Hallo!
Ich hoffe, ich höre mich jetzt nicht an, wie der erste Anfänger, aber ich habe echt ein Problem! Wir haben vor ca. 2 Wochen eine 2 jährige Jack Russel Hündin von einem Züchter übernommen. Sie ist eigentlich sehr brav und hört supi auf uns. Wenn wir sie allerdings im Park o.ä. frei laufen lassen und es kommt ein Hund auf uns zu, der beträchtlich größer ist als sie, wird sie sofort zur Furie und versucht den anderen zu beissen. Bei kleineren Hunden zeigt sie dieses Verhalten nicht. Wir haben sie bisher immer gehen lassen und beruhigend auf sie eingesprochen, meist sind die großen ja auch gutmütig und ignorieren sie einfach, aber gestern ist ein Riesenschnauzer dann doch mal ausfällig geworden und hat versucht zurückzubeissen. Gibt es irgendeine Möglichkeit oder einen Trick ihr diese „Unsitte“ abzugewöhnen?
Danke für Eure Hilfe schonmal im Voraus!
Nadin
Da gibt es nur EINES - anleinen und den kleinen Kläffer von großen Hunden fernhalten! Beachte, daß dieser Winzling ein Terrier ist, der vor überhaupt nichts Angst hat. Je größer der Hund, desto angriffslustiger. Ich kann dir auch jetzt schon schreiben, was in einem mögl. Schadensersatzfall der Richter zu Dir sagen wird - das gleiche, was ich geschrieben habe. Es ist ein natürliches Verhalten eines Schäferhundes, Riesenschnauzer usw., wenn der den kleinen Wicht mal zur Ordnung „ruft“ = beíßt.
Eine mögl. Ursache könnte sein, daß der Hund mal von einem großen Hund gebissen oder zumindestens unfreundlich behandelt wurde. Es kann aber auch rein an Vererbung liegen. Dazu könnte Dir der Züchter - vielleicht - was sagen.
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Hallo Nadin,
schoen, daB Du Dir Hilfe holst… Anfaenger sein ist doch kein Manko! :o)
Also woran es liegt, daB Dein Hund nur auf groBe Hunde losgeht, kann ich auch nicht sagen. Moeglich waere, wie Klaus schon bemerkt hat, daB er mit einem groBen Hund schlechte Erfahrungen gemacht hat. Es koennte auch sein, daB er mit groBen Hunden noch KEINE Erfahrungen gemacht hat (sprich: schlecht sozialisiert ist) und auf die vermeintliche Bedrohung in Form des Unbekannten „tapfer“ losgeht. Vielleicht findet er auch groBe Hunde einfach nur gefaehrlicher als kleine, das geht vielen Menschen ja auch so. Aber da hilft alles Raetseln nichts. Du kannst natuerlich mal mit dem Zuechter sprechen, dem mueBte dieses Problem ja auch schon aufgefallen sein, wenn der Hund bereits zwei Jahre alt ist. Vielleicht kennt er die Erklaerung dafuer. Wenn nicht, kann man die Sache auch ohne die richtige Erklaerung in den Griff bekommen.
Wichtig ist zuerst mal, daB Eure Huendin an der Leine bleibt, solange das Problem nicht geklaert ist. Das gilt fuer alle Gebiete, wo Ihr nicht hundertprozentig sicher sein koennt, daB Euch keine groBen Hunde begegnen. Eine Leine ist fuer den Hund kein Problem, solange man richtig damit umgeht, also keine Sorge, der Hund ist deswegen nicht ungluecklich.
Wenn es zu einer Begegnung mit einem groBen Hund kommt, ist es wichtig, daB Ihr Eure Huendin unter Kontrolle habt (Kontrolle mit der Stimme ausueben, nicht mit der Leine - die Huendin soll sich auf „ihren Menschen“ konzentrieren). Das solltet Ihr natuerlich in streBfreien Situationen ueben, das heiBt zum Beispiel beim Spielen zwischendurch einhalten und erst weiterspielen, wenn ein Kommando ausgefuehrt wird (Sitz oder so). Man kann den ganzen Tag lang immer wieder mal etwas von seinem Hund verlangen (Sitz, Bleib, Komm…), wofuer er dann eine Belohnung (Streicheln, Spielen…) erhaelt. So lernt der Hund, daB es fuer ihn gut ist, wenn er sich auf sein Herrchen konzentriert und dessen Kommandos befolgt. Hat er das einmal begriffen, so ist die Wahrscheinlichkeit hoeher, daB er auch in StreBsituationen (groBer Hund) besser auf Euch reagiert. Man kann auch die Intensitaet der Ablenkung um den Hund herum steigern. Am Anfang uebt man nur, wenn der Hund sich voll auf sein Herrchen konzentrieren kann. Spaeter kommt ein biBchen Ablenkung dazu: jemand macht ploetzlich Laerm, ein anderer Hund kommt vorbei (vorher absprechen), ein Fremder ruft den Hund uebern Gartenzaun, ein Ball kommt geflogen… Wenn sich der Hund nicht ablenken laeBt und sein Kommando ordentlich ausfuehrt, bekommt er seine Belohnung. Ansonsten die Anforderungen wieder ein biBchen zurueckschrauben und fleiBig weiter ueben. Ach und nochwas: auch wenn der Hund bereits gut gehorcht, ist regelmaeBiges Auffrischen immer gut. Was man nicht uebt, verlernt man, und auBerdem ist das Ueben von Kommandos fuer den Hund mit SpaB verbunden, weil er Zeit mit Euch verbringt und ihm Gutes passiert.
Nun konkret zum Verhalten in der Problemsituation „groBer Hund in Sicht“.
Ganz wichtig ist, daB Ihr auf Eure Huendin NICHT beruhigend einredet, wenn sie sich „aufregt“. Das ist zwar gut gemeint und im Umgang mit Menschen auch richtig, fuer einen Hund aber ist es das Falscheste, was man tun kann. Die Situation ist naemlich folgende: der Hund „spielt sich auf“, und Ihr bestaerkt ihn in seinem Verhalten, indem Ihr Eure Zustimmung zeigt. Der Hund empfindet das beruhigende Zureden als Unterstuetzung: wenn Herrchen mich nicht von meinem Tun abhaelt, muB es richtig sein. Vielleicht ist Herrchen ja auch veraengstigt, also muB ich uns verteidigen… Aus dem gleichen Grund duerft Ihr auch nicht schreien, an der Leine ziehen o.ae., wenn es ernst wird. Das versteht der Hund ebenso als Bekraeftigung: Herrchen spornt mich an. Herrchen ist auch aufgeregt, also hab ich ja recht, wenn ich mich aufrege. – Alles klar?
