Hallo Arwhyn!
Ich möchte Dir gerne von uns zu Hause erzählen. Wir haben eine 13,5 Jahre alt Schäfer-Collie-Hündin und einen gut 1 Jahr alten Jack Russell-Mixrüden.
Die Hündin hat, bis ich von zu Hause ausgezogen bin, mit einer älteren kleinen Hündin zusammengelebt, bis sie 6 Jahre alt war. Danach als Einzelhund. Die beiden Hündinnen haben sich nie gut verstanden, grosse Zickereien, viele Raufereien, insgesamt absolut keine glückliche Konstellation.
Meine Hündin ist auch kein sonderlich sozial angehauchter Hund. Trifft sie draussen andere, tut sie erstmal gross und böse. Sie tut anderen aber nichts, sofern ihr nicht die Nase extrem in den Hintern gesteckt wird oder ihr Stöckchen weggenommen werden will. Andererseits spielt sie aber auch nicht mit anderen, schon seit vielen Jahren nicht mehr.
Mein Gedanke in Richtung Zweithund war auch wie eurer…sie ist alt, dem Tod schon ein paar Mal von der Schippe gesprungen. Dieser Hund hat mich durch so viele Jahre begleitet, fast von Kindheit bis selbst Mutter sein. Sie wird unheimlich fehlen, wenn sie mal nicht mehr ist.
Deswegen haben wir uns dann auf die Suche gemacht nach einem passenden Zweithund. Mir war es egal, ob verträglicher erwachsener Hund oder Welpe, die Chemie sollte stimmen.
Naja, es lief wider Erwarten sehr gut. Ein Mal gab es eine grosse Zickerei von ihr, danach nie wieder. Die beiden Hunde spielen, wenn sie im Garten rennen können, miteinander. Abends, wenn Sofazeit ist für uns Menschen, liegen sie Rüdenkopf an Hündinnenpo und schlafen. Das akzeptiert die alte Dame auch (der Terrier musste sich allerdings erarbeiten, diesen Platz einnehmen zu dürfen, anfangs musste er deutlich Abstand halten).
Es ist keine riesengrosse Liebe, aber ein Miteinander, das uns allen viel bringt. Eifersucht gibt es keine, wobei ich z.B. grundsätzlich getrennt füttere und Spielsachen/Kausachen nur sehr dosiert gebe, weil ich die Hündin da nicht überfordern will. Draussen ist es nämlich so, dass der Rüde sich ein Stöckchen schnappt und der Hündin vor der Nase rumwedelt und sie etwas foppt. Stöckchen sind ihre grosse Passion, dafür würde sie alles stehen und liegen lassen. Sie schafft es aber bedingt durch ihr Alter und ihre mangelnde Beweglichkeit nicht mehr, ihm sein Stöckchen wegzunehmen. Draussen ist das Spiel für beide, drinnen wäre es mir zu riskant, da soll sie ihre Ressourcen für sich haben und fertig.
Ihre Gesundheit beinhaltet übrigens Spondylosen, altersbedingte leichte HD, generell ist ihre Beweglichkeit immer mehr eingeschränkt. Zudem ein leichtes Herzproblem, sie ist fast taub, Sehvermögen naja.
Es hätte gut sein können, davor bin ich auch gewarnt worden, dass sie durch den Konkurrenten abbaut. Oder dass sie alle ihre Kräfte zusammennimmt, um mitzukommen, und dann aber kurze Zeit später nicht mehr kann.
Bei uns ist beides nicht eingetreten, im Gegenteil, jetzt hat sie einen Anreiz, sich zu bewegen. Vorher konnte man sie nur durch Stöckchen werfen zum Laufen bringen, aber das ist für ihren Bewegungsapparat Gift. Ein paar Mal Stöckchen werfen bedeutet den Rest vom Tag humpeln und „eingerostet sein“.
