Tierschutz - Alter bewußt gefälscht ?

Hallo miteinander,

die Frau meines Tierarztes erzählte mir letzte Woche, dass bei Hunden aus dem Süden manchmal bewußt das Alter gefälscht wird. Der Hund wird jünger „gemacht“, um bessere Vermittlungschancen zu haben.

Unseren Hund haben wir aus einem Tierheim hier vor Ort, wir hatten uns schon verliebt, als uns eher nebenbei erzählt wurde, dass er aus einem italienischen TH stammt. Mit diesem TH arbeitet „unser“ TH hier vor Ort zusammen, immer, wenn sie Platz haben, holen sie eine Fuhre Hund aus Süditalien. Grundsätzlich habe ich damit kein Problem, nur die Art und Weise, wie das TH dann weitervermittelt, gefällt mir nicht, soll aber hier nicht das Thema sein.

Jedenfalls wurde uns unser Hund als ca. 2,5 Jahre alt vermittelt. Unser TA bestätigte diese Einschätzung damals.

Jetzt aber, durch merkwürdige Veränderungen des Hundes (ich schreibe noch separat etwas dazu), meinte die TA-Frau, dass möglicherweise das Alter nicht stimmt. Anscheinend werden den Hunden im Süden die Zähne ein bißchen poliert, und dann kann auch ein TA das Alter nicht mehr schätzen. So könne man locker 5 Jahre „wegmogeln“.

Weiß jemand, ob das stimmt ? Also aus seriöser Quelle, nicht nur gerüchteweise ? Wenn ja, wäre das echt der Hammer…

Viele Grüße,
Insel

Liebe Insel!

Grundsätzlich kann man sagen, dass von einigen „Tierschützern“ viel Merkwürdiges getan wird um Tiere zu vermitteln.

Das Alter zurechtrücken wäre da nur das Harmloseste. Oft haben die Besitzer ja die ungeheuerlichsten und abenteuerlichsten Stories zur Hand, wenn sie über ihren Spanien-, Italien-, Griechenland- oder Weissichwoherstammenden Import berichten. Mitleid wird hier geschürt.

Der Grund ist, dass leider viele Strassenhunde eingesammelt werden, die fälschlicherweise als ausgesetzt gelten. Diese Tiere sind niemals in der Weise mit Menschen sozialisiert worden, wie wir das möchten und sind deshalb zur Haustierhaltung nur sehr beschränkt geeignet. Weil oft erwachsene Tiere „gerettet“ werden, kann man also auch am Ursprungsort nur über ihr Alter und ihre Herkunft mutmassen. Hinter Altersverfälschungen muss nicht immer guter „böser“ Wille liegen.

Ich stelle mir vor allem die Frage, wer sich die Zeit und Mühe nimmt, hunderten von Hunden die Zähne zu polieren… das erscheint mir dann doch etwas weit her geholt, obwohl es evtl. vereinzelt vorkommen mag.

Gruss,

Semiramis

Hallo miteinander,

die Frau meines Tierarztes erzählte mir letzte Woche, dass bei
Hunden aus dem Süden manchmal bewußt das Alter gefälscht wird.
Der Hund wird jünger „gemacht“, um bessere Vermittlungschancen
zu haben.

Weiß jemand, ob das stimmt ? Also aus seriöser Quelle, nicht
nur gerüchteweise ? Wenn ja, wäre das echt der Hammer…

Viele Grüße,
Insel

Naja, ne Bekannte von mir bekam einen Hund über ein TH in NRW, der kam angeblich aus Spanien, später haben wir herausgefunden das er wohl aus Rumänien kam. Das wär ja nicht weiter schlimm gewesen, aber trotz Impfpass und deftiger „Spende“ an das TH für die „Impfung und tierärtzliche Kontrolle und Behandlung“ hatter das amre Tier Würmer, die Räude (hochansteckende langwierige Erkrankung) und noch ein paar „kleinere“ Probleme mehr.
Das angeblich erst 6 Monate alte Tier wuchs auch nicht und wurde später vom Tierarzt auf ca 3 Jahre geschätzt.
Nach 6 Monaten ärtzlicher Behandlung war der Hund dann gesund, Einziger Kommentar der „Tierschützer“ als man sie mal zur Rede stellen wollte wieso sie kranke Tiere abgeben: „wenn sie den Hund zurückbringen wollen müssen sie aber dafür bezahlen.“