Die beste Methode, das Problem wegzuerziehen, ist folgende: Eure Huendin muB lernen, daB groBe Hunde Gutes mit sich bringen. Sie soll also entgegen ihrer bisherigen Ueberzeugung verstehen, daB sie groBe Hunde nicht als gefaehrlich ansehen muB und daB sie sie deshalb auch nicht attackieren muB. Wenn Ihr also mit Eurer (angeleinten!) Huendin spazierengeht und ein groBer Hund in Sicht ist, wird die Huendin fuer ruhiges Verhalten belohnt: solange sie ruhig und entspannt bleibt, koennt Ihr beruhigend und lobend mit ihr sprechen, sie vielleicht streicheln oder aehnliches. Auch hier kann man wieder gut mit Kommandos arbeiten, denn ein Hund, der etwas fuer sein Herrchen tun darf, fuehlt sich selbstsicherer und entspannter. Ab einer bestimmten Entfernung funktioniert das natuerlich nicht mehr, weil sie anfaengt, nervoes oder aggressiv zu werden. Dann mueBt Ihr schnurstracks und geradeaus an dem anderen Hund vorbeigehen, dabei Eure Huendin an der kurzen Leine halten (so daB sie nicht von Euch weg kann) und ansonsten ihr schlechtes Verhalten ignorieren. Aber bloB nicht beim anderen Hund stehenbleiben! In zuegigem und gleichmaeBigem Tempo vorbeigehen. Sobald die „Gefahr“ vorueber ist, Ihr also am anderen Hund vorbei seid, kommt wieder ein Kommando (Sitz!), fuer dessen prompte Ausfuehrung die Huendin belohnt wird. So lernt Eure Huendin, daB ihr Bellen und Sichaufspielen nichts bringt: sie kann nicht an den anderen Hund heran und bekommt, im Gegensatz zu bisher, auch keine Aufmerksamkeit mehr von Euch. Wenn ein Hund fuer etwas keine Aufmerksamkeit bekommt, wird er frueher oder spaeter von diesem ignorierten Verhalten ablassen. Das alles wird nicht von einem Tag auf den anderen funktionieren, aber mit viel Geduld klappt es bei den meisten Hunden. Das wichtigste ist, wie gesagt, daB Ihr nicht ungewollt ihr Verhalten bestaerkt (durch Zureden o.ae.), daB Eure Huendin lernt, Euch auch dann zu gehorchen, wenn es etwas interessanteres gibt, und daB Ihr konsequent bleibt. Nur mit viel Geduld werdet Ihr Erfolg haben.
Alles Gute!
Sylvia
Ganz vielen lieben Dank für Eure Hilfe! Ihr habt mir sehr geholfen und wir werden die neuen Tipps gleich morgen beim Gassi gehen ausprobieren! Ein fröhliches Wuff auch von Kessy (das ist der kleine Frechdachs)
Nadin
Hallo Nadin,
keine Ursache! Und laB mal was von Dir hoeren, auch falls es nicht klappen sollte.
Viel Geduld und SpaB wuenscht
Sylvia
Und, wie läufts?
Habt Ihr schon irgendwelche Fortschritte erzielt?
Sylvia
Hallo Nadin,
tut mir leid, wenn ich euch jetzt verunsichere, weil ich meinen
beiden Vorgaengern beim Antworten zum Teil massiv widersprechen
muss, aber ich hatte mit meinem Jack-Russel-Mischling die
gleichen Erlebnisse und bin zu anderen Schlussfolgerungen
gekommen. Gluecklicherweise hielt ich vor diesem Hund jahrelang
grosse Rassen (Schaeferhunde, Bullterrier-Schaefer-Mix u.ae), so
dass ich dem Problem gelassener ins Auge sehen konnte, weil ich
weiss, dass grosse Hunde kleine nicht ernsthaft verletzen, wenn
der Mensch nicht eingreift (eingreifen bedeutet hier: nervoes
werden und den Hund durch Anleinen an der Eigenkontrolle seiner
Bewegung hindern).
Merke zunaechst: Das Hundesozialverhalten ist kollektiv
ausgerichtet und zugleich hierarchisch strukturiert. Der Hund
wird also einen Artgenossen nicht beschaedigen, weil nur durch
dessen Beitrag zur „Jagdgemeinschaft“ das „Prinzip des Rudels“
funktioniert, ohne dessen Schutz der einzelne nicht ueberlebt.
Das Rudel organisiert sich aber immer hierarchisch, d.h. ein
Individuum muss an der Spitze stehen, um die Gruppe zu
organisieren. Daher die „Raufereien“ unter Hunden, die so
gefaehrlich aussehen koennen, aber harmlos sind. (Sicherlich
kann man einen Hund durch konsequente Quaeldressur zum „Killer“
machen, so dass er jedes andere Lebewesen als „Beute“ behandelt;
ich selbst habe aber in ueber dreissig Jahren mit Hunden noch
nie so einen Fall getroffen. Die „Kampfhundedebatte“ traegt da
nur zur Verunsicherung bei. Die Halter von Hunden, die in ihrem
Sozialverhalten schwer gestoert sind, wissen auch um das
Problem und halten ihre Hunde von andern fern).
Nun zum Jack-Russel: sein Verhalten war auch fuer mich eine
neue Erfahrung. Inzwischen habe ich ihn fast zwei Jahre studiert
und kann sein Verhalten erklaeren: die „Angriffslust“ ist genau
wie das Klaeffen die Aeusserung einer Erregung, die in dieser
Intensitaet fuer Terrier typisch ist, aber nichts mit
Feindseligkeit zu tun hat. Der Hund hat lediglich ein erhoehtes
Erregungsniveau, das der „Hoehe“ des begegnenden Hundes quasi
analog ist und die „Gier“ nach sozialem Kontakt widerspiegelt.
Diese Gier richtet sich vor allem auf Artgenossen. (Wenn der
Hund sich mit euch, seinem neuen „Rudel“, zusammengelebt hat,
wird sie sich zunehmend auch auf euch richten und er wird dann
euch wie eine „Furie“ bestuermen, wenn er euch nach einer
Abwesenheit wieder trifft oder spielen will)
Also: der Terrier findet grosse Hunde nicht „gefaehrlicher“,
sondern nur „reizvoller“, d.h. seine Hundeinstinkte werden
staerker von ihnen gereizt. Und man tut ihm deswegen den
schlechtesten Dienst, wenn man ihm die Begegnung versagt. Ein so
hohes Energiepotenzial staendig ins Leere laufen zu lassen
bedeutet kumulative Frustration und damit in der Folge
gestoertes Sozialverhalten. Da gibt es jetzt, im Widerspruch zu
meinen Vorrednern, nur Eines: der Hund und ihr muesst da durch!!
Und das heisst: Kontakt nicht meiden sondern suchen! Dass er von
groesseren Hunden „zur Ordnung“ gerufen wird, wie Klaus
schreibt, ist normal und wichtig im Sinne des
Hierarchieverhaltens. Wenn ihr eurem Hund etwas Gutes tun wollt,
dann lasst die „Riesenschnauzer“, denen er begegnet, einen Teil
seiner Erziehung uebernehmen. Und seid sicher: er wird nicht
„gebissen“ und er wurde es auch nicht, wie Klaus vermutet. Es
ist Unsinn, dass der Terrier keine Angst haben soll. Der lernt
wie alle anderen aus schmerzlichen Erfahrungen. (Meiner hat z.B.
vor Schafen massive Angst, weil er beim ersten Kontakt mit ihnen
einen Schlag vom Elektrozaun bekam). Es ist bei eurem Hund umso
wichtiger, dass er „in freier Wildbahn“ mit anderen Hunden
zusammentrifft, weil er ganze zwei Jahre beim Zuechter war,
also nur teilweise sozialisiert ist. Daher auch das extreme
Erregungsniveau beim Zusammentreffen mit groesseren Rassen, die
er ja bislang nicht kannte. Das baut sich nur ab, wenn ihr
Kontaktmoeglichkeiten sucht und schafft. (Ich habe z.B. eine
Hundespielgrupe besucht, wo er sich mit allen Rassen
„herumschlagen“ musste. Und ich habe nach einem halben Jahr
einen zweiten Hund aus dem Tierheim dazugeholt: einen
Dalmatiner-Doggen-Mix, an dem er sich abreagieren kann).
