Hallo!
Wer kann aus eigener Erfahrung über die Haltung und den
Charakter der „neuen“ Hunderasse "Weißer Schweizer Schäferhund
"(Berger blanc Swiss) berichten?
Na ja, so neu ist die Hunderasse aber nicht…
Welche Unterschiede könnten eurer Meinung nach zum Golden
Retriever bestehen.
Dies sind zwei Rassen, die man absolut gar nicht miteinander vergleichen kann. Abgesehen von den Unterschieden in Herkunft, Rassegeschichte usw., bestehen so gravierende Charakterunterschiede, dass ich sie gar nicht alle aufzählen kann.
Warum dieser Vergleich? Steht für euch denn die Entscheidung im Raum, Goldi oder Schweizer?
Ich kenne zwei Schweizer in meinem Bekanntkreis - hatte und habe selbst aber keinen.
Wie bei jeder Hunderasse und womöglich bei dieser noch ein bisschen mehr, kann man den Charakter auf keinen Fall verallgemeinern.
Jeder Hund bringt unterschiedliche Veranlagungen mit und natürlich spielt die Sozialisation und Erziehung ebenfalls eine große Rolle, wie sich der Hund entwickelt.
Gerade beim Schweizer ist dies eine große Aufgabe, denn einfach sind diese Hunde sicher nicht.
Sie sind sehr intelligent, besitzen eine große Auffassungsgabe - was nicht nur Vorteile bringen kann, denn sie lernen eben alles sehr schnell - und zwar nicht nur das, was Herrchen gerne will.
Ein grundsätzlicher und nicht unwesentlicher Charakterzug des Schweizers ist die Sensibilität. Er ist ein vorsichtiger Hund, der sich erstmal alles von der Ferne aus ansieht um dann zu urteilen, ob diese Situation nun bedrohlich ist oder nicht. Wenn man damit nicht umgehen kann, hat man sehr schnell einen verängstigten, nervösen Hund, was mitunter gefährlich werden kann.
Der Schweizer ist ein guter Familienhund - seine Leute liebt er abgöttisch, ordnet sich gerne unter und ist wahnsinnig lernbereit und arbeitsliebend. Das bedeutet, er braucht auf jeden Fall eine Aufgabe, weil es einfach zu schade wäre, seine Intelligenz und Arbeitsbereitschaft zu vergeuden.
Er ist ein im wahrsten Sinne des Wortes anhänglicher Hund, der selbst im Haus seine Leute nicht aus den Augen lässt und einem überall hin folgt. Dies mag sich sehr sympathisch anhören, kann aber auch schnell lästig werden. Das sollte man auch unbedingt bedenken, denn seinen Hund immer und überall um sich zu haben, mag nicht jeder.
Fremden gegenüber ist der Schweizer eher zurückhaltend und - ich nenne es mal - abwartend. Er wird sicher kein Hund, der alles und jeden in seiner Umgebung freudenstrahlend begrüsst und sich selbst auf eine Kuschelstunde mit dem Nachbarn einlädt.
Dies ist ein Charakterzug mit dem man umzugehen wissen muß, denn diese Vorsicht kann sich schnell in Angst und weiter auch in Aggression gegen Fremde umwandeln.
Der Schweizer ist grundsätzlich aber ein freundlicher Hund, aber nicht ohne einen gewissen Schutztrieb. Auch hat er noch einen gewissen Hütetrieb, der aber vielen gar nicht als solcher auffällt.
Grundsätzlich ist zu sagen, dass so ein Hund absolut keine Härte verträgt. Er muß mit freundlicher, wohlwollender Konsequenz erzogen werden, harte Strafen sind nicht notwendig und verursachen beim Schweizer mehr Schaden als Nutzen.
Das war eine grobe Umschreibung der Rasse, allgemein gefasst.
Die beiden Schweizer Schäferhunde, die ich kenne, entsprechen dem im Groben.
