Scheue Katze

Hallo!

Vor ca. 3 Monaten habe ich meine 10jährige Katze aus dem Tierheim geholt - und immer noch hat sie Angst sobald ich gehe oder stehe…dann springt sie weg wie angestochen. Hebe ich sie jedoch auf meinen Schoß um ihr Augensalbe zu geben (sie hat eine chronische Überreaktion des Immunsystems, was sich vor allem in entzündeten Augenlidern äußert - (alles etwas ominös übrigens - weil meine Tierärztin derartiges bisher noch nie an Katzen sondern lediglich an Schäferhunden erlebt hat)dann bleibt sie stundenlang und ich kann sie wirklich ewig streicheln und sie räkelt sich, dreht sich auf den Rücken, schnurrt und scheint rundum zufrieden. Sobald ich mich aber im aufrechten Gang befinde, nimmt sie Reißaus. Wer weiß, was die in den letzten 10 Jahren erlebt hat.

Meine Frage nun, hat einer irgendwelche Tips, wie ich ihr diese Scheu nehmen kann? Gibt es irgendwelche gezielte Strategien?
Oder muß ich einfach noch Geduld, Geduld und nochmal Geduld haben?

Mein Zimmer betritt sie übrigens auch nicht. Stattdessen verbringt sie Tag und Nacht bei meinem Mitbewohner, der darüber nicht so erfreut ist, da er jede Nacht von ihrem Gekratze auf dem Sessel wach wird…

Also, ich hoffe, ihr habt viele Ideen…

Danke schon mal und Ciao,
Lynn

Hallo Lynn!

Das von Dir beschriebene Verhalten kenne ich von einer Katze aus dem Freundeskreis. Die hat auch Augenprobleme. Wir vermuten, daß sie durch das eingeschränkte Gesichtsfeld erschrickt, wenn Du quasi unvermittelt vor ihr stehst.

Tschüs, Sven.

Hallo!

Du hast es schon richtig erkannt - Du brauchst Geduld, Geduld, Geduld…

2 meiner Katzen habe ich mit 6 Monaten bekommen - sie sind Welpen einer freilebenden Mutter und wurden von Tierschützern eingefangen. 2 Monate lang habe ich sie gar nicht gesehen, da lebten sie unter dem Bett und kamen nur nachts zum fressen und ins Katzenklo gehen heraus. Nach 2 Monaten konnte ich sie mit Hilfe von Spielzeug herauslocken. Nach ca. 3 Monaten nahmen sie das erste Leckerli aus der Hand. Nach 4 Monaten konnte man den ersten anfassen. Nach ca. 1 Jahr sprangen sie nicht mehr weg, wenn man an ihnen vorbeiging.

Mittlerweile habe ich sie 1.5 Jahre. Ergebnis: einer ist total verschmust und unempfindlich. Der andere (schon immer scheuer) ist auch sehr verschmust aber nervöser, mag es nicht, wenn man ihm aufrecht stehend in Augenhöhe begegnet oder gezielt auf ihm zugeht. Sie lassen sich inzwischen beide bürsten. Hochheben kann man nur einen, auf dem Schoss halten keinen. Das liegt daran, dass sie als Welpen keinen Menschenkontakt hatten.

Meine dritte Katze bekam ich als fauchendes Nervenbündel, das von seiner Familie mit 4 Jahren unkastriert in einem Hausflur zurückgelassen worden war. Mittlerweile (nach 6 Monaten) kann man alles mit ihr machen ausser hochheben und am Bauch anfassen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Du weisst nicht, was die Katze erlebt hat. Das Gewinnen des Vertrauens ist ein langwieriger Prozess. Ich bin voller Hoffnung, dass sich auch bei meinen Katzen noch was tun wird, vielleicht in einem Jahr, vielleicht in 5 Jahren.

Bei Deiner Katze wird sich garantiert auch noch was tun und sie wird ruhiger werden. Es kann ja auch sein, dass sie durch ihre Augenprobleme auch ein eingeschränktes Sehvermögen hat und sie das zusätzlich irritiert.

Deine Katze fühlt sich bei Dir wohl, das ist das wichtigste. Alles andere kommt mit der Zeit.

Gruß,

Myriam
Satan, Luzifer & Greta