Re^5: nicht alle Offenställe sind 'artgerecht'
Hallo Hexerl!
Ich finde es ganz toll von Dir, dass Du mich verteidigst.
Du hast ganz Recht mit Deiner Annahme, dass meine Stute nicht für die Offenstallhaltung geeignet ist. Da sollte man aber die Vorgeschichte hören:
Sie ist als Fohlen in einer Gruppe gleichaltriger Stuten aufgewachsen. Tagsüber war die Herde auf der Koppel, nachts dann im Laufstall. Dann hatte sie leider einen Unfall. Die Pferde sind morgens, wie immer, auf die Koppel gelaufen und haben sich richtig ausgebuckelt. Dabei hat ein Pferd meine Stute (sie heißt übrigens Beverly) getroffen, so dass sie hingefallen ist und sich das Hüftlelenk ausgerenkt hat. Der Tierarzt meinte damals zum Besitzer, dass er sie wohl wieder "hinkriegen" würde. Als sie dann 3 Jahre alt war, und man sie anreiten wollte, hat sich gerausgestellt, dass sie zwar keine Schmerzen hat, aber trotzdem nie voll belastet werden kann. Tja und da der Besitzer ein begeisteter Turnierreiter war, hat er sich entschlossen, die Stute zum Schlachter zu bringen, denn so ein "verkrüppeltes" Pferd würde ja eh keiner kaufen. Und da hat er sich gewaltig getäuscht!!! Ich hab Beverly noch am selben Tag vom Schlachthof geholt. Zugegeben, sie sieht etwas merkwürdig aus - ihr Beckenknochen steht auf der linken Seite raus, wie bei einer Kuh, aber das stört uns überhaupt nicht. Sie ist jetzt der beste Freizeitpartner, den ich mir vorstellen kann.
Da ich Pferde liebe und es nicht mitansehen kann, wenn sie in "Käfigen" gehalten werden, habe ich sie in einen sehr schönen, sauberen, wirklich artgerechten Offenstall gebracht. Dort ging am Anfang auch alles gut, bis ein Wallach in die Gruppe kam. Der hat nur noch Unruhe gestiftet. Als ich dann zufällig zugesehen habe, wie er Beverly ihren Platz in der Herde streitig machen wollte (was ja eigentlich auch normal ist), und er sie dabei so sehr getreten hat, dass sie ihr linkes Hinterbein kaum noch bewegen konnte, hab ich für sie einen anderen Stall gesucht. Ich hab da auch lange mit meinem Tierarzt drüber gesprochen und er meinte, dass sie verdammtes Glück gehabt hat. Wenn sie nochmal so einen Schlag abbekommt, hält das ihre Hüfte wahrscheinlich nicht mehr aus und ihr Bein bleibt steif. Und das will ich ja nicht. Jetzt ist sie, wie gesagt, auf einem Hof in einer Einzelbox. Allerdings ist es dort viel artgerechter, als in manch anderen Reitställen. Sie kann vorne den Kopf zur Tür rausstrecken, und sieht also, was sich auf dem Hof so alles abspielt (das ist sehr wichtig für sie. Ich kenne kein Pferd, das neugieriger ist *g*), und an der Rückseite der Box ist auch ne Tür. Durch die kann sie Tagsüber auf nen 63m² großen Paddock. Außerdem kommen dort alle Pferde vormittags auf die Koppeln. Ich finde, der Stall ist ganz in Ordnung. Da hätte sie es schlimmer erwischen können.
Ich hab meinen Tierarzt mal gefragt, ob ein Pilz oder Parasiten Schuld daran sein können, dass sie sich den Schweif scheuert, aber er meinte, dass es wohl nur die Aufregung durch den Stallwechsel und die vielen neuen Pferde sei. Die Futterumstellung (sei bekommt jetzt Rübenschnitzel und Mashbrei) könnten auch eine Ursache dafür sein. Ich hab mir jetzt aus der Apotheke Teebaumöl gekauft, den ich in Beverly's Schweifrübe einmassiere. Es wird echt besser!
So, ich denke, das war genug Infomaterial und hoffe, dass ich nicht nochmal an nem Streit schuld bin...;-)
Liebe Grüße KIM
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