Bei dem einen handelt es sich um einen 3-jährigen Rüden. Die Besitzerin hat zuerst Dobermänner geführt, ist also einen etwas anderen Hund gewohnt gewesen.
Anfangs hatte sie etwas Probleme mit ihm, denn er war einerseits unerschrocken und überschwenglich, mit einem überschäumenden Temperament. Andererseits war er sehr schnell „traumatisiert“ - als er 4 Monate alt war, fiel ihm versehentlich ein Kochtopf mit lauten Geklapper vor die Füße - daraufhin ging er drei Tage nicht in die Küche.
Zu erziehen war er angenehm, stets darauf bedacht, mit Perfektion die von ihm verlangten Dinge zu zeigen, er lernte sehr schnell und verknüpfte so aber leider auch sehr leicht falsche Dinge miteinander. Das Gute an ihm ist aber, dass er sehr schell „verzeiht“ und sich solche eingeschlichenen Fehler auch leicht wieder ausbügeln lassen.
Probleme gab es mit ihm in der Ausbildung dann, bei - seiner Ansicht nach - langweiligen, gleichbleibenden Übungen, wie z.B. die Fuß-Arbeit. Hier zeigte er zwar eine gewisse Zeit eine bewundernswerte Perfektion, doch wenn es zu lange dauerte und es ihm ganz einfach zu langweilig wurde, spielte er einfach den Clown, hüpfte und sprang vor seinem Frauchen rum wie ein Verrückter, kläffte sie an und verrenkte sich vor lauter Spielaufforderungen. Mit Strenge kam sie hier gar nicht weiter, es ging oft so weit, dass sie einfach den Platz verlassen musste, weil sich der Hund einfach nicht mehr beruhigen wollte.
Solches Benehmen zeigt er aber verknüpft mit einer solchen charmanten Art und Weise, dass man ihm nie lange böse sein kann.
Mit ca. 2 Jahren wurde er dann auch etwas führiger und er machte die Arbeit mit einer Spur mehr Ernsthaftigkeit. Mittlerweile ist sie mit ihm gerade mitten unter der Rettungshundeausbildung, was ihm sehr viel Spaß macht - aber auch Geduld erfordert, da er sich immer erst zu 110 % sicher sein muß, dass ja nichts passieren kann und alles sicher ist.
Alles in Allem ein spitzen Arbeitshund - sehr freundlich und führig - aber ich würde ihn nicht als einfach oder gar als Anfängerhund bezeichnen.
Die Hündin, die ich kenne, ist dafür wieder das andere Extrem. Sie ist gerade mal 1 1/2 Jahre und sehr, sehr ängstlich.
Ich weiß aber, dass die Besitzerin sie erst mit 5 Monaten übernommen hat. Sie ist im Ganzen sehr schreckhaft, lässt sich von Fremden nicht angreifen (schreckt gleich zurück), ist sehr lärmempfindlich, stressanfällig in für sie unbekannten Situationen, bei einem auch nur eine Spur zu strengem Wort vom Frauchen zeigt sie sich sofort übertrieben unterwürfig.
Gegenüber anderen Hunden ist sie bei offensichtlich überlegenen Hündinnen oder Rüden extrem unterwürfig, sie zeigt übertriebene Beschwichtigungssignale, bei gleichstarken oder schwächeren Hunden ist sie hingegen wieder streitsüchtig.
Sie ist trotz Allem aber auch lernwillig - sie ist beim Agility z.B. schon super unterwegs und sehr fixiert auf ihr Frauchen. Im Haus und in bekannter Umgebung ein Schmuser und sehr angenehm im Benehmen. Sie ist überaus folgsam, da sie extrem anhänglich ist.
Du siehst also, es ist sicher keine einfache Rasse, doch mit genügend Hundeerfahrung, Geduld und Einfühlungsvermögen und vor Allem ein sorgfältigen Sozialisation kann sich ein wunderbarer, umgänglicher Arbeitshund entwickeln.
Viel Glück bei eurer Entscheidungsfindung!
Sandra