) - obwohl Du darüber nichts Konkretes sagst - war es aber eher kein Ernstkampf. Damit will ich allerdings keinesfalls den fremden Hund in Schutz nehmen - ich versuche lediglich zu verstehen, was vorgefallen ist.

Ich
muss auch zugeben, ich war überfordert, sowas hatte ich nie
zuvor erlebt.

Das kann man verstehen.

Naja Lotte ist physisch nichts weiter passiert, sie war 2 Tage
berührungsempfindlich an 2 Stellen am Rücken, aber nichts
sichtbares, und sie schien anschließend auch nicht gelitten zu
haben.

Eben, da ging keine ernsthafte Verletzungs- oder gar Tötungsabsicht von der anderen Seite aus. Der fremde Hund hat Deinem aus irgend einem Grund eine überziehen wollen - von der „Vorgehensweise“ her, würde ich eher auf einen Rüden tippen (muss aber nicht sein). Doch wie gesagt, das ist natürlich in keiner Weise eine Entschuldigung!

Jetzt habe ich das Problem, das sie Angst hat!

Damit sagst Du eigentlich schon alles aus :smiley: - Du sagst, jetzt habe ICH das Problem, dass SIE Angst hat… also DU hast das Problem, nicht zwingend SIE. Klar ist hund schon mal ziemlich eingeschüchtert wenn einem so etwas passiert - aber Hunde (sofern sie vernünftig geprägt und aufgewachsen sind und eine „unbeschwerte“ Jugendzeit verbringen durften und nicht anderwertig vorbelastet sind) stecken solche Dinge meist recht schnell wieder weg.

Sie dreht sich
jeden 2ten Schritt um, und guckt nach hinten.

Zu Dir nach hinten? Oder ins Gebüsch nach hinten?

An der Leine
läuft sie sicher, ohne umdrehen, da fühlt sie sich wohl in
Sicherheit. In der Wohnung weicht sie seitdem auch keinen
Schritt mehr von mir!

Eigentlich ein gutes Zeichen - AAABER verfall jetzt nicht der Versuchung, sie in Schutz zu nehmen. Benimm Dich normal - d.h. bestehe darauf, dass sie Dich auch mal alleine lässt. Hat sie denn vorher nicht so sehr an Dir geklebt? Möglicherweise ist das auch ein „Vorwand“ ihrerseits um jetzt dauernd Deine Nähe beanspruchen zu dürfen. Denk daran, Deine Nähe ist ein Privileg! Nicht, dass man das grundsätzlich grossartig einschränken müsste, aber hier würde ich schon darauf bestehen, dass Du Dir keinen „Kleber“ heranziehst.

Draussen rennt sie zwar wie immer rum,
aber sobald sie andere Hunde erblickt, drückt sie sich an mein
Bein, und guckt sich alle 2 Meter nach hinten um.

Eben - sooo verängstigt ist sie ja doch nicht. Und wieder die Frage: sieht sie sich nach Dir um? Wenn sie sich an Dein Bein drückt, geh einen Halbkreis um sie rum bzw. lass sie stehen und geh munter weiter. Wenn Du ab sofort stehen bleibst und genauso zögerlich bist wie sie, zeigst Du ihr nur, dass Du genauso viel Angst vor dem anderen Hund hast wie sie und dass fremde Hunde generell ja soooo gefährlich sind. Also: munter drauf los ohne dem fremden Hund gross Aufmerksamkeit zu schenken. Es ist das Allernormalste der Welt.

Selbst ihre
GUTEN Hundekumpel mag sie nochnichtmals beschnuppern, stellt
sich abseits mit eingezogenem Schwanz. (normal stürmt sie auf
die zu und will spielen) Ich halte sie jetzt auch nicht fern
von anderen Hunden, respektiere aber wenn sie nicht will, also
ich locke sie dann nicht, und rede ihr auch nicht gut zu.

Das ist richtig - aber wenn Du die fremden Hunde kennst darfst Du ruhig auf sie zugehen und sie begrüssen. Lass Deine Hündin ruhig stehen - sie kommt schon, wenn sie möchte. Will sie nicht, hat sie eben gehabt. Aber zeig ihr, dass Du „gar nicht verstehst, warum sie sich so benimmt“, denn „sind ja alle so nett hier!“. So lockst Du sie am schnellsten wieder aus der Reserve, verständlich, dass sie etwas durcheinander ist. Aber helfen können wir ihr nur, wenn wir ihr zeigen, dass sie keinen Grund hat, Angst zu haben.