Zusammenfassend: Sylvias Vorschlag, wie ihr "das Problem
„wegerziehen“ sollt, ist absurd, denn wie soll der Hund merken,
dass andere Hunde nicht gefaehrlich (oder freundlich) sind, wenn
er es nicht erleben darf?? (Von euch erfaehrt er es bestimmt
nicht!) Der Hund wird sich nicht von euch „ignoriert“ fuehlen,
sondern von seinem Artgenossen, denn von ihm, und nicht von
euch, will er ja in dem im fraglichen Moment „Aufmerksamkeit“.
Zieht euren Hund nur konsequent von allen anderen weg, dann ist
er bald so neurotisch, dass ihr wirklich Angst um ihn haben
muesst, wenn eine Begegnung zustande kommt.
Der Hund wird sich ganz von alleine auf euch konzentrieren, wenn
er sich frei bewegen und seine Erfahrungen machen darf. Nur so
wird er euch als „sicheren Hafen“ erleben, zu dem er nach seinen
„Abenteuern“ zurueckkehrt. Ihr koennt da ganz auf seinen
Rudelinstinkt vertrauen und auf eure „Leitwolfrolle“. Erst wenn
dies gewaehrleistet ist, koennt ihr ihn im eigentlichen Sinn
„erziehen“.
Hallo Elke (und Hallo Nadin),
ich habe dieses Posting mit Interesse gelesen. Nun möchte ich auch wiederum einigem widersprechen, teilweise hast Du offenbar auch mein Posting entweder nicht richtig gelesen oder falsch verstanden.
Ich habe selbst noch keine Erfahrungen mit „aggressiven“ Jack Russels gemacht. Allerdings weiß ich natürlich, daß Terrier im allgemeinen recht leicht erregbar und „quirlig“ sind und leider mitunter zu „unnötiger“ Aggression neigen. Nun ist das doch aber kein Grund, mit dem unangenehmen Verhalten des Hundes zu leben! Nur weil er eine Anlage zu gewissen Verhaltensweisen hat, heißt das ja noch lange nicht, daß man das kommentarlos hinnehmen muß. Ich habe mit sehr vielen Hunden verschiedenster Rassen (und natürlich Mischlingen) an verschiedenen Verhaltensproblemen gearbeitet und weiß, daß man auch derartig quirlige Hunde positiv beeinflussen (und „ruhiger machen“) kann. Ebenso ist es durchaus möglich, Aggressionen gegenüber anderen Hunden beizukommen.
„…so dass ich dem Problem gelassener ins Auge sehen konnte, weil ich weiss, dass grosse Hunde kleine nicht ernsthaft verletzen, wenn der Mensch nicht eingreift (eingreifen bedeutet hier: nervoes
werden und den Hund durch Anleinen an der Eigenkontrolle seiner
Bewegung hindern).“
Das ist grundsätzlich nicht falsch. Nun muß man aber vier Dinge beachten:
- Man kann nie wissen, wie der andere Hund sich bei einem Zusammentreffen verhält, wenn er vom kleinen „provoziert“ wird. Ich habe tatsächlich schon einen großen Hund einen kleinen „attackieren“ sehen (übrigens beide ohne Leine!). Es gibt gewisse „Faustregeln“, die zwar im allgemeinen zutreffen mögen, auf die man sich aber besser nicht verlassen sollte („Ein Welpe genießt Narrenfreiheit bei erwachsenen Tieren“).
- Man kann ebenso nicht wissen, wie der andere Hundehalter reagiert. Es gibt leider genügend Menschen, die sich mit hundlichen Verhaltensweisen nicht auskennen, und vielleicht stachelt der andere Hundehalter sein Tier unbewußt an, indem er es eben zum Beispiel während des Konfliktes an die Leine nehmen will.
- Es geht nicht nur um die Hunde, sondern auch um die Halter. Ich habe schon miterleben müssen, daß ein Hundehalter „versehentlich“ von seinem eigenen Hund gebissen wurde, weil er einen vermeintlichen Kampf beenden wollte.
- Ein kläffender Hund ist in keinem Fall etwas schönes, weder für den Halter noch für die Umwelt. Ob der Hund tatsächlich gefährlich ist oder nicht, sei dahingestellt – auf jeden Fall macht es keinen guten Eindruck. Und gerade in diesen irren Zeiten des Kampfhundewahns sollte man sich doch bemühen, einen ausgeglichenen Hund zu haben, der einen guten Eindruck macht!
„Merke zunaechst: Das Hundesozialverhalten ist kollektiv
ausgerichtet und zugleich hierarchisch strukturiert. Der Hund
wird also einen Artgenossen nicht beschaedigen, weil nur durch
dessen Beitrag zur „Jagdgemeinschaft“ das „Prinzip des Rudels“
funktioniert, ohne dessen Schutz der einzelne nicht ueberlebt.
Das Rudel organisiert sich aber immer hierarchisch, d.h. ein
Individuum muss an der Spitze stehen, um die Gruppe zu
organisieren. Daher die „Raufereien“ unter Hunden, die so
gefaehrlich aussehen koennen, aber harmlos sind.“
Jein (es gibt durchaus Hunde, die ihre Artgenossen „beschädigen“). Aber: der fremde Hund gehört nicht zur „Jagdgemeinschaft“ oder zum Rudel des Jack Russel, um den es hier geht. Vielmehr besteht das Rudel aus der Familie und evtl. anderen Haustieren. Und dieses Rudel soll immer Vorrang haben vor anderen Tieren. Wenn dann das ranghöhere „Tier“ (der Halter) dabei ist, sollte er in den Augen seines Hundes interessanter sein als der andere Hund!
„(Sicherlich kann man einen Hund durch konsequente Quaeldressur zum „Killer“ machen, so dass er jedes andere Lebewesen als „Beute“ behandelt; ich selbst habe aber in ueber dreissig Jahren mit Hunden noch nie so einen Fall getroffen.“
Was aber nicht heißt, daß es sie nicht gibt, oder??? Davon abgesehen ist nicht jeder „Killer“ durch bewußte Dressur zum solchen geworden. Auch schlichte Erziehungsfehler bzw. mangelnde Sozialisierung des Welpen (etc.) können Ursachen sein.
„Die Halter von Hunden, die in ihrem Sozialverhalten schwer gestoert sind, wissen auch um das Problem und halten ihre Hunde von andern fern.“
Das wäre der Idealfall. Leider sind wir davon weit entfernt, wie die (wenn auch hochgespielten) Fälle von Angriffen auf Kinder, andere Hunde etc. zeigen. Ach und nochwas: was ist denn mit den Hundehaltern, die „in ihrem Sozialverhalten schwer gestört sind“ (oder einfach keine Ahnung von Hunden haben)? Meinst Du, daß die ihre Hunde unter Kontrolle haben? Ich würde mich da nicht drauf verlassen wollen.