Was noch dazu kommt, ist, dass der Rüde sie in Ruhe lässt. Sie schläft im Grunde den ganzen Tag, und das braucht sie auch. Und das ist auch unheimlich wichtig. Der Rüde spielt gerne mal mit einer unserer Katzen, er hat auch sonst einiges zu tun. Aber die alte Lady lässt er sie selbst sein.
Wobei er auch nicht so ist, wie man sich so einen Terrier vorstellen mag. Er ist drinnen recht ruhig, draussen düst er gerne ein paar Runden, geht natürlich auch gerne spazieren, müde bekäme man ihn wohl nicht (nach nem langen Spaziergang eine halbe Stunde schlafen und er ist wieder hergestellt), aber das braucht er auch nicht. Er ist ausgeglichen. Und genau das merkt man dann eben auch zu Hause, er braucht nicht ständig Ansprache und Action.
Will heissen…die Hunde müssen wirklich zueinander passen! Egal ob jetzt ein Welpe oder ein erwachsener Hund dazu kommt, die zwei müssen miteinander klarkommen, sonst nimmst Du Deiner Hündin für den Rest ihres Lebens ihr vertrautes Zuhause.
Auch bedacht werden muss, dass zwei Hunde oft doppelte Arbeit bedeuten, wenn der Altersunterschied so gross ist. Meine alte Hündin nehm ich nicht mit, wenns zu langen Spaziergängen geht, die schafft sie nicht mehr. D.h. ich hab dann einen Hund zu Hause, der entweder alleine ist oder beim „Hundesitter“. Danach will sie aber auch auf ihre Kosten kommen.
Zwei Hunde und ein Mensch sind beim Spazieren gehen auch oft nicht ganz einfach. Meine alte Dame mochte ganz am Anfang die Nähe zum Welpen nicht gerne, da hat sie sehr gezickt. D.h. ich musste an der Leine beide auseinanderhalten. Das ist ziemlicher Stress, weil man gleichzeitig auch den Welpen erziehen muss. Erziehung läuft ja ständig ab und nicht nur auf Spaziergängen mit Welpe alleine.
Es hat sich aber im Lauf der Zeit gegeben und ich kann problemlos beide führen.
Übrigens, zum Grund des Zweithundwunsches zurück…glaub mir, egal ob Zweithund oder nicht, der Tod vom ersten wird das selbe Loch ins Herz reissen! Man liebt oder braucht den Ersthund nicht weniger, denn dieser Hund verändert sich nicht, der Stellenwert bleibt der selbe. Das Loch wird da sein. Und dann nicht nur in Deinem Herzen, sondern in dem vom Zweithund noch dazu. Wenn der als Welpe in die Familie gekommen ist, umso mehr, weil er das alleine leben gar nicht kennengelernt hat.
Ich frage mich heute schon, wie das bei uns wohl weitergehen wird. Wenn die alte Dame nicht mehr ist, wieder einen Zweiten dazu? Und das dann für den Rest unseres Lebens??
Zwei Hunde sind schön, aber ob sie sich mit jeder Lebenssituation vereinbaren lassen ist wieder eine andere Sache. Andersrum aber genauso, ob man es schafft, einem ehemaligen Zweithund so gerecht zu werden, dass er über den Verlust und das „Hundelos-Sein“ wegkommt, ist genauso eine Frage, die man sich stellen sollte.
Wenn es rein ums Trösten geht, würde ich Dir raten, den neuen Hund zu holen wenn Deine Hündin nicht mehr ist.
Noch aus Frauchensicht dazu…mir ist eine von drei Katzen gestorben vor ein paar Jahren…die anderen beiden konnten mir die Trauer nicht nehmen, ein Platz in mir war leer. Erst als ein halbes Jahr später wieder eine Katze dazugekommen ist, ging es mir besser. Denn das neue, unbekannte, ganz besonders kümmerbedürftige ist es meistens, was uns ablenkt und hilft, über den Verlust wegzukommen.
Liebe Grüsse
Bine 