Hallo Semiramis,

Der Grund ist, dass leider viele Strassenhunde eingesammelt
werden, die fälschlicherweise als ausgesetzt gelten. Diese
Tiere sind niemals in der Weise mit Menschen sozialisiert
worden, wie wir das möchten und sind deshalb zur
Haustierhaltung nur sehr beschränkt geeignet. Weil oft
erwachsene Tiere „gerettet“ werden, kann man also auch am
Ursprungsort nur über ihr Alter und ihre Herkunft mutmassen.
Hinter Altersverfälschungen muss nicht immer guter „böser“
Wille liegen.

Vielen Dank. Obwohl ich wirklich nicht grundsätzlich gegen den Import von ausländischen Hunden bin, muss ich leider zugeben, dass wir mit unserem Hund tatsächlich ein „Opfer“ dieser Nummer geworden sind.

Die TH-Leiterin meinte damals über unseren Hund, er sei so lieb und kinderfreundlich, dass man davon ausgehen müsse, dass er sicher einmal in einer Familie gelebt habe und dann leider ausgestzt wurde. Uns war natürlich klar, dass ein TH-Hund ein Überraschungsei ist, und es ist nicht unser erster Hund. Was dann aber alles auftauchte, schlug dem Fass den Boden aus. In dem TH ist NIE jemand mit dem Hund innerhalb eines Ortes spazierengegangen (wir in der Kennenlernphase auch nicht, da das TH ganz außerhalb liegt - und wir wußten nicht, was für Macken so ein Hund haben kann). Unser Hund ist schwer gestört, man konnte z. B. nie entspannt mit ihm in der Stadt spazierengehen (Kleinstadt, wohlgemerkt), er dreht da völlig ab - und ich schwöre, wir haben uns intensivst bemüht, daran liegt es nicht.

Er hat sie nie wirklich an uns angeschlossen, er ist schlichtweg ein „wilder“ Hund, der garantiert niemals in einer Familie gelebt hat. Da er als erwachsener Hund zu uns kam, blieb bei ihm immer ein Rest „Unabhängigkeit“. Wir lieben ihn natürlich trotzdem :wink:

Damit kann man leben, wir haben sehr schwere Zeiten mit ihm durchgemacht, aber garantiert hätten viele Familien ihn auch ganz schnell wieder zurückgegeben. Sprich, diese ausgesprochen schlechte Aufklärung, gepaart mit „Tricks“ von wegen, man kenne den Hund gut, finde ich echt übel.

Unser Zweithund stammt übrigens auch aus dem Süden, war aber schon hier auf einer Pflegestelle und wurde uns mit allen Macken gut beschrieben, da gab es keine Überraschungen - so sollte es sein.

Schade, dass manche Tierschützer durch falsch gemeinte Aktionen dem Tierschutz eher schaden !

Grummelgrüße,
Insel

Hallo Insel!

Das was Du schreibst bestätigt aber nur, was ich geschrieben habe. Ich würde nicht davon ausgehen, dass man Dich bewusst angelogen hat. „Selbsternannter Tierschützer“ ist nicht gleichzustellen mit Tierkenner, echtem Tierschützer und „Tierversteher“. Das heisst noch gar nichts.

Möglicherweise haben die Leute wirklich geglaubt, der Hund könne nur so nett zu Menschen sein, wenn er in einer Familie gelebt habe - ein Zeichen dafür, dass sie sich eben nicht auskennen. Es kann, muss aber nicht Absicht gewesen sein.