„Also: der Terrier findet grosse Hunde nicht „gefaehrlicher“,
sondern nur „reizvoller“, d.h. seine Hundeinstinkte werden
staerker von ihnen gereizt.“
Das ist ein interessanter Ansatz (ernsthaft!). Nun muß das aber nicht heißen, daß man das aufreizende Verhalten tolerieren muß, nur weil es nicht aus aggressiven Gründen zustandegekommen ist (s.o.). Oder? Der Hund kann doch auch lernen, daß er bei ruhigem Verhalten tatsächlich an den anderen Hund „herandarf“, wohingegen sein Aufgebrachtsein zu nichts führt. Wenn die Ursache des aggressiven Verhaltens also tatsächlich gesteigertes Interesse (nicht Angst) ist, könnte man das Wunschobjekt das Jack Russel (nämlich den anderen Hund) sogar als Motivation für eine Verhaltensänderung benutzen (wenn du dich ruhig verhältst, wirst du mit ihm Bekanntschaft schließen können).
„Und man tut ihm deswegen den schlechtesten Dienst, wenn man ihm die Begegnung versagt.“
Davon war ja gar nicht die Rede. Ich hatte gesagt, daß der Hund lernen sollte, daß andere Hunde keine Gefahr darstellen. Wenn nun, wie Du schreibst, das „Kläffen“ einen anderen Grund hat, kann man ja trotzdem dagegen angehen. Es geht bei der Gegenkonditionierung darum, das Verhalten des Hundes in bestimmten Situationen zu verändern, indem man dem bisherigen negativen Reiz einen positiven entgegensetzt (freundliches Verhalten, solange der Hund beim Anblick eines „großen“ ruhig bleibt) und das unerwünschte Verhalten toleriert (Vorbeigehen) sowie im Nachhinein durch einen neuen Anreiz „überdeckt“ (Befehl, der dann belohnt wird). Im Laufe der Zeit wird man, sofern man konsequent bleibt, immer näher an fremde Hunde herankommen, ohne daß sich der eigene aufregt. Deshalb stimme ich Dir auch zu, wenn Du sagst:
„Kontakt nicht meiden sondern suchen! Dass er von
groesseren Hunden „zur Ordnung“ gerufen wird, wie Klaus
schreibt, ist normal und wichtig im Sinne des Hierarchieverhaltens.“
Aber das setzt meiner Meinung nach voraus, daß der Hund zunächst lernt, auch in Streßsituationen auf sein Herrchen zu hören – und anderen Hunden ruhig entgegenzutreten. Das kann für alle nur eine Verbesserung sein! Und es hat nichts mit dem „zur Ordnung rufen“ (Rangordnung festlegen) zu tun. Das läuft ja sicher auch bei Begegnungen mit kleinen Hunden ab, denen der Jack Russel schon bisher ruhig gegenübertritt.
„Es ist Unsinn, dass der Terrier keine Angst haben soll. Der lernt
wie alle anderen aus schmerzlichen Erfahrungen. (Meiner hat z.B.
vor Schafen massive Angst, weil er beim ersten Kontakt mit ihnen
einen Schlag vom Elektrozaun bekam).“
Wär doch aber viel schöner, wenn der Hund aus positiven Erfahrungen (Arbeit mit „Herrchen“ bringt Freude; "Herrchen weiß, was gut für mich ist) lernen könnte, oder? Abgesehen davon hab ich selbst auch schon einen Hund erlebt, der vor Pferden mörderische Angst hatte, weil er mal einen Schlag vom Zaun bekommen hatte. Ich fand das absolut nicht wünschenswert, weil sich der Hund ganz offensichtlich nicht wohl gefühlt hat, sobald irgendwo Pferde in Sicht waren (und das waren sie in der ländlichen Gegend sehr oft). Das macht einen Hund unnötig nervös und den Halter gleich mit. Sehe ich nicht als notwendig an. Besser ist es, wenn man seinen Hund genügend unter Kontrolle hat, daß er auf Rufen kommt (und man ihn u.U. anleinen kann), so daß er nicht auf die Pferdeweide gerät. Auch so kann man Unfälle vermeiden. Es kann ja nicht Zweck der Übung sein, daß der Hund vor allen potentiell gefährlichen Dingen (Autos, Schafe, Pferde, Straßen…) Angst hat!
„Es ist bei eurem Hund umso wichtiger, dass er „in freier Wildbahn“ mit anderen Hunden zusammentrifft, weil er ganze zwei Jahre beim Zuechter war, also nur teilweise sozialisiert ist. Daher auch das extreme Erregungsniveau beim Zusammentreffen mit groesseren Rassen, die er ja bislang nicht kannte.“
Das ist eine Vermutung. Wir wissen ja gar nicht, wie der Züchter seine Hunde gehalten hat! Vielleicht kann Nadin das aufklären?
„Das baut sich nur ab, wenn ihr Kontaktmoeglichkeiten sucht und schafft.“
Richtig. Aber: es baut sich im Normalfall leider nicht von alleine ab, sondern der Halter ist gefragt. Wenn man den Hund „einfach machen läßt“, kann es u.U. zu einer Verschlimmerung des Problems kommen.
"Zusammenfassend: Sylvias Vorschlag, wie ihr „das Problem
„wegerziehen“ sollt, ist absurd, denn wie soll der Hund merken,
dass andere Hunde nicht gefaehrlich (oder freundlich) sind, wenn
er es nicht erleben darf??“
Nun, vielleicht erscheint Dir der Vorschlag absurd, aber ich habe damit gute Erfahrungen gemacht. Und nochmals: ich hatte nie gesagt, daß der Hund keine Artgenossen mehr treffen soll. Sondern: er muß erst lernen, sich auf seinen Halter zu konzentrieren, wenn dieser etwas verlangt. Dann kann er schrittweise an andere Hunde herangeführt werden, wobei ruhiges Verhalten zu belohnen und unruhiges zu ignorieren (nicht: bestrafen) ist.
„Zieht euren Hund nur konsequent von allen anderen weg, dann ist
er bald so neurotisch, dass ihr wirklich Angst um ihn haben
muesst, wenn eine Begegnung zustande kommt.“
Auch von wegziehen hatte ich nichts gesagt, sondern von ruhig und zügig vorbeigehen (und schrittweise die „Erregungsdistanz“ verringern). Wenn der Hund sich erstmal in seine Aggression hineingesteigert hat, wäre es falsch, ihn von dem anderen wegzuziehen.
Viele Grüße
Sylvia
Dazu noch meinen Senf - kurz und knapp.
Ich hatte mal einen Schäfer-Rüden. Der hatte ein einfachse Gedankenmuster. Alle, außer meinen „Leuten“ (Frauchen, Herrchen), haben nichts zu melden. Jeder Mensch, jeder Hund, jede Katze und was sonst noch so in dieser Größe rumläuft, sind meine Feinde. Angriff ist meine Devise. Selbst Kühe hat er durch die Koppel gescheucht. Der Hund lebt nicht mehr - es waren aber acht Jahre in höchster Alarmbereitschaft.
Für mich die Lehre daraus, ich verlasse mich weder auf die Aussage meines Gegenübers „mein Hund beißt nicht“. Auch ansonsten versuche ich immer Konflikten aus dem Weg zu gehen. Meine Hündin ist nämlich auch oft ungnädig; gegenüber Hündinnen ohnehin (siehe Stutenbeißerei als Idiom bei Pferden). An die heile Welt, ihr seid alle Brüder und Schwestern glaube ich weder im Tierreich noch bei den menschlichen Zweibeinern.
Für mich die Lehre daraus, ich verlasse mich nie auf die
Aussage meines Gegenübers „mein Hund beißt nicht“.
Sag ich ja! (Oder wolltest Du damit irgendeine meiner Aussagen widerlegen?)
Sylvia
Hallo Sylvia und Klaus und Nadin!
