hi francesco,
mich stört dein durcheinanderwürfeln von argumenten, ihre verknüpfung zu dingen, die miteinander nichts zu tun haben. Sollte journalismus nicht ein wenig mehr detailarbeit bedingen?
Du bemängelst den fehlenden TIERSCHUTZ bei der beabsichtigten tötung überschüssiger rinder. diese wurden zu keinem anderen zweck als zur tötung bzw. zum verzehr gezüchtet, und gäbe es jetzt keine absatzkrise durch die zurückhaltung der konsumenten, wären sie alle längst auf tellern gelandet. Keine sekunde würdest du an die traurigen kuh-augen denken, wenn das steak vor dir duftet. Wo also willst du hier die ethisch-moralische verantwortung ansetzen? (und deshalb bleibt der aufschrei nach dem tierschutz unsinn)
Ich höre aber nichts von dir, wenn es um die ethisch-moralische verantwortung für die VERNICHTUNG von LEBENSMITTELN geht. Ich verurteile die fleischvernichtung genauso wie die entsorgung von überschüssigen tomaten, salat oder sonstigen nahrungsmitteln. (allerdings fällt mir für den jetzigen zustand in der landwirtschaft ganz allgemein auch keine bessere alternative ein)
Wir leben in einer verkehrten welt und es wird höchste zeit, umzudenken. Und dieses umdenken kann nur mit detaillierten informationen über die summe der faktoren, die zur heutigen katastrophe geführt haben, beginnen - deine schlagworte sind kontraproduktiv und führen in weiteres verderben.
Warum sind sie kontraproduktiv? Weil du eine berufsgruppe in den ruin treiben willst, deren probleme andere mitverursacht haben wie - zweifellos - auch die bauern selbst. Aber du willst dieser gruppe scheinbar nicht den lohn ihrer arbeit gönnen, du meinst, sie hätten kein recht auf gewinn? Und warum bitte sollte es keine grossbauern geben. ob ein rind sein leben lang mit hunderten anderen in hellen ställen steht oder einzeln im alten stall, es dürfte für das leben des tieres keinen unterschied machen.
es gibt doch auch schuster und schuhfabriken? Beide haben ihren entsprechenden kundenkreis, der handmade-schuh allerdings kostet das zehnfache des fabriksschuhs. Kein umlegbares beispiel für fleisch?
Warum füttern bauern tiermehl, warum werden antibiotika, hormone und sonstiges zeugs angewandt? Du wirst es nicht für möglich halten: es ist die industrie, die diese produkte ersinnt (um neue absatzmärkte zu schaffen), es kommen die „berater" auf die bauernhöfe, die landwirtschaftskammern „empfehlen" und die bauern „wenden an", wenn gewinnmaximierung versprochen wird. Selbstverständlich. Sollen sie vom gewinn ausgeschlossen werden? (ich nehme jetzt einmal illegale anwendungen und die subventionen aus)
Echter tierschutz (um beim ausgangsthema zu bleiben), verlangt die artgerechte haltung. Das heisst, die rinder grasen friedlich auf der weide, schweine schnüffeln im boden, hühner scharren den regenwurm aus der erde. Keinerlei subventionen mehr, freie marktwirtschaft für die bauern. Das möchtest du? Kein problem für bauern - aber sehr schnell ein problem für dich!
Es gibt nämlich nicht genug weideflächen, um auch nur annähernd die mengen fleisch zu produzieren, die bei heutigem verbrauch notwendig wären. (na gut, vielleicht könnte man noch ein paar tiere auf den bleiverseuchten grünstreifen neben den autobahnen unterbringen …). ergo, fleisch würde knapp und teuer. (ach ja, ist ja kein problem, es wird ja auch straussenfleisch um 30,-- gekauft, von jedermann???) - siehst du das haar in der tierschutzsuppe? siehst du jetzt, warum der tierschutz auch vom verbraucher ausgehen MUSS?
dein argument mit den nebenerwerbsbauern, die biologisch wirtschaften, stellt mir die nackenhaare auf. Was denkst du, warum diese auf den nebenerwerb ausweichen? Weil deren biologische landwirtschaft sooooo profitabel ist?
und noch letztes: frag doch einmal einen bwl-er, ob die industrie bzw. der handel dem konsumenten „einredet", was er kaufen soll - oder ob nicht am ende doch der konsument der stärkere vertragspartner ist, dem der handel das anbieten muss, was er wünscht… oder kaufst du schuhe, die dir ein verkäufer einreden möchte, obwohl sie dir nicht gefallen?
So, ich hoffe, du recherchierst das nächste mal ein bisschen besser.