Gruss und weiterhin viel, viel Geduld :wink:

Semiramis

Wir haben auch nen TH Hund aber aus deutscher Herkunft und da war der Halter vorher bekannt inklusive Papiere etc… uns wurde der Hund auch als 5jähriger angedreht…irgendwann haben wir mal die Numme im Ohr ausgelesen und uns die Papiere (gestrichen und getippext) genauer angesehen und sind dann mit viel hin und her rechenen drauf gekommen, dass das Tier bereits 9 war…bei nem Rottweiler echt ein Ding, da das die durchschnittliche Lebenserwartung dieser Rasse ist und das TH auch noch 450 Euro Vermittlung haben wollte… Dafür bekommt man nen Welpen, wenn man das mal betriebswirtschaftlich betrachtet und bei einem jüngeren Hund hatten wir eigentlich vor noch ne RUnde mehr Sport zu machen etc. Nichts gegen den Hund - das ist ein klasse Typ der uns wirklich vieeeeel Freude bereitet, aber ärgerlich ist dieses Altertuning schon.

jeder Aufwand für Verschwörung wäre zuviel
Hallo,

aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es bei den mir bekannten, seriösen Tierschutzorgas so etwas nicht gibt. Es hätte auch keinen Nutzen - es gibt nämlich fast genau so viele Leute, die beim Tierschutz einen besonders alten Hund suchen wie die, welche einen jungen Hund suchen - und es gibt ausreichend Hunde für alle Zielgruppen.

Bei Hunden aus dem Tierschutz wird das Alter meist geschätzt, nicht mal Tierärzte können das ohne Fehler (Deiner hat ja auch nicht widersprochen - schon ein bißchen armselig, jetzt so eine Verschwörungstheorie zu spinnen, wo er es selbst nicht anders geschätzt hätte). Aufgrund der schlechten Ernährung kann man z.B. bei Streunerhunden die Zähne als Altersangabe praktisch vergessen. Geld für „Poliermaßnahmen“ gibt es nicht, und auch keine Zeit, darüber nachzudenken, wie man das Alter eines Hundes jetzt am besten manipulieren soll, damit er die meisten Vermittlungschancen hat. Bringt auch nix, weil - siehe oben - man ja nie weiß, was der potentielle Interessent sucht. Arthrose fängt bei Streunerhunden vor allem aus Osteuropa wegen des kalten Klimas früher an als anderswo, ist also auch oft kein Indikator.

Weitere Fehlerquellen sind auch Kommunikationsprobleme (Infos über die Tiere gehen oft wie bei Stille Post über viele Stationen) Lügen oder Falschangaben der Erstbesitzer, die das Tier im Tierschutz abgeben, falsches Schätzen durch Helfer mit viel Tierliebe aber wenig Sachkunde und schlicht und ergreifend Fehleinschätzungen, die auch Fachleuten passieren könnten.

Beispiel mein Hund, kommt noch nicht mal aus dem Ausland: vom angeblichen Erstbesitzer im TH abgegeben, als 12 Jahre alt. Dem TA vorgestellt, die sagte „niemals ist der Hund 12, höchstens 8“. Mittlerweile sind 4 Jahre vergangen, der Hund ist deutlich altersschwach, hat Arthrose, Magenprobleme, Herzklappeninsuffizienz usw. Er könnte (da langlebiger Spitzmix) durchaus gut erhaltene 16 sein, aber eben auch lahme 12.

Gruß,

Myriam

Hallo zusammen
Wir wurden auch schlimm reingelegt mit einem Hund aus einem Tierheim in Spanien. Wir haben ein Foto des Hundes auf Internet gesehen und nach einigen email-Austauschen mit dem Tierheim wurde uns gesagt, der Hund ist 4 Jahre alt. Uns war schnell klar, diesen Hund wollen wir haben. So wurde der Hund mit dem Flugzeug hierher ueberfuehrt und wir holten ihn mitsamt seinen Papieren ab. Der Schreck war nicht klein, als wir sahen, dass der Hund bereits 10 Jahre alt war. Bei einem Rassehund, dessen durchschnitliche Lebenserwartung bei 10 - 12 Jahren liegt, ist das eine Unverschaemtheit. Und da das Tierheim in Spanien im Besitz seiner Papiere war, kann niemand behaupten, dass es aus Unwissenheit geschah. Wir versuchten dann auch nochmal Kontakt mit dem Tierheim aufzunehmen, aber keinerlei Antwort mehr gehoert.
Das schlimmste an der Geschichte: der Hund lebte genau 4 Monate mit uns und ist dann an einem Tumor gestorben.
viele Gruesse
Sonja

Und da das
Tierheim in Spanien im Besitz seiner Papiere war, kann niemand
behaupten, dass es aus Unwissenheit geschah.