Da meine Replik Diskussionsbedarf zeigt und auch leider
teilweise falsch verstanden wurde, antworte ich nochmal:
An Sylvia, die schreibt:
„Nun ist das doch aber kein Grund, mit dem unangenehmen
Verhalten des Hundes zu leben! Nur weil er eine Anlage zu
gewissen Verhaltensweisen hat, heißt das ja noch lange nicht,
daß man das kommentarlos hinnehmen muss“. Richtig, aber was
waere der von dir vorgeschlagene „Kommentar“? Und welche klaren
Handlungsanweisungen ergeben sich, wenn du zunaechst raetst:
„Wenn es zu einer Begegnung mit einem groBen Hund kommt, ist es
wichtig, daB Ihr Eure Huendin unter Kontrolle habt (Kontrolle
mit der Stimme ausueben, nicht mit der Leine - die Huendin soll
sich auf „ihren Menschen“ konzentrieren). Das solltet Ihr
natuerlich in streBfreien Situationen ueben.“ Ganz wie es
Erziehungsratgeber steht: im ablenkungsfreien Raum soll der Hund
lernen, zu gehorchen und sich auf seinen Herrn zu konzentrieren.
Nur nicht so ganz ausfuehrbar: im stressfreien Raum kannst du
ihm mit „Ignorieren“ und „Aufmerksamkeit“ das Futterbetteln
abgewoehnen oder „Sitz“ beibringen, nicht aber die Begegnung
einueben, die gerade den „Stress“ erzeugt (man sperrt ja auch
nicht sein Kind in einen leeren Raum, um es an fremde Kinder zu
gewoehnen).
Und weiter unten: „… duerft Ihr auch nicht schreien, an der
Leine ziehen o.ae., wenn es ernst wird.“
Noch etwas weiter unten forderst du, wenn der Hund „anfaengt,
nervoes oder aggressiv zu werden: dann muesst Ihr schnurstracks
und geradeaus an dem anderen Hund vorbeigehen, dabei Eure
Huendin an der kurzen Leine halten (so daB sie nicht von Euch
weg kann) und ansonsten ihr schlechtes Verhalten ignorieren.
Aber bloB nicht beim anderen Hund stehenbleiben!“
Also: wir sollen mit der Stimme kontrollieren und nicht an der
Leine ziehen ? Wie schleusen wir damit den erregten Hund an
einem anderen Hund vorbei? „An kurzer Leine vorbei fuehren“??
Wie erlebt das der Hund? Leider nicht als das gute Beispiel von
Herrchen, wie man ohne Aufregung vorbeigeht, sondern er erlebt
zwei ganz andere Dinge, naemlich 1: das unmittelbare
frustrierende Erlebnis eines nicht befriedigten Interesses, das
eine „Leerstelle“ hinterlaesst und 2: die (meistens mit
nervoesem Beigeschmack behaftete) Spannung an der Leine, die
nicht „Ignorieren“ signalisiert, wie du meinst, sondern
„Vermeidung“, wodurch sich die „Leerstelle“ mit negativer
Bedeutung fuellt. Genauso wird aus dem urspruenglich neutralen
Annaeherungsimpuls des Hundes ein "aggressiver. Die Hunde, die
er nicht kennenlernte, weil er nicht seinem wertfreien Instinkt
folgen durfte, sondern Herrchens „Vermeidung“ verarbeitet,
werden allmaehlich eine Bedrohung fuer ihn. Und wenn es dann
wirklich mal zu einer Begegnung kommt, ueberlagern sich der
spontane Annaeherungs- und der antrainierte Vermeindungsimpuls,
wodurch er ueberspannt reagiert. So kennt man zur Genuege die
bedauernswerten „Fifis“, die sich an langer Hand ohnmaechtig die
Seele aus dem Leib klaeffen, wenn ein „Grosser“ auf sie zukommt.
Es heisst dann: „er mag keine grossen Hunde“ oder „er ist von
einem Schaeferhund gebissen worden“ etc.
Insofern hast du absolut recht, wenn du schreibst: „Man kann nie
wissen, wie der andere Hund sich bei einem Zusammentreffen
verhaelt, wenn er vom kleinen „provoziert“ wird. Ich habe
tatsaechlich schon einen großen Hund einen kleinen „attackieren“
sehen (uebrigens beide ohne Leine!)“
Na Gottseidank waren beide ohne Leine! Ein Hund, der an der
Leine haengt, waehrend er von einem anderen attackiert wird, hat
ja schlechte Karten. Gerade weil der grosse Hund vielleicht
unangemessen reagiert, muss der Kleine die Begegnung ohne Leine
bestehen. Das gibt ihm im Notfall auch die Moeglichkeit des
Rueckzugs durch Flucht (umso wichtiger, wenn er auf die von dir
zitierten Faelle trifft, wo auch der Hundehalter im
Sozialverhalten schwer gestoert ist und seine „Bestie“ eher noch
zum Angriff ermutigt)
Ich hatte uebrigens auch nicht behauptet (wie du verstanden zu
haben scheinst), dass: „jeder „Killer“ durch bewusste Dressur
zum solchen geworden“ ist. Selbstverstaendlich sind das meistens
Erziehungsfehler: die wird ja kaum einer „bewusst“ machen, oder?
Die obengenannten Fifis, die gebissen wurden, zaehlen teilweise
zu denen, die ich als „durch konsequente Qualdressur“ verdorben
bezeichnet habe. Denn das konsequente
Gegen-den-Impuls-an-derÐLeine-Vorbei -Fuehren ist nichts anderes
als „Qualdressur“ (auch wenn hier jetzt einige Hundefreunde vor
Empoerung aufjaulen), guckt mal in der Verhaltensforschung nach
unter „Negatives Konditionieren auf einen angeborenen Stimulus“.
Es grenzt schon fast an Boeswilligkeit, dass du nun das von mir
erwaehnte Beispiel der Angst bei Terriern (die Geschichte mit
dem Elektrozaun) als „Zweck der Uebung, dass der Hund Angst
hat,“ bezeichnest. Damit wird letztlich mir ein Plaedoyer fuer
Qualdressur unterstellt. Also, um es klarzustellen: ich lasse
meine Kinder nicht an die heisse Herdplatte fassen, um sie die
Gefahr zu lehren und fand das genauso „absolut nicht
wuenschenswert“, dass mein Hund die Begegnung mit dem Zaun
hatte, der leider ueber Nacht auf einer vertrauten Wiese
installiert worden war, und der Hund hatte ihn frueher als ich
entdeckt.
Mit deiner Zielsetzung („Ich hatte gesagt, dass der Hund lernen
sollte, dass andere Hunde keine Gefahr darstellen“) bin ich ja
absolut einverstanden. Nur die Methode der
„Gegenkonditionierung“ ist offenbar strittig. Du schreibst
selbst, dass du noch keine Erfahrung mit „aggressiven“
Jack-Russels gemacht, aber mit der von dir vorgeschlagenen
Methode Erfolg gehabt haettest ("freundliches Verhalten, solange
der Hund beim Anblick eines „großen“ ruhig bleibt) und das
unerwuenschte Verhalten toleriert (Vorbeigehen) sowie im
Nachhinein durch einen neuen Anreiz „ueberdeckt“ (Befehl, der
dann belohnt wird, dass man „im Laufe der Zeit immer naeher an
fremde Hunde herankommt, ohne dass sich der eigene aufregt“).
