Hallo!
Erstmal finde ich es natürlich gut, dass du dich für den Hund einsetzt. Doch man muss auch vorsichtig sein mit Vermutungen und Beschuldigungen.
Ich arbeite im Büro des Amtstierarztes und sehe oft solche Anzeigen eben auch aus Sicht der andere Seite.
Da heißt es schon mal, ein Hund wird den ganzen Tag im Garten eingesperrt, hat eine schlimme Verletzung am Bein und keiner kümmert sich um ihn. Der AmtsTA macht dann einen unangemeldeten Hausbesuch und dabei stellt sich heraus, dass es sich um einen 14-jährigen Husky handelt, der aufgrund seines Alters eben nicht mehr spazieren gehen mag sondern am liebsten den ganzen Tag im Garten neben einem kleinen Teich liegt und schläft. Die „schlimme Verletzung am Bein“ ist eine rasierte Stelle, wo dem Hund aufgrund einer Untersuchung in der Tierklinik die Narkose gesetzt wurde.
Das ist nur ein Beispiel, dass man sich auch täuschen kann - was nicht heißen soll, trotzdem aufmerksam zu sein und ggf. zu handeln. Besser einmal zu viel als einmal zu wenig.
ich kenne einen Hund, der jedesmal, wenn ich an dem Haus
vorbeikomme, bellt und bellt und bellt.
Als Überschrift wählst du „den ganzen Tag“, hier schreibst du „wenn ich vorbeikomme“ - was denn nun?
Man kann ihn sehen (Glasscheibe neben der Tür), er sieht immer
sehr sehr unglücklich und verzweifelt aus.
Wie äußert sich das denn?
Mein Kleiner mag für Außenstehende auch verzweifelt aussehen, wenn er tatsächlich verzweifelt versucht, sich am Gartenzaun vor den Großen zu drängen um auch mitbellen zu können… 
Ich habe auch schon mal die Tochter des Hauses darauf
angesprochen. Sie sagte, der Hund belle nur, wenn jemand an
die Tür komme, um das Revier zu verteidigen. Als ich dem
widersprach, verdrehte sie nur die Augen.
Nun, das würde ich wahrscheinlich auch tun. Du hast ja gar keine Ahnung, wie oft man von Nachbarn etc. angesprochen wird, nur weil der Hund oft bellt. Passiert mir auch immer wieder. Da antworte ich dann auch so oder so ähnlich und würde mir dann auch noch wer „besserwisserisch“ widersprechen, würd ich wohl auch genervt die Augen verdrehen…
Versteh mich nicht falsch - ich will diese Leute nicht verteidigen, denn ich kenn sie nicht und weiß nicht, wie der Hund tatsächlich gehalten wird - ich will nur aufzeigen, wie es auch sein könnte.
Einmal habe ich die Frau des Hauses getroffen, als sie gerade
die Tür aufmachte. Der Hund kam bellend und knurrend an ihr
vorbei auf mich zugeschossen. Die Frau griff sofort ein und
zwang ihn - nur mit Worten - sich auf den Boden zu legen.
Gute Reaktion der Frau - hätt ich auch getan - was ist dagegen einzuwenden?
Obwohl dieser Hund offensichtlich in großer Erregung war,
gehorchte er.
Na, umso mehr ein Zeichen, das er gut erzogen wurde.
Anschließend wurde er offensichtlich sofort
weggesperrt.
Inwiefern weggesperrt? In’s Haus oder wohin?
Nun, womöglich hat die Tochter der Mutter erzählt, dass du dich schon mal „beschwert“ hast über den bellenden Hund, daraufhin wird die Mutter wohl kaum den aufgeregten, keifenden Hund im Garten lassen, damit er dich weiter fröhlich anbellen kann und du noch einen Grund mehr hast, dich aufzuregen.
Wieder - nur eine mögliche Sichtweise der Mutter!
Mir kommt dieser Hund sehr verhaltensgestört vor.
Warum? Nur weil er fremde Leute verbellt?
Was für Anzeichen gibt es noch für die angebliche „Verhaltensstörung“?
Die Frau anzusprechen hielt ich für völlig sinnlos, das war mein Gefühl ihr gegenüber.
Womöglich würdest du besser ankommen, wenn du den vorwurfsvollen Unterton herausnehmen würdest und sie ganz normal und interessiert nach dem Hund fragen würdest?
Auf Angriffe und indirekte Vorwürfe reagieren die meisten Menschen empfindlich…
Wie kann man als völlig Fremder dem Hund helfen? Würde der
Tierschutzverein irgendetwas tun?
Ich bin mir nicht sicher, wie es in Deutschland ist, aber in Österreich hat der Tierschutz in so einem Fall keine Handhabe.
Der Weg geht zu Amtstierarzt, der dann einen unangemeldeten Hausbesuch macht und mit den Leuten redet. Gibt es tatsächlich einen Verstoß gegen das Hundehalte- oder Tierschutzgesetz, bekommen die Leute Auflagen, die sie innerhalb einer bes. Frist umsetzen müssen - das Einhalten dieser Auflagen wird dann nochmal mehrmals unangemeldet vom AmtsTA überprüft.
Sind die Leute uneinsichtig oder ist Gefahr im Verzug (Unterernährung, Gesundheit oder Leben des Hundes in Gefahr) wird der Hund sofort beschlagnahmt.
PS: Viele Hunde bellen, wenn einer vorbeigeht. Normalerweise
ist das aber völlig anders.
Wie anders verhält er sich denn als die andern Hunde?
Ich bin ganz sicher, dass dieser Hund sehr verzweifelt ist.
Welche Anzeichen sprechen dafür?
Er tapst übrigens immer mit den Füßen auf den Boden oder an
die Glasscheibe, als wolle er einen anspringen
Völlig normal. Viele Hunde gebärden sich im Haus oder hinter dem Gartenzaun wie die größten, gefährlichsten und blutrünstigsten Monster, die man je gesehen hat.
Das ist aber in den meisten Fällen nur Gehabe, vieler solcher Hunde sind brave, gut sozialisierte Familienhunde, die keiner Seele was zu leide tun.
und wedelt mit dem Schwanz
Auch völlig normal. Tun Hunde wenn sie aufgeregt sind. Hat nichts mit Freundlichkeit zu tun.
Um die Situation besser einschätzen zu können, müsste man noch ein paar Dinge wissen:
Wird mit dem Hund regelmässig Gassi gegangen?
Sieht er körperlich schlecht aus, schlechtes Fell, mager, offensichtliche Verletzungen o.ä.?
Darf er auch in den Garten oder wird er den ganzen Tag im Haus eingesperrt?
Womöglich leidet der Hund auch „lediglich“ an chronischer Unterbeschäftigung. So was ist für einen Hund sehr, sehr schlimm, aber leider nicht strafbar.
lg
Sandra