Haljöchen,
wenn man ein Haus bewohnt, das unter Denkmalschutz steht, unterliegt man ja vielen Auflagen bei Reparaturen oder Renovierung.
Hat man aber auch Vorteile davon? Vielleicht Zuschüsse zur Erhaltung oder Ähnliches?
Neugierige Grüße
Peggy
Haljöchen,
wenn man ein Haus bewohnt, das unter Denkmalschutz steht, unterliegt man ja vielen Auflagen bei Reparaturen oder Renovierung.
Hat man aber auch Vorteile davon? Vielleicht Zuschüsse zur Erhaltung oder Ähnliches?
Neugierige Grüße
Peggy
Hallo Peggy,
die gibt es in der Regel schon. Am besten kannst du dich beim zuständigen Bauamt/Denkmalschutzbehörde erkundigen, weil es da regionale Unterschiede gibt.
Normalerweise werden die Zuschüße am Anfang vom Jahr vergeben und irgendwann ist der Topf leer (meistens ziemlich schnell).
Gruß,
Maja
wenn man ein Haus bewohnt, das unter Denkmalschutz steht,
unterliegt man ja vielen Auflagen bei Reparaturen oder
Renovierung.Hat man aber auch Vorteile davon? Vielleicht Zuschüsse zur
Erhaltung oder Ähnliches?
Hallo Peggy,
eine zeitgemäße und wirtschaftlich sinnvolle Nutzung schützenswerter Substanz ist ausdrückliches Ziel des Denkmalschutzes. Deshalb beschränkt sich der Denkmalschutz i. d. R. auf die Vermeidung von Stilbrüchen, die das alte Gebäude letztlich ruinieren würden. Die Alu-Haustür als Baumarkt-Sonderangebot hat eben in der historischen Fassade ebenso wenig zu suchen wie die Teakholztür mit Butzenscheiben oder die Frankfurter Betondachpfanne mit Ortgangsteinen. Wer zu derartigen Geschmacksverirrungen fähig ist, sollte das alte Gemäuer lieber abreißen und ein Haus mit Normfenstern bauen.
Mit etwas Sinn für das geschützte Gebäude kann man mit dem Denkmalamt kaum ernsthaft in Konflikt kommen. Vielmehr hat man in den Mitarbeitern des Denkmalamtes qualifizierte und kostenlose (!) Berater bei der Hand, die sich bei Bedarf viel Zeit nehmen und sich mit der Materie beschäftigen. Bei mir bemühen sich 2 Mitarbeiter von gleich 2 Denkmalämtern sogar um die Beschaffung von Baumaterial. Ich brauche z. B. zur Wiederherstellung des Eingangsbereichs als offene Arkadenhalle (***ein Schmuckstück***schwärm***) Ziegel passenden Formats. Klar, die kann man sich anfertigen lassen. Dann werde ich aber arm. 3 Euro pro Stück! Mit den Kontakten des Denkmalamtes wissen die richtigen Leute im ganzen Landkreis Bescheid und schon bekomme ich mein Uralt-Ziegelformat in der gewünschten Menge (fast) kostenlos. Nur abholen muß ich die Steine selbst.
Meine bisherige Erfahrung mit dem Denkmalschutz ist also durchweg positiv. Natürlich habe ich etliche Auflagen bekommen. Nur wären fast alle geforderten Punkte ohnehin in die Planung eingeflossen und letztlich gehen meine Maßnahmen weit über das hinaus, was das Denkmalamt zu fordern gewagt hätte. Die Ämter sind an den Kampf mit Max Bahr-, Praktiker-Markt- und Obi-Kunden gewöhnt und wenn sie merken, daß man sich selbst Gedanken macht und nicht vor hat, das Bauwerk stilistisch zu vergewaltigen, wird die Atmosphäre sehr entspannt.
Es gibt finanzielle Zuwendungen für die Erhaltung des Bauwerks und für die Beseitigung von Schlagbohrmaschinen-Baumarkt-Heimwerker-Sünden. In meinem Fall gibts Geld aus einem Topf „Förderung der Dorferneuerung“ bis zu 40% einer maximal 50 T€ kostenden Sanierungsmaßnahme, sprich: Förderhöchstbetrag 20 T€. Das reicht zwar hinten und vorne nicht, aber es ist ja auch nur ein Zuschuß und 20 T€ haben oder nicht haben…
Wie bei allen Förderungen ist es wichtig, daß mit der Maßnahme vor Antragstellung nicht angefangen werden darf. Die Fördertöpfe sind jetzt sicher längst ausgeschöpft, so daß bei Genehmigung erst 2003 Geld fließt. Man muß für den bezuschußten Teil in Vorlage treten. Geld gibts also nur mit Nachweis der tatsächlich getätigten Ausgaben.
Gruß
Wolfgang
Denkmalschutz - na klar!
Hallo Wolfgang,
… Die Alu-Haustür als Baumarkt-Sonderangebot hat eben in der historischen Fassade ebenso wenig zu suchen wie die Teakholztür mit Butzenscheiben oder die Frankfurter Betondachpfanne mit Ortgangsteinen.
Ich denke, das ist klar. Hintergund meiner Frage war: Unser Haus (Jugendstilvilla) wird von Spaziergängern bestaunt, und Besucher fragen oft, ob es unter Denkmalschutz steht - tut es aber nicht.
Auch ohne Denkmalschutzauflagen haben wir den Charakter des Hauses erhalten. Zum Beispiel die alten Sprossenfenster durch Isolierglasscheiben ersetzt, aber wieder mit echten Sprossen aus Holz. 32 Fenster (wegen der Erker hat manchmal ein einziger Raum vier), das war nicht billig. Dieselben Fenster aus Plastik mit Ganzscheiben und zwischengelegten Pseudosprossen hätten nur einen Bruchteil gekostet.