Das glaube ich gern, doch es ist leider schon im Ansatz reine
Theorie, den Jack-Russel vorher so zur „Konzentration“ zu
bringen, dass er schrittweise an grosse Hunde herangefuehrt
werden kann. Der hat einen solchen Energieueberschuss, dass du
ihn nie weit genug „abgeregt“ kriegst, wenn ihn etwas so stark
interessiert (meiner ist immer vor Begeisterung hysterisch, wenn
wir Bekannte mit Kindern besuchen, mit denen er toben kann, oder
wenn wir in den Wald fahren). Dazu kommt, dass Terrier auf
„Autonomie“ hin gezuechtet worden sind Sie werden nie so sehr
von deinem Wohlwollen und deiner Zustimmung abhaengen wie grosse
Rassen.
Also: ich habe selbst alles ausprobiert. Entweder man fuehrt ihn
einfach am Gegenstand seines Interesses vorbei, dann regt er
sich wieder ab, wenn der andere weg ist, oder man laesst ihn die
Erfahrung machen. Die staendige Uebererregung durch die
versaeumten Begegnungen ist letztlich quaelender fuer den Hund
als die Entspannung, die durch den Kontakt eintritt. Dabei habe
ich, bitte sehr, nie fuer die Methode mit der „heissen
Herdplatte“ plaediert. Nur dafuer, dass er unter Hunden wie ein
Hund behandelt wird, so wie sich auch Kinder gegenseitig
erziehen und in ihre Schranken weisen. Man kann ja die anderen
„Hundeeltern“ vorher fragen, ob manÕs riskieren darf. Nur dann
muss man es den Hunden ueberlassen: Leine los und durch! Wenn
man will, dass er sich vorher das Klaeffen verkneift, kann man
ihm ja das Maul zuhalten. Damit vermeidet man auch, dass er sich
hineinsteigert. Als praktikabel hat sich erwiesen: den Hund
unter den Arm klemmen, Maul zuhalten und ihn erst hinsetzen,
wenn man am grossen Hund ist. So kommt er erst gar nicht mehr
zum Bellen (und der Grosse fuehlt sich nicht angegriffen). Es
dauert nicht lange, bis er dann ohne Bellen auf grosse Hunde
zugeht. Meiner hat schnell das besondere Interesse an ihnen
verloren.
An Klaus:
das „einfache Gedankenmuster“ hatte offensichtlich nicht dein
Hund, sondern du, nicht nur weil du das Verhalten deines Hundes
gegenueber Menschen und Hunden (Revierverhalten ), Katzen
(Beuteverhalten) und Kuehen (spezifisches stammesgeschichtlich
erworbenes"Schaefer"-Verhalten der Huetehunde) ueber einen Kamm
scherst, sondern auch, weil du dir nicht die Muehe gemacht hast,
diesen Hund sorgsam zu studieren und zu „er-ziehen“, d.h.,seine
Instinkte in Bahnen zu lenken, die befriedigendes Ausleben
derselben erlauben. Dafuer musstest du mit: „acht Jahren in
hoechster Alarmbereitschaft“ bezahlen. Und welche „Lehre“ ergibt
sich im Uebrigen fuer dich?? Deine Huendin ist doch ein gutes
Beispiel fuer das Phaenomen der „Hackordnung“, die ich
angefuehrt habe. Es ist auch ein „einfaches Gedankenmuster“,
andern Hunden deshalb aus dem Weg zu gehen, weil man sich
huendisches Miteinander entweder nur droege-friedlich oder aber
gar nicht wuenscht. Das nenne ich „Heile-Welt“-Denken! Wenn man
Raufereien vermeidet, nimmt man dem Hund ein Stueck
Lebensqualitaet.
Bevor ich jetzt auch noch in die Ecke der
„Hundekampf-Befuerworter“ gesteckt werde, versichere ich, dass
mein Kleiner aus keiner Begegnung mit einem grossen Hund
veraengstigt oder beschaedigt hervorgegangen ist, obwohl er ab
und zu mal bruesk in seine Schranken gewiesen wird. Und welch
ein Stolz, wenn er dann evtl. einen „grossen Freund“ gewinnt,
dessen Spielzeug nehmen darf oder gar auf seiner Decke sitzen!
Wir haben auf diese Weise schon neue Spielkameraden gefunden, so
dass wir oefter mit einem etwas groesseren „Rudel“ unterwegs
sind.
Uebrigens (nochmal an Sylvia) zum Thema Rudel:
So liest manÕs in populaerwissenschaftlichen
Erziehungsratgebern: „der fremde Hund gehoert nicht zur
Jagdgemeinschaft. Vielmehr besteht das Rudel aus der Familie.“
Und der Halter „sollte in den Augen seines Hundes interessanter
sein als der andere Hund“. Das ist ja hier auch eine zugegebene
Wunschkonstruktion. Wer sich weiterfuehrender mit Kynologie
beschaeftigt, lernt: „Rudel“ meint nicht in erster Linie die
konkrete „Koerperschaft“ von Mitgliedern, sondern die
Eigenschaft der Art Hund, sich am anderen zu orientieren und mit
ihm zu funktionieren. Es ist ein absolut dynamischer Begriff,
d.h. die Grenzen sind immer fliessend und offen. „Rudel“
konstituiert und formiert sich staendig neu, so wie eine neue
Situation entsteht.
Aber es sieht so aus, als ob sich unser Disput langsam
verselbstaendigt. Vielleicht laeuft letzten Endes alles nur auf
die alte Weisheit hinaus: mische dich nicht in die
Erziehungsangelegenheiten anderer Leute! Wer dem Hund (auch dem
anderen!) in der Konfrontation das artgerechte Verhalten
zutraut, soll sich fuer meine „Methode“ entscheiden, werÕs
vorsichtiger angehen will, fuer deine, oder am besten seine
eigene finden, denn jeder kennt seinen Hund am besten. Und wir
sind uns ja wohl alle einig, dass wir letztlich nur „fuer den
Hund“ plaedieren.
Gruesse
Elke
Hallo Elke,
vielleicht sind Deine Hunde da anders, aber die vielen Hunde, mit denen ich gearbeitet habe, haben mit allgemeinem Gehorsamstraining und darauf aufbauendem „Problembeseitigungsunterricht“ sehr große Fortschritte gemacht. Der Effekt ist, daß ein Hund durch dieses Grundtraining lernt, sich auf seinen Herrn zu konzentrieren und sich auch in vielen Situationen auf ihn zu verlassen („Wenn Herrchen meint, daß mir keine Gefahr droht, dann stimmt das sicher“). Wer seinen Hund so „unter Kontrolle“ hat, kann auch in der entsprechenden Problemsituation (fremder Hund) mit ihm arbeiten. Wer seinen Hund aber schon in Normalsituationen nicht kontrollieren und lenken kann, ist meiner Meinung nach in Extremsituationen verloren. Ich bin auch keineswegs dafür, den Hunden den Kontakt mit Artgenossen zu verwehren. Wenn das der Fall wäre, würde ich sicher nicht für Gegenkonditionierung plädieren. Logisch?
„Nun ist das doch aber kein Grund, mit dem unangenehmen
Verhalten des Hundes zu leben! Nur weil er eine Anlage zu
gewissen Verhaltensweisen hat, heißt das ja noch lange nicht,
daß man das kommentarlos hinnehmen muss“. Richtig, aber was
waere der von dir vorgeschlagene „Kommentar“?