Nö, vermutlich eher ein Kommunikationsproblem. Kommt sehr oft vor. Oder einfach Inkompetenz. Vielleicht hat derjenige, der den Hund ins Netz gestellt hat, die Papiere nie gesehen und das Alter eben selbst geschätzt. Bei den Tierschutzorgas gibt es oft nur einen, der die Internetseite betreut, nur einen, der übersetzen kann, diese Leute sind nicht vor Ort.

Wir versuchten
dann auch nochmal Kontakt mit dem Tierheim aufzunehmen, aber
keinerlei Antwort mehr gehoert.

Das ist nun ein Zeichen für Unseriosität.

Das schlimmste an der Geschichte: der Hund lebte genau 4
Monate mit uns und ist dann an einem Tumor gestorben.

Das hat unter Umständen aber nix mit dem Alter zu tun.

Ich möchte Deine schlechte Erfahrung nicht schönreden, aber wie immer bleibt die Frage: welchen Zweck sollte die Lügerei haben, zumal ja in Deinem Falle sogar Papiere existierten, die das richtige Alter belegten? Da ist doch der Ärger vorprogrammiert. Wie schon erwähnt gibt es gerade im Auslandstierschutz genug Interessenten auch für ältere Hunde, und es gibt weiß Gott genug junge Hunde, so dass Du auch einen geeigneten Hund bekommen hättest.

Inkompetenz und menschliches Versagen? Jederzeit. Bewusster Betrug? Bringt nix, unwahrscheinlich.

Gruß,

Myriam

Liebe Sonja,

Wir haben ein Foto des Hundes auf
Internet gesehen (…)
Uns war schnell klar, diesen Hund wollen wir haben.

Mir ist es völlig unverständlich, wie man sich einen Hund über ein Foto im I-net aussuchen kann. Sah er denn so süß aus oder was war das Kriterium, was Euch allein vom Ansehen so begeistert hat?

Vielleicht stehe ich damit alleine da - aber ich muss den Hund vor mir haben und erleben (!) was da zwischen mir und dem Tier passiert. Ist da gleich ein Kontakt da? Klappt spontane Interaktion etc. ?

Wenn ich was bei eBay ersteigere, muss ich auch damit rechnen, dass es nicht erwähnte oder falsche Angaben gibt, mir der „Artikel“ dann vielleicht doch einfach nicht gefällt - das ist dann aber in erster Linie mein Risiko.

Gruß,

Anja

Alter bewußt gefälscht ot
Hallo,

nur mal so am Rande.

Zu Zeiten als Pferde noch zur Arbeit gebraucht wurden war es an der Tagesordnung das Alter von Pferden durch Zahnmanipulation zu ändern um sie besser verkaufen zu können. Da wurden Milchzähne gezogen, damit die bleibenden früher kommen, da wurden Kunden künstlich in den Zahn geschnitten usw.

Damit Mensch erreicht was er will, ist die Manipulation an den Zähnen nur eine und für das Tier vergleichsweise harmlose Variante. Die Unterdrückung von Krankheiten durch harte Medikamente mag salonfähiger sein. Ich persönlich finde sie schlimmer.

Manipulationen haben immer dann Konjuktur wenn Druck im Handel entsteht.
Der „Markt“ für Tierheimtiere besonders aus dem südlichen Ausland ist unter Druck. Ich finde es nicht verwunderlich, daß der „Markt“ auch solche „Blüten“ treibt.

Gruß Steffi