Hallo Nadine!
Ergänzend/ausführend zu den anderen noch einiges…
Es besteht, egal bei welcher Rolligkeit/Trächtigkeit, immer das Risiko, dass die Katze Probleme bekommt. Sprich, sie wird vorher krank, die Geburt läuft nicht so ab, wie geplant, sie wird hinterher krank.
Das geht von einfachen Problemchen, die, wenn sie bemerkt werden, leicht behoben sind, bis zum Tod von Muttertier und Babies. Auch hier wieder vor, während und nach der Geburt.
Willst Du für für die Leute, die ein Kätzchen haben wollen, riskieren, dass Du selbst Deine Katze verlierst?
Es kann sein, dass die Geburt nicht von selbst in die Gänge kommt oder ins Stocken gerät. Dass dadurch ein Kaiserschnitt notwendig wird. Dass dabei Mutter oder Welpen sterben.
Es kann sein, dass die Mutter dadurch, durch andere Geburtsschwierigkeiten oder einfach weil sie zu jung ist oder als Mutter ungeeignet, die Kleinen nicht annimmt oder in einem unbeobachteten Moment tötet oder frisst.
Das sind keine Horrormärchen, sondern durchaus immer wieder traurige Realität.
Hast Du die Möglichkeiten, sowohl zeitmässig, organisatorisch als auch finanziell, einen Wurf Kätzchen von Hand aufzuziehen? Dazu gehört nicht nur, sie in die Tasche zu stecken und eben mitzunehmen, wenn Du mal aus dem Haus musst. Das Ganze geht von den Kosten für Aufzuchtsmilch, die weggetrunken wird wie nichts, bis hin dazu, dass Du über Wochen weitgehend zu Hause bleiben musst, um die Katzen zu versorgen und ihnen, wenn die Mutter nicht (mehr) greifbar sein sollte, richtiges Sozialverhalten beizubringen. Handaufzucht, das hört sich nett an, aber es ist wesentlich schwieriger und aufwändiger, als man gemeinhin denkt. Und es hat auch Langzeitfolgen für das Tier! Man ist eben Mensch und nicht Katze, man kann ihnen nicht zeigen, wie man spielt, ohne dem anderen weh zu tun (es kommen auch Einzelkätzchen auf die Welt, die das eben nicht von bzw. mit Geschwistern lernen können), man schnurrt nicht, wenn man säugt, man riecht anders und was nicht alles. Das prägt ein Tier! Und solche Tiere sind oft vom Sozialverhalten her ziemlich anspruchsvoll, nicht die kuscheligen Freunde fürs Leben, die man sich darunter vorstelle.
Es kann auch sein, dass Kätzchen krank oder behindert zur Welt kommen. Kannst Du damit umgehen? Nicht nur damit, dass es Krankheiten oder Behinderungen sind, die sich mit einem Weiterleben vereinbaren lassen (was sagen Deine potentiellen Abnehmer zu einem Kätzchen, das mit fehlenden Körperteilen zur Welt kommt?), sondern auch mit solchen, die den Tod des Kätzchens mit sich bringen?
Das sind jetzt nur einige Dinge, die beachtet werden wollen…wenn Du möchtest, führe ich sie Dir auch weiter aus oder schreiben Dir noch mehr. Das Ganze geht von bis. Natürlich kanns auch gut gehen, aber es steht eben in Deiner Verantwortung, ob Du damit klarkommst, wenn es nicht so glatt läuft.
Übrigens, noch was zu Bekannten, die einem Tierkinder abnehmen. Ich selbst würde nur einem äusserst ausgesuchten Personenkreis Tiere von mir weitergeben. Die meisten kämen nicht in Frage, weil ihre Art von Tierlieb einfach anders ist als die meine. Das soll kein Vorwurf an diese Leute sein, aber wenn bei mir ein Lebewesen auf die Welt kommt, um das ich mich wochenlang kümmere und sorge, mich auf seine Geburt gefreut habe und und und, dann braucht dieses besondere Geschöpf den perfekten Platz! Das kann ich auch nicht einfach jemandem geben, der eine Zeitungsanzeige gelesen hat. Ich würde eingehen vor Sorge und schlechtem Gewissen, wenn ich mir nicht absolut sicher sein könnte, dass es „meinem Baby“ gut geht.
Man muss sich auch trennen können, sonst riskiert man eine völlig überlaufene Bude, in der sich aus lauter Sorge und Liebe alles stapelt und keiner mehr glücklich ist. Kennst Du Dich selbst gut genug, um auszuschliessen dass Du die Kleinen nicht doch lieber selbst behältst? Kennst Du Deine Bekannten gut genug um zu wissen dass Du auch in ein paar Jahren nicht mit schmerzendem Herzen von einem Besuch nach Hause kommst, weil Du siehst dass es dem von Dir mühevoll aufgezogenen Kätzchen dort vielleicht doch nicht so 1000% geht wie Du es dachtest?
Übrigens, für den Kater gibts auch ein Risiko…es gibt Krankheiten, die durch Austausch von Körperflüssigkeiten übertragen werden. Je inniger der Kontakt, desto höher das Risiko. Bei einem zusammen lebenden Katzenpärchen vielleicht kein besonders schwerwiegendes Argument, weil sie vermutlich auch miteinander spielen und sich putzen, aber Du hast danach gefragt.
Ausserdem könnte es auch gut sein, dass Dein Katzenmädchen den Kater kräftigst vermöbelt und ihn gar nicht mehr nett findet, wenn er sie bedrängt obwohl sie nicht will. Das kann das Verhältnis der beiden auch auf Dauer auf wackeligen Beinen stehen lassen.
Kastration wäre übrigens so oder so irgendwann nötig, denn sonst wäre Dein Katzenmädchen innerhalb kurzer Zeit vollkommen ausgelaugt vom Kinderkriegen, und Dein Bekanntenkreis auch sehr schnell äusserst reichlich mit Katzen versorgt.
Liebe Grüsse
Bine