Das hatte ich ja bereits geschrieben: man sollte mit seinem Hund daran arbeiten, daß dieser sich in der Streßsituation ruhig verhalten kann. Wie das geht, steht in meinem ersten Posting. Falls Du mir jetzt antwortest, daß das nicht funktioniert: ich habe mit etlichen Hunden im Tierheim, die
a) naturgemäß zu mir nicht die Bindung hatten, die sie zu einem „Langzeitbesitzer“ haben und
b) bei weitem nicht so viel Trainingszeit mit mir verbringen konnten wie idealerweise ein Familienhund mit seinen Leuten,
viele Probleme lösen können, an denen ihre Vorbesitzer leider gescheitert waren. Voraussetzung für die Arbeit am eigentlichen Problem war aber immer der Grundgehorsam. Wer das nicht glaubt, bei dem sind Probleme vorprogrammiert, wenn sie nicht gerade einen sehr unkomplizierten Hund haben.
Und welche klaren Handlungsanweisungen ergeben sich, wenn du :zunaechst raetst: „Wenn es zu einer Begegnung mit einem groBen :Hund kommt, ist es wichtig, daB Ihr Eure Huendin unter :Kontrolle habt (Kontrolle mit der Stimme ausueben, nicht mit :der Leine - die Huendin soll
sich auf „ihren Menschen“ konzentrieren). Das solltet Ihr
natuerlich in streBfreien Situationen ueben.“ Ganz wie es
Erziehungsratgeber steht: im ablenkungsfreien Raum soll der
Hund lernen, zu gehorchen und sich auf seinen Herrn zu
konzentrieren.
Dazu erstmal: ob ich meine „Weisheit“ aus dem Erziehungsratgeber habe, kannst Du gar nicht beurteilen und solltest Dir daher darüber auch kein Urteil erlauben. Ich habe mit Hundetrainern zusammengearbeitet und im Tierheim wahrscheinlich ein breites Spektrum an Hunde-Verhaltensproblemen kennengelernt. Ich will nicht behaupten, daß ich jedes Problem lösen kann, aber einige habe ich schon gelöst.
Und dann: die Grundbedingung für effektives Gehorsamstraining ist nun mal, daß man mit dem Einfachen anfängt und sich dann steigert. Du hast ja in der Schule auch nicht mit Zellbiologie angefangen! Wenn man die „Grundlektionen“ hinter sich hat, kann man weitergehen. Und ich hatte in meinem ersten Posting schon geschrieben, daß das Training im ablenkungsfreien Raum der Anfang ist, auf dem man dann aufbaut!
Nur nicht so ganz ausfuehrbar: im stressfreien Raum kannst du
ihm mit „Ignorieren“ und „Aufmerksamkeit“ das Futterbetteln
abgewoehnen oder „Sitz“ beibringen, nicht aber die Begegnung
einueben, die gerade den „Stress“ erzeugt (man sperrt ja auch
nicht sein Kind in einen leeren Raum, um es an fremde Kinder
zu gewoehnen).
Habe ich nie behauptet.
Also: wir sollen mit der Stimme kontrollieren und nicht an
der Leine ziehen ?
Ja, um dem Hund die Grundbefehle beizubringen, die dann in der Streßsituation zur Beruhigung und zur Umorientierung des Hundes (vom fremden Hund auf das Herrchen) verwendet werden.
Ich glaube, Du hast Dir mein erstes Posting nicht richtig durchgelesen, sonst würdest Du derartige Fragen nicht stellen.
Wie erlebt das der Hund? Leider nicht als das gute Beispiel
von Herrchen, wie man ohne Aufregung vorbeigeht, sondern er :erlebt zwei ganz andere Dinge, naemlich 1: das unmittelbare
frustrierende Erlebnis eines nicht befriedigten Interesses,
das eine „Leerstelle“ hinterlaesst und 2: die (meistens mit
nervoesem Beigeschmack behaftete) Spannung an der Leine, die
nicht „Ignorieren“ signalisiert, wie du meinst, sondern
„Vermeidung“, wodurch sich die „Leerstelle“ mit negativer
Bedeutung fuellt.
Der Hund erlebt das als Signal, daß es nichts zum Aufregen gibt. Daß „Herrchen“ dabei natürlich nicht nervös sein darf, darauf hatte ich bereits hingewiesen. Wenn man nicht signalisiert, daß man Angst vor der Begegnung hat bzw. nicht weiß, wie man sich verhalten soll, dann überträgt sich auch keine Nervosität auf den Hund. Sondern: er lernt, daß seine negative Reaktion zu nichts führt und daher unnötig ist. Außerdem lernt er, daß Gutes geschieht, wenn er sich auf sein Herrchen konzentriert. (Weil ihm nämlich a) die Aufregung erspart bleibt und er b) für die anschließende Ausführung des Kommandos „Sitz“ o.ä. belohnt wird.) So füllt man auch die von Dir erwähnte „Leerstelle“. Und nochmals: ob Du mir das nun glaubst oder nicht, die Methode funktioniert. Was ja nicht heißen soll, daß jeder sie anwenden muß. Wem die Idee nicht zusagt, der soll es lassen. Ich habe auf Nadins Hilferuf geantwortet, so gut ich es konnte.
Genauso wird aus dem urspruenglich neutralen Annaeherungsimpuls :des Hundes ein "aggressiver. Die Hunde, die er nicht :kennenlernte, weil er nicht seinem wertfreien Instinkt
folgen durfte, sondern Herrchens „Vermeidung“ verarbeitet,
werden allmaehlich eine Bedrohung fuer ihn.
Das trifft für bisher unbelastete Hunde zu. Wir sprechen aber hier von einem Hund, der bereits unangebrachtes Verhalten gelernt hat und nun umlernen muß. Und der auch keinen wertfreien Instinkt mehr hat!
Insofern hast du absolut recht, wenn du schreibst: „Man kann
nie wissen, wie der andere Hund sich bei einem Zusammentreffen
verhaelt, wenn er vom kleinen „provoziert“ wird. Ich habe
tatsaechlich schon einen großen Hund einen kleinen
„attackieren“ sehen (uebrigens beide ohne Leine!)“
Na Gottseidank waren beide ohne Leine! Ein Hund, der an der
Leine haengt, waehrend er von einem anderen attackiert wird,
hat ja schlechte Karten.
So drehst Du mir das Wort im Mund um. Du bist die, die behauptet hat, daß ein unangeleinter Hund sich nicht in einen anderen unangeleinten Hund verbeißt. Außerdem geht es hier unter anderem darum, wie man seinen Hund aus Situationen heraushält, in denen es zu „Attacken“ kommen kann.
Denn das konsequente Gegen-den-Impuls-an-der-Leine-Vorbei :-Fuehren ist nichts anderes als „Qualdressur“ (auch wenn hier :jetzt einige Hundefreunde vor Empoerung aufjaulen), guckt mal :in der Verhaltensforschung nach unter „Negatives Konditionieren :auf einen angeborenen Stimulus“.
Also, da das immer wieder falsch ausgelegt wird: ich habe nicht gesagt, daß der Hund nun sein Leben lang an anderen Hunden vorbeigeführt werden soll. Sondern: er soll „gegenkonditioniert“ werden (negative Reize durch positive ersetzen), damit das Vorbeiführen später nicht mehr nötig ist und er sich streßfrei anderen Hunden nähern kann.
