Verwilderte Katzen zähmen

ich habe von unserem Tierschutzverein 2 sehr wilde Katzen (Geschwister 1,5 J.) übernommen. Später sollten sie bei mir ihren Freigang auch wieder erhalten. Allerdings kriege ich sie kein bisschen zahm. Dass ich voll berufstätig und die Tiere somit die meiste Zeit auch alleine sind, ist dabei sicher kein unwesentliches Handycup.

Ich habe vor ca. 8 Jahren eine Straßenkatze bei mir aufgenommen und gezähmt. Das war viel einfacher. Zum einen ist sie sehr verfressen gewesen und zum anderen hatte sie Angst die Wohnung wieder zu verlassen. Wenn man sie streicheln wollte, hat sie zwar auch gefaucht und gespuckt. Und wenn man sich davon nicht beeindrucken ließ, wurde man gekratzt und gebissen. Bis ich sie mir eines Tages schnappte und einfach ganz fest hielt am Boden, beruhigend auf sie einsprach und sie mit meinem Geschicht streichelte. Hände hatte ich ja keine frei. Die Prozedur dauerte mehrmals ca. 20 Minuten. Und sie ließ es sich immer mehr gefallen. Heute habe ich die größte Schmusekatze meines Lebens.
Doch bei den beiden anderen wird das so einfach wohl nicht funktionieren. Ich habe sie schon vier Wochen. Sobald man das Zimmer betritt, verschwinden sie unter das Bett. Auch fressen sie immer erst in der Nacht, wenn wirklich alles ruhig ist in der Wohnung. Das tut mir sehr leid, zumal ich sie ja so gerne bald auch raus lassen würde. Mein Vermieter hat extra eine Katzentreppen für meinen Balkon gebaut.
Kann mir jemand einen Rat geben?
Grüßt lieb Sylvi

Hallo Sylvi,

wir haben auch 2 sehr verstörte Katzen aufgenommen und waren schon den Tränen nahe, da sie hinter die Schrankwände, unter die Küchenschränke und sogar in den Kamin geklettert sind. Unsere Wohnung sah aus, wie nach dem Umzug.
Dann haben wir die beiden geschnappt und in ein Zimmer, in welchem nur ein Kratzbaum, eine Katzenkiste, Futternäpfe ein Tisch und ein paar Stühle waren. So hatten sie keine Möglichkeit mehr sich zu verstecken. Alles, was am Tisch gemacht werden konnte, wie lesen, Kaffetrinken… haben wir dann in diesem Zimmer gemacht und immer ein paar Leckerlis mit rein genommen. Natürlich haben wir dann immer wieder mit den Katzen geredet und versucht sie zu streicheln. Dabei haben wir uns Anfangs aufgeteilt, eine Katze ich, eine meine Tochter. Das hat fast 2 Wochen gedauert, bis sie nicht mehr in die äußerste Ecke sind, wenn wir rein kamen und fast 2 Monate, ehe wir sie streicheln durften.
Eine davon ist heut noch sehr scheu, sobald Besuch kommt, ist sie weg. Die andere ist eine Schmusekatze geworden, die die Vergangenheit abgeschlossen hat.
Nun weiß ich nicht, wie du die räumlichen Möglichkeiten hast, aber wichtig ist, dass sie sich nicht total verstecken können und fressen sollten sie, wenn ihr zumindest im Raum seid. So dass sie Futter mit eurer Anwesenheit in Verbindung bringen.

Ich denke, du wirst es schaffen. Wahrscheinlich wird es noch etwas dauern, ehe du sie rauslassen kannst. Aber deine Geduld wird sicher belohnt.

Viele Grüße Kathrin

Hallo,

möglicherweise haben die Katzen als Welpen keinen (oder keinen positiven) Menschenkontakt gehabt. Dann hast Du viel Spaß vor Dir :smile: Meine 2 Wilden waren erst 6 Monate alt, als sie zu mir kamen, da geht es etwas besser. 4 Wochen sind aber garnichts, bei mir hat es Monate gedauert, bis sie in meiner Gegenwart unter dem Bett hervorkamen und dann das erste Leckerli annahmen.

Bedränge sie nicht, vermeide Stress, schnelle Bewegungen und laute Geräusche. Setze Dich einfach ins Zimmer auf den Boden (wenn sie Interesse daran haben, kannst Du um Dich rum und im Zimmer Leckerli verteilen) und sprich leise mit ihnen. Du kannst z.B. aus einem Buch vorlesen. Sollten sie sich zeigen, reagiere gar nicht, schaue sie nicht direkt an. Wenn sie dich beschnüffeln, wäre das schon ein Riesenfortschritt. Mit der Zeit kannst Du ihnen dann vorsichtig die Hand anbieten.