Wir überlegen deshalb, ob es sinnvoll ist, die Stadt darauf aufmerksam zu machen, dass unser Haus Denkmalstatus haben könnte. Aber wir wollen uns nicht in die Nesseln setzen: Man hört manchmal schlimme Sachen, wo Leute Auflagen bekommen, die zeitgemäße Nutzung eines Objekts unmöglich machen.
Bezieht sich Denkmalschutz eigentlich nur auf das Äußere, oder gibt es dann auch Auflagen bei der inneren Gestaltung? Wir haben schon Wände versetzt - aber den Stuck daran echt rekonstruieren lassen. Auch nicht billig.
Dass wir das Has nicht vermurksen werden, dürfte also klar sein. Aber wir haben doch Sorge, unerfüllbare Auflagen zu bekommen, falls wir schlafende Hunde wecken.
Liebe Grüße
Peggy
Wir überlegen deshalb, ob es sinnvoll ist, die Stadt darauf
aufmerksam zu machen, dass unser Haus Denkmalstatus haben
könnte. Aber wir wollen uns nicht in die Nesseln setzen: Man
hört manchmal schlimme Sachen, wo Leute Auflagen bekommen, die
zeitgemäße Nutzung eines Objekts unmöglich machen.
Hallo Peggy,
beim besten Willen kann ich nicht beurteilen, ob es sinnvoll ist, Dein Haus unter Denkmalschutz stellen zu lassen.
Es könnte Sinn machen, um Zuschüsse für zukünftige Erhaltungsmaßnahmen zu erhalten oder um in unmittelbarer Nachbarschaft nicht zum Denkmal passende Baumaßnahmen zu verhindern. Wenn die Sanierung aber schon weitgehend fertig ist und es sich um eine gewachsene Gegend handelt, wo nicht mehr viel gebaut wird, bringt Dir der Denkmalschutz nichts. Nachträglich gibts keine Zuschüsse und Geld gibts überhaupt nur für Arbeiten an geschützten Teilen des Bauwerks. Wenn z. B. neue Wasser- oder E-Leitungen im denkmalgeschützten Haus fällig sind, werden diese Dinge nicht förderfähig sein.
Vor den Auflagen hätte ich grundsätzlich wenig Angst. Wer die Musik bezahlt, bestimmt immerhin, was gespielt wird. Das Denkmalamt kann kein Interesse haben, die Eigentümer zu demotivieren, bis die womöglich das Bauwerk frustriert verfallen lassen. Viel zu oft kommt es aber vor, daß ein architektonisches Kleinod durch unsachgemäße Umbauten entstellt wird. Im norddeutschen ländlichen Bereich bestehen die häufigsten Schandtaten aus weißen Hauseingangstüren, Vorsatzrolläden, Dachliegefenstern zur Straßenseite, dorfuntypischer Fensterteilung und allen nur erdenklichen Scheußlichkeiten an Vordächern. Manchmal kommt dann noch handwerklicher Murks dazu. Ich sah schon eine silberfarbene Alu-Haustür und Glasbausteine in einer hundertjährigen Reetdachkate, ein Rolltor in einer historischen Fassade und auf eine bemalte Decke geklebte Styroporplatten … Wer solche Dinge im Sinn hat, steht den Vorstellungen des Denkmalschutzes vermutlich verständnislos gegenüber und stöhnt über die Auflagen. Aber solche Leute sollen sich eben kein altes Haus kaufen, wo es doch so schöne Typenhäuser und Blechhallen gibt.
Gruß
Wolfgang
O mei Peggy,
um Himmelswillen keine Behörde auf Denkmalsschutz ansprechen. Die kommen glatt auf die Idee und erfüllen Dir den Wunsch. Aus beruflicher Praxis und selbst zum zweiten Mal Eigentümer eines - nicht - denkmalgeschützten Gebäudes (a) ehem. fürstl. Forsthaus aus dem 16. Jahrhundert mit Barock-Dachstuhl und b) alte Schule geb. 1908) kann ich nur zum absoluten Stillschweigen raten. Es gibt Denkmalschützer, die sind vernünftig, es gibt aber auch solche, bei denen hilft nur die „Umbettung“ (spött. Bezeichnung für Beamte, die versetzt werden müssen).
Ich kenne einen Fall, da hat eine Stadt, Eigentümerin eines bekannten Schlosses, diese Versetzung betrieben, weil eine Denkmalschützerin konsequent und permanent gegen jede wirtschaftliche und auch denkmalgerechte Sanierung war. Die wollte glatt einen auseinanderbrechenden Schloßturm mit unzureichenden Holzkonstruktionen auffangen, was jeder Statiker als hirnrissig bezeichnete (ein Abbruch auf hohem finanziellem Niveau wäre die Folge gewesen). Deshalb hat die Aufsichtsbehörde „umgebettet“ und einen anderen Mitarbeiter die Entscheidung zur sachgerechten Sanierung übertragen.
Daher meine Empfehlung, pflege Dein Haus und lasse die Behörde außen vor! Wenn man jemand, insb. vom Denkmalamt, neugierig ist, dann wimmle ihn ab. Die Steuervorteile oder Zuschüsse sind so bescheiden, daß es sich auch aus diesem Grund wenig lohnt, einen Denkmalschutz anzustreben. Draufzahlen tut derzeit jeder Denkmaleigentümer!