Also, um es klarzustellen: ich lasse
meine Kinder nicht an die heisse Herdplatte fassen, um sie die
Gefahr zu lehren und fand das genauso „absolut nicht
wuenschenswert“, dass mein Hund die Begegnung mit dem Zaun
hatte, der leider ueber Nacht auf einer vertrauten Wiese
installiert worden war, und der Hund hatte ihn frueher als ich
entdeckt.
Dein Posting klang aber so, als ob Du das gar nicht so übel fändest. Wenn das nicht so gemeint war, haben wir uns mißverstanden.
Mit deiner Zielsetzung („Ich hatte gesagt, dass der Hund lernen
sollte, dass andere Hunde keine Gefahr darstellen“) bin ich ja
absolut einverstanden. Nur die Methode der
„Gegenkonditionierung“ ist offenbar strittig.
Kann sein, aber sie funktioniert. Was wiederum nicht heißen soll, daß andere Methoden nicht funktionieren…
Du schreibst
selbst, dass du noch keine Erfahrung mit „aggressiven“
Jack-Russels gemacht, aber mit der von dir vorgeschlagenen
Methode Erfolg gehabt haettest.
Das glaube ich gern, doch es ist leider schon im Ansatz reine
Theorie, den Jack-Russel vorher so zur „Konzentration“ zu
bringen, dass er schrittweise an grosse Hunde herangefuehrt
werden kann. Der hat einen solchen Energieueberschuss, dass du
ihn nie weit genug „abgeregt“ kriegst, wenn ihn etwas so stark
interessiert
Es gibt genügend andere Hunde, die extrem nervös sind (auch „rasselose“ Hunde). Auch wenn Du das nicht glaubst: man KANN sie beruhigen. Es geht natürlich nicht von heute auf morgen.
Wenn man will, dass er sich vorher das Klaeffen verkneift, kann :man ihm ja das Maul zuhalten. Damit vermeidet man auch, dass er
sich hineinsteigert.
Und dann entsteht keine „Leerstelle“? Ich bitte Dich: das ist dem Hund gegenüber nicht weniger Qual, als ihn an der Leine unter Kontrolle zu haben.
Ach und noch was zum Hochnehmen des Hundes: mach das mal mit einem Schäferhund!
Uebrigens (nochmal an Sylvia) zum Thema Rudel:
So liest man’s in populaerwissenschaftlichen
Erziehungsratgebern: „der fremde Hund gehoert nicht zur
Jagdgemeinschaft. Vielmehr besteht das Rudel aus der Familie.“
Und der Halter „sollte in den Augen seines Hundes
interessanter sein als der andere Hund“.
Das zeigt, wenn überhaupt, nicht, daß ich populärwissenschaftliche Bücher lese, sondern daß Du es tust. Ich habe mein Wissen hauptsächlich aus der Zusammenarbeit mit Leuten, die mit Problemhunden arbeiten, sowie aus meinen eigenen Erfahrungen.
Viele Grüße
Sylvia
Hallo Sylvia,
Also, noch ein letztes mal. Es ist absolut richtig:
„…Voraussetzung fuer die Arbeit am eigentlichen Problem war
aber immer der Grundgehorsam.
daß man mit dem Einfachen anfaengt und sich dann steigert
ob Du mir das nun glaubst oder nicht, die Methode funktioniert.
Es geht natuerlich nicht von heute auf morgen. …
Ach und noch was zum Hochnehmen des Hundes: mach das mal mit
einem Schaeferhund!..“
Haben wir uns da eventuell die ganze Zeit missverstanden? Nadins
Frage betraf doch den Jack-Russel und dessen Handhabe in einer
speziellen Situation. Ich habe nie von der Hunde-
Grundausbildung gesprochen, sondern von den spezifischen
Problemen mit derselben. Denn ich weiss aus Erfahrung, dass die
Konzentration des J-R auf seinen Herrn in bestimmten Situationen
relativ ist, auch wenn die Gehorsamsausbildung gut ist und
permanent verfeinert wird (ich bin sicher die letzte, die ihren
Hund einfach „machen laesst“, wie du mir in der ersten Antwort
unterstellst, sonst wuerde ich nicht ohne Leine mit einem
solchen Energiebuendel durch die Gegend ziehen; dazu kommt der
Grosse und gelegentlich Pflegehunde). Wenn man also nicht bis
zum juengsten Tag warten will, bis der J-R sich nicht mehr von
anderen Hunden ablenken laesst, muss man dafuer sorgen, dass er
schnell seine Fixierung auf sie verliert, und das geht nur mit
Konfrontation. Auf meinen erfolgreichen Praxisbericht
(hochnehmen und hintragen) meinst du aber:
„Und dann entsteht keine „Leerstelle“? Ich bitte Dich: das ist
dem Hund gegenueber nicht weniger Qual, als ihn an der Leine
unter Kontrolle zu haben.“
Irrtum. Dann kriegt er ja, was er will. Die „Leerstelle“, die
heisst hoechstens: „Hoppla, was ist denn nun los? und wo ist der
Grosse geblieben??“ Das dauert die paar Sekunden, die du
brauchst, um den Kleinen hinzutragen, wodurch du eine neue Basis
fuer die Annaeherung schaffst. Und die Leerstelle fuellt sich
mit der Erfahrung des anderen Hundes: „Grosser, das bist du
also!“ Uebrigens kann man durch Tragen und evtl.
beim-Runtersetzen-in-die-Knie gehen auch mehr Sicherheit geben,
so wie man bei einem kleinen Kind nahe dran bleibt, wenn was
Fremdes kommt. Man ist dann quasi zu zweit, um den anderen zu
begruessen, wodurch der wiederum besser unter Kontrolle bleibt.
Also: das waere (in diesem Fall) meine Methode, den Hund zu
beruhigen.
„So drehst Du mir das Wort im Mund um.
Du bist die, die behauptet hat, dass ein unangeleinter Hund sich
nicht in einen anderen unangeleinten Hund verbeißt.“
Ja, das behaupte ich auch weiterhin, Wenn keiner angeleint ist,
also nicht aus Angst zubeisst, weil er sich in die Enge
getrieben fuehlt, hat das"Attackieren" (mit Ausnahme der
aeusserst seltenen Faelle von starker Degeneration) einen
„unblutigen“ Impetus, sei es dass der ranghoehere Hund den
anderen massregelt oder eine Huendin einen laestigen Freier
wegbeisst oder einer seinen Knochen verteidigt oder es ist (in
den meisten Faellen) eine Scheinattacke mit drohenden oder
spielerischen Vorzeichen. Es kann durchaus zu kleineren
Raufereien kommen. Sie gehoeren zum Hundeleben. Deswegen bin ich
auch nicht einverstanden, dass
„man seinen Hund aus Situationen heraushaelt, in denen es zu
Attacken kommen kann“.
Wer je mehrere Hunde gleichzeitig auch nur gefuettert hat,
weiss, dass man Attacken nicht vermeidet. In jeder
Hundespielgruppe gehoeren auch handfeste Auseinandersetzungen
dazu. Sie machen einen Grossteil der „Wuerze“ des Erlebnisses
fuer den Hund. Natuerlich bezieht du dich mit deinem Einwand auf
die Gefahr von Verletzungen durch „gestoertes“ Verhalten. Hierzu
kann ich nur wiederholen, dass ich es in ueber dreissig Jahren
nicht erlebt habe. Auch ich habe meinen Kleinen nicht jedem
Grossen vor die Nase gesetzt. Ich sage aber, dass er so, wie ich
ihn herangefuehrt habe, schnell zu einer entspannten Begegnung
faehig war.
Tschuess
Elke