Gruß,

Myriam

Liebe Kathrin und liebe Miryam,

vielen Dank für Eure einfühlsamen Tips. Leider kann ich die Katzen nur in dem Zimmer meines Sohnes, der zz. nicht zu Hause ist, unterbringen. Dort können sie sich gut hinter der Sitzecke verstecken. So lange ich im Zimmer bin fressen die beiden auf gar keinen Fall, nicht einmal, wenn sie hören, dass in der Wohnung noch jemand auf ist.

Ich habe mir aber überlegt, einfach in dem Zimmer zu schlafen „großes ?“ Irgendwann müssten sie ja dann was fressen. Ich habe nur Angst, dass ich sie damit vielleicht noch mehr verschrecken könnte. Ich habe im Internet natürlich auch recherchiert. Und da habe ich ein Mittel „Felinefriend“ gefunden, das sehr hilfreich sein soll. Es ist aber auch sehr teuer. Hat vielleicht jemand von Euch Erfahrung damit?

Grüßt lieb Sylvi

Hallo,

Ich habe mir aber überlegt, einfach in dem Zimmer zu schlafen
„großes ?“ Irgendwann müssten sie ja dann was fressen.

Würde ich nicht machen, so lange sie so extrem scheu sind. Sie müssen die Möglichkeit haben, in Ruhe zu fressen und das Katzenklo aufzusuchen. Erst wenn sie das in Gegenwart von Menschen tun, kann man über solche Maßnahmen nachdenken. Bis dahin sollte sich jemand stundenweise bei den Katzen aufhalten wie beschrieben.

Und da habe ich ein Mittel „Felinefriend“
gefunden, das sehr hilfreich sein soll. Es ist aber auch sehr
teuer. Hat vielleicht jemand von Euch Erfahrung damit?

Du meinst Felifriend bzw. Feliway. So teuer finde ich das Zeug nicht. Es ist auf jeden Fall einen Versuch wert, erwarte aber keine Wunder! Das Zeug wirkt allerhöchstens unterstützend, indem es die fremde Umgebung für die Katzen vertraut erscheinen lässt.

Gruß,

Myriam

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Hallo Sylvi,

ich weiß nicht, ob das drin schlafen eine gute Idee ist, aber du kannst dich ja ab und zu mal aufs Bett legen und lesen oder ein Mittagsschläfchen machen. Also so 2 bis 3 Stunden am Stück, find ich eine gute Zeit, da sie auch Zeit brauchen, um den Mut zu finden, mal zu gucken, was oder wer du bist.
Wichtig ist vor allem, das die Katzen merken, das du keine Bedrohung bist und du sie nicht erschrecken willst.

Verlass dich auf dein Gefühl, wie lange du im Raum bleibst und wann oder ob du es versuchen willst, im Zimmer zu schlafen. So lange du schläfst, machst du ihnen keine Angst. ( Ist zumindest meine Erfahrung. Ich hab im Sommer eine Katze aufgenommen, die anfangs nur kam, wenn ich auf dem Sofa lag.)

Liebe Grüße Kathrin

Du meinst Felifriend bzw. Feliway. So teuer finde ich das Zeug
nicht. Es ist auf jeden Fall einen Versuch wert, erwarte aber
keine Wunder! Das Zeug wirkt allerhöchstens unterstützend,
indem es die fremde Umgebung für die Katzen vertraut
erscheinen lässt.

Mal kurz eine Erklärung zu den beiden Produkten. Felifriend ist besonders dazu geeignet, ein Lebewesen als „bekannt“ zu markieren. Damit kannst du deine Beine und Hände einsprühen, oder den Hund einreiben. Man kann auch eine Schlafhöhle der Katze damit einsprühen. Feliway ist für Wände, Türen, Möbel gedacht, damit die Katze die als „bereits markiert“ wahrnimmt. Damit soll die Katze abgehalten werden, selbst mit den eigenen Krallen die Räume zu markieren.

Ansonsten schließe ich mich den anderen an. Bedränge nicht die Katzen, zwinge sie zu nichts. Wenn du Futter aufstellst, stelle es also nicht den Katzen vor die Nase, sondern such ein ruhiges Plätzchen aus und halte Distanz zu den Katzen. Ignoriere sie komplett. Setz dich ruhig mit in den Raum, aber beachte die Katzen nicht. Lies ein Buch, iss vielleicht selbst etwas oder döse einfach. :o) Wenn du dich nicht für sie interessierst, kannst du zumindest nichts Böses von ihnen wollen, das wird sie beruhigen. Wenn du Blickkontakt zu den Katzen suchst, werden sie sich bedrängt fühlen. Sie wissen ja nicht, ob du was Gutes oder Böses willst und sie erwarten natürlich erst mal etwas Böses.

Meine Katze lässt sich nur ungern zu etwas zwingen. Sie hasst es, hochgenommen oder festgehalten zu werden. Aber wenn man irgendwo sitzt und irgendwas macht, dann kommt sie und setzt sich auf den Schoß, lässt sich sogar streicheln. Aber sie will jederzeit auch wieder runterspringen können. Dann hält sie einen supergern von der Tätigkeit ab.

Bis denne
Schnoof