Hallo Maik,
zunächst einmal noch herzlicheren Dank, dass du es noch einmal wagst, mir zu antworten, obwohl du die Ungnade von Kollegen fürchtest. 
Obwohl ich natürlich nicht wissen kann, was du bei deiner Erklärung zur Vereinfachung weggelassen hast, muss ich sagen: Es ist verständlich und klingt logisch, und ich weiß wieder etwas mehr, das mir weiterhilft.
Dass du ein „Kind der Neuzeit“
bist, wie du unten sagst habe ich mir schon gedacht, als ich las, dass du der Meinung bist, Leitungen müssten grundsätzlich dreiadrig sein. Mich hat es allerdings gewundert, dass Ihr gar nichts davon erfahrt, denn ein bisschen Historie des eigenen Handwerks ist doch sicher interessant, außerdem kannst du bei der Renovierung eines Altbaus sicher auch heute noch darauf stoßen. Deshalb als kleine „Gegenleistung“ für deine hilfreiche Information an dich:
Das Haus,um das es hier geht, ist ein stilvoller Altbau von 1928. Als wir es 1982 übernahmen, hatte es noch die Original-Verkabelung von damals.
Das hieß: Drehschalter, bei denmisten musste man vorsichtig die Stelle suchen, wo es angeht. Früher rasteten die ein, aber im Laufe der Zeit waren sie ausgeleiert mit dem vorgenannten Ergebnis.
Die Steckdosen nicht Schuko. Sie waren flacher, der Stecker verschwand nicht teilweise darin, sondern steckte obenauf. Und da die Federn des Schutzkontktes ja auch mechanisch eine Festhaltewirkung ausüben, die hier fehlt, rutschten die Stecker oft heraus, wenn man an das Kabel stieß.
Die Verkabelung war vollständig in Leerrohren. Sie bestanden aus dünnen Zink, das innen mit geteerter Pappe isoliert war. Das Phasenkabel war Kupferdraht mit Baumwolle isoliert, z. T. brüchig, weshalb es oft Kurzschlüsse gab. Der Nullleiter war ein nackter Kupferdraht. Für uns war das sehr praktisch, denn man konnte an den alten Kabeln neue anknüpfen und so erneuern, ohne irgend etwas aufstemmen oder gar Stuck zerschlagen zu müssen.
Die Arbeiten - zur Beruhigung deiner kritischen Kollegen angemerkt
- wurden aber von Fachleuten gemacht. Zum einen wäre es zuviel für mich gewesen, zum anderen kenne ich die geltenden Normen nicht, mussten ja auch Zähler und Sicherungskästen erneuert und alles abgenommen werden.
Leerrohre gibt es auch heutzutage als „Flexrohre“ aus Plastik, wie ich inzwischen weiß. Damals war die Erkenntnis, dass es so etwas gibt, für mich neu und überraschend, hielt ich für eine Ausnahme in einem auch sonst nicht billig gebauten Haus. Denn da ich in der Nachkriegszeit aufgewachsen bin, wo überall schnell schnell und billig billig Wohnraum wieder aufgebaut werden musste, kannte ich vom Spielen in Baustellen und vom späteren Heimwerken in eigenen Wohnungen nur Stegleitungskabel.
Die Leitung, die zu der Steckdose führt, um die es hier eingangs ging, muss in den 50-er Jahren nachträglich gelegt worden sein. Sie ist deshalb auch in Stegleitung - aber immer noch zweipolig. Das war zwar die Zeit, wo die Umstellung begann, aber man hatte wohl keinen Sinn darin gesehen, ein einzelnes dreiadriges Kabel zu verlegen, das dann doch in einem zweipoligen Verteiler endet. Es muss aber von Fahleuten verlegt worden sein, denn es befinden sich Verteilerdosen, wo ein Bastler sicher nur einen Knick in die Leitung machen würde. Bei der Neuinstalltion 1982 wurde dies Leitung als einzige nicht erneuert, weil man mehrere Meter lang die Wand hätte aufstemmen müssen und die einzige Steckdose, zu der sie führte, nicht für wichtig erachtet wurde.
Ich hoffe es hat dich interessiert,
Gruß
Peter