Hallo Semiramis,
ich sehe, Du kennst Dich aus!
Ich werde mal versuchen ein Paar Sachen besser zu erklären.
Es ist aber aeusserst unwahrscheinlich, dass
dieses Problem aufgrund der Rangordnungsstruktur auftritt.
Warum? Der Hund war Jahrelang die Nummer eins, dann durch Zuwachs in
der Familie auf Rang 5 abgestiegen
Wichtig ist es erst einmal, den Hund nochmal beim Tierarzt
vorzustellen um abklaeren zu lassen, ob seine Verstimmung
nicht von den Hormonen verursacht wird. Wenn der Tierarzt
sicher sagen kann, dass die schlechte Stimmung nicht organisch
bedingt ist, dann erst sollte man nach anderen
Loesungsansaetzen suchen. Der (erneute) Besuch beim Tierarzt
ist aeusserst wichtig, wir koennen dem Tier nicht helfen, wenn
wir nur auf die psychisch bedingte Seite eingehen und von
vornherein ein organisches Problem ausschliessen.
Organisch können Schmerzen ausgeschlossen werden. Die letzte
Blutprobe wurde im Juli genommen und die Werte waren normal. Zu den
Hormonen bekommt sie noch eine Tablette gegen Inkontinenz (die
Tierärztin meint, dass das Problem durch die Kastration kam).
Zur Rangordnungsproblematik: Rangordnungsprobleme bei Hunden,
die im selben Haushalt leben, treten meist nur auf, wenn die
Menschen sich falsch verhalten. Diese Probleme aeussern sich
meist in Kaempfen und im Unterdruecken eines oder mehrerer
Artgenossen. Das scheint hier aber ganz und gar nicht der Fall
zu sein.
Doch, so ist es. Hund Nummer 2 verjagt Hund Nummer 1 von ihrem
Schlafplatz in dem sie sich entweder einfach dazulegt und sie
wegdrängelt och sie steht so lange vor ihr und starrt bis sie
aufsteht und sich woanders hinlegt. Dieses Schauspiel kann sich
unzählige Male wiederholen (auch Nachts), es sei denn ich schreite
ein und verbiete ihr sich dort hinzustellen.
Hund Nummer 1 frisst gerne, Hund Nummer 2 nicht. Hund Nummer 1 frisst
die Schüssel in ein Paar Haps auf, während Hund Nummer 2 einen guten
Rest liegen lässt und dann anschließend bewacht.
Ein Tier ist aber nicht „traurig“, weil es nicht
einen hoeheren Rang einnimmt. Tiere kennen diese Abstufung von
hoher Rang = gut und niedriger Rang = schlecht nicht. Ein
Rangordnungsproblem liegt eher dann vor, wenn eines oder
mehrere Tiere „Terror“ machen und gegen andere „ploetzlich“
aggressiv werden. Insofern vermute ich weniger ein
Rangordnungsproblem, als ein groesseres Ruhe- und evtl.
Zuneigungsbeduerfnis. Moeglicherweise ist es dem evtl. schon
alternden Hund schlichteweg zu laut und hektisch um Euch -
ausserdem erhaelt er mit grosser Sicherheit nicht mehr so viel
Aufmerksamkeit wie frueher, vor dem Welpen und dem Kind.
Richtig.
Sollte denn der Hund wirklich nicht unter den
Hormonausschuettungen sonder unter (seiner Meinung nach) zu
geringer Aufmerksamkeit und zu viel Laerm von Eurer Seite her
leiden, bleiben nicht viele Loesungen. Versucht dem Hund mehr
Ruheplaetze zu geben - irgendwo im Haus/der Wohnung wo nicht
dauernd „Durchgangsverkehr“ und Laerm herrscht und er voellig
ungestoert ist. Nehmt Euch ausserdem jeden Tag einige Minuten
Zeit fuer ihn, spielt mit ihm, unternehmt etwas mit ihm,
kuschelt, wenn er es mag etc. Verwoehnt ihn aber nicht masslos
- das ist ganz und gar nicht der Sinn der Sache, sondern seid
eine Zeit lang einfach mal nur da fuer ihn.
Das mache ich auch gerade.
Wenn gar nichts hilft, ist es schlussendlich fuer den Hund
vielleicht doch besser, sich nach einem geeigneteren Platz
fuer ihn umzusehen. Das soll jetzt aber kein Freibrief sein,
den Hund einfach ins Tierheim abzuschieben!
Mich wundert es ein wenig, dass wenn der Vorschlag kommt einen Hund
aus der Familie zu nehmen, dann den Hund Nummer 1. Warum nicht Hund
Nummer 2?
Ich habe überlegt Hund Nummer 2 zeitweise in eine Pflegefamilie zu
geben, um zu sehen, ob sich die Situation dadurch entspannt.
Vielen Dank und viele Grüße