Oder erledigt sich das Thema selber in 1-3 Wochen und ich muss
nur abwarten, und draussen auf „normal“ machen? Vergißt sie es
vllcht?

Ich denke, sofern DU Dich „normal“ benimmst, löst sich das Problem sehr bald. Geh Du auf andere Hunde zu (natürlich nur bei denen, die Du kennst, bzw. weisst, dass sie freundlich sind) - genauso, wie Du das von ihr erwarten würdest. Das mit dem Vergessen ist so eine Sache… es gibt ganze Bücher darüber, inwiefern Hunde zur Erinnerung fähig sind… das kann ich Dir beim besten Willen nicht mit Sicherheit sagen. Dafür, dass es aber nicht „ewig eingebrannt“ bleibt, bist (auch) Du zuständig!

Und ist es normal das ein Hund beim Angriff sich NICHT wehrt?
Hat sie vllcht eine Art Schock erlitten?

Eben… was heisst „sich nicht wehren“? Wahrscheinlich hat sie sich gewaltig erschrocken - genauso wie Du auch - und wusste gar nicht recht, was tun. Spricht im Grunde genommen für sie, wenn sie dem anderen nicht gerade zähnefletschend die Halsschlagader aufgerissen hat… Wenn sie ansonsten ein normales Verhalten anderen Hunden zeigt - das heisst anderen gegenüber nicht übermässig dominant oder unterwürfig auftritt, muss das nichts heissen. Wir sind ja, wenn wir uns erschrecken, auch erst mal völlig starr. Und schliesslich hat sie sich ja nicht GAR NICHT gewehrt, immerhin sprichst Du später von „die Hunde haben sich im Kreis gedreht“ - auch das kann eine Abwehr sein - einfach eine sehr sanfte.
Einen Schock hat sie sehr wahrscheinlich nicht erlitten, das äussert sich anders - ich würde eher von einem Schrecken reden.

Ich muss dazu sagen, als ich sie vor eine paar Jahren bekam,
hatte sie vor allem Angst. Vor Hunden, Menschen, sich
bewegenden Ästen im Wind, einfach vor allem. Mit viel Geduld
und Spucke habe ich es erreicht das sie ein lebensfroher, zwar
vorsichtiger, aber nur mit einer „gesunden“ Angst behafteter
Hund wurde… muss ich jetzt von vorne anfangen?

Je nachdem wie schnell DU Dich wieder fangen kannst. Du hast ihr ja schon erfolgreich zeigen können, dass diese Welt nicht ganz so böse ist, wie sie meint. Du hast einen riesigen Einfluss darauf, wie sie sich verhält. Wenn DU ihr zeigen kannst, dass so etwas halt machmal passiert im Leben und man sich davon nicht verängstigen lassen darf (auch wenn wir im Grunde genommen natürlich verstehen, wenn sie Angst hat) - dann erholt sie sich schnell. Dafür musst Du aber freundlich und lebenslustig auf andere Hunde zugehen können. Zeig ihr, dass ihre Angst unbegründet ist.
Im Übrigen passt das, was Du hier am Schluss schreibst, sehr gut zu ihrem, wie Du sagst, „Sich-Nicht-Wehren“. Sie ist eben wahrscheinlich ein eher ängstlicher und nicht sehr wehrhafter Hund.

Alles Gute!

Semiramis

Hallo nochmal!

Im Übrigen würde ich mich mal ganz schnell auf die Suche nach dem Halter des fremden Hundes machen… So etwas darf schlichtweg nicht sein. Es kommt dann auch gar nicht darauf an, wieso der Hund so gehandelt hat - dafür gibt es keine Ausrede. Ein Hund ausser Kontrolle gehört sowieso an die Leine (oder noch besser: in die Hand eines kompetenten Halters…)

Gruss,

Semiramis

Hallo Steffi

Versuch dir nur mal annähernd vorzustellen, wie es dir ginge,
wenn du knapp deinem Mörder entgangen wärst. Dann wärst du
sicher reif für den Psychologen.

So drastisch darf man das nicht ausdrücken - der fremde Hund wollte Lotte ja nicht umbringen, denn sonst hätte der das auch durchgezogen und sich auch durch „ein bisschen Schreien“ (Entschuldige, Sabiiine…) nicht abhalten lassen (siehe mein Posting oben), das hat auch Lotte gemerkt.

Von einem „Mörder“ sprechen wir hier nicht - aber sicherlich haben sowohl Lotte wie Sabiiine einen gehörigen Schrecken davon getragen. Jetzt sollte man aber lieber vorwärts schauen und positiv auf die Zukunft losmarschieren, als ständig am Vergangenen herumzukauen.

Ihr schafft das!

Gruss,

Semiramis

Hallo,

gut, es war zur Verdeutlichung überzogen ausgedrückt. Fakt ist, daß der Schreck immer noch tief drin sitzt und bisher nicht verdaut werden konnte.
Wenn es eine Möglichkeit gibt der Psyche zu helfen, so sollte man es tun und nicht warten bis die Zeit und evtl. mühevolle Aufbauarbeit die seelischen Wunden heilt.

Gruß Steffi

Hallo Steffi

Wenn es eine Möglichkeit gibt der Psyche zu helfen, so sollte
man es tun und nicht warten bis die Zeit und evtl. mühevolle
Aufbauarbeit die seelischen Wunden heilt.

Da sind wir uns absolut einig! :smile:

Gruss,

Semiramis

Hallo Semiramis,
erstmal vielen Dank!

Die Leine konnte ich NICHT lösen,
da der fremde Hund meinem im Nacken saß, und versuchte ihn
umzudrehen. Ich konnte die Leine nur fallen lassen.

Im Nacken? Oder an der Seite? Oder an der Kehle? Oder am
Rücken? Später sagst Du, dass Dein Hund im Rücken
druckempfindlich war…

Der andere Hund, auch ein Weibchen, griff von der Seite zunächst am Rücken an, biss also in den oberen Rücken/Nackenansatz. Es sah so aus ob er versucht hat Lotte umzudrehen … um an die Kehle zu gelangen.

Zur Leine: wenn so etwas passiert - Leine SOFORT loslassen.
Sich nicht noch damit beschäftigen, wie man den Hund jetzt
losmachen könnte - „einfach“ SOFORT fallen lassen und erst mal
ein paar Schritte zurück gehen und sich RUHIG einen Überblick
verschaffen was da überhaupt passiert. Und wie man evtl.
KONSTRUKTIV einwirken könnte.

Ja, das habe ich ja auch getan, die Leine fallen gelassen. ich hatte gehofft das lotte dann versucht wegzulaufen, sie ist verdammt schnell und der andere hätte kaum eine Chance gehabt sie einzuholen. Später dachte ich, eigentlich war es gut, dass sie nicht weggerannt ist, wer weiß wo sie in Panik hingelaufen wäre!

Es spielt in dem Fall keine Rolle, wie gross oder wie klein
der andere Hund war. Deine Hündin hat sich wohl genauso
erschreckt wie Du - zum Knurren bleibt da keine Zeit mehr,
denn über diese Stufe der Aggression sind wir in so einem Fall
längst hinaus.

Ja, das kann gut sein, sie kennt ja gar keine Agression von anderen Hunden, wir sind noch nie in den ganzen Jahren in eine solche Situation geraten. Wenn andere Hunde sich fetzen, mischt sie sich auch niemals ein. Sie zieht dann (egal ob mit oder ohne derselbigen) Leine.

Ich habe den Angreifer vertreiben
können indem ich schrill schrieh *ggg*.

Naja, das war m. E. nicht so sehr clever, dadurch kannst Du
gewisse Hunde erst recht aufhetzen.

Ich wußte gar nicht was ich tun sollte … so hab ich halt geschriehen, aber du hast Recht, das hätte auch nach hinten losgehen können…

Ich frage mich nur: was hat DEIN Hund getan? Der wird ja nicht
sekundenlang stocksteif dagestanden haben?

Lotte hat versucht zu sich dem anderen Hund zu „entwinden“.

Aha - und wie war das Sich-In-Dem-Kreis-Drehen? Ging es laut
zu und her? Oder eher still und leise? So lange es nämlich
knurrt und schreit und bellt und Lärm macht, handelt es sich
noch nicht um das, was man einen Ernstkampf nennt.

Im Kreis drehten sie sich weil Lotte sich dem Zugriff entwinden wollte. Der fremde Hund hat ein ziemliches Spektakel gemacht, von Lotte kam kein Laut.

Sie dreht sich
jeden 2ten Schritt um, und guckt nach hinten.

Zu Dir nach hinten? Oder ins Gebüsch nach hinten?

Zu dem Weg hinter uns, nicht zu mir.

Eigentlich ein gutes Zeichen - AAABER verfall jetzt nicht der
Versuchung, sie in Schutz zu nehmen. Benimm Dich normal - d.h.
bestehe darauf, dass sie Dich auch mal alleine lässt. Hat sie
denn vorher nicht so sehr an Dir geklebt? Möglicherweise ist
das auch ein „Vorwand“ ihrerseits um jetzt dauernd Deine Nähe
beanspruchen zu dürfen. Denk daran, Deine Nähe ist ein
Privileg! Nicht, dass man das grundsätzlich grossartig
einschränken müsste, aber hier würde ich schon darauf
bestehen, dass Du Dir keinen „Kleber“ heranziehst.

Ich versuche mich ganz normal zu benehmen, sowohl draussen wie drinnen. Sie hat die selbe Aufmerksamkeit wie sonst - nicht mehr und nicht weniger, und wenn sie mir nun allzusehr auf die Pelle rückt schicke ich sie auch durchaus weg. Anhänglich war sie schon immer, sie ist ziemlich auf mich fixiert, aber in einem durchaus akzeptablem Rahmen, also keine Klette.

Draussen rennt sie zwar wie immer rum,
aber sobald sie andere Hunde erblickt, drückt sie sich an mein
Bein, und guckt sich alle 2 Meter nach hinten um.

Wenn sie sich an Dein Bein
drückt, geh einen Halbkreis um sie rum bzw. lass sie stehen
und geh munter weiter. Wenn Du ab sofort stehen bleibst und
genauso zögerlich bist wie sie, zeigst Du ihr nur, dass Du
genauso viel Angst vor dem anderen Hund hast wie sie und dass
fremde Hunde generell ja soooo gefährlich sind. Also: munter
drauf los ohne dem fremden Hund gross Aufmerksamkeit zu
schenken. Es ist das Allernormalste der Welt.

Also ich habe da bisher noch gar nicht drauf reagiert, weil ich mir gedacht habe, ich bestärke sie sonst eher in ihrer Angst, ich habe es deshalb ignoriert. Also ich bleibe dann weder stehen, noch tröste ich sie, noch rede ihr dann gut zu. Ausnahme: als ich sie bekam habe ich viel Vertrauensarbeit mit ihr gemacht, im Zweifel, wenn sie nicht weiß, wie sie sich verhalten soll, blickt sie mir IMMER ins Gesicht, und dazu haben wir ein Wort was ich dann benutze: ist ok, bzw alles ok. Dieses Wort habe ich draussen ab und an jetzt benutzt, wenn sie mich fragend ansah, denn das ist positiv verknüpft scheinbar.

Das ist richtig - aber wenn Du die fremden Hunde kennst darfst
Du ruhig auf sie zugehen und sie begrüssen.

Das habe ich auch, ein Quätschen mit den Haltern geführt - wie ich es immer mit denen tue, auch deren Hund begüßt… alles wie immer von meiner Seite aus…

Vielleicht sollte ich, um ihr zu zeigen wie nett sie alle sind, sobald ich zb Thommy treffe - einen guten Hundekumpel - schon von weitem rufen: ach guck mal, der Thommy? Vllcht noch ein „fein“ dazu?

Je nachdem wie schnell DU Dich wieder fangen kannst. Du hast
ihr ja schon erfolgreich zeigen können, dass diese Welt nicht
ganz so böse ist, wie sie meint. Du hast einen riesigen
Einfluss darauf, wie sie sich verhält.

Ja das war eine mühsame Angelegenheit teilweise, ich hab das meiste erreicht in dem ich sie den vermeintlichen Gefahren Stück für Stück aussetzte. Zum Beispiel ihre Angst vor Radfahrern habe ich bekämpft indem ich zunächst erst minutenweise mit ihr am Radweg spazierenging, und diese Dosis je nach Fortschritt erhöhte. Da habe ich ja auch gelernt sie weder zu trösten (auch wenn sie am ganzen Leib zitterte) noch ihr gut zuzureden. Ich hab sie dann zb absitzen lassen und den Radler passieren, hat sie den Radler ignoriert, gabs ein Lekkerlie und riesen Lob. Natürlich habe ich sorgsam drauf geachtet sie nicht zu überfordern. Hat zwar gedauert, aber sie hat es schließlich ganz gut kapiert. Heute hat sie vor Radlern die von vorne kommen gar keine Angst mehr, bei Radlern die von hinten nahen, hat sie sich angwöhnt sich hinzusetzen und läßt sie dann problemlos passieren. Damit denke ich, kann sie ganz gut leben…

Im Übrigen passt das, was Du hier am Schluss schreibst, sehr
gut zu ihrem, wie Du sagst, „Sich-Nicht-Wehren“. Sie ist eben
wahrscheinlich ein eher ängstlicher und nicht sehr wehrhafter
Hund.

Ja, also sehr wehrhaft ist sie sicherlich nicht. Sie ist zwar kein Angsthase mehr, aber auch kein Draufgänger.

Ganz viel lieben Dank für deine Hilfe,
ich denke mal, ich bin ja auf dem rechten Wege und hoffe das Lotte sich schnell erholt.

Viele Grüße
Sabiiine

Hallo :smile:

ja, das habe ich vor. Die meisten Hunde hier im Umfeld kenne ich auch, aber diesen nicht. Ich war an dem Tag 2 Stunden früher als sonst Gassi, deshalb kannte ich den wohl nicht.

Aber ich denke auch, da muss man was machen. Ich bin nun wirklich kein Denunziant, habe aber vor den Halter ausfindig zu machen. Eine andere Hundehalterin erzählte mir, dass wahrscheinlich der selbe Hund auch ihren letzte Tage angegangen ist.

Der muss an die Leine, evtl sogar einen Maulkorb verpasst bekommen.

Liebe Grüße
Sabine

Hallo Sabiiine

Ja, ich denke, Du machst das schon richtig - mir scheint, Du hast eine sehr vernünftige Einstellung, das wird schon wieder!

Der Angriff war wohl doch massiver als ich ihn zunächst eingeschätzt hatte - (tut mir leid, ich höre wohl zu oft "mein Hund ist halbtot gebissen worden - wenns überhaupt nichts war). Gerade dass es eine Hündin war, verändert die Situation etwas: Hündinnen gehen meist massiver aufeinander los… Wobei ich einen derartigen Angriff wirklich nicht mehr als „normal“ bezeichnen kann…

als ich sie bekam habe ich viel Vertrauensarbeit mit
ihr gemacht, im Zweifel, wenn sie nicht weiß, wie sie sich
verhalten soll, blickt sie mir IMMER ins Gesicht, und dazu
haben wir ein Wort was ich dann benutze: ist ok, bzw alles ok.
Dieses Wort habe ich draussen ab und an jetzt benutzt, wenn
sie mich fragend ansah, denn das ist positiv verknüpft
scheinbar.

Es spricht für eine sehr gute Bindung, wenn die Hündin Dir so vertraut, dass sie Dich um Rat fragen kann. Viele Hunde tun es nicht, weil sie ihren Besitzer schlichtweg nicht für kompetent genug halten dafür…! Aber so wie Du schreibst ist das wirklich super.

Vielleicht sollte ich, um ihr zu zeigen wie nett sie alle
sind, sobald ich zb Thommy treffe - einen guten Hundekumpel -
schon von weitem rufen: ach guck mal, der Thommy? Vllcht noch
ein „fein“ dazu?

Ja genau, übertreib ruhig völlig… darfst die anderen Leute ja vorwarnen. Freu dich wie ein Honigkuchenpferd wenn Du den anderen Hund siehst (eben… denk an die armen anderen Hunde und stürz nicht auf IRGENDEINEN Hund zu, das kann schief gehen…) und veranstalte in hündischer Sicht eine Fete wenn der Hundekumpel kommt.

Ich kann mich nur nochmal wiederholen:

Ihr schafft das! Davon bin ich überzeugt!

Alles Gute,

Semiramis

Hallos Seminaris,

nochmal vielen Dank! Dein Worte haben mich sehr aufgebaut und in meinem Weg bestärkt …

Liebe Grüße